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Kundenrezension

36 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Pubertät des Wissens - Ein Adoleszenz-Roman, 27. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt. Roman (Gebundene Ausgabe)
Was macht das Buch des 30-jährigen Daniel Kehlmann über die Vermessung der Welt eigentlich so ungemein charmant? Schließlich ist die Geschichte selber alles andere als spannend. Es handelt sich um eine Erzählung über das parallele Leben zweier Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts, die sich im Habitus nicht fremder hätten sein können, denen es aber in der Sache um dasselbe ging: die Vermessung der Welt. Alexander von Humboldt, der unermüdliche Entdeckungsreisende, und Carl Friedrich Gauß, die klassische couch potato, sind vom Temperament her wie Feuer und Wasser und nur einmal im Roman sollen sie sich begegnen. Das Treffen verläuft, wie zu erwarten war, nicht besonders gut. Die beiden haben sich recht wenig zu sagen.
Sind die beiden Hauptcharaktere aber auch höchst unterschiedlich, so atmet der Ton des Romans doch immer denselben Geist und hierin liegt auch der Charme des Buches. Jeder einzelne Satz dieses Romans ist von einer heiteren Ironie durchzogen. Kehlmann ist es gelungen, ein überaus humor- und liebevolles Buch über – ja, über was eigentlich? – zu schreiben. Es geht wohl im Kern des Buches um das Portrait eines außergewöhnlichen Moments der Menschheitsgeschichte – beschrieben aus der zeitlichen Distanz von 200 Jahren. Es ist der einzigartige Augenblick, an dem die Menschheit erkennt, aber noch nicht weiß; wo ihr bewusst wird, dass hinter allen Phänomenen Gesetze liegen, die nicht göttlich sind, diese Gesetze aber noch nicht kennt. Es ist also insofern der Augenblick, an dem die Menschheitsgeschichte aus den Kinderschuhen der Erkenntnis tritt, sich umsieht und erneut zu staunen beginnt über die Möglichkeiten, die vor ihr liegen – eine ironische Archäologie in die Jugend des menschlichen Wissens. Eine Adoleszenz-Geschichte also. Wir Leser schauen Humboldt und Gauß zu, wie sie im Angesicht der geöffneten Denkhorizonte fast platzen möchten, hören aber zugleich den abgeklärten Ton der Erwachsenen, die sich über diese Ambitioniertheit amüsieren. Dies ist der Ton, von dem das Buch lebt. Ein durch und durch ironischer wie auch wohl wollender Ton.
So lässt beispielsweise Kehlmann seinem Humboldt das bekannteste deutsche Gedicht überhaupt, Goethes „Wanderers Nachtlied“, frei ins Spanische übertragen und das hört sich dann so an: „Oberhalb aller Bergspitzen sei es still, in den Bäumen kein Wind zu fühlen, auch die Vögel seien ruhig, und bald werde man tot sein.“ Eine unpoetischere Sprache ist nicht leicht zu kreieren. Der Witz geht einem natürlich nur auf, wenn man mit dem Goetheschen Original vertraut ist, auf den sich Kehlmanns Text als Subtext bezieht.
Von der Ausbeutung solcher Subtexte lebt „Die Vermessung der Welt“ über weite Strecken. Alle Erfindungen, Entdeckungen und Ereignisse werden aus dem Licht unseres heutigen Wissens dargestellt. Das gesamte Panorama unsere Zeit ist der Subtext dieses Romans. Wenn beispielsweise Kehlmann seinen Humboldt eine Unterredung mit dem amerikanischen Präsidenten Jefferson in dessen elliptisch geformten Arbeitszimmer haben lässt, so stellt unser Bewusstsein sofort vielfältige Bezüge her, in denen das Oval Office nach unseren Erkenntnissen steht. Freilich liefert Kehlmann zugleich auch einen Meta-fiktionalen Kommentar über solche Arbeit mit kollektiven Subtexten, wenn er Gauß gleich zu Beginn des Romans sagen lässt: „Seltsam sei es, dass man in einer bestimmte Zeit geboren sei. Es verschaffe einem einen unziemlichen Vorteil vor der Vergangenheit und mache einen zum Clown der Zukunft. Jeder Dummkopf könne sich in 200 Jahren über ihn lustig machen und absurden Unsinn über seine Person erfinden.“ Hiermit ist natürlich Kehlmanns eigenes Projekt gemeint. Im Grunde handelt es sich also um einen Gegenwartsroman. Ein Gegenwartsroman, der zufälligerweise vor 200 Jahren spielt. Ein Kommentar über unsere Zeit. Sehr amüsant und sehr lehrreich.
Thomas Reuter
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