Kundenrezension

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verbessert, unspektakulär, ordentlich, 10. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Neujahrskonzert 2013 (Limited Edition) (Audio CD)
Mit dem gebürtigen Linzer Franz Welser-Möst wurde ein Mann Nachfolger Seiji Ozawas als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, den ich, ohne das irgendwie despektierlich zu meinen, als braven Handwerker bezeichnen möchte. Herr Welser-Möst ist sicherlich kein großer Charismatiker und kein Dirigent, der einem Konzert einen großen Glamourfaktor hinzufügen würde. Mit dem alljährlich stattfindenden Neujahrskonzert sind die Wiener Philharmoniker Mittelpunkt eines Ereignisses, das "beinahe" oder sogar real(?) ein Millardenpublikum anzieht, mithin einem der populärsten Ereignisse der klassischen Musikwelt. Sofern Sie mir bei dem oben über ihn gesagten zustimmen ergibt sich daraus, dass Franz Welser-Möst als Dirigent des Neujahrskonzerts nur bedingt geeignet ist. Bei seinem ersten Auftritt im Jahr 2011 wirkte der Maestro auch gehemmt, die "Spaß-Einlagen" wirkten doch arg bieder, das Programm war relativ unspektakulär, das Dirigat solide, ohne irgendwelche Glanzlichter zu setzen.

Wie war es 2013? Aus meiner Sicht präsentierte sich Welser-Möst deutlich verbessert, wirkte lockerer und fröhlicher. Was das Programm betrifft, so kann man geteilter Meinung sein. Wenn wir uns die Neujahrskonzerte der letzten 5 Jahren ins Gedächtnis rufen ragen aus meiner Sicht die Auftritte des Franzosen Georges Prêtre deutlich heraus. Seine Programme enthielten sowohl 2008 als auch 2010 eine Vielzahl an Neuheiten bzw. selten gespielten Stücken, die es wirklich wert waren gespielt zu werden und auch von den Evergreens der "Sträuße" wurden einige herausgegriffen und sehr geschmackvoll dargeboten. Diesem Maßstab wurde Welser-Möst meines Erachtens nicht gerecht. Dennoch finde ich, dass die Programmauswahl dieses Mal weitaus gelungener und ausgewogener war als im Jahr 2011. Dass Wagner und Verdi gehuldigt wurde, war nun keine große Überraschung, die dabei gewählten Stücke waren nicht sonderlich originell, fügten sich aber gut ins Programm ein. Insgesamt hätten es vielleicht ein paar "Evergreens" mehr sein dürfen bzw. fehlte Welser-Möst bei der Auswahl der seltener oder noch nie gewählten Stücke etwas das Fortune, das z.B. Prêtre seinerzeit hatte, aber das Programm erschien mir insgesamt gut gewählt.

Was das Dirigat betrifft, so wirkte Welser-Möst auf mich längst nicht so verkrampft wie 2011. Seine sehr elegante und präzise Schlagtechnik kam weitaus besser zur Geltung. Ihn interpretatorisch zu bewerten erscheint schwer, da viele der Stücke, die dieses Jahr gespielt wurden, erstmals auf dem Programm standen. Bei den Sphärenklängen von Josef Strauß habe ich mal einen Vergleich mit Karajans Neujahrskonzert 1987 gewählt und fand, jenseits klanglicher Unterschiede, die größtenteils auf den Altersunterschied der Aufnahmen zurückzuführen sein dürften erstaunlich wenige Unterschiede. Welser-Möst dirigierte in tendenziell gleichförmigem Zeitmaß, während Karajan langsame Passagen langsamer und schnellere etwas schneller spielen ließ. Einen großen Effekt konnte ich allerdings nicht feststellen. Insgesamt präsentierte sich Welser-Möst als "Mann der Mitte", weder sonderlich hohe noch extrem niedrige Tempi wählend. Die klanglichen Möglichkeiten des opulenten Orchesterapparates nutzte er aus, ohne in Dröhnen oder Lärmen zu verfallen (auch z.B. beim Radetzky-Marsch nicht), Details gingen nicht unter, wobei ich dennoch nicht davon sprechen wollen würde, dass Welser-Möst sehr auf Durchhörbarkeit geachtet hätte. Insgesamt eine souveräne, schwer zu charakterisierende Leistung. Braucht man mehr beim Neujahrskonzert? Insgesamt hat es mir Freude bereitet zuzuschauen und zu -hören, wobei es für mich jetzt auch nicht das Großereignis war, wo ich mir gedacht habe: daran wirst du dich in vielen Jahren noch gut erinnern.

Gesamturteil: Weltspitzenorchester, guter Dirigent, tolle Musik, tolle Tontechnik, also natürlich 5 Sterne und bedingungslose Kaufempfehlung? Im Prinzip: ja. Das große ABER kommt daher, dass das Weltspitzenorchester die tolle Musik jedes Jahr aufführt und die Tontechniker auch schon länger gute Arbeit leisten. Angesichts der Konkurrenz muss ich dann einfach doch etwas abziehen. Wer braucht die CD? Banalerweise wer möglichst alle Neujahrskonzerte haben will. Wer sich nicht bei einer großen Kompletteinspielung oder Sammlung der Musik der Familie Strauß bedienen will, sondern möglichst alles von den Wiener Philharmonikern haben will und hier das Repertoire ergänzen möchte. Wer braucht sie nicht? Meiner Meinung nach gibt es besseres, wenn Sie auf der Suche nach z.B. den Top 5 der Neujahrskonzerte suchen, da würde ich persönlich die beiden Auftritte von Kleiber (1989, 1992), Prêtre (2008 und 2010) und den Auftritt Karajans (1987) ins Kalkül ziehen und unter den Alternativen käme Welser-Möst erst sehr spät in meiner Aufzählung. Es war keine Sternstunde, wobei ich es auch irgendwie inadäquat finde für ein Produkt dieser Qualität nur 1 Stern zu vergeben. Kann man geteilter Meinung sein - die Sterninflation bei Amazon ist manchmal auch nicht unproblematisch, aber Orchester, Komponisten und Tonqualität allein schon stehen für Minimum 3 Sterne.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.01.2013 22:29:26 GMT+01:00
gemihaus meint:
wie bitte, ein mann, welser-möst, nachfolger des wiener generalmusikdirektors ozawa-?

Veröffentlicht am 23.01.2013 17:25:03 GMT+01:00
CD-freak meint:
Danke für Ihre sehr ausführliche Beschreibung. Auch ich sehe das so. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass Franz WELSER-Möst kein gebürtiger Linzer ist, sondern - wie der Künstlername schon sagt - aus WELS kommt. Diese Stadt liegt ca. 30 km von Linz in östlicher Richtung.
Bei den Top 5 ihrer Neujahrskonzerte scheint auch das von Karajan auf. Ich besitze mit einer Ausnahme (2005) alle diese Konzerte, aber jenes mit HvK war mit SICHERHEIT das allerschlechteste! Die Tempos verschleppt, das Spritzige der Musik fehlt, und wenn man dem Interview das HvK ca. ein halbes Jahr später im ORF gegeben hat Glauben schenken darf so ist der Satz aus diesem Interview auch hörbar: Am meisten Angst habe ich gehabt, vor dem Neujahrskonzert, weil ich noch nie Walzer mit den Wiener Philharmoniker dirigiert habe! - So ist halt das rausgekommen, was zu hören ist: HvK hat die Wiener einfach spielen lassen.
Meiner Meinung nach gibt es nur ein einziges NJ-Konzert, dass man wirklich haben muss: Carlos Kleiber 1989 (übrigens das erste, das als GANZES aufgelegt wurde.
lg aus österreich

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.01.2013 17:32:45 GMT+01:00
CD-freak meint:
Ja, das stimmt. Franz Welser-Möst ist generalmusikdirektor der wiener staatsoper, für die organisatorischen Belang ist Dominic Meyer (ehemals in Paris tätig) zuständig
freundliche Grüße aus Wels
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