Kundenrezension

25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Soundtrack, der prächtiger nicht sein könnte, 17. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Hobbit: An Unexpected Journey (Limited Deluxe Edition inkl. 6 Bonustracks) (Audio CD)
Kaum etwas prägt Filme so sehr wie die Musik, und das trifft insbesondere auf die Tolkien-Verfilmungen von Peter Jackson zu. Während der visuelle Erzählton von DER HOBBIT: EINE UNERWARTETE REISE wesentlich kindlicher und heiterer ist als die Vorgänger-Trilogie, knüpft Howard Shore mit seinem Soundtrack musikalisch nahtlos an The Lord of the Rings Symphonyan. Das Ergebnis ist ein Soundtrack, der prächtiger nicht sein könnte.

Schon quantitativ beeindruckt die Musik zum Film. Während bei manch anderen Soundtracks die Fans mit einer 50 Minuten CD abgespeist werden, bekommt man hier für sein Geld über 107 Minuten (auf 2CDs) Mittelerde-Klänge geboten, in der Special Edition sind es sogar weit über zwei Stunden Musik. Da hat sich das Label nicht lumpen lassen.

Und schon beim Anspielen der ersten Stücke wird schnell klar, wir sind zurück in Mittelerde. Stücke wie „My Dear Frodo“ oder kurz darauf „Old Friends“ glänzen neben neuen Nuancen vor allem durch die altbekannten Auenland- und Hobbit-Themen, die uns auch schon in DER HERR DER RINGE das Herz erwärmt haben. Aber bevor man nur an Leitmotiv-Recycling denken kann, schwellen episch die Chöre und Bläser an und entführen den Hörer in die Mythologie der Zwerge vom Erebor und für einen kurzen Moment scheint man sogar bereits das Arkenstone-Motiv zu vernehmen.

Mit dem Auftauchen der Zwerge in „An Unexpected Party“ und „Axe or Sword?“ wird der verspielte Unterton langsam ernster und das Abenteuer liegt fast wie eine Bedrohung vor Bilbo Beutlin. Herausragend ist natürlich an dieser Stelle das nachdenkliche „Misty Mountains” Lied, komponiert von der neuseeländischen Band „Plan 9“, gesungen von Richard Armitage (Thorin Eichenschild) und dem Zwergen-Ensemble. Dieses Stück wird im Laufe des Soundtracks zum epischen Abenteuer-Thema und wird von Howard Shore immer wieder meisterlich aufgegriffen du variiert. Ohne Zweifel ist dieses Stück, voller Sehnsucht und Leid das Hauptmotiv des ersten Films.

„The Adventure Begins” beginnt mit einem langsamen Zögern und dann einem rasanten Einstieg in den zweiten Akt des Films und somit den Aufbruch von Bilbo Beutlin ins Abenteuer. Gefolgt von einem leichten Reisethema („The World is Ahead“) in dem sich Flöte (Bilbo) und Hörner (Zwerge) abwechselnd antreiben, bis das Thema schließlich zu dem bombastischen Misty-Mountains-Motiv anschwillt und sich förmlich die Landschaften von Mittelerde vor dem inneren Auge ausbreiten.

Mit dem Flashback-Motiv von „An Ancient Enemy“ wird die Schlacht von Schlacht von Azanulbizar eingeläutet und Azog als Hauptgegner des ersten Films etabliert. Die schmetternden Zwergenchöre erinnern hier bewusst an die Chöre aus den Minen von Moria, was angesichts der Tatsache, dass die Ereignisse direkt vor den Toren von Moria spielen, durchaus passend erscheint. Die Einleitung von „Radagast the Brown“ beginnt mit einem bekannten Streicher-Intro gefolgt von Howard Shores Quenya-Knabenchor, der immer zu hören ist, wenn wir in die Mysterien von Mittelerde eindringen, dann schlägt die Musik aber plötzlich um. Und mit kratziger Fiedel, Holztrommeln und Tamburin lernen wir Radagast den Braunen kennen. Das Thema ist dem Charakter entsprechend hektisch, aufdringlich und kratzig und wird weitaus bedrohlicher, als der Nekromant ins Spiel kommt. In „Roast Mutton“ verwandelt Shore anschließend die Begegnung mit den drei Trollen in ein musikalisches Thema und gibt sich wieder weitaus verspielter. Um die sowohl bedrohliche zugleich aber auch komische Situation aufzugreifen, lässt Shore tiefe Blechbläser ein amüsantes Thema spielen, das teilweise sogar an einen Walzer erinnert. Ganz wie der Intellekt der Trolle ist das Stück stest tief und dumpf gehalten, wodurch auch ein Teil der Komik entsteht. Beim Angriff der Zwerge schließlich schlägt die Musik dann episch in das Misty-Mountains-Thema um.

„The Hill of Sorcery“ kombiniert wieder das Radagast-Thema mit einer dunklen Bedrohung, die zwar neu klingt, aber einem auch zugleich vertraut vorkommt. Noch ist unklar, welcher dunkle Feind in die Ruinen auf dem Hügel im Grünwald gezogen ist. Bei Action-Sequenzen wie „Warg Scouts“, „Thunder Battle“ „The Defiler“, „Under Hill“ oder „Out of The Frying Pan“ hält sich Shore an altbewährtes und setzt einfach nur maximal auf fulminante Bläser-, Trommel- und Streicher-Kombos, mit teilweise klaren Anleihen an bekannten Themen, wie beispielsweise dem Auftauchen der Elbenreiter beim Warg-Kampf, deren Motiv stark an das Auftauchen der Elben in Helms Klamm erinnert. Und Azogs Bedrohlichkeit wird durch den Standard-Männerchor unterstrichen. Klare Leitmotive, wie beispielsweise ein eigenes Azog- oder Goblin-King-Thema sind leider für Laien kaum rauszuhören.

So wie die Rückkehr nach Bruchtal Erinnerungen beim Zuschauer wach werden lässt, so bedienen sich auch die Musik in Stücken wie „The Hidden Valley“, „Moon Runes“ oder „The White Council“ den ikonischen Leitmotiven dieses Ortes und der Personen wie Elrond, Galadriel oder Saruman. Das letzte Heimelige Haus wird auch musikalisch zum geborgenen und sicheren Rückzugsort, sowohl für die Reisegruppe als auch die Zuhörer, wenn auch die Bedrohung durch den Nekromanten in der Ferne zu ahnen ist.

Während in DIE GEFÄHRTEN nach dem Auszug aus Bruchtal das epische Gefährten-Thema erschallt, ist es nun das Misty-Mountains-Thema, das auch in „Over Hill“ die Reise der Zwerge durch die neuseeländische Landschaft und den eigentlichen Teil der Reise episch einleitet.

„Riddles in the Dark“ zählt sicherlich zu den stärksten Szenen des Films und so durfte sich auch Howard Shore richtig austoben. Spätestens wenn das Ring-Thema erschallt, ist klar, dass das Schicksal von Mittelerde gerade eine ungeahnte Wendung nimmt. Das diffizile Gollum-Thema mit dem Tremolo der Violinen und Cimbalom ist zwar nicht neu, aber immer noch genial.

Mit „Good Omen” geht es dann dem Ende zu und das Stück beginnt mit klaren Frauenchor (der Flug der Adler) und vereint sich dann zu einem harmonischen Abschluss-Thema aus Hörnern und Geigen, das bereits den Drachen Smaug andeutet. Interessant ist übrigens, dass sich das Smaug-Thema und das Nekromanten-Thema sehr ähnlich sind.

Das Abspannlied zu DER HOBBIT: EINE UNERWARTETE REISE kommt von dem neuseeländischen Liedermacher Neil Finn und bedient sich ebenfalls des Misty-Mountains-Motivs. Der 70er Jahre Liedermacherstil in Kombination mit zwergischen Amboss-Klängen und indianischen Chants ist zwar gewöhnungsbedürftig, hat aber auf jeden Fall Ohrwurmpotential. Im direkt Vergleich mit Enyas bezauberndem „May it be“, Emiliana Torrinis „Gollum’s Song“ oder Annie Lennox Oscar-gekröntem „Into The West“ steht dieses Lied aber sicherlich am schwächsten da.

Mit „Dreaming of Bag End“ schließt der Soundtrack schließlich mit verträumten Flötentönen und wiegt einen schließlich in gefälligen Orchestraltönen.

Bei der Special Edition des Soundtrack sind einige Stücke übrigens etwas länger und es gibt vier weitere Tracks, die alleine schon die Anschaffung lohnen, denn diese vier Stücke sind ohne Zweifel die absoluten Highlights aus dem Gesamtwerk und stechen außergewöhnlich hervor. Das verspielte Bilbo-Thema bei „A Very Respectable Hobbit“ sowie die klagende Sehnsucht in „The Edge of the Wild“. Und mit „Erebor“ führt Howard Shore endlich auch die Uilleann Pipes nach Mittelerde ein, in Kombination mit prächtigen Blechbläsern, die das alte Zwergenkönigreich würdevoll und mächtig auferstehen lassen und dann in „The Dwarf Lords“ episch fortführen. Bleibt die große Frage, warum ausgerechnet diese Stücke es offenbar nicht in den finalen Film geschafft haben.

Ein extra Lied immerhin ist auch im finalen Film: Das Sahnehäubchen in der Special Edition bildet “Blunt the Knives”, das Spottlied der Zwerge auf Bilbo Beutlin, getextet von J.R.R. Tolkien und gesungen von den Zwergendarstellern.

Fazit: Ein grandioser Soundtrack, der in seiner Genialität und Wucht dem HERRN DER RINGE in nichts nachsteht und die Reihe nahtlos fortführt. Wer vor der Entscheidung steht, ob normalen Soundtrack oder Special Edition, sollte unbedingt zur regulär nur 2 Euro teurerer Special Edition greifen! Kaufempfehlung!
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Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.12.2012 20:13:03 GMT+01:00
Robert Rose meint:
Supertolle Rezi! Super geschrieben! >:3

Veröffentlicht am 05.01.2013 18:59:31 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.01.2013 18:59:47 GMT+01:00
EHZ meint:
Eine sehr gute, wortgewandte Rezension. Danke!!! Anmerkung: Gerüchten zufolge hat Peter Jackson den Extended Cut schon fertig, mir drängte sich gelegentlich der Verdacht auf, es handele sich um den Soundtrack zu ebensolchem...
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