Kundenrezension

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tanz den Woodkid, 23. Juli 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: The Golden Age (Audio CD)
Woodkid habe ich das erste Mal auf dem diesjährigen Melt-Festival gehört und gesehen, genau gesagt also vor drei Tagen. Da ist mir wahrscheinlich etwas entgangen. Wie ich gerade gelesen habe, ist Woodkid bereits ein auf vielen Bühnen etablierter Star, z.B. auch in der Welt der Vermarktung so wichtiger Popstars wie Kate Perry. Und nun verwirklicht er sich mit seiner eigenen Musik.

Ich wundere mich über die Begeisterung, die diese Musik auslöst. Andererseits, wer das nicht mag, der wird in der Regel auch kaum Zeit verschwenden, um darüber zu schreiben.

The Golden Age ist meiner Meinung nach Mainstream pur, eingetaucht in die Welt der Fantasy- und Computerspiele. The Golden Age - da denke ich an große Kunst und Literatur, das 17. Jahrhundert in Spanien und Frankreich. Woodkid meint mit dem goldenen Zeitalter seine eigene Jugend. Klingt das nicht ein bisschen dick aufgetragen? Der Hang zur Übertreibung und Wichtigtuerei missfält mir an diesem Projekt. Warum diese Geheimnistuerei, warum dieser Salafisten-Bart, warum dieses bedeutungsschwangere Tattoo, je ein symbolträchtiger Schlüssel auf dem Unterarm. Mit Schlüsseln kann man etwas aufschließen, vorausgesetzt sie passen ins Schloss. Hier scheint so ziemlich alles zu passen, zumindest für den Mainstream des durchschnittlichen Festivalbesuchers. Ich dachte immer, Melt sei Underground und alternativ. Gibt es so etwas überhaupt noch? Melt tanzt den Woodkid und dieser verzaubert dabei die Herzen seiner Fans. Er versteht es, mit der Menge zu spielen. Hierin ist er ganz Rockstar, auch wenn er überhaupt nicht so klingt.

Woodkid ist weder Punk noch Rocker oder Hip-Hopper; er ist vom äußeren Erscheinungsbild her keiner üblichen Szene zuzuorden, aber als Normalo geht er auch nicht durch, dann schon eher als Mode bewusster Hoher Priester eines neuen, popmusikalischen Passionsspiels. Schau her, wie ich mich selbst feier; mach es genauso.
Sein Bekleidungscode ist wahrscheinlich noch ein unbeschriebenes Blatt, aber das wird sich bestimmt schnell ändern, denn Popstars setzen bekanntlich Maßstäbe und schaffen neue Dress Codes.
Es scheint so, als habe er sein Outfit dem Künstlernamen angepasst. Vielleicht trägt er ja auch deshalb einen Rauschebart, und meine Assoziation mit einer religiösen Bruderschaft stellt sich zum Glück als falsch heraus.

Die Mühe, die ich mir hier gebe, meinen Unmut zu äußern, soll aber letzten Endes auch etwas mit der Musik zu tun haben. Woodkid ist breit angelegter Orchestersound, der sich bestens zur Untermalung von Videospielen und Fantasy-Abenteuern eignet. The Golden Age hat Soundtrack-Qualitäten, wobei schnelle Marschrhythmen und getragene Balladen miteinander abwechseln.
Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass man diese Art von Soundtracks und Filmen auch mag. Schlecht ist es, wenn man eher vom Autorenkino kommt. Für mich gleicht dieser handwerklich gut gespielte Sound einer sehr mächtigen Sahnetorte. Zu viel davon führt zu Verstopfung.

Der Sänger, also Woodkid selbst, tut zwar sehr gekonnt äußerst cool und bedeutungsvoll, reißt mich aber nicht vom Hocker und berührt mich auch nicht, obwohl Rührung doch im Vordergrund stehen soll. Du sollst doch gerade gerührt sein von diesem Golden Age, das auch dir gehören könnte.
Ich habe im Konzert leider nicht sehr viel von den Texten verstanden. Ich müsste sie wahrscheinlich lesen, um mir ein Urteil über ihre Qualität erlauben zu dürfen. Andererseits muss ich nicht jede Zeile eines Songs verstehen und kann dennoch davon bewegt sein. Gerade in der Pop-Musik gibt es dafür einige schöne Beispiele.

In diesen Tagen habe ich seit langem wieder einmal The Smiths gehört, und ich muss sagen, sowohl die musikalischen Kompositionen als auch die Texte sind für mich nach fast dreißig Jahren immer noch faszinierend, obwohl ja auch die Songs der Smiths eher von the golden age of the Jugend handeln und für diese geschrieben wurden, nicht für alte Säcke wie mich. Aber dennoch haben sie für mich nichts von ihrem Charme und Ihrer Qualität eingebüßt.
Bevor ich übrigens zum ersten Mal Woodkid gehört habe, lief im Fernsehen das Melt-Konzert von Kettcar. Auch hier würde ich sagen: diese musikalischen Betrachtungen des Alltags berühren mich unendlich mehr als die Wichtigtuerei des Herrn der Schlüssel, also known as woodkid.

Die Musik von Woodkid ist natürlich nicht schlecht. Die einzelnen Musiker spielen alles professionell auf den Punkt genau und kreieren einen zumeist sehr bombastischen, melodiösen Orchestersound. Man muss so etwas nur mögen. Das scheint bei sehr vielen der Fall zu sein. Videospiele und Fantasy-Literatur haben ja bekanntlich auch größere Beliebtheit als Literatur im eigentlichen Sinne des Wortes.

Insgesamt drei Punkte: einen für die gute Brass-Section, einen für die fleißige Drum-Section und einen für den, bzw. die Keyboarder. Punktabzug für den eher talentfreien Gesang und natürlich auch für den Salafisten-Bart. Please, woodkid, go to the barber.
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Kommentare


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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.07.2013 14:41:56 GMT+02:00
M. Heidig meint:
Wuaaaah wie schlimm, er hat einen Bart!!!!!

Schackeline geh ab in dein Zimmer und tuh dich was schämen!

Veröffentlicht am 12.09.2013 20:32:27 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.09.2013 20:36:05 GMT+02:00
marcoLOGY meint:
Witzigerweise somit drei Punkte für den Keyboarder bzw. Home-Producer. Hier wurde nicht ein einziger Ton auf einem echten Instrument gespielt. (Nein, auch die Chöre sind nicht echt :-) ) Komplette Software-Soundbibliothek-Produktion.

Hach, ich wünschte, ich könnte mit den Programmen und den Sounds so gut umgehen wie Woodkid. Schon recht gut gemacht.

Veröffentlicht am 13.09.2013 08:50:17 GMT+02:00
Marcel K. meint:
Also ich will es mal so sagen... WENN Sie sonst keine Probleme haben, dann ist eigentlich alles in Ordnung!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.09.2013 18:17:48 GMT+02:00
Alba meint:
Danke für deinen Kommentar. Ich beziehe mich allerdings nur auf den Auftritt beim Melt-Festival. Ich hoffe du nimmst es mir trotzdem nicht übel, dass ich Woodkid nicht so toll finde, auch wenn er mit Programmen sehr gut umgehen mag.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.11.2013 16:22:32 GMT+01:00
Schildkröte meint:
@ marcoLOGY: Äh, und warum sind dann in den Album-Credits so runde 50 Orchestermusiker aufgeführt? Mag sein, dass einige Synthie-Sonds dabei sind, aber zumindest Streicher, Blech und Klavier sind wohl doch echt.
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