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Kundenrezension

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viel Licht, ein wenig Schatten, 14. September 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Meistersinger Von Nürnberg (Audio CD)
Herbert von Karajans Aufnahme der Meistersinger aus dem Jahr 1970 hat bei ihrem Erscheinen schon als Ost-West-Kooperation Aufsehen erregt und gilt mit Recht als eine der klassischen Einspielungen der Oper. Aber ist sie (noch) die allerbeste?

Karajan dirigiert einen klangsüffigen, romantischen Wagner ohne krasse Kontraste mit relativ langsamen, aber nicht schleppenden Tempi. Die Staatskapelle Dresden spielt größtenteils berückend schön. Ouvertüre und Aktvorspiele werden mitreißend musiziert. Zwischendrin allerdings sind beim Orchester einige kleine Unsauberkeiten zu hören, die man bei einer Studioaufnahme eigentlich nicht erwartet.

Vor allem aber ist das Orchester gerade in den Finali zu laut, die Sänger gehen zwar nicht gerade unter, sind aber teilweise nicht zu verstehen. Das ist im Theater häufig unvermeidlich, auf CD aber ein Fehler der Tontechnik. Das hatten die Techniker der Deutschen Grammophon einige Jahre vorher bei Karajans Ring-Einspielung besser hingekriegt.

Zu den Sängern ist generell zu sagen, dass in dieser Aufnahme größtenteils sehr schön gesungen wird.

Das gilt weniger für Theo Adam als Sachs: Seine Stimme ist relativ farbarm und trocken, dazu kommt ein großes, waberndes Vibrato. Im Gegenzug artikuliert er aber sehr textverständlich und klug, bleibt im Finale wohltuend nüchtern. Weniger überzeugend ist er in den volkstümlicheren Szenen, weil er hier einfach zu intellektuell wirkt, mehr ein Schulmeister als ein Schuster. Eine ordentliche, keine glanzvolle Leistung. Otto Edelmann (auch Karajan, Bayreuth '51), auch Bernd Weikl (unter Sawallisch) und Jose van Dam (sehr lyrisch, Solti) verfügten über schönere Stimmen und waren als Interpreten ebenso überzeugend.

Die eigentlichen Stars dieser Aufnahme heißen Peter Schreier und Helen Donath:

Schreier singt den David hinreißend ironisch, mit heller, lyrischer Stimme. Seine wunderbar rechthaberische Lektion an Stolzing im ersten und seine Szene mit Sachs im dritten Akt sind echte Höhepunkte der Aufnahme.

Süß, jugendlich und charmant, im zweiten Akt auch kokett und verführerisch ist Helen Donaths Eva. Besser habe ich die Eva nur von Elisabeth Schwarzkopf (Bayreuth '51) und Elisabeth Grümmer (Kempe) gehört, die erwachsener und gerade im zweiten Akt verzweifelter wirkten. Denn bei allen Witzchen zwischen Sachs und Eva ist es doch ein reiner Verzweiflungsakt des Mädchens, lieber den ihr sympatischen Sachs verführen zu wollen als an das Ekel Beckmesser verschachert zu werden.

Stimmlich ausgezeichnet in Form ist auch Rene Kollo. Seine Spitzentöne klingen frisch und leuchtend, die bei ihm sonst so häufigen gepressten und gequetschten Töne stören nur selten den guten Gesamteindruck. Allerdings singt er gerade bei hohen Forte-Passagen kein Legato, sondern setzt jeden Ton einzeln an. Das klingt zwar sehr kraftvoll, zerreist aber die Melodielinie, besonders im Preislied. Und so ist er zwar insgesamt ein guter Stolzing, aber ich ziehe den eleganteren Ben Heppner (Sawallisch und Solti) oder die schönere Stimme von Peter Seiffert (Barenboim) vor.

Karl Ridderbusch singt den Pogner mit runder, lyrischer Stimme. Ihm zuzuhören ist ein echter Genuss. Für die Rolle klingt er mir allerdings zu weise, zu sympatisch: Es fehlt das halsstarrige, autoritäre Element eines Mannes, der immerhin die Meistersingertradition über das Glück seiner Tochter zu stellen bereit ist. Eigentlich klingt Ridderbusch so, wie ich mir den Sachs vorgestellt hätte. Er hat ihn wenige Jahre später in Bayreuth gesungen, war aber schon lange nicht mehr so gut in Form wie hier.

Die eigentliche Enttäuschung der Aufnahme ist Sir Geraint Evans: Er spricht den Beckmesser mehr als er singt, mit hohler, krächzender Stimme, eine Karikatur eines Bösewichts. Er gönnt der Rolle auch nicht das geringste bisschen Würde oder Ironie. Schließlich und vor allem aber leidet seine Interpretation unter seinem extremen Akzent. Er stolpert geradezu durch seine Partie und den Text. Diese Besetzung ist mir ein Rätsel. Warum hat Karajan nicht Hermann Prey (West) oder Siegfried Lorenz (Ost) genommen? Beide hätten die Rolle im Gegensatz zu Evans beherrscht. Oder noch besser: Adam als Beckmesser, Ridderbusch als Sachs. Dann wäre diese Aufnahme wirklich überragend gewesen.

Zur Fraktion der Sänger mit besonders schöner Stimme gehört auch Zoltan Kélémen als Kothner, bei dem ebenfalls der starke Akzent stört, und der leider auch der Versuchung erliegt, seine Rolle zum Hanswurst zu machen.

Insgesamt also eine gute Aufnahme mit großartigen Einzelleistungen in den Nebenrollen, einem guten Sachs und einem Totalausfall beim Beckmesser.

Aber die beste Aufnahme überhaupt? Da gibt es zu gute Konkurrenz: Sawallischs Münchner Einspielung, Soltis zweite Aufnahme, den unterschätzten Kempe (mit Frantz, Grümmer, Schock, Unger, Frick) bis hin zu diversen Bayreuther Mitschnitten, von Abendroth (1943) über die großartige Aufführung von 1951 (Karajan, mit Edelmann, Schwarzkopf, Kunz, und dem etwas knödelnden Hans Hopf) bis zu Barenboim.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.09.2012 22:09:07 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.09.2012 22:12:57 GMT+02:00
basbar meint:
...oder Adam als Nachtwächter und Ridderbusch als Sachs...
Kleiner Scherz, aber Sie haben natürlich völlig recht- sehr gute Rezension mit sehr guten Alternativnennungen, übrigens.
Unverständlich und ärgerlich bei der Mühe und Ausführlichkeit , dass so wenige positive Bewertungen erfolgen.

Veröffentlicht am 03.03.2013 22:01:48 GMT+01:00
Die überaus harte Kritik an Evans' Beckmesser ist für mich unverständlich. Begonnen haben damit wohl Csampai und Holland in ihrem "rororo"- Band über diese Oper. Seitdem gehört es zum guten Ton, ihn abzuwerten. Da müsste man viele andere Sänger ebenso ins Blickfeld nehmen, die der Rolle stimmlich auch nicht gewachsen waren bzw. die Rolle überzeichnet haben (u.a. Erich Kunz). Evans war eine Sängerpersönlichkeit, die auch den Papageno und den Falstaff im Repertoire hatte und besonders im angelsächsischen Raum beliebt war. Ich würde keinen wirklichen Schwachpunkt des ensembles in ihm sehen (natürlich ist er weder Hermann Prey noch Roland Hermann).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.03.2013 23:30:03 GMT+01:00
vully meint:
Ich habe nichts gegen Sir Geraint Evans - ein ausgezeichneter Falstaff unter Solti, sehr gut auch als Figaro und Guglielmo unter Klemperer! Eigentlich konnte er auch Deutsch - seine Mahler-Lied-Aufnahmen lassen wenig zu wünschen übrig.

Warum er als Beckmesser so durch den Text stolpert und mehr spricht als singt, kann ich auch nicht nachvollziehen. Und um es gleich zu sagen - die Csampai-Kritik kenne ich nicht.

Veröffentlicht am 02.12.2015 18:12:14 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.12.2015 18:24:40 GMT+01:00
Gladiator meint:
evans ist wirklich unterirdisch auf dieser aufnahme. muss ein paar rabenschwarze tage gehabt haben. ist theo adam wirklich noch als "gut" zu bezeichnen? meiner bescheidenen meinung nach nicht. mir persönlich vergällt sein raspel-ton die ganze einspielung. ansonsten scheint mir das orchester fast das beste aller "meistersinger", die ich kenne. "unsauberkeiten" höre ich nicht. das vorspiel zum dritten akt ist mir sogar ZU sauber musiziert, zu wenig melancholisch im klang (wie man es bei kempe und den berliner philharmonikern 1958 hören kann). es stimmt schon, dass die dresdner gegenüber den sängern mitunter dominieren. im fall von adam liegt es wahrscheinlich daran, dass karajan mit der sachs-besetzung unzufrieden war. hvk war bekannt dafür, ungeliebte sänger gnadenlos ins akustische off zu dirigieren. jürgen kesting war bei aufnahmesitzungen in der lukaskirche zugegen und fragte, warum nicht ridderbusch die hauptrolle sänge. karajan sinngemäß: "schon mal was von politik gehört?" wenige jahre später flog ridderbusch dann bei solti raus. er sollte in der wiener aufnahme singen, hatte sich aber als sammler von nazi-devotionalien diskreditiert. eine vollkommen verständliche entscheidung soltis, aber - naja - musikalisch betrachtet ein bisschen schade: norman bailey als sachs, das funktioniert leider gar nicht. dann lieber theo adam, der immerhin sprachlich eloquent ist. mein lieblings-sachs der stereo-aufnahmen: thomas stewart. rafael kubeliks "meistersinger" sind ja ohnehin die besten nach kempe. auch dank konya, janowitz und - die tollste magdalene überhaupt - brigitte fassbaender. muss man kennen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.12.2015 19:21:45 GMT+01:00
Als Falstaff finde ich Evans wiederum nicht konkurrenzfähig (weder stimmlich noch wegen seines starken Akzents auch im Italienischen). Hier geht es um eine Hauptrolle (was der Beckmesser in meinen Augen nicht ist), somit ein Ausschlusskriterium. Deswegen würde ich die "Falstaff"-Aufnahme unter Solti auch nicht (mehr) kaufen. Schön bei Evans übrigens, dass er seiner Stimme (vermutlich absichtlich) die Färbung der "Elstern, Krähen und Dohlen" zu geben vermag, während Walther davon singt (Schluss des ersten Akts).
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Rezensentin / Rezensent

vully
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Ort: Neuhausen

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