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'Nichts fehlte, außer mir. Ich war anderswo.',
6. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Schmetterling und Taucherglocke (Taschenbuch)
Inhalt:
Im Alter von 43 Jahren erlitt Jean-Dominique Bauby, Chefredakteur der 'Elle', einen Hirnstamm-Infarkt, woraufhin er vollständig gelähmt war, nicht sprechen und nur durch Blinzeln mit seiner Umwelt interagieren konnte.
'Schmetterling und Taucherglocke' wurde von Bauby mit seinem linken Augenlid diktiert. Bauby starb nur wenige Tage nach der Erstveröffentlichung in Frankreich an Herzversagen.
Mein Eindruck:
Bauby erzählt voller Sarkasmus und Galgenhumor von seinem Leben vor und nach seinem Stammhirn-Infarkt. Bisweilen möchte man lachen ob seines Wortwitzes, doch bleibt einem das Lachen sofort im Halse stecken. Seine Sicht der Dinge ist gnadenlos und trifft ins Schwarze. Dies wirkt sicherlich für viele verstörend, ist meiner Meinung nach jedoch absolut authentisch.
Ich habe bereits mit Locked-in-Patienten gearbeitet und finde den Perspektivenwechsel, den Bauby bietet, spannend und zugleich erschütternd. Dinge bekommen eine völlig neue Wertigkeit. Als besonders einprägsam empfand ich die Situation, als Bauby zum ersten Mal in einen Rollstuhl mobilisiert wurde - etwas, von dem man glaubt, dass es der Patient selbst als Fortschritt erlebt, dass er froh ist, dass er das Bett verlassen kann, dass man ihm einen Gefallen tut. Bauby sagt dazu: 'Vom bloß Kranken war ich zum Behinderten geworden.' und '['] aber ich bin ruhig geblieben, ganz damit beschäftigt, die brutale Abwertung meiner Zukunftsperspektive zu ermessen.'.
Ich empfinde Baubys Buch als hochgradig emotional, obwohl einige Rezensenten die Emotionslosigkeit bemängelten. Bauby ist wütend, enttäuscht, verzweifelt, trauert um sein verlorenes Leben, weint diskret.
Mein Resümee:
Ein erschütterndes und bewegendes Zeugnis eines Patienten mit Locked-in-Syndrom.
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