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Der erste Fantasy-Roman, 13. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Flucht ins Feenland: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hintergrund - Zu Zeiten, als Séancen als chic galten, man seinen eigenen Sarg bereits seit der Geburt auf dem hauseigenen Speicher stehen hatte und selbst Sir Arthur Conan Doyle glaubte, seine Elfen von Cottingley zu sehen, schrieb Helen Hope Mirrless, die eher durch ihren elitären Freundeskreis (der unter anderem solche Namen wie Virginia Woolf, T.S. Eliot, W.B. Yeats oder Katherine Mansfiled umfaßte) denn als Autorin bekannt war, ihren einzigen Fantasyroman - "Lud-in-the-Mist", zu schlechtem deutsch "Flucht ins Feenland". Nachdem dieses Buch in den 70er Jahren in England wieder neu aufgelegt wurde (vom in Fantasy-Kreisen nicht unbekannten Lin Carter), erlebte es ein Comeback, welches schlußendlich zur ersten deutschen Übersetzung als Teil der Fantasy-Reihe bei Piper führte. Inhalt - Eine Inhaltsangabe findet sich bei der "Amazaon-de-Redaktion", also werde ich nur auf meine Interpretation eingehen. Fantasy ist nicht gleich Fantasy und das erfährt man in diesem Buch nochmal aufs Neue. Noch ein paar Jahrzehnte vor Tolkien's "Herr der Ringe" geschrieben entfaltet Hope Mirrlee's Werk auch einen völlig anderen Charme als es der berühmte Klassiker zu tun pflegt. Nein, In Lud-in-den-Nebeln geht es ruhig zu, so aber keinweswegs im Großteil des Buches. Im Nachwort wird es so ausgedrückt: "Das Buch beginnt als Reisebericht oder als historischer Roman, wird zu einer Pastorale, einem Schwank, einer Gesellschaftskomödie, einer Geistergeschichte und dann zu einer Detektivgeschichte. Und dennoch handelt es sich hier nicht um krude zusammengeschusterte Einzelteile, sondern um die ineinander verwobenen Stränge einer einzigen gewundenen Erzählung." Tatsächlich kann man das Buch auf viele Weisen lesen, unter denen die am wenigsten anspruchsvolle noch immer unterhaltsam und spannend ist. Läßt man sich aber auf alle Fäden ein und liest mit Genuß, dann wird man vermutlich den wirklichen Wert des Buches zu schätzen lernen, denn wahre Schätze verbergen sich in dem ein oder anderen Einzeiler. Da werden poetische Sätze fabuliert, die man noch Tage später im Kopf widerhallen hört, gesellschaftskritische Ideen angewandt (über die man zunächst lächelt, nur um dann das passende Pendant im eigenen Leben zu finden), kleine Lebensweisheiten nicht allzu gut versteckt oder auch einfach nur solide Spannung erzeugt, die einen zwar nicht bis zur letzten Seite, dafür aber lange genug im Bann hält, um den Schluß genießen zu können. Alles in allem ein nicht einfach zu lesendes Buch, daß seine volle Wirkung vielleicht erst dann entfaltet, wenn man Monate später durch eine Allee spaziert und plötzlich etwas im Kopf zu summen beginnt: "Ihr verfügt über Phantasie? So ist es für Euch stets ein Abenteuer, einen Laubengang entlangzuspazieren. Ihr betretet ihn kühnen Schritts, doch bald wünscht Ihr Euch, Ihr wäret draußen geblieben -- es ist keine Luft, die Ihr hier atmet, es ist Schweigen, das fast greifbare Schweigen der Bäume. Und die kleine runde Öffnung in der Ferne soll der einzige Ausgang sein? Ach, es wird Euch nie gelingen, Euch dort hindurchzuzwängen! Ihr müßt umkehren... zu spät!" Ausgabe & Aufmachung - Man denkt reumütig daran, was Piper wohl aus dem Herrn der Ringe herausholen würde, wenn man dieses im Vergleich eher bescheidene, unbekannte Büchlein in seiner prachtvollen Verpackung in Händen hält: Der Umschlag mit dem wunderschönen passenden Feenbild verbirgt lediglich die noch beeindruckendere Bindung - ein je nach Lichteinfall in Grün- Gelb- und Blautönen schimmernder Einband mit einem gelb-goldenen Lesebändchen. Innen sieht es nicht nicht weniger aufwändig aus - die Seitenzahlen sind verziert, die Überschriften sowieso und auch das Druckbild macht einen angenehmen Eindruck. Einziges kleines Manko waren für mich die 15, 20 Tippfehler, die zwar in dieser Zahl nicht sonderlich schlimm sind, einen aber öfter aus dem Lesetakt werfen, besonders wenn man nun nicht weiß, ob es wirklich vergebnen heißen sollte (was aufrgund der archaischen Sprache gut möglich wäre) oder einfach nur ein e bei vergebenen vergessen wurde. Ansonsten ein wirklich wunderscbön aufgemachtes Buch, an dem man auch nur beim Betrachten seinen Gefallen findet. Die Übersetzung ist bis auf den wenig passenden Titel wunderbar gelungen und der Ton scheint gut getroffen worden zu sein. Der Roman selbst nimmt "nur" 320 Seiten des 410 starken Seiten Buches ein, die ersten entfallen auf die Einleitung von Neil Gaiman, die restlichen 70 auf ein sehr interessantes Essay v. Michael Swanwick über mögliche Interpretationen des Werks als auch einen kurzen Abriß des Lebens der Schriftstellerin.
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Flucht ins Feenland: Roman 3492700195
Hope Mirrlees
Piper
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Der erste Fantasy-Roman
Hintergrund - Zu Zeiten, als Séancen als chic galten, man seinen eigenen Sarg bereits seit der Geburt auf dem hauseigenen Speicher stehen hatte und selbst Sir Arthur Conan Doyle glaubte, seine Elfen von Cottingley zu sehen, schrieb Helen Hope Mirrless, die eher durch ihren elitären Freundeskreis (der unter anderem solche Namen wie Virginia Woolf, T.S. Eliot, W.B. Yeats oder Katherine Mansfiled umfaßte) denn als Autorin bekannt war, ihren einzigen Fantasyroman - "Lud-in-the-Mist", zu schlechtem deutsch "Flucht ins Feenland". Nachdem dieses Buch in den 70er Jahren in England wieder neu aufgelegt wurde (vom in Fantasy-Kreisen nicht unbekannten Lin Carter), erlebte es ein Comeback, welches schlußendlich zur ersten deutschen Übersetzung als Teil der Fantasy-Reihe bei Piper führte.
Inhalt - Eine Inhaltsangabe findet sich bei der "Amazaon-de-Redaktion", also werde ich nur auf meine Interpretation eingehen. Fantasy ist nicht gleich Fantasy und das erfährt man in diesem Buch nochmal aufs Neue. Noch ein paar Jahrzehnte vor Tolkien's "Herr der Ringe" geschrieben entfaltet Hope Mirrlee's Werk auch einen völlig anderen Charme als es der berühmte Klassiker zu tun pflegt. Nein, In Lud-in-den-Nebeln geht es ruhig zu, so aber keinweswegs im Großteil des Buches. Im Nachwort wird es so ausgedrückt: "Das Buch beginnt als Reisebericht oder als historischer Roman, wird zu einer Pastorale, einem Schwank, einer Gesellschaftskomödie, einer Geistergeschichte und dann zu einer Detektivgeschichte. Und dennoch handelt es sich hier nicht um krude zusammengeschusterte Einzelteile, sondern um die ineinander verwobenen Stränge einer einzigen gewundenen Erzählung." Tatsächlich kann man das Buch auf viele Weisen lesen, unter denen die am wenigsten anspruchsvolle noch immer unterhaltsam und spannend ist. Läßt man sich aber auf alle Fäden ein und liest mit Genuß, dann wird man vermutlich den wirklichen Wert des Buches zu schätzen lernen, denn wahre Schätze verbergen sich in dem ein oder anderen Einzeiler. Da werden poetische Sätze fabuliert, die man noch Tage später im Kopf widerhallen hört, gesellschaftskritische Ideen angewandt (über die man zunächst lächelt, nur um dann das passende Pendant im eigenen Leben zu finden), kleine Lebensweisheiten nicht allzu gut versteckt oder auch einfach nur solide Spannung erzeugt, die einen zwar nicht bis zur letzten Seite, dafür aber lange genug im Bann hält, um den Schluß genießen zu können. Alles in allem ein nicht einfach zu lesendes Buch, daß seine volle Wirkung vielleicht erst dann entfaltet, wenn man Monate später durch eine Allee spaziert und plötzlich etwas im Kopf zu summen beginnt: "Ihr verfügt über Phantasie? So ist es für Euch stets ein Abenteuer, einen Laubengang entlangzuspazieren. Ihr betretet ihn kühnen Schritts, doch bald wünscht Ihr Euch, Ihr wäret draußen geblieben -- es ist keine Luft, die Ihr hier atmet, es ist Schweigen, das fast greifbare Schweigen der Bäume. Und die kleine runde Öffnung in der Ferne soll der einzige Ausgang sein? Ach, es wird Euch nie gelingen, Euch dort hindurchzuzwängen! Ihr müßt umkehren... zu spät!"
Ausgabe & Aufmachung - Man denkt reumütig daran, was Piper wohl aus dem Herrn der Ringe herausholen würde, wenn man dieses im Vergleich eher bescheidene, unbekannte Büchlein in seiner prachtvollen Verpackung in Händen hält: Der Umschlag mit dem wunderschönen passenden Feenbild verbirgt lediglich die noch beeindruckendere Bindung - ein je nach Lichteinfall in Grün- Gelb- und Blautönen schimmernder Einband mit einem gelb-goldenen Lesebändchen. Innen sieht es nicht nicht weniger aufwändig aus - die Seitenzahlen sind verziert, die Überschriften sowieso und auch das Druckbild macht einen angenehmen Eindruck. Einziges kleines Manko waren für mich die 15, 20 Tippfehler, die zwar in dieser Zahl nicht sonderlich schlimm sind, einen aber öfter aus dem Lesetakt werfen, besonders wenn man nun nicht weiß, ob es wirklich vergebnen heißen sollte (was aufrgund der archaischen Sprache gut möglich wäre) oder einfach nur ein e bei vergebenen vergessen wurde. Ansonsten ein wirklich wunderscbön aufgemachtes Buch, an dem man auch nur beim Betrachten seinen Gefallen findet. Die Übersetzung ist bis auf den wenig passenden Titel wunderbar gelungen und der Ton scheint gut getroffen worden zu sein. Der Roman selbst nimmt "nur" 320 Seiten des 410 starken Seiten Buches ein, die ersten entfallen auf die Einleitung von Neil Gaiman, die restlichen 70 auf ein sehr interessantes Essay v. Michael Swanwick über mögliche Interpretationen des Werks als auch einen kurzen Abriß des Lebens der Schriftstellerin.
preludetoakiss
13. Mai 2004
- Insgesamt:
5

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Details
Ort: Gütersloh
Top-Rezensenten Rang: 766.152
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