Kundenrezension

93 von 115 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Authentisch und wirklich unterhaltsam!, 22. Juni 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: In kleinen Gruppen, ohne Gesänge!: Unterwegs mit den Hamburg Hooligans (Broschiert)
Ein witziges und 100% authentisches Buch von einem echten Insider mit gutem Humor und simpler Sprache. Es lebt durch seine tollen Geschichten, welche die Hamburg Hooligans in den Jahren selbst geschrieben haben - der Autor gibt sie nur wieder. Und das macht er gut. Ich kann das beurteuilen, denn ich war früher einer der Protagonisten aus dem Buch.

Das Beste am Buch ist, dass die beschriebenen Gewalttaten eher Nebenschauplätze sind, und damit wird das Machwerk unserem Credo von damals gerecht, denn zwar stand immer Gewalt im Raum, Ziel war aber primär Spaß! Wir Hamburger Hooligans waren eine coole Truppe, wo nicht der Bizeps alleine entschied, sondern vor allem der Humor, die Coolness und der Mut. Nicht ohne Grund waren wir damals die wohl am meisten respektierte und beliebteste Truppe in Deutschland. Wo wir waren, war immer was los, egal ob mit Fäusten oder mit Quatsch, letzterer oftmals sogar zusammen mit dem Gegner, und das machte den Unterschied zu den anderen Hooligans aus... wir waren nicht immer die Besten - wohl aber die Geilsten!

Abschließend muss ich aber die schwache Selbstreflexion des Autors zum Ende des Buches bemängeln. Der Autor schreibt, dass die Hamburg Hooligans fast alles nette Kerle waren, lustige Burschen, die eigentlich gar nicht böse oder geistig belastet waren. Aus allen wäre am Ende des Tages noch etwas geworden - mit wenigen kriminellen Ausnahmen. Diese Aussage kann ich so nicht bestätigen, und deshalb gebe ich dem Buch einen Stern weniger als die Höchstwertung zulassen würde. Zu viele Psychopaten waren damals dabei, angefangen von Leuten, die Polizisten faustgroße Steine ins Gesicht geschlagen oder Leuchtkugeln unter das Visier der Helme geschossen und sich damit gebrüstet haben (Mailand 1990), über ehrenwerte Ultras, die diverse Herrenausstatter in ganz Deutschland planstabsmäßig überfallen haben (inklusive nächtlicher Einbrüche), um an die teuren Edelklamotten a la Iceberg, Best Company und Armani zu kommen, bis hin zu den Helden, die auf einer Zugfahrt ein polnisches Mädchen auf der Zugtoilette vergewaltigt haben. Auch die anfangs genialen L&T-Touren waren schon bald nicht mehr das, was sie mal sein sollten. Von diversen Diebestouren (insbesondere in Ostdeutschland nach der Maueröffnung) in Fotogeschäften, teure Sachbeschädigungen oftmals ohne Grund und Körperverletzungen an Nichtbeteiligten (wenn ich da an die Toilettenhäuschen denke, die die 20 Meter hohen Stadiontreppen im Ostseestadion in Rostock runtergeworfen wurden, obwohl noch unbeteiligte Leute drinnen auf Klo saßen) ganz zu schweigen. Ja, das waren Ausnahmen, aber wir haben sie alle geduldet und waren irgendwo auch alle mitschuldig. Und echte Freunde waren wir alle bis auf wenige Ausnahmen nie, eher sehr gute Bekannte mit einem gemeinsamen Hobby. Wer etwas anderes behauptet, belügt sich wohl selbst - auch wenn es sicher Ausnahmen gab, so wie bei dem Autoren. Wir waren mehr oder weniger liebenswerte Asoziale und in der Definition des Gesetzes de facto Kriminelle. So ehrlich und selbstreflektierend sollte man schon sein. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht... =)

Für Insider wie mich hat dieses Buch sicher einen besonderen Wert, denn es beschreibt einen Teil meines Lebens, der sonst nur noch im Kopf, bei Erinnerungen mit Damaligen oder auf Fotos stattfindet. Für die Dabeigewesenen müsste man also eigentlich 6 Sterne bei Amazon vergeben. 4 Sterne für alle anderen sind allerdings meiner Meinung nach eine sehr gute Bewertung, da das Buch eben nicht perfekt ist, zu 5 Sternen fehlt noch ein bisschen mehr Qualität. So ist die Rhetorik zwar meistens ganz witzig, aber trotzdem simpel. Außerdem findet man einige Fehler (die Hauerei mit den Nürnbergern fand in einem Industriegebiet in Fürth statt!).

Trotzdem sticht das Buch aus den armseligen Hooliganbüchern aus England heraus, sowohl bei der Rhetorik, dem Inhalt als auch bei der Qualität des Humors. Es ist eine Zeitreise in eine Epoche und eine Szene, die so nie wieder existieren wird - und somit ein wichtiges, vor allem bislang einzigartiges und absolut authentisches Zeitzeugnis, wie man es sonst nicht bekommt. Zudem ist es flüssig zu lesen und strotzt nur so vor Witz. Danke Alexander, dass Du uns mit Deinem Werk (und den witzigen Anekdoten neben den Hauereien) noch einmal an dieser Zeit teilhaben lässt. Daher meine absolute Kaufempfehlung!

Was waren wir doch für eine geniale, aber asoziale und latent kriminelle Truppe. Humbahumba Tätära! Wir lieben dicke Titten und den Suff... gerade gegen ungerade! All together now! Mir kommen die Tränen, wenn ich an damals denke, es war eine Zeit, die man niemals vergessen wird... aber die ist vorbei - und das ist auch gut so.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.08.2010 18:08:39 GMT+02:00
Traumstunde meint:
Eigentlich sind Bücher dieser Art durchaus etwas positives. Die dargestellten Geschichten können außenstehende zwar nicht bestätigen oder beurteilen, erscheinen mir persönlich aber dennoch als authentisch und ehrlich... Ich komme aus einer Szene, die einen ähnlichen Hang zur Militanz, Gewalt und Adrenalin-Kicks hat, diese Faktoren aber zu keiner Zeit als spaß- und lustbegründet definieren würde, sondern immer "politische Ideologien" und "politische Notwendigkeiten" für ihr handeln angeben muss, obwohl in 70% der Fälle eben auch nur Hooliganismus hinter den Auseinandersetzungen steckt. Straßenschlachten können eben auch Spaß machen, so traurig diese menschliche Erkenntnis nunmal klingen mag. Hooligans schreiben mitunter sehr offen, dass nicht alles richtig war, was sie in ihrer wilden Zeit erlebt haben, aber sie verweisen in einer ehrlichen Art und Weise auf den eigentlichen Kick, den Trieb der in uns Menschen einfach steckt.
Hools sind sich selber gegenüber oft sehr ehrlich, leider schmücken sie ihre Erlebnisse gerne mal zu sehr aus. Bei den Autonomen ist es umgekehrt; sie verhalten sich stets ambivalent gegenüber ihrer Motivation (Krawalle zu erleben, obwohl man angeblich gegen Gewalt sein möchte), bleiben in ihren Geschichten aber meist auf den Boden der Tatsachen und schreiben lieber Bücher über Politik, als über ihre eigentlichen Ambitionen... ;-)
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Ort: Hamburg

Top-Rezensenten Rang: 25.510