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84 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Peter Maffay - Wenn das so ist (Premium Edition), 17. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wenn das so ist (Premium-Edition) (Audio CD)
Ganze sechs Jahre mussten Fans von Peter Maffay auf ein neues, reguläres Studioalben warten – nach dem Longplayer „Ewig“ aus dem Jahr 2008 erschienen bisher ein neues Tabaluga-Album sowie Neuaufnahmen alter Songs mit einem Orchester als „Tattoos“. Anfang 2014 nun also „Wenn das so ist“, das in seiner Premium-Edition satte 15 neue Songs enthält. Und das Warten hat sich gelohnt! Maffay 2014 ist kerniger denn je, enthält eine ausgewogene Mischung aus harten Rock-Nummern und langsamen Balladen, bietet Nachdenkliches ebenso wie richtige Ohrwürmer. Mit seiner Band bildet er eine untrennbare Einheit, auch wenn Maffay mit seiner Gitarre und seinem Gesang immer im Mittelpunkt stehen.

Dabei ist aus die Themenvielfalt der Texte bestechend, neben einigen Liebesliedern werden hier auch neue Wege begangen, es geht um Tattoos und Maffays Liebe zum Motorradfahren ebenso wie um Sozialkritisches und die Auseinandersetzung mit dem Tod. Die Texte sind sehr treffend formuliert und offenbaren das Innerste von Maffay – auch wenn er nicht selbst geschrieben hat, sondern diese von ihm nahe stehenden Textern stammen. Nun etwas mehr zu den einzelnen Songs:

„Niemals war es besser“ ist als Opener der CD hervorragend gewählt, ist ein typischer Maffay-Rocksong mit satten Gitarrenklängen, schnellem, abgehackten Gesang und einem treibenden Beat. Der Text steht symbolisch für den kleinen Neuaufbruch, den der Künstler mit seiner Band gewagt hat und wieder mehr zu seinen Wurzeln zurückführt, rauer klingt. Ein Song der ohne weiteres auch auf frühere Alben wie z.B „96“ gepasst hätte.

„Wenn der Himmel weint“ startet mit einer verträumten Klaviermelodie, die zwar schon bald von einem prägnanten Schlagzeug und den unumgänglichen Gitarren begleitet wird, aber sich als Thema durch den gesamten Song zieht. Es ist ein Mitmach-Song, eine Aufforderung Altes in Frage zu stellen und neue Wege zu bestreiten. Text und musikalisches Arrangement harmonieren sehr miteinander und lassen diesen Song mit Sicherheit zu einem Dauerbrenner auf den stets gut besuchten Konzerten werden. Mit über sechs Minuten Laufzeit der längste Song des Albums.

„Wer liebt“ schlägt dann etwas ruhigere Klänge an, berichtet von einer unglücklichen Liebe. „Die Welt verbrennt vor meinen Augen, und ich kann nichts dagegen tun“ heißt es darin. Neben den harmonischen Strophen sticht besonders eine hohe Note im Refrain hervor, in der Bridge setzt zum ersten Mal auf dem Album ein Saxophon ein, der dem Song noch einmal eine dringlichere Note verleiht.

„Nur du hörst“ macht mit der etwas melancholischeren Stimmung auch wieder gleich Schluss, schon zu Beginn dröhnen elektrische Gitarren aus den Boxen und gestalten einen Raum für einen kerligen Song, der mit kleinen elektronischen Elementen und gekonnten Kunstpausen überzeugt. Auch hier ist der Refrain wieder mit dynamischen Gesang und einem energiegeladenen Melodieverlauf versehen und bleibt sofort im Ohr – einer der ganz großen Kracher des Albums.

„Wildnis“ ist eine Liebeserklärung der besonderen Art, Maffay dankt für das Verständnis für seine raue Seite, die nicht nur aufgenommen wird, sondern auch ausgelebt werden kann, für den Ruhepol, die erdet – „Du bist für die Wildnis geboren“. Akustikgitarren bilden die Basis, leise schrebbelnde Gitarren und ein sanftes Keyboard schmücken den Song weiter aus, in dem Maffays Stimme gut zur Geltung kommt. Ein sehr persönlicher und sehr starker Song.

„Die Geister, die ich rief“ klingt sehr lässig und hat leichte Country-Einschläge, der Refrain mit dem recht tief singenden Männerchor im Hintergrund enthält recht lange Töne und wirkt so etwas bedächtig, die Strophen sind etwas dynamischer gehalten. Es geht um das tägliche Gedankenkarussell, das sich so schwer abstellen lässt und verwendet hierfür treffende Bilder.

„Schwarze Linien“ wirkt für Maffay recht experimentell und zeigt, dass sich auch ein Künstler mit über 40-jähriger Bühnenpräsenz noch weiterentwickeln kann. Die leise musikalische Untermalung während der Strophen wirkt ein wenig düster, die klare Akustikgitarre wird von tragenden Elektrogitarrenriffs unterbrochen, auch Maffays Gesang ist hier leiser, aber eindringlicher. Der Refrain ist dann wieder etwas typischer, aber alles andere als langweilig und hat eine hymnenhafte Ausstrahlung. Textlich geht es um Tattoos, die Faszination für die Hautbilder wird sehr wortreich und überzeugend geschildert.

„Sie bleibt“ ist mit knapp drei Minuten der kürzeste Song des Albums – und gerade deswegen so erfrischend knackig und dramaturgisch gut aufgebaut. Zwei Strophen mit jeweils sechs Zeilen, ein langer Refrain, der immer wieder von einem Chor begleitet wird, der den Songtitel immer wiederholt. Dazu wieder dieses ausdrucksstarke Saxophon, das sich eng an den rockigen Song schmiegt. Richtig groß und ein weiteres Highlight des Albums.

„Gelobtes Land“ ist ebenfalls sehr ungewöhnlich für Maffay, hat er hier doch einen Bob Dylan-Song gecovert und mit einem deutschen Text versehen. Es ist eine Hommage an das Motorradfahren, eine Liebeserklärung an die kompromisslose Freiheit und dabei auch musikalisch sehr stark umgesetzt. Ein sehr voluminöser Sound mit zahlreichen, bestens miteinander harmonierenden Instrumenten, aus denen wieder das Saxophon heraussticht, dazu ein eingängiger Chor. Unglaublich, wie sehr Maffay sich den Song zu Eigen gemacht hat und ihn auf seine ganz eigene Weise spielt und singt und trotzdem das Original durchschimmern lässt.

„Bis zum Schluss“ ist recht textlastig und bietet zahlreiche Optionen, eigene Erfahrungen und Gefühle hinein zu transportieren. „Wenn du mal an mich denkst, denk an Sturm, denk an Wellen, denn sie sind der Beweis, dass du spürst, ich bin frei“ heißt es da ganz zu Beginn, sehr eingängig und gefühlvoll. Die recht laute Umsetzung des Songs mit durchdringendem Gitarrensound erinnert ebenfalls an frühere Songs und setzt ein deutliches Statement, dass Maffay Rockigkeit und eingängige Melodien immer noch bestens verknüpfen kann.

„Nah bei mir“ ist der erste von drei aufeinander folgenden Songs, die nur auf der Premium-Edition enthalten sind – und diesen sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Es ist der mit Abstand ruhigste und emotionalste Song des Albums, wird nur von einem einsamen Klavier und Maffays Stimme getragen, die hier wundervoll und melancholisch klingt. Der Verlust eines geliebten Menschen wird hier verarbeitet, und das hat mich in seiner Schlichtheit, in der Gefühlsbetontheit wirklich zu Tränen gerührt. Grandios!

„Laß mich in dein Herz“ ist ein ruhiger, gitarrenlastiger Song, der im besten Sinne zu Maffays „Schnulze
n“ zählt, man kann förmlich entzündete Feuerzeuge und sich in den Armen liegende Menschen auf Maffays Konzerten sehen. Sehr sanft, sehr entspannt, aber dabei keinesfalls belanglos. Eine gesprochene Zeile hier, ein kraftvoll in die Länge gezogener Ton da, eine leicht gebrochene Note dort stellen Maffays Stimme in den Mittelpunkt und zeigen seine Variabilität, seine Vielfalt, die sich durch das ganze Album zieht.

„Grenzenlos“ ist ebenfalls nur auf der erweiterten Version des Albums zu hören. Schrammelige Gitarren und ein kraftvolles Schlagzeig eröffnen den Song, in dem Maffay tief und düster singt. Im Refrain dreht der Song dann noch einmal richtig auf und steigert sich zu einem wuchtigen Orkan an Instrumenten, um in den Strophen wieder die Kurve nach unten zeigen zu lassen, was einen sehr dynamischen Ausdruck für den kompromisslosen Text schafft: „Es gibt keinen Weg, außer dem, den wir leben“ und „Nur Liebe macht uns groß, sie allein ist grenzenlos“ heißt es da.

„Wenn das so ist“ ist die prägnanteste Textzeile des Songs und wird von einem Chor immer wieder wiederholt, auch dies wird sich zu einem Mitsing-Song auf den Konzerten entwickeln. Der Titelsong des Albums präsentiert sich sehr präsent und durchdringend, sehr melodiös und textlich sehr stark. Er fordert zum Nachdenken auf, ist gesellschaftskritisch, ohne pathetisch zu sein und nimmt jeden einzelnen in die Pflicht, Dinge zu ändern. Auch im Schlussteil verliert der Song nichts von seiner Energie, sondern kann sich mit rhythmischem Schlagzeug noch weiter steigern.

„Halleluja“ ist nicht nur der letzte Song des Albums, sondern auch die erste Singleauskopplung. Ungewöhnlich, diese ans Ende des Albums zu setzen, aber auch sehr sinnvoll, da der Text sich wie ein Mantel um das gesamte Album legt. Das intensiv gelungene „Halleluja“ wirkt ebenso befreiend wie ausdrucksstark, erinnert an die Vergänglichkeit, fordert zum Handeln auf, lässt aufeinander zugehen und verzeihen. Es hat etwas gedauert, bis ich mit dem Song richtig warm geworden bin, doch mittlerweile halte ich ihn für sehr, sehr stark, die Hymnenhaftigkeit mit dem Gänsehaut-Text und der sehr dynamischen Instrumentalisierung ist großartig.

In der Premium-Ausgabe findet sich noch eine DVD, die es in sich hat. Neben Interviews, einer kurzen Dokumentation und dem Video zur Single enthält sie noch eines der Konzerte der Extratour 2013, live von der Loreley. Eine tolle Zugabe, zumal der Sound voll und das Bild gelungen ist, nicht allzu viele Schnitte sorgen für echtes Konzert-Feeling. Zahlreiche Songs, die lange nicht gespielt wurden, musikalische Evergreens von Maffay, drei der neuen Songs dieses Albums und zwei Duette mit dem grandiosen Laith Al-Deen machen richtig Spaß und lassen die tolle Show unvergänglich werden. Schade nur, dass nicht alle Songs vorhanden sind, die gespielt wurden. So fehlt beispielsweise „Happy Birthday“ und der „HBF-Blues“, in dem die Backgroundsänger zeigen konnten, was sie so alles drauf haben. Dennoch eine sehr lohnenswerte Zugabe, die den Lauf der erweiterten Version fast schon zur Pflicht werden lässt.

Die Gestaltung der CD ist sehr ansehnlich gelungen, ein stabiles, mehrfach aufklappbares Digipack ist mit zahlreichen Fotos gestalten und enthält neben der CD und der DVD noch ein umfangreiches Booklet mit weiteren Motiven. Diese sind in einer weitläufigen Steinwüste aufgenommen worden und zeigen neben Maffay auch seine Band, mit der er mittlerweile lange Jahre zusammenspielt. Und auch das Motorrad darf hier nicht fehlen, es unterstreicht wie alles andere die rockige Ausstrahlung des Albums. Unscheinbares, aber dennoch gut gelöstes Detail: Das FSK-Logo ist nicht aufgedruckt, sondern aufgeklebt, sodass es leicht ablösbar ist.

Peter Maffay hat mit „Wenn das so ist“ ein sehr, sehr starkes Album abgeliefert. Es enthält keinerlei Ausreißer nach unten, aber viele eingängige oder berührende Songs. Viele davon haben das Potential zum Dauerbrenner auf den Konzerten, sind wahre Ohrwürmer und überzeugen mit einem ausdrucksstarken Text, der zum Nachdenken anregt. Die Themenwahl ist breit gefächert, und auch musikalisch werden eingetretene Pfade verlassen. Das Album ist greifbarer, kerniger und mittelbarer als gewohnt und gehört zu den stärksten Werken des Künstlers.
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Kommentare

Von 3 Kunden verfolgt

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1-10 von 16 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.01.2014 15:00:46 GMT+01:00
Betty meint:
Eine ganz tolle Rezension! Ich wollte eigentlich heute auch eine schreiben, nachdem ich das Album erhalten habe, aber der Ihren ist nix mehr hinzuzufügen, Glückwunsch ;-) .
Es ist wirklich ein sehr schönes Album geworden und nix anderes habe ich von Maffay erwartet, einfach Klasse.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2014 16:13:27 GMT+01:00
Danke für die netten Worte, ich freue mich das ihnen die Rezension gefällt. Sie haben recht, es ist ein großartiges Album geworden. Es läuft bei mir in der Dauerschleife.

Veröffentlicht am 22.01.2014 14:39:39 GMT+01:00
Jürgen Harms meint:
Nach dieser hervorragenden Rezension erübrigt sich jede weitere. Es ist alles ausgezeichnet dar- und vorgestellt. Dem kann man nichts mehr hinzufügen. Auch bei mir läuft die Scheibe förmlich in der Dauerschleife, so genial ist dieses Album. Ein wahres Meisterwerk

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.01.2014 16:10:46 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.01.2014 16:11:00 GMT+01:00
Auch hier vielen Dank für die netten Worte. Es freut mich das ihnen das Album genauso gut gefällt wie mir.

Veröffentlicht am 23.01.2014 09:52:55 GMT+01:00
hh1234 meint:
Wow. Was für eine Rezension.
So in der Art müssten alle bei Amazon sein.
Klasse und vielen Dank.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.01.2014 13:15:22 GMT+01:00
Danke, ich freue mich das ihnen die Rezension gefällt. Ich hoffe sie haben Spaß mit dem Album von Peter Maffay.

Veröffentlicht am 25.01.2014 18:43:56 GMT+01:00
Lexi meint:
Perfekt, ich hätt's nicht besser sagen können.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.01.2014 10:58:49 GMT+01:00
Danke!!!

Veröffentlicht am 01.02.2014 08:11:39 GMT+01:00
K.W. meint:
Danke für die sehr ausführliche Rezension. Sie ist absolut gelungen und gibt genau meine Gedanken wieder.
Das Album ist einfach spitze und läßt den Cd-Player heiß laufen. :-)

Veröffentlicht am 03.02.2014 18:02:19 GMT+01:00
Udo Reuter meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]
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