19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Emotionales Kammerspiel zweier Denker,
15. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Und Nietzsche weinte (DVD)
Josef Breuer (Ben Cross) ist ein renommierter Nervenarzt und praktiziert im späten 19. Jahrhundert in Wien. Gesellschaftlich hoch anerkannt - durch Frau und drei Kindern auch familiär gefestigt - führt er ein erfolgreiches Leben in Reichtum und Ansehen. Eines Tages wird er von Lou Salome (Katheryn Winnick) aufgesucht, die ihn um seine fachärztliche Hilfe für ihren Bekannten Friedrich Nietzsche (Armand Assante) bittet. Schnell kommen sich beide Männer der Wissenschaft näher und entdecken, dass sie sich gegenseitig helfen können.
Der als Drama zu klassifizierende Film von Regisseur Pinchas Perry zieht den Zuschauer schnell in seinen Bann und lässt ihn nur langsam wieder los. Die Sitzungen von Nietzsche und Breuer entwickeln rasch eine eigene Dynamik, beide Charaktere erkunden ihre tief liegenden dunklen Seiten und therapieren sich Stück für Stück. Jede Figuren gelangt zu einem neuen Blick auf das eigene Leben, einer erweiterten Auffassung ihres Schaffens.
Der Wechsel der Charaktere in die Rollen Arzt und Patient, sowie die gegenseitige Annäherung, aber auch das stetige Hinterfragen der Meinung des anderen machen diesen Film so fesselnd. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich beide Denker und Wissenschaftler ein ums andere Mal mit Theorien und Ansätzen analysieren und ausfüllen. Das Ganze ist einem Kammerspiel ähnlich und reduziert sich alsbald auf die persönliche Entwicklung der beiden Hauptfiguren. Die Schauspielerleistungen sind klasse, beide Darsteller verkörpern ihre Figuren äußerst glaubwürdig und verleihen ihnen scheinbar spielerisch die nötige Authentizität. Der einfühlsame Film beleuchtet zudem ein wenig die Arbeiten Nietzsches, Freuds und Breuers.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?