Kundenrezension

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wo die Sonne des Geistes tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten, 11. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Doctrine (Audio CD)
23 Jahre nach dem Debüt-Album 'Malleus Malleficarum': Das Death Metal Genre hat seine Grenzen längst ausgelotet. Schneller, härter, tiefer; alles tausendfach gehört. Was kann uns also eine neue Pestilence-CD bieten?

Patrick Mameli, einzige Konstante im Projekt Pestilence, hat seinen Platz in der Geschichtsschreibung extremer Musik längst erarbeitet und selbstverständlich auch verdient. Messen lassen muss er sich heute aber an seinen eigenen früheren Glanztaten sowie der oben gestellten Frage, was eine Death Metal Band 2011 überhaupt noch Neues zu bieten haben kann. Mameli versucht die Extreme, und damit leider auch die Klischees, weiter bis an ihre Grenzen auszuquetschen. Schneller? Ja, auch Doctrine hat wieder einige Blast Speed Parts. Eher überflüssig und bei Morbid Angel seit 20 Jahren als Trademark weitaus besser perfektioniert. Härter? Ja, Mamelis Vocals sind auf dem neuen Album tatsächlich die besten, die er je aufgenommen hat. Innerhalb des Spektrums relativ facettenreich, kreischt und grunzt er sich durch das Album und versteht es, mit den limitierten Möglichkeiten bestmöglich zu spielen. Gefällt. Tiefer? Ja, die beiden Gitarristen lassen sich von Ibanez endorsen und hacken jetzt auf 8 Saiten über das Griffbrett. Kann man machen, muss man aber nicht. Nicht nur vom grundsätzlichen Anspruch, sondern auch audiotechnisch fehlt mir bei der Produktion insgesamt dennoch die Tiefe. Apropos Tiefe: Bassist Thesseling hat einen schönen Fretless-Sound und weiß an der ein oder anderen Stelle zu glänzen, bei 'Deception' sogar mit einem kurzen und geschmackvollen Solo. Die Produktion von Doctrine ist ingesamt kristallklar und an dem ewigen Vorbild Death orientiert, ohne deren in besten Zeiten eingefangene Brutalität wirklich replizieren zu können. Live wird aber auch der beste Musiker wie immer bei dieser Art von Musik im Soundmatsch untergehen. Perlen vor die Säue... Positiv darf in diesem Kontext auch erwähnt werden, dass sich die Selbstverliebtheit von Mameli, der sich in aktuellen Interviews wieder gerne als Amadeus des Death Metal darstellt, zum Glück nicht in Form von ausschweifendem Gitarrensoli-Gedudel niederschlägt. Im Gegenteil, halten sich beide Gitarristen diesbezüglich angenehm zurück.

Pestilence sehen sich gerne als jazzinspirierte, technische Band. Aber ein paar Jazz Fusion CDs im Schrank zu haben, macht einen natürlich noch nicht zum Jazzmusiker. Und auch kurze Ausflüge abseits von 4/4 Rhythmen lassen Doctrine immer noch Lichtjahre davon entfernt sein, in irgendeiner Weise etwas mit Jazz zu tun zu haben. Es wäre deshalb begrüßenswert, wenn die Niederländer nicht ständig versuchen würden, sich in Interviews in dieses Licht zu stellen. Technisch anspruchsvoll? Inmitten der Lärmbands, die sich unter dem Deckmantel vorgetäuschter Extremität auf den Markt drängen, sind Pestilence eine Oase der Hoffnung. Aber: wo die Sonne des Geistes tief steht, werfen eben auch Zwerge lange Schatten. Innovativ ist das Ganze dadurch jedoch leider noch lange nicht.

Auf einzelne Songs einzugehen lohnt sich im Detail nicht, da außer dem rundum gelungenen 'Sinister' keine Nummer richtig heraussticht. Und trotz aller Kritik kann Doctrine Spaß machen, wenn einem der Sinn nach einer aggressiven Ladung Death Metal steht und man es nicht bis zum nächsten Monat erscheinenden Morbid Angel Album abwarten kann. Referenzwerke und Empfehlungen für interessierte Neueinsteiger bleiben ansonsten die Klassiker aus der Hochphase von Pestilence und der Death Metal Bewegung allgemein, 'Consuming Impulse' und 'Testimony of the Ancients'. Starke 3 Punkte.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.05.2011 11:58:06 GMT+02:00
M. Bruss meint:
Schöne Rezension: Differenziert, deutlich, nachvollziehbar. Bin auf das Album gespannt - bestellt hab ich es ja dennoch ;)

Veröffentlicht am 13.05.2011 08:12:46 GMT+02:00
muffy666 meint:
Sehr gute und objektive Rezi. Besonders gelungen: das schonungslose Offenlegen, dass 8 Saiten nicht zwingend brutaler / besser sind und dass die Strapazierung des Begriffs 'Jazz' im Pestilence Kontext eher peinlich ist.

Mameli wollte mal wieder zu viel und hat das ausser Acht gelassen, was die Leute hoeren wollen und was er an besten kann. Herausgekommen ist wieder so ein ueberladener, unpersoenlicher Klumpen wie Spheres.

Veröffentlicht am 02.08.2012 21:51:59 GMT+02:00
Ulrich Hess meint:
Scheiß' auf Innovation! \m/\m/
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