Kundenrezension

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das romulanische Schisma endet, 4. Januar 2011
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Rezension bezieht sich auf: Star Trek: Typhon Pact #3: Rough Beasts of Empire (Taschenbuch)
ACHTUNG - SPOILER!

Vorbemerkung
Rough Beasts of Empire spielt vor dem Zeitraum der Haupthandlung von Zero Sum Game, dem ersten Band der Typhon Pact-Reihe, zwischen Herbst 2381 und Frühjahr 2382.

Inhalt
Im Roman Articles of the Federation, der sich über das gesamte Jahr 2380 erstreckt, erlebten wir, wie die romulanische Nation in zwei Separatreiche zerfiel: auf der einen Seite das nun verkümmerte romulanische Sternenimperium unter Prätorin Tal'Aura, auf der anderen Seite den imperialen romulanischen Staat unter Imperatorin Donatra. Eine politische Entwicklung von solcher Tragweite wäre nicht ohne weiteres denkbar gewesen ohne die tiefsitzende Feindschaft der beiden Regentinnen, die in Nemesis und dem TNG-Buch Death in Winter ihren Ausgang nahm. Ausgestattet mit quasi-diktatorischen Vollmachten, stellten sich Tal'Aura und Donatra an die Spitze ihrer jeweiligen Staaten und begannen auf dem Rücken ihres eigenen Volkes einen erbitterten Bruderkrieg auszutragen, der früh eine entscheidende Folge zeitigte: Die Romulaner erlebten in Rekordgeschwindigkeit einen machtpolitischen Niedergang, zumal beide Gebilde - Sternenimperium und imperialer Staat - für sich nur bedingt autark sind.

Die Unversöhnlichkeit zwischen Tal'Aura und Donatra trägt nach den Destiny-Ereignissen erheblich dazu bei, dass beide Herrscherinnen ihre Reiche in unterschiedliche Blöcke hineinmanövrieren: Tal'Aura das Sternenimperium in den Typhon-Pakt, Donatra in ein Bündnis mit Föderation und Klingonen. Weil die neue Bipolarität im Quadrantengefüge die romulanische Teilung nun auf absehbare Zeit zu zementieren droht, beginnt sich in beiden Reichen Missmut und sogar Protest gegen ihre selbstherrlich agierenden Regentinnen zu regen. Hier nimmt Rough Beasts of Empire seinen Ausgang: Besonders Tal'Aura, die den Senat seit Shinzons Staatsstreich niemals wieder in seiner eigentlichen Funktion einsetzte, wird in Bevölkerungs- und Elitenkreisen zum Vorwurf gemacht, sie hätte mit ihrer frühzeitigen Entscheidung für den Typhon-Pakt nicht nur das romulanische Schisma verfestigt, sondern zudem das in sich kaum überlebensfähige Sternenimperium (die romulanischen 'Kornkammern' liegen nämlich in Donatras Territorium) von Versorgungs- und Hilfslieferungen fremder Mächte abhängig gemacht. Es ist in erster Linie die - sei Tal'Auras Machtergreifung weitenteils entmachtete - politmilitärische Oligarchie von Romulus, die mittlerweile im (stillen) Widerstand zur überkommenen Autokratin steht und auf die günstige Gelegenheit wartet. Sie schließt ehemalige Senatoren - nun auf kaum mehr als bloßes Abnicken beschränkt - ebenso ein wie den an die Leine genommenen Tal'Shiar und nationalistisch denkende Kräfte.

Der hohe innenpolitische Druck, der sich nicht zuletzt wegen Nahrungsmittelknappheit und Versorgungsengpässen gegen Tal'Aura aufgestaut hat, kommt in der zweiten Jahreshälfte 2381 Spock und seiner Wiedervereinigungsbewegung unvermittelter Dinge entgegen. Nachdem die Vereiniger fast zwei Dekaden lang gezwungen waren, als Dissidenten im romulanischen Untergrund zu leben, weil sie politisch kriminalisiert wurden, glaubt der alte Vulkanier eine einmalige Gelegenheit auszumachen, die Bewegung aus den Schatten herauszuführen. Spock geht - auch weil er den Hintergründen eines Mordanschlags auf die Spur kommen möchte, der kürzlich auf ihn verübt wurde - das bewusste Risiko ein und lässt sich Tal'Aura ausliefern, um ihr ein Angebot zu unterbreiten: Wenn sie den Status der Vereiniger legalisiert und diese öffentlich über die vulkanisch-romulanische Bruderschaft sprechen dürfen, wird sie dieser vor Volkes Augen geführte Diskurs auch um inneren Druck entlasten - einerseits, da die Vereiniger zuletzt immer populärer im romulanischen Volk wurden und als authentisch mit ihren Anliegen gelten, andererseits, weil für Tal'Aura die Chance besteht, sich durch die Förderung der Vereiniger im Auge der Öffentlichkeit zum Anwalt einer Wiedervereinigung der Romulaner zu machen (um sich eines Tages in wie auch immer gearteter Weise mit dem vulkanischen Volk auszusöhnen).

Zunächst scheint Spocks Kalkül voll aufzugehen: Ausgerechnet die diktatorisch wie kein Prätor zuvor herrschende Tal'Aura erklärt sich bereit, die Vereiniger öffentlich anzuerkennen, um eigenen Profit daraus zu schlagen. Voller Optimismus, ihre Losungen von Frieden und Logik nun ohne weitere politische Verfolgung im Sternenimperium vermitteln zu können, beginnen Spock und seine Leute Ansprachen vor breitem Publikum zu halten und ziehen viel Aufmerksamkeit und Zustimmung auf sich. Aber dann, nach mehreren Wochen, scheinen Spocks Reden Aufstände in beiden romulanischen Staaten zu provozieren, die ein politisches Erdbeben nach sich ziehen könnten. Betroffen hiervon ist besonders Donatras Reich. Sind die Vereiniger also das Instrument einer Propagandakampagne Tal'Auras gegen den imperialen Staat geworden? Erst mit der Zeit offenbart sich, dass längst ein politisches Komplott nicht nur gegen Donatra, sondern auch gegen Tal'Aura selbst im Gange ist - während im Hintergrund eine (bislang vielleicht unterschätzte) Macht im Typhon-Pakt ihre Finger im Spiel hat und eigene Interessen verfolgt.

Viele Welten entfernt, am anderen Ende der Föderation, nimmt indes das Leben Benjamin Siskos einige dramatische Wendungen. Nachdem er Ende 2376 (im DS9-Relaunch-Roman Unity) aus dem Himmlischen Tempel zurückgekehrt ist, hat er versucht, sich mit Kasidy Yates und ihrer gemeinsamen Tochter Rebecca auf Bajor ein gemeinsames Leben aufzubauen. Doch mehr und mehr wurden seine Hoffnungen erschüttert, weil seine Liebe zu Bajor in immer heftigere Auseinandersetzungen mit seiner Frau mündeten. 2381, während der letzten Borg-Invasion, kehrte Sisko kurzzeitig wieder in den aktiven Dienst zurück und befehligte einen Kreuzer. Als viele Wochen später nicht nur sein Vater Joseph stirbt, sondern auch sein familiäres Glück in Trümmern liegt, klammert er sich wieder an sein altes Leben in der Sternenflotte. Mit der Befehlsübernahme der U.S.S. Robinson und dem Abflug von Bajor beginnt für Sisko ein neuer Lebensabschnitt, der, wie er glaubt, ohne eine starke Verbindung zu den Propheten abläuft, da sie ihm den Rücken gekehrt hätten. Nach einem Patrouillenflug entlang der Tzenkethigrenze, wo Erinnerungen an seine Zeit unter Captain Leyton an Bord der Okinawa wach werden, führt ein Befehl ihn nach Achenar Prime, wo er bei Donatra nach den Ursachen für die romulanischen Aufstände und den zurückliegenden Anschlag auf Spock forschen soll...

Kritik
Wie man hört, sollte die Typhon Pact-Miniserie ursprünglich sechs Bände umfassen - einen zur Beleuchtung jedes einzelnen der antagonistischen Völker des Typhon-Paktes. Letztendlich wurden es aber nur vier, sodass in manchen Romanen mehr als ein Volk der neuen Multispeziesallianz behandelt wird. Dies gilt auch für Rough Beasts of Empire, wo neben den Romulanern die Tzenkethi - bis dato eine nahezu unbekannte Spezies - eine Rolle spielen. Zusätzlich gibt es zwei Handlungsbögen, welche die allermeiste Zeit über nebeneinanderher existieren: die weitere Entwicklung um das romulanische Schisma sowie die ,schöne, neue` Welt des Benjamin Sisko inklusive Überbrückung ganzer fünf Jahre zum letzten Stand des DS9-Relaunch (The Soul Key). Bereits der erste Eindruck lässt vermuten, dass das etwas zu viel Stoff für ein Werk mit 380 Seiten ist, wenngleich sich Autor George diesmal alle Mühe gibt, sich dem David Mack'schen Kompaktheitsstil anzuschmiegen.

Besonders der Sisko-Plot hat mich ein wenig verwundert, trägt er doch die allermeiste Zeit über nichts zum Geschehen rund um den Typhon-Pakt bei. Stattdessen zwängt sich da in die interstellaren Ränkespiele im Jahr eins nach den Borg, die immerhin erklärter Gegenstand der Reihe sein sollen, nichts Gewaltigeres als die Abwicklung von Deep Space Nine. Auf die Schnelle wird mal eben Siskos Rolle während der Borg-Invasion geklärt, sein bisheriges Leben auf Bajor seit der Rückkehr von den Propheten abgehandelt, neben ein paar alten Freunden (z.B. Elias Vaughn) auch Joseph Sisko in die ewigen Jagdgründe geschickt, die Auflösung der alten DS9-Riege gestreift (in dem Zusammenhang kommt für mich Kiras Entscheidung, Vedek zu werden, ziemlich unerwartet), sein Verhältnis mit den Propheten für beendet erklärt und - um das Ganze zu komplettieren - der arme Mann in eine Ehekrise von geradezu siebenjährigen Ausmaßen gestürzt, die ihn kurzerhand zur Sternenflotte zurückführt.

Erst im letzten Drittel des Buches schließt der Sisko-Plot überhaupt zum genuinen Thema des Romans auf, vermag aber nicht wirklich viel zur Lösung der Geschichte beizutragen. So wunderbar und authentisch der Charakter des ehemaligen DS9-Kommandanten unter der Feder Georges gedeihen mag, so faszinierend der Wandel seines Herzens ist, der ihn in den Hafen der Raumflotte zurückführt, so wenig sinnvoll erscheint mir der Entschluss, ihn im Rahmen dieser Reihe zu behandeln. Nur, um ein kurzes und wenig fesselndes Flashback hinsichtlich seiner ersten Begegnung mit den Tzenkethi einzufädeln? Das ist zu wenig. Stattdessen hätte man Sisko ein eigenes Buch reservieren können, das den (nach dem Spiegeluniversums-Intermezzo ohnehin gestrandeten) DS9-Relaunch in der Zeit nach Destiny fortsetzt, wie das bereits im Fall von Voyager bzw. Full Circle geschehen ist. In der vorliegenden Kombination aber bleibt mir nichts anderes übrig, als schlicht und ergreifend Folgendes festzustellen: Thema verfehlt.

Glücklicherweise zieht der andere Plot dafür umso mehr und passt voll und ganz zur Miniserie. Hier wird nicht nur ein hochinteressanter politischer Kuhhandel zwischen Spock und der romulanischen Politik geschlossen, der in weiser Voraussicht auf die Ereignisse im Pre-Star Trek-11-Comic Countdown eine Kontinuitätslinie ausrichtet (es sind ja gerade mal noch fünf Jahre, bis der Hobus-Stern sich in eine Nova verwandelt). Die Beleuchtung und Hinterfragung von Tal'Auras Entscheidung, das Sternenimperium in den Typhon-Pakt geführt zu haben, weist einige interessante Parallelen mit Adenauers Westbindung auf, die Rough Beasts of Empire zu einem Buch der wirklich politischen Sorte, wie zuletzt The Art of the Impossible (Lost Era) oder Articles of the Federation, machen. Zudem dürfen wir erleben, wie sich die politischen Realitäten auf den seit längerem außerordentlich geduldigen Spock endlich zu bewegen. Vor allem aber kann man sich einmal mehr von romulanischen Intrigen etwas versprechen, in deren Verlauf einige alte Bekannte wieder in Erscheinung treten, die wir u.a. im Titan-Debüt Taking Wing kennen lernen durften.

Die inneren Grabenkämpfe werden besonders dadurch angeheizt, dass nun auch der frisch gegründete Typhon-Pakt in romulanischer Innenpolitik ansehnlich interveniert. Hier zeigt sich eindrucksvoll, dass sich manche Paktstaaten wie die Tzenkethi nicht allzu viel daraus zu machen scheinen, mal eben in die souveränen Belange eines anderen Alliierten einzugreifen, wenn es nur den eigenen Zielen dient. Auch aus dieser Warte ist der Typhon-Pakt eine regelrechte Antiföderation und seine Mitglieder knallhart interessengeleitet. Die Vorstellung der Tzenkethi als verschlagene Spezies passt gut in diesen Rahmen, kam aber gegenüber der romulanischen Handlung ein wenig zu kurz.

Das Ende der Geschichte hält nicht mehr und nicht weniger bereit als einen doppelten Königsmord und die unerwartete Wiedervereinigung des romulanischen Volkes unter einem neuen Prätor. Weil die Tzenkethi ordentlich ihren Teil dazu beigetragen haben, dass Tal'Aura beerbt wird, verschiebt sich auch die innere Tektonik des Typhon-Paktes mit dem Ableben der despotischen Herrscherin, die wir seit den ersten Post-Nemesis-Novellen durchgehend erleben durften. Im Resultat scheinen nun also nicht mehr die Romulaner den Ton im Pakt anzugeben, wohingegen der Föderation mit der Wiederangliederung des imperialen Staates an das romulanische Mutterterritorium ein Bündnispartner abhanden kommt. Es bleibt spannend.

Fazit
Ein gut geschriebener, aber nicht gut passender Einstieg in die Selbstfindungsodyssee des Benjamin Sisko und eine hochexplosive romulanische Intrigenstory, eingebettet in die Frühphase des Typhon-Paktes. Fraglos besitzt dieses Buch - trotz gewisser Konstruktionsdefizite - alles, was es braucht, um der zugeordneten Reihe zur Ehre zu gereichen, und Georges ausgezeichneter und feinfühliger Schreibstil trägt seinen Teil dazu bei. Dennoch wäre eine Konzentration auf den Romulus-Handlungsbogen deutlich klüger gewesen, weshalb es zu ein paar Abstrichen für Rough Beasts of Empire kommt.
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Kommentare


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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.01.2011 20:37:43 GMT+01:00
Kabafra meint:
Sorry, aber diese "Rezension" passt sehr gut auf SF-Radio - wo sie ja fast wortwörtlich auch steht - aber nicht so hierher. Oder zumindest mit einer Riesen-Spoiler-Warnung versehen. Wer - so wie ich - diesen Beitrag liest um eine Meinung zu hören, ob es sich lohnt, das Buch zu lesen, kann sich - ungewollt!!!!!! - genau das jetzt sparen da ja quasi "der Mörder schon verraten wird" - und zwar mit allen Einzelheiten.
Hätte sie nur aus dem letzten Absatz bestanden - sehr gut.
So aber gibt es keinen Stern!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.01.2011 10:57:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.01.2011 10:59:45 GMT+01:00
Oh, entschuldige vielmals, dass ich Dir alle Deine Illusionen geraubt habe. ;-) Man muss doch mal in einer Rezension auf den Inhalt eingehen dürfen, zumal der Zusammenhang zwischen den immer eigenständiger werdenden unterschiedlichen ST-Büchern sichtbar werden muss. Na ja, habe allerdings Deine Anregung aufgenommen und eine Spoilerwarnung darüber geschrieben. Übrigens habe ich sehr vieles NICHT verraten, und die Sache mit dem Mord ist komplexer. Ein Buch liest man doch nicht nur des rohen Inhalts halber, sondern weil es eine erzählte Geschichte ist. Kann doch nicht wahr sein...
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