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5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beim dritten Mal scheint's nun doch geklappt zu haben..., 15. November 2012
Rezension bezieht sich auf: James Bond 007 - Skyfall (DVD)
...wenigstens was die Beziehung zwischen "James Bond" und Daniel Craig betrifft.

Vorweg muss ich sagen, dass ich Daniel Craig als Bondverkörperung generell eher kritisch gegenüberstehe. Zwar habe ich "Ein Quantum Trost" als deutliche Steigerung gegenüber "Casino Royale" empfunden, aber an einen Sean Connery wird der gute Herr Craig halt trotzdem nie ganz herankommen. Aber lassen wir das jetzt...

Verblüffend für mich war - als ich "Skyfall" nun gesehen habe -, dass ich erstmals nicht wehmütig an einen Craigs Vorgänger habe denken müssen. ENDLICH, endlich ist es (ihm) gelungen einen "eigenen", authentischen Stil zu entwickeln. Mr. Craig mimt zwar nicht unbedingt den klassichen "Sir", der es durchaus auch versteht sein Leben (als Bond) in vollen Zügen zu genießen, dennoch ist dieses Mal (endlich) eine gewisse unarrogante Lässigkeit zu spüren - oder nennen wir's meinetwegen eine nicht aufgesetzte, echte, glaubwürdige Lässigkeit (Mimik, Gestik, Witzchen betreffend)... Und das tut "Skyfall" und der Figur James Bond im Allgemeinen äußerst gut, würde ich meinen.

Ein weiterer Pluspunkt (aus meiner bescheidenen Sicht) ist der Verzicht auf Verfolgungsjagden und Actionszenen mit gefühlten 100 Schnitten pro Minute! Zwar ist der Vorspann sehr dynamisch ausgestaltet worden, dennoch kommen die Augen bei diesen Szenen noch mit und man muss sich als Zuseher nicht ständig die Frage stellen, was man da gerade eben zu sehen bekommen hat (und ob es denn auch logisch bzw. schlüssig sei).

Auch gelungen ist der Einbau altbekannter Charaktere wie etwa. Mrs. Moneypenny oder "Q" (hoffentlich bleibt der jetzt mal länger). Judi Dench, die mir in ihrer Rolle als "M" immer recht gut gefallen hat, macht ihre Sache ebenfalls großartig. Schade eigentlich, dass wir uns nun von ihr verabschieden werden müssen (aber sei ihr der Bond-Ruhestand nach so vielen Folgen herzlichst gegönnt).
Zwar wirkt das Ende von "Skyfall", das stark (Büro des MI6 usw.) an die Bonds der 60er und 70er erinnert, offengestanden ein wenig "hinkonstruiert", dennoch müsste ich lügen, wenn ich nun behauptete, es hätte mir nicht gefallen.
Ich find's gut, dass man so in gewisser Weise dem 50jährigen Jubiläum Tribut zollt...

Sogar der alte Aston Martin wurde (plus einigen altbekannten Extras) dafür wieder ausgegraben - selbst wenn er letztendlich (aber wie könnte das anders sein) zerstört wird.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir der Bösewicht. Es erscheint mir passend, einen "Verräter" aus den eigenen Reihen, der eine Art Rachefeldzug gegen den MI6 (und "M" im Speziellen) führt als ebenbürtigen Widersacher Bonds auf die Leinwand zu bringen. Schade hingegen ist wiederum, dass nun der Mythos der "übermächtigen" Verschwörungsorganisation(en) (wie es ja z.B. bei "Ein Quantum Trost" der Fall war, bei den älteren Bond-Filmen sowieso...) (wieder mal) verschwindet. Die damit einhergehende Frage, ob denn der MI6 und somit die Doppelnullagenten und James Bond an sich noch zeitgemäß seien, steht dabei gar nicht einmal zu unberechtigt im Raum. Obwohl es im Zuge des Films eher ein augenzwinkender-zynischer Kommentar sein sollte, hat man damit (vielleicht wirklich unbeabsichtigt) so ein bisschen das Dilemma des "Zeitgeistes" in Bond-Filmen angesprochen.
Gut, man hat (neben anderer bereits oben erwähnter bemühter und teils auch gelungener Anlehnungen) viele Orte, die bereits in Vorgängerfilmen bereist worden waren (Istanbul, Shanghai, Macau, London - mal ungewöhnlich lange), aufgesucht, um wenigstens entfernt daran zu erinnern, dass die Figur James Bond immer auch einer gewissen "Tradition" (in einem weiteren Sinn freilich) verpflichtet ist und ein wahrer, würdiger James-Bond-Sreifen nie zu einer 0/8/15-Tschäng-Bumm-Krach-Kiste gemacht werden soll(te).
Dennoch - und da muss ich einigen kritischen Rezensenten durchaus zustimmen - erinnern viele Elemente von "Skyfall" an bereits Dagewesenes - und damit meine ich Dagewesenes aus Nicht-Bond-Filmen. Schauen Sie sich z.B. mal die "Bourne-Identität" o.Ä. an und dann werden Sie wissen, was ich meine...
Irgendwie scheint man tatsächlich vor einem "Image-Problem" zu stehen. Und obwohl ich wie schon gesagt Mr. Craig bestimmt recht kritisch gegenüberstehe, ist dies keineswegs ausschließlich eine Frage der Besetzung der Hauptrolle. (Im Gegenteil - Craig selber gefällt mir in "Skyfall" besser als in beiden Vorgängern).
Manchmal beschleicht einen ganz unwillkürlich das Gefühl, als sei die Figur James Bond gar nicht mehr das Wichtigste an Bond-Filmen.
Als Bond seinen Widersacher durch die Londoner U-Bahn-Welt verfolgt und ständig von "Q" angeleitet wird (um den Flüchtigen nicht aus den Augen zu verlieren) fragt man sich: Was würde dieser arme 00-Agent nur ohne Satelliten und Funkempfänger machen?...
Ist denn das noch Bond?? Keine Frage: Man muss natürlich progressiv bleiben und mit der Zeit gehen. Und selbstverständlich soll James Bond technisch immer up to date sein... Dennoch geht dabei die "Selbstständigkeit" des Individuums James Bond ein wenig unter. Überhaupt scheint Bond, wenn er unbeobachtet ist oder sich unbeobachtet fühlt, nichts mit seiner Zeit anzufangen zu wissen... außer sich volllaufen zu lassen...
Natürlich wissen wir seit jetzt, "Skyfall" nämlich, dass das auch ein bisschen mit seiner Vergangenheit als Vollwaise zu tun hat. Aber mal ehrlich: Interessiert es einen James-Bond-Fan wirklich, aus welchen familiären Verhältnissen er stammt??
Und außerdem: Wo ist der "Lebemann" Bond, der sich's zwischendurch auch mal gut gehen lässt, der sich seine Zeit mit Champagner, gutem Essen und schönen Frauen vertreibt?...

Also: So sehr man darum bemüht war, mithilfe "althergebrachter" Schauplätze und Spielzeuge und Figuren an die ehrwürdige Bond-Tradition zu erinnern, so wenig scheint dies im Plot an sich ein wichtiges Anliegen zu sein...
Stellenweise wirkt es fast so, als würde James Bond seine "Vorfahren" selbst karikieren und sich dabei unbeabsichtigt selbst (gegenwärtig) mehr noch ins Lächerliche ziehen als das, worüber man sich eben noch lustig machen wollte...
Freilich werden sich immer wieder Leute finden, die sagen, es sei toll, dass man sich selber nicht allzu ersnt nimmt - ich selbst stimme da schon auch zu! Trotzdem wird es nötig sein in den kommenden Filmen einen ausgewogenen Mittelweg zwischen Zynismus und Ernsthaftigkeit zu finden, einen, der gleichzeitig auch noch Daniel Craigs Interpretation Bonds entspricht.
Es wird also in jedem Fall kein leichter Weg in die Zukunft!
Schön, dass man sich nun an einige (wenngleich freilich neubesetzte) alteingesessene Charaktere gewöhnen darf, die hoffentlich auch in den kommenden Bond-Abenteuern wieder zu sehen sein werden.
Ob die künftigen Gegenspieler dabei aber nun immer einzelne Spinner, Querulanten und verschüttete Persönlichkeiten sein müssen, wage ich einmal offen in Frage zu stellen. Wäre doch schön, wenn sich wieder eine große, mysteriöse "Unterweltgruppierung" (mit vielen, vielen undurchsichtigen Mittelsmännern und Zweigstellen) finden würde, mit der es der MI6 immer wieder (auf die eine oder andere Weise) zu tun bekommt.
Warum sollte man nun auch etwas zwanghaft "abwürgen", was fast 50 Jahre über (mit einigen unrühmlichen Ausnahmen freilich) so gut geklappt hat??
Freilich: Der Kalte Krieg ist längst passe... Aber ein Pierce Brosnan hat ja auch in einigen seiner Fälle mit "größeren" Gegenspielern zu tun...

Was ich damit sagen will: Bond soll nicht ständig zu einer persönlichen Rachefeldzug-Kiste herbgewürdigt werden. Seit Daniel Craig läuft man (leider) immer stärker Gefahr, sich zu sehr auf die "Macken" einzelner Charaktere (Bond natürlich im Speziellen) zu konzentrieren, wobei das (für mich) Wesentlich unverkennbare Bond-Grundelement auf der Strecke zu drohen bleibt: die mystische, thrill-geschwängerte Atmosphäre, gepaart mit einem zarten Hauch an (dünn aufgetragener) Ironie...

Immerhin bin ich mittlerweile so weit, dass ich sagen kann, ich freue mich (wirklich) auf den nächsten Bond mit Daniel Craig... Nach "Casino Royale" hätte ich davon nicht mal zu träumen gewagt, wenn ich ehrlich bin!

P.S. Nicht zu vegessen: Der Titelvorspann samt Filmmusik (auch die zwischenzeitliche Einpegelung des klassischen Bond-Themas) ist großartig geworden! Daran gibt's aber ohnehin meist nichts auszusetzen...

In Summe macht das aus meiner Sicht glatte 4 STERNE!
Für mich ist "Skyfall" der bislang beste Bond mit Daniel Craig.
Unter die Top-Ten-Bonds (aller Zeiten) würde ich den Streifen dennoch nicht unbedingt reihen...

Ein reuloses Kino-Erlebnis mit vielen unterhaltsamen Bond-Momenten und einigen (wenigen) Schwächen, die meines Erachtens aber mehr dem "Zeitgeist" als dem Hauptdarsteller geschuldet sind!

Vor allem auf die Autoren der künftigen Plots dürfte da einiges an Schwerarbeit zukommen!!

Naja, warten wir's ab...

Ergänzung: So viel aber steht jetzt schon fest - der Versuch, die fiktive Figur James Bond mit hiesigen Mitteln (menschliche Makel, tieferes Mitgefühl, Alkoholprobleme etc.) näher an die "reale Welt" bringen zu wollen, ist wohl zum Scheitern verurteilt, wenn man noch (wenigstens entfernt) irgendetwas mit Ian Flemings Kultfigur zu tun haben will. Und überhaupt: Sind Leute, die James Bond mit Connery, Moore, Lazenby, Dalton und (auch) Brosnan kennen- und lieben gelernt haben ernsthaft daran interessiert, einen "vermenschlichten" 007 im Kino und per Mattscheibe erleben zu dürfen??

Ich glaube - trotz aller positiven Seiten, die ich "Skyfall" durchwegs abgewinnen kann (und will) -, dass ich mir z.B. "Dr. No" noch öfter in meinem Leben anschauen werde als eben das, was uns gegenwärtig unter dem Deckmantel "James Bond" dargebracht wird!
(Stellen Sie sich, liebe Leser, doch auch mal ehrlich die Frage, welchen Wiederschauwert Bonds dieser Art in 10, 20 oder 50 Jahren haben werden...)

In diesem Sinne: Macht weiter, aber vergesst nicht hier und da einmal ernsthaft in die Vergangenheit zu blicken!! Es ist ja nicht so, dass alles schlecht war, was 007 früher gemacht hat...
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