Kundenrezension

87 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Moderate Optimierung des 24-105 mit zweifelhaftem Preisaufschlag, 24. Januar 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Canon Standardzoomobjektiv EF 24-70mm f/1:4L IS USM (77mm Filtergewinde) schwarz (Zubehör)
Als langjähriger Nutzer des EF 4/24-105 IS machte mir das Erscheinen des neuen 4/24-70 IS große Hoffnung auf eine effektive Beseitigung der bekannten Schwächen des alten Immer-drauf-Zooms (Vignettierung, Verzeichnung, begrenzte Randschärfe und vor allem das Durchrutschen der Brennweite bei geneigter Haltung). Trotz des aktuell m.E. nicht angemessenen Preises bestellte ich mir das 4/24-70 um es im Vergleich mit dem 24-105 und auch dem 17-40 zu testen. Das ebenfalls recht neue und optisch wirklich hervorragende EF 2,8/24-70 II ist dabei für mich keine Option, da ich die zusätzliche Blende für meine Zwecke im Outdoorbereich nicht brauche, aber vollem der größere Frontdurchmesser die Neuanschaffung von sehr teuren zusätzlichen Pol- und Graufiltern erfordern würde. Mit dem 4/24-70 könnte ich weiterhin von 17-400 mm nur eine Filtergröße (77mm) nutzen, perfekt!

Für den eher praxisorientierten Vergleichstest an der 5D III mit aufgelegter Hand aus dem Fenster bei eingeschaltetem Stabilisator (sofern vorhanden) standen mir zwei 24-105, zwei 17-40 und eben das neue 4/24-70 zur Verfügung. Die erzeugten RAW-Bilder für die Brennweiten 24, 35, 50 und 70 mm wurden in Lightroom schließlich bei 100% Ansicht verglichen. Generell muss man jedoch beachten, dass nach meiner Erfahrung jedes Objektiv an jeder Kamera etwas anders performt, da nicht nur die Objektive sondern auch die Kameras selbst gewissen Produktionstoleranzen unterliegen die z.B. die Lage des Sensors und des Bajonettanschlusses leicht beeinflussen. Eine absolute Aussage über die Qualität eines Objektives relativiert sich daher, womit solche Vergleiche für mich immer eher nur eine tendenzielle Aussagekraft haben.

Schärfe und Kontrast:
Offen bietet das 24-70 durchgängig einen geringfügigen Mehrgewinn gegenüber den 105ern. Zum Rand hin fällt die Schärfe bei allen Modellen erwartungsgemäß etwas ab, wobei das 70er nur wenig besser ist als das 105er, beim 17-40 ist der Schärfeabfall extrem. Somit kann ich leider nicht die Bewertungen anderer Tester teilen, die beim 24-70 angeblich keinen Schärfeabfall zum Rand feststellen konnten.
Abblenden auf Blende 8 oder höher erweitert die Randschärfe angenehm, wobei das 70er früher und weiter in den Rand geht als das 105er. Das 17-40 erreicht eine halbwegs durchgängige Schärfe erst ab Blende 16, was sehr schade ist, denn im Zentrum ist dieses Objektiv schon viel früher sehr scharf und mind. auf dem Niveau des 24-70.
Insgesamt fiel mir positiv auf, dass das 24-70 wohl recht gut zentriert war und die Abbildungsleistung sehr symmetrisch und gleichmäßig ausfiel, wohingegen alle anderen Objektive jeweils partielle Schwächen ausgeprägter auf einer Seite oder in einer Ecke zeigten.

Vignettierung:
Offen vignettiert das 24-70 insbesondere bei 24 mm sehr deutlich, hier ist kaum ein Unterschied zum 105er zu erkennen. Abblenden bringt Besserung, allerdings sind selbst bei Blende 16 noch dunkle Ecken erkennbar, die das 105er und das 17-40 nicht haben (Basis waren Testfotos einer weißen Wand). Längere Brennweiten reduzieren die Vignettierung merklich. Insgesamt sehe ich allerdings kaum entscheidende Vorteile gegenüber dem 105er, so dass man m.E. hier nicht von einer effektiven Verbesserung reden kann.

Verzeichnung:
An dieser Stelle punktet das 24-70. Die Verzeichnung ist insbesondere bei den kurzen Brennweiten deutlich weniger tonnenförmig als beim hier wirklich schwachen 105er. Auch das 17-40 kann gegenüber dem 24-70 nicht mithalten. Hier hat Canon gute Arbeit geleistet, wenngleich immer noch tonnenförmige Verzeichnung sichtbar bleibt. Der Fortschritt ist allerdings unübersehbar.

Farbsäume:
Deutliche Verbesserung auch hier. Das 24-70 zeigt keine nennenswerten Farbsäume, welche insbesondere das ältere 24-105 aufweist.

Mechanik und Haptik:
Gefühlt ist der Unterschied zum 105er geringer als ich angenommen hatte. Das 24-70 ist zwar leichter und kürzer, jedoch ist der Gewichtsunterschied nur bedingt spürbar und die Gesamtkonstruktion ist prinzipiell identisch. Dennoch fasst sich das 24-70 trotz überwiegender Kunststoffanteile etwas wertiger an als das 105er. Der Brennweiten- und Fokusring lassen sich gefühlt weicher und präziser einstellen, was aber ggf. auch auf das Alter und die resultierende Abnutzung der anderen Testkandidaten zurückzuführen ist. Ganz wichtig: Der Tubus verändert sich auch bei extremer Neigung nicht, die gewählte Brennweite bleibt also erhalten, was primär bei Stativnutzung unabdingbar ist. Die 24-105er haben hier ihre große mechanische Schwäche, denn verschleißbedingt, rutscht der Tubus bei diesen Objektiven in vergleichbaren Situationen irgendwann durch. Fraglich bleibt nur, ob das 24-70 dauerhaft hält oder ob sich auch hier mit der Zeit die Brennweitenverstellung selbständig macht?

Stabilisator:
Klarer Vorteil für das 24-70. Der verbaute Stabilisator der neuen Generation ist merklich effektiver und arbeitet ruhiger, als beim 105er. Somit können Zeiten aus der Hand noch sauber gehalten werden, die beim 105er meist schon zu Ausschuss führen. Im extremen Makrobereich ist der Stabilisator bekanntlich weniger effektiv, weshalb etwas ernsthaftere Makrofotos weiterhin zuverlässig und reproduzierbar nur mit dem Stativ umzusetzen sind.

Makrofunktion:
Das 24-70 weist eine etwas fummelig beidhändig einzustellende Makrofunktion auf, die weit über die max. Vergrößerung des 105er hinausgeht, wobei die Abbildungsleistung im Makrobereich sogar recht ordentlich aussieht. Erkauft wird diese jedoch durch die notwendige Nähe zum Objekt, so dass am Ende wenige Zentimeter Luft bleiben. Tierfotografie ist wg. der nicht einzuhaltenden Fluchtdistanz damit nahezu ausgeschlossen, zudem nimmt man sich selbst das Licht bei maximaler Vergrößerung. Ein Ersatz für ein echtes Makroobjektiv ist das 24-70 somit nicht. Es handelt sich eher um einen willkommenen Notbehelf, wenn man gerade mal kein Makro in der Tasche hat. Der Mehrwert hält sich für mich daher in Grenzen, ist aber dennoch eine deutliche Verbesserung gegenüber dem 24-105.

FAZIT:
Es fällt mir nicht gerade leicht eine eindeutige Bewertung zum 4/24-70 abzugeben. Canon hat einige Schwachpunkte des 24-105 effektiv optimiert (Verzeichnung, Farbsäume, Stabilisator, Makrobereich und vermutlich die Mechanik wenngleich hier Langzeiterfahrungen fehlen). Enttäuschend empfand ich ganz klar die weiterhin eher hohe Vignettierung insbesondere offen und am kurzen Ende. Zwar lassen sich nicht wenige Fotos durch eine leichte Randabdunklung sogar vorteilhaft beeinflussen, da so der Blick des Betrachters bekanntlich in die meist aussagekräftigere Bildmitte gelenkt wird, jedoch möchte ich diesen Effekt eigentlich lieber bewusst vornehmen und nicht vom Objektiv frei Haus geliefert bekommen. Was Schärfe und Kontrast angeht, ist ein eher moderates aber zumindest durchgängiges Plus gegenüber dem 24-105 zu erkennen. Ob dieser Zuwachs jedoch außerhalb einer 100% Betrachtung z.B. beim Druck von Bildern eine Rolle spielt, wage ich zu bezweifeln. Wichtiger erscheint mir hier eher die zumindest bei mir sehr gute Zentrierung und Gleichmäßigkeit des 24-70, die alle anderen Vergleichobjektive nicht hatten. Nicht vergessen darf man natürlich auch, dass den genannten Vorteilen eine Reduktion der Endbrennweite um 35mm gegenübersteht. Dies mag für nicht wenige Nutzer in der Praxis entscheidender sein als der in anderen Bereichen zu erwartende Mehrgewinn. Derjenige, der für den Brennweitenbereich 24-70 die maximale Abbildungsqualität sucht und auf den Stabilisator verzichten kann, im Tausch gegen eine zusätzlich Blende, muss ohnehin zum EF 2,8/24-70 II greifen, das ich schon früher kurz testen konnte. Das neue 2,8/24-70 liegt in Kontrast, Schärfe und auch Randschärfe spätestens ab Blende 4 erkennbar über dem 4/24-70, erfordert jedoch teure Filter der Größe 82. Das Preis-Leistungs-Verhältnis erscheint mir bei beiden Objektiven aufgrund noch sehr hoher Marktpreise grenzwertig. Unter diesem Gesichtspunkt bleibt das ältere und dadurch noch günstige 24-105 klar der Sieger. Letztlich darf bei Canon jeder Fotograf selbst entscheiden, was ihm wichtig ist. Einen Tod muss man dabei leider immer sterben!

Meine Bewertung des 4/24-70:
Leistungsbezogen und preisunabhängig = 4 Sterne,
unter Berücksichtigung des aktuell noch zu hohen Preises = 3 Sterne
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.01.2013 09:52:12 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.01.2013 14:42:30 GMT+01:00
Danke für die ausführliche Rezension. Deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen des Tests von Ken Rockwell.
Von der Auflösung ist dieses Objektiv wohl das Beste nach dem neuen 24-70 2.8 L II USM.
Ich habe das 24-70 2.8 L USM und das 24-105 und will die beiden gerne verkaufen, um mir ein neues Objektiv, das die Schwächen dieser beiden kompensiert, zu kaufen.
Für das 2.8 spricht, dass es jetzt wohl das Beste in dieser Klasse ist. Mich stört allerdings der hohe Preis für ein non IS und der notwendige Kauf von neuen Filtern.
Für das 4er spricht, der neue IS, die 77 mm Filtergröße, die geringste Verzeichnung von allen und kaum CA's. Als Allrounder scheint es wohl die vernünftigste Lösung zu sein.
LG Günther Koglek

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.04.2013 15:27:05 GMT+02:00
Herbert Moll meint:
Hi,

kurz vorweg, hatte ein 28-70L f/2,8 und benutze nun ein 24-105L f/4,0 IS.

"Im extremen Makrobereich ist der Stabilisator bekanntlich weniger effektiv, weshalb etwas ernsthaftere Makrofotos weiterhin zuverlässig und reproduzierbar nur mit dem Stativ umzusetzen sind."

Ja, mit den normalen Standard-Makros ab 60mm, bzw. den Behelfsmakros ist ein Stativ notwendig. Canon hat dieses Problem schon früh erkannt und vor über 25 Jahre mit dem 50-iger Compact-Makro eine Lösung im "Scherben"-Programm aufgenommen. Einfach nur eine gute Lösung, was ich eigentlich von neueren Makrolösungen erwartet hätte, aber niemals wieder so realisiert wurde. Aus gutem Grund gibt es diese Scherbe immer noch und besitzt mittlerweile Kultstatus bei deren Besitzer (habe 2 davon + 1 x zugehörigem LSC).

Sie haben relativ trefflich das aktuelle 24-70-iger L f/4.0 IS beschrieben mit dessen Schwächen und Stärken. Ich hatte mal ein heiß geliebtes 28-70-iger L f/2,8 dessen Autofokus (Alterskrankheit dieser Profi-Scherben) leider irreparabel wurde. Ich bin überzeugt davon, wenn es noch IO wäre würde es bei mir immer noch seinen Dienst tun, denn wirklich bessere Alternativen wurden durch die neueren Modelle nicht geschaffen. Sie wurden NEUER, erhielten eine andere Charakteristik und VIEL TEURER!

Mein persönliche Empfehlung zu den beiden neuen 24-70-iger: Wer ein älteres L-Modell dieser Klasse besitzt behaltet es, es lohnt sich nicht den Aufpreis für die geringen Verbesserungen zu zahlen. Wer noch kein Standard-Zoom dieser Klasse besitz, der bekommt ein sehr gute aber viel zu teure Lösung geboten.
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