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3.0 von 5 Sternen Match Point - Eine Metapher für Zufall?, für Glück?, 24. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Match Point (DVD)
Ein Tennisball schlägt auf die Netzkante auf, verharrt in der Schwebe, und für einen winzigen Moment ist nicht klar, auf welche Seite des Netzes er fallen wird. Sicher ist nur, dass er fallen wird. Ist gewinnen oder verlieren letztendlich nur eine Sache des Glücks? Des Zufalls? Gibt es Gerechtigkeit im Leben? Wenn ja, kann man sie beeinflussen?

In Schuld und Sühne von Dostojewski liest der junge, gut aussehende Tennislehrer Chris Wilton (erinnert an den jungen Elvis) zu Beginn des Filmes. Ausgerechnet. Wie Raskolnikoff wird er nämlich nicht enden. (Oder doch?) Die Lebensplanung des mittelmäßigen, einstigen Tennisprofis hängt durch. Er tingelt über mondäne Tennisplätze, um zahlungskräftigem Klientel exklusiven Einzelunterricht zu erteilen. Das macht keinen Spaß, eröffnet aber einen unkonventionellen "Zugang" zu Britanniens Upper Class. Wegen der gemeinsamen Neigung zur Oper (der Soundtrack besteht ausschließlich aus herrlichen Opernarien - ein Genuss oder auf Dauer Qual, je nach Vorliebe des Zuhörers) verschafft ihn der verwöhnte, clevere, selbstbewusste Tom Hewett (Matthew Goode) Zugang zu seiner Familie und damit zur Londoner High Society. Dann wird der Film etwas märchenhaft, was aber nicht sehr stört, weil die Handlung dieses kältesten, boshaftesten Films von Woody Allen lediglich den Hintergrund für die großen Dinge des Lebens liefert: Geld, Macht, Sex, gefolgt von Liebe, Leidenschaft, Lügen, Verrat, Schuld, Tod. Glück oder Unglück?

Wilton zahlt den emotionalen Preis auf dem Weg "nach oben" und heiratet Toms Schwester Cloe (Emily Mortimer). Ein entzückendes Mädchen mit fürchterlichem Gang und schlechtem Friseur. Sie ist nett und nervig und langweilt den ripleyhaften Mann schon bald.

Er verstrickt sich in seiner Leidenschaft für die schöne Nola Rice (Scarlett Johansson, einzige amerikanische Schauspielerin am Set, die derzeitige "Marilyn Monroe" Hollywoods.) Nola ist die Freundin Tom Hewett; allerdings nur so lange, bis er die Kurve bekommt und doch ein passendes, gebildetes Mädchen aus seiner Gesellschaftsschicht für den makellosen äußeren Rahmen heiratet. (Das ist dann wieder sehr realistisch: Normalerweise heiraten Männer aus diesen Kreisen junge, hübsche, aber mittellose Mädchen erst ab ca. dem 60. Lebensjahr aufwärts - wenn überhaupt). Wilten und Rice werden ein Paar, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Am Ende muss Chris Wilton eine Entscheidung treffen. Er will nicht. Aber er muss. Damit sind wir bei dem eigentlichen Ziel des Filmes angekommen. Wie weit geht jemand, wenn er viel zu verlieren hat? Wie weit beugt er sich? Was wird er tun? Wird er mit dem, was er tut davonkommen? (Sorry, so blöde und unprofessionell wird sich hoffentlich keine Polizei der Welt benehmen. Aber auch in diesem Fall ist eine Beugung im Interesse des eigentlichen Inhalts des Filmes unumgänglich). Wilton entscheidet sich nicht für das Unglück, nein, er hat sich in seinem neuen Leben recht komfortabel eingerichtet. Er entscheidet sich für das kleinere Übel. Es wird ihm gewährt. Ende des Films. Ich ertappe mich dabei, dass ich, nachdem ich mich 2 Stunden lang gut unterhalten habe, grinsend das Kino verlasse. Irgendwie glaube ich nicht daran, dass er wirklich davonkommen wird.

Woody Allen ist mittlerweile 70 Jahre alt. Der kleine, skurrile Mann hat uns viele wunderbare Filme beschert. Sie hatten, so hat er mehrfach betont, alle immer auch irgendwie mit seinem Leben, mit seinen Erfahrungen zu tun. Anfang der 90er Jahre lieferte er sich mit seiner langjährigen Lebensgefährtin, der Schauspielerin Mia Farrow (Rosemaries Baby) eine unappetitliche Schlammschlacht, die in seiner anrüchigen Heirat mit einer gemeinsamen Adoptivtochter gipfelte. Damals hat er in den Staaten viel an Ansehen verloren. Ist das der Grund, warum er nun in England dreht? Wollen amerikanische Geldgeber nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht werden? Ist eine persönlich getroffene Entscheidung der Auslöser, warum er sich nun so intensiv mit Moral und Unmoral beschäftigt? Dramen in schicken Appartements mit atemberaubender Aussicht dürften ihm persönlich auch bekannt sein. New York oder London. In diesem Falle austauschbar. Was will er mit diesem Film sagen? Dass man manchmal um weitreichende Entscheidungen nicht herumkommt? Dass letztendlich alles Zufall ist, alles Glück, wie es dann weitergeht? Mir scheint, eine endgültige Antwort hat auch er nicht gefunden. Vielleicht hofft er einfach nur, dass es möglich ist, davonzukommen. Von was auch immer.

Helga Kurz
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Helga Kurz "Helga Kurz"
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