Kundenrezension

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen entdecke die Welt 2.0, 24. Juni 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen (Gebundene Ausgabe)
Antifragilität ist das jüngste der drei essayistischen Bücher des ehemaligen Traders Nicholas Taleb (die beiden anderen sind: Narren des Zufalls: Die unterschätzte Rolle des Zufalls in unserem Leben sowie Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse).
Antifragilität ist von diesen Büchern m. E. das beste: das Gedankengut ist weiter gereift, die Gesamtheit der Themen ist sehr breit gefasst (dies ist definitiv kein Finanzbuch mehr!) und es werden Handlungsanweisungen und Lösungsansätze angeboten, ein Punkt der in den Vorgängerwerken oft zu kurz kam. Wer die anderen beiden Bücher kennt, wird inhaltliche Überschneidungen bemerken. Sie resultieren daraus, dass Talebs Essays immer um den salopp formulierten Komplex "seltene Ereignisse, deren Einschätzung und deren nichtlineare Auswirkungen" kreisen. Man braucht die beiden anderen Bücher nicht zum Verständnis von Antifragilität.

Was ist Antifragilität? Es gibt einige Dinge/Strukturen/Verhaltensweisen, die von Belastungen wie Zufällen/Schwankungen/Stress/... positiv profitieren. Unser übliches Denken und Handeln hat hingegen i.A. fragile Strukturen im Fokus - diese werden aber früher oder später untergehen bzw. uns in Schwierigkeiten bringen.

Das Konzept Fragilität-Robustheit-Antifragilität wird im 1. Kapitel stringent eingeführt. Es wird von Taleb sehr weit gefasst; im weiteren Verlauf des Buches werden dann Aspekte und Nebenaspekte aus u.a. Wissenschaft, Medien, Finanzwesen, Medizin, Gesellschaft, Moral auf eine raffiniert unsystematische, sich dem Thema immer wieder neu nähernde Art beleuchtet. Taleb praktiziert hiermit den (antifragilen) "Flaneur", der scheinbar ziellos umherwandert, hierdurch jedoch offen für Entdeckungen am Wegesrand ist und der für ihn der Gegenentwurf zum (fragilen) "Touristen" darstellt. Durch dieses Vorgehen werden eine Vielzahl bedenkenswerter Ideen zu Tage gefördert (z.B. die Rolle von Stressoren für unsere Gesundheit) und es gelingen ihm einige schöne Bilder ("leerer Anzug", "Flugunterricht für Vögel").

Taleb bleibt in diesem Buch seinem unkonventionellen Stil treu: Statt zu theoretisieren setzt er ganz auf exemplarische Anschauung, was der Lesbarkeit sehr entgegenkommt. Hierzu wird ein bunter Mix u.a. aus eigener Lebenserfahrung, fiktiven Charakteren und Ausführungen klassischer Autoren eingesetzt.

Auch das ihm eigene polarisierende Element, gut ablesbar an den Amazon-Rezensionen zu seinen Werken, ist vertreten. Es wird wie in seinen anderen Büchern kräftig vor allem auf das wirtschaftswissenschaftliche Establishment ("Fragilisten") eingeprügelt. Eigentlich lässt er nur Daniel Kahneman bzw. die theoretische Physik gelten.

Fazit: Der Wert dieses Buches besteht weniger darin, dass es absolute Wahrheiten verkündet (da ja viel aus der Sicht von Anschauung und Erfahrung argumentiert wird, ist manches Detail auch anfechtbar); er besteht darin, dass es zum Denken anregt und Lust macht, sich mit offenen Augen mit manchem Selbstverständlichen auseinanderzusetzen.
Wenn also etwas von Taleb lesen, dann dieses!
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.07.2013 00:06:06 GMT+02:00
K. Jennewein meint:
Bin ja grundsätzlich einverstanden mit Ihrer Rezension, aber dass das wirtschaftswissenschaftliche Establishment Antifragilisten sind, wird wohl hoffentlich ein Tippfehler sein...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.07.2013 10:53:26 GMT+02:00
S. Will meint:
Danke für den Hinweis - sie haben natürlich völlig recht.
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