Kundenrezension

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider nicht der irdische Sound, den ich mir gewünscht hätte, 8. April 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Elvis: Prince from Another Planet (Deluxe Version) (Audio CD)
Die vorangegangenen Besprechungen lieferten bereits eine Fülle von Informationen. Bei ihrer Vorab-Lektüre wurde mir jedoch wieder einmal bewusst, wie verschieden die Hörgeschmäcker sind. Und da meine Ohren den Sound in wesentlichen Punkten anders wahrgenommen haben, beschloss ich, mich noch einmal aus meiner Sicht nur mit dem speziellen Thema des Sounds der beiden CDs zu beschäftigen.
Den Schlüsselsatz zum Verständnis der vorliegenden Ausgabe, und damit auch zu meinen Problemen damit, finden wir auf Seite 5 des Beilagebuches der CD: "Neu gemischt von Michael H.Brauer, will "Prince From Another Planet" demonstrieren, wie es gewesen wäre, in der vierten Reihe im Publikum zu sitzen, von der Musik in voller Gewalt getroffen zu werden, und alles außer dem Mann und seiner Musik zu vergessen. Spielen Sie es laut."

Die Nachmittagsshow:
Mein Vergleichsmaßstab war die BMG-CD "An Afternoon In The Garden" von 1997. Zunächst eine Anmerkung zur Laufzeit. Die alte Version spielte mit 60:39 min um insgesamt etwa 2 Sekunden länger als die neue. Das Einblenden in den Beifall setzte damals jedoch 5 Sekunden eher ein als jetzt, so dass beim Beginn des ersten Liedes auf der aktuellen CD die Zeitanzeige um gerade diese 5 Sekunden zurück ist. Bis zum Ende des Konzerts hat sich dieser Unterschied jedoch genau ausgeglichen. Die Bandgeschwindigkeit der neuen Version ist also, mit 5 Sekunden auf eine Stunde, ganz geringfügig langsamer. In der Tonhöhe wahrnehmbar dürfte dieser Unterschied auch für ein geschultes Ohr nicht mehr sein. Am Ende lief dann der Beifall auf der alten Version noch um rund 3 Sekunden länger als hier. Wichtiges am Anfang oder am Ende haben wir aber nicht verpasst. Auch während der Show konnte ich keinerlei Schnittunterschiede feststellen. Das Konzert war also vermutlich damals wie heute komplett.

Große Differenzen gibt es dagegen in der Abmischung. Sony ging für die neue Version auf die originalen Mehrspurbänder zurück, und setzte dabei nicht nur einige Instrumente und Stimmen an räumlich andere Positionen. Der Applaus wurde merklich lauter gestellt, und deckt damit manchmal Details in leisen Passagen zu. Auch die Instrumente und der Chor sind jetzt lauter. Innerhalb des Chores erhielten die Frauenstimmen mehr Gewicht, die man an manchen Stellen der alten Abmischung kaum wahrnahm. Ein klarer Nachteil des neuen Mixes ist für mich, dass Elvis' Stimme jetzt deutlich mehr im allgemeinen Klangbild versinkt, und nicht mehr so klar und präsent ist wie in der alten Version. Hinzu kommt, wen wundert das BMG/Sony/FTD, der dort so beliebte Kraftgriff zum Halleffekt. Dieser lässt sowohl Elvis als auch die Begleitung ein Stück im Raum versinken, und sägt damit zusätzlich an der Präsenz des Klanges. Elvis' Stimme allein wurde darüber hinaus sogar noch ein zweiter Effekt übergestülpt, in Form eines leicht verzögerten Echos, das stellenweise so laut ist, dass es seine Stimme zu verdoppeln scheint. Vielleicht soll dieser Effekt Schallreflexionen in der spezifischen Raumakustik des Madison Square Garden nachbilden, denn auch im Originalmaster der Abendshow hört man so etwas - allerdings nur ganz minimal, und nicht über Elvis' Stimme liegend, sondern von den Seiten kommend. Das ist aber nur eine Spekulation.

Erwähnen möchte ich schließlich auch noch die Aussteuerung der Aufnahme. Es gibt leider schon seit Jahren den allgemeinen Trend, die Musik auf CDs so laut wie möglich erscheinen zu lassen - was eigentlich völlig unnötig ist, weil ja jeder, der es lauter wünscht, auch selbst einfach an dem großen Knopf seines Verstärkers drehen kann. Wird das jedoch bereits beim Mastern gemacht, erfordert es den Einsatz von Begrenzern, damit dann die lautesten Stellen nicht übersteuert werden. Die Dynamik, das heißt der Unterschied zwischen den leisesten und lautesten Stellen der Musik, wird damit kleiner, und alles wird mehr oder weniger nivelliert. Schaut man sich die Pegelverteilung der alten und der neuen Version mit einer Audio-Software auf dem PC an, so sieht man bei der aktuellen CD genau diesen Effekt. Bewusst hörbar ist er für das Ohr nicht immer. Aber an einigen Stellen, insbesondere bei den fulminanten Schlusssequenzen einiger Lieder, wenn Elvis' Stimme über sich selbst hinauszuwachsen scheint, bemerkte ich im direkten Vergleich mit Kopfhörern doch deutlich, dass es auf der alten CD noch eine Steigerung des Volumens gab, während auf der neuen CD die Lautstärke schon am Anschlag war, und nichts mehr zulegen konnte. Und noch ein weiteres Problem fiel mir auf: Trotz des Begrenzers kommt es an einigen besonders lauten Stellen der aktuellen CD, wenn Elvis' Stimmgipfel sich mit dem zu laut gestellten Applaus vereint, zu mit dem Kopfhörer wahrnehmbaren Verzerrungen, die es auf der alten Version nicht gab.

Unter all diesen Gesichtspunkten ist mein persönlicher Favorit mit klarem Abstand die alte Version.

Die Abendshow:
Hier fällt mir die Wahl meiner bevorzugten Version deutlich schwerer. Das liegt allerdings nicht an der Güte des jetzt Gebotenen, denn auch hier hat der Mix dieselben, in meinen Ohren negativen Eigenschaften wie die Nachmittagsshow. Das Problem besteht vielmehr darin, dass es keine guten Alternativen gibt. Der originale LP-Master, von dem später auch die CDs hergestellt wurden, klang vergleichsweise dumpf, war bereits für die LP in seiner Dynamik komprimiert worden - schon unter dem Aspekt, über 50 Minuten auf einer einzelnen LP unterbringen zu wollen - und hatte auch technische Mängel wie gelegentliche leichte Verzerrungen sowie einige kurze Tonschwankungen auf der einen oder anderen Stereospur. Die europäische und die amerikanische CD nahmen sich dabei qualitativ nichts. Relativ noch am besten kam für meinen Geschmack der Sound auf der japanischen CD herüber, deren 1985er Ausgabe hier für mich der Vergleichsmaßstab war. Und diese japanische Version ist es auch, die am Ende trotz ihrer technischen Grenzen sowie der nachfolgend beschriebenen leichten Kürzungen bei mir noch um einen Hauch nach Punkten gewinnt. Denn sie vermittelt einfach ein präsenteres und authentischeres Hörgefühl, als der diffuse neue Mix. Da gab es Elvis, die Bläsergruppe, den Chor, James Burtons Gitarre und Jerry Scheffs Bass, alle klar im Stereopanorama positioniert, so dass man mit dem Finger auf sie hätte zeigen können - und nicht wie jetzt mehr oder weniger aus dem Raumhall kommend, so wie die Geister, die ich nicht rief.

Zur Laufzeit: Der Beginn der Aufnahme liegt in alter und neuer Version an derselben Stelle. Innerhalb des LP-Masters gab es zwei minimale Kürzungen, die jetzt wieder komplett sind. Zum einen handelte es sich um rund 5 Sekunden reinen Applaus zwischen "Love Me Tender" und "The Impossible Dream", also an der Übergangsstelle zwischen den beiden Seiten der LP. Auf der LP blendete man dort aus, und für die CD ließ man die Ausblendung einfach weg, um eine durchlaufende Show ohne Unterbrechung zu präsentieren. Dann kam auf der LP noch ein merkwürdiger Schnitt von knappen 2 Sekunden direkt vor Beginn der Bandvorstellung, bei dem ein völlig harmloses Räuspern von Elvis entfernt wurde. Bis zum Ende der LP nach dem bekannten "Elvis has left the building" beträgt die Laufzeit der alten Version 52:46 min, und die der neuen (wenn man die beiden zusätzlichen Teile wieder herausrechnet) 52:55 min. Es gibt also von Sony auch hier eine ganz geringfügige Verlangsamung. Für wirklich hörbar halte ich diese aber nicht. Insofern denke ich, dass die in manchen Kommentaren zu dieser Veröffentlichung angeführte "Geschwindigkeitskorrektur" für die Wahl des persönlichen Favoriten keine große Rolle spielt. Zusätzlich zur LP geht es am Ende jetzt noch NEU genau eine Minute weiter, und zwar mit der dem "Elvis has left the building" folgenden Werbeansage aus dem Konzertsaal: ein paar Restkarten für die morgige Nachmittagsshow sind noch vorhanden, und natürlich stehen auch speziell für dieses Gastspiel gefertigte Souvenirs zum Verkauf bereit.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass es in der Abendshow beim neuen Mix nicht nur räumliche Veränderungen gibt, sondern man jetzt auch noch stellenweise neu einzelne Bestandteile hört, die auf der LP nicht mit abgemischt wurden. Konkret handelt es sich dabei einerseits um eine (echte) zweite Gesangsstimme hinter Elvis (vermutlich Charlie Hodge - nicht zu verwechseln mit dem bereits früher genannten doppelten Echo auf Elvis' Stimme), die früher in "Never Been To Spain" und "Suspicious Minds" gar nicht und in "For The Good Times" nur viel kürzer auftauchte. Zum anderen betrifft es die Geiger, die auf der LP in "Suspicious Minds" ganz fehlten, sowie in "You've Lost That Lovin' Feelin'" und "An American Trilogy" stark gekürzt waren.

Mein Fazit: Bereits mit der DVD und insbesondere dem schönen Büchlein im Schuber ist der Kaufpreis dieses Teils sicher schon abgegolten, und die Box somit allemal ein Kauftipp. Mit den CDs kann ich mich nicht anfreunden. Ihr Sound wirkt auf mich modern, nicht historisch - vielleicht muss man dafür schon einer anderen, jüngeren Hörergeneration angehören, die mit solchen Mixen aufgewachsen ist, und den originalen Sound der 70er Jahre nicht mehr kennt. Wer die alten Versionen der beiden Konzerte noch besitzt, sollte sie sich - gegebenenfalls als Ergänzung zur neuen Box - vielleicht lieber gut bewahren, als sie billig zu verramschen. Eine gute und preiswertere Alternatibve ist auch die "Legacy Edition" Doppel-CD.

Falls Sie sich für das Thema Elvis Presley interessieren, finden Sie auch weitere meiner Rezensionen zu speziellen Sammler-Veröffentlichungen auf der Homepage unseres Vereines, des "Elvis Club Berlin e.V.".
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.05.2014 11:59:37 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.05.2014 12:03:09 GMT+02:00
sehr gute und fundierte Besprechung, auch wenn ich ihre Ansicht nicht teile.
Gerade über Kopfhörer - in ansprechender Lautstärke - ziehe ich diese Version den älteren Ausgaben vor da der Mix, für meine Ohren, ein tolles Livefeeling vermittelt. Was nicht bedeutet das es für die Konzertbesucher so geklungen hat, das nun ganz und gar nicht, aber der "Knalleffekt" passt für meinen Geschmack sehr gut zur Aufregung eines Konzerterlebniss.
Und ein so differenzierter Mix wie z.B. bei der neuen Ausgabe der Memphis Show scheint hier nicht möglich zu sein. Allein die Tatsache das die Drums von R. Tutt auf allen Ausgaben die ich kenne schrottig klingt, scheint mir ein sicheres Indiz dafür zu sein das hier nicht optimal aufgenommen wurde.
Die snare klingt nun wirklich auf allen Veröffentlichungen saftlos.
Da ist ein "knalliger", halliger Mix für mich dann einem halbguten, pseudo differenzierten vorzuziehen.

Aber das ist Geschmackssache und nur meine persönliche Einschätzung.

Veröffentlicht am 29.06.2014 12:39:27 GMT+02:00
deke meint:
Die Rezension passt wohl eher ins Forum des ECB (da gibt es genug Angeber, die sich "Experten" schimpfen) als hier her. Ich habe meine Meinung anderswo auch schon kund getan. Eine der besten Veröffentlichungen der letzen Jahre. MSG hat noch nie besser geklungen! Vielleicht sollten sie einfach mal den Kopfhörer abnehmen und das ganze über ne gute Anlage mal hören. Der Sound ist großartig. Gruß von einem der es wissen muss ;)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.08.2014 09:59:50 GMT+02:00
ECB meint:
Danke! Ich freue mich wirklich, von einem zu hören, der weiß, dass er es wissen muss. Nun sind wir wohl schon zwei auf dieser Welt...
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