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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
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Rezension bezieht sich auf: History of Modern (Deluxe Editon) (Audio CD)
Es gibt wohl für viele eine Band, die gleichbedeutend mit ihrer Jugend ist, mit dem Kennenlernen von Musik, dem Erwachen des Fantums. Deren Namen man tausendfach auf Stiftekladden, Schulhefte und ähnliches malt, deren Texte man schüchtern von der jungen Englisch-Refenderarin interpretieren lässt, deren Singles, Maxis und sogar Videos man sammelt, deren Auflösung/Trennung einen wirklich schockt - und über deren Comeback man deshalb gar nicht anders kann, als sich zu freuen, wenn auch nur auf emotionaler Ebene. Bei mir waren bzw. sind das OMD, deren Album "Dazzle Ships" (ausgerechnet) meine zweite Platte überhaupt war. Vielleicht empfinde ich auch deshalb diese LP heute noch als die beste der Band und nicht "Architecture & Morality", die zugegeben kurz danach rangiert. Was nun das neue Werk angeht, bin ich, angesichts der kindlichen Freude, die mich immer noch erfüllt, wenn ich OMD im Radio höre, einen Artikel in der Intro oder der Spex finde, leider zwiegespalten. Denn musikalisch überwiegt für mich doch eher die Enttäuschung, gerade, weil die Band hier keinesfalls zu ihren großen Tugenden aus den 80ern zurückkehrt, es sei denn, man betrachtet bereits möglichst banale, eingängige Melodien und ein paar typische Mellotron-Sounds als diese. Als Andrew McMcluskey "seine" Version von OMD in den 90ern weitergeführt hat, war ich zwar auch der Ansicht, dass er ein wesentliches Merkmal der Band völlig vergessen hat, nämlich die große Instrumental-Melodie als Kernmerkmal eines Songs ("Maid of Orleans", "Enola Gay", "Souvenir"), aber ansonsten kommt das neue Werk eher als Verwandter dieser Periode daher - insbesondere Songs wie "Pulse", offensichtlich von McCluskeys Girlgroup-Resterampe wiederaufbereitet, oder "The Right Side" und "Sometimes" klingen weit mehr nach dieser Zeit als den seligen 80ern. Dazu empfinde ich die etwas zu eindeutige Zweitverwertung existierenden Materials als unschön: Dass sie mit "If you want it" das irgendwie unterschätzte "Walking on the Milky Way" noch mal veröffentlichen, geschenkt, aber müssen sie mit "New Holy Ground" tatsächlich nachträglich beweisen, was für ein toller Song "The Avenue" (B-Seite von "Locomotion") seinerzeit war? Dass "Sister Marie Says", das eben tatsächlich ein bisschen ZU sehr nach "Enola Gay" klingt (weshalb die Band bislang zu Recht darauf verzichtet hatte, den Song aufzunehmen), sogar eins der besseren Stücke des Albums ist, spricht Bände. Das mag allen gefallen, die auch gern "Die ultimative Charts-Show der 80er" gucken und auf Ü30/40-Partys gehen, aber verglichen mit aktuellen Elektronik-Acts wirkt das doch alles furchtbar altbacken. Was schade ist, denn mit "New Babies: New Toys" (trotz ebenfalls etwas SEHR banaler Melodie- und Akkord-Führung) und "The Future, the Past and Forever After" sind zumindest zwei Stücke auf der Platte, die Lust auf mehr machen. In der Hoffnung, dass es den beiden sympathischen Engländern gelingt, sich wirklich auf die Stärken ihrer frühen Werke zu besinnen. Und mehr als nur nostalgische Resteverwertung dabei herauskommt.
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
21.09.2010 23:17:55 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.11.2010 15:21:09 GMT+01:00
Peter Symanzik meint:
was soll ich sagen. So hätte ich es auch geschrieben, wenn ich es mir hätte eingestehen können, dass es tatsächlich so ist. aber ich kann es mir nicht eingestehen. aber im grunde muss man es, denn diese cd hat leider nichts mit den wirklich epochalen songs wie navigation, statues oder the romance of the telescope zu tun. p. humphreys war hier leider nur gehilfe, denn das ganze album klingt zu sehr nach mccluskey, leider. zu sehr nach 90er, die nun wirklich old fashioned sind.
Veröffentlicht am
04.10.2010 11:31:10 GMT+02:00
M. Haul meint:
Ich kann Deine Kritik durchaus in Teilen unterstreichen, ich finde auch, dass das Album etwas zu sehr nach McCluskeys 90er-Jahre-OMD klingt. Ich hätte mir mehr Einfluss von Paul Humphreys, mehr "OneTwo", mehr Experimentalität gewünscht. Allerdings bist Du auch ein wenig inkonsequent, wenn Du "Sister Marie Says" mit "Enola Gay" und "New Holy Ground" mit "The Avenue" vergleichst und am Ende das ganze Album als ein Recyclingprodukt für Achtzigerjahre-Nostalgiker abtust. Was denn nun? Ich persönlich finde nicht, dass die beiden erwähnten Songs an "Enola Gay" oder "Avenue" erinnern - und wäre froh, wenn sie es denn wirklich täten! (Nebenbei: Ich bin zwar auch fast vierzig, aber gehe auf keine "Ü"-Partys oder gucke "Chartshow" ...)
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
04.10.2010 13:56:20 GMT+02:00
Matthias Wieland meint:
Es geht bei der ganzen Diskussion, ob das Album nun perfekt für Fans der alten OMD ist oder nicht natürlich auch um nicht diskutierbare Faktoren wie Geschmack bzw. die Art, Musik zu hören. Für einige mag tatsächlich der oberflächliche Klang der Songs einen angenehmen Erinnerungseffekt haben - und Dinge, die wir schon kennen, machen die Rezeption immer etwas leichter - siehe den großen Erfolg von "Chartshow" und "ü30"-Partys ;)
Aber heute einfach die komplette Struktur (inklusive der Melodieführung) von "Enola Gay" zu kopieren oder den Walzerrhythmus aus "Maid of Orleans" zu benutzen (inklusive Mellotron-Sound am Ende) ist für mich - trotz des Wohlfühleffekts, den beispielsweise "Sister Mary Says" bei unkritischer Hörweise in mir auslöst - einfach zu wenig, bzw. zu oberflächlich. Inkonsequent bin ich also vor allem darin - da gebe ich dir Recht - dass ich von OMD sicher kein richtungsweisendes Elektronikwerk a la Hot Chip oder Royksopp erwartet habe und im Prinzip nicht viel gehabt hätte gegen ein gelungenes Nostalgie-Album - eines, das den Geist der alten OMD, so wie ich sie verstanden habe, aufleben lässt. Was zugegeben dann wieder eine sehr subjektive Sichtweise ist. Aber so ist das nun mal mit dem Geschmack...
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
14.10.2010 20:16:05 GMT+02:00
M. Haul meint:
"Chartshow" und "Ü30-Partys" sind reine Nostalgietrips, die das Gewesene eins zu eins wiederkäuen. Worum es aber hier geht, ist die Frage, ob und wie man an das Alte anknüpfen sollte. Ist Nostalgie wirklich nur "oberflächlich", dürstet sie nur nach "leichter Rezeption"? Ich denke, dass ein radikal neuer Sound die wenigsten Fans angesprochen hätte. Du sagst in Deiner Rezi ja selbst, dass Du es ein bisschen bedauerst, dass OMD nicht stärker an ihre "großen Tugenden aus den Achtzigern" anknüpfen. In diesem Punkt bin ich mit Dir völlig konform - ich hätte mir ein klares Anknüpfen an diese Tugenden, an die Frühwerke von OMD gewünscht. "History of Modern" klingt insgesamt zu stark nach McCluskeys Neunzigerjahre-OMD. In dieser Hinsicht gefallen mir gerade die beiden letzten Tracks des Albums am besten, weil sie besonders old fashioned daherkommen. An die alten Großtaten reichen sie freilich nicht mehr heran. Aber gut hörbar sind sie allemal. Und mal ehrlich: So ziemlich jeder Song mit Walzerrhythmus von OMD wird zwangsläufig mit "Maid of Orleans" verglichen werden - soll OMD deshalb niemals mehr einen Walzerrhythmus benutzen? Nichtsdestotrotz kann ich auch die moderner klingenden Songs, allen voran "New Babies: New Toys", durchaus genießen. Knackige Popsongs ohne Tiefgang, flott und hörbar.
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
05.11.2010 15:45:18 GMT+01:00
Peter Symanzik meint:
aber wenn wir mal ehrlich sind.....gerade die OMD 3/4 Takt Stücke sind die, die einen großen Eindruck hinterlassen. Maid of Orleans, International, Bondage of Fate, Victory Waltz (habe ich eins vergessen?). Hintereinander gehört weisen alle, bis auf die Tatsache, dass es der gleiche Takt ist, doch große Unterschiede auf. wenn sie was können, dann Walzer :-)
Veröffentlicht am
08.04.2013 04:47:47 GMT+02:00
RoHLand meint:
Ich finde auch nicht, dass New Holy Ground zu sehr nach The Avenue klingt (höchstens ganz entfernt) - aber selbst wenn Sie's so sehen wollen (als eine Art The Avenue II), seien Sie froh, dass dieser großartige Track endlich auf einem regulären Album erscheint! Das war ja ursprünglich nur eine 12" B-Seite und lange Zeit nur sehr schwer zu erhalten (zumindest bis zum Erscheinen von Navigation)
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