Kundenrezension

10 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fehlerhafte Geschichte: Eine Besprechung des Buches, 27. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus (Gebundene Ausgabe)
Im Juli 2003 brachte der populäre Autor Jon Krakauer ein Buch heraus, in dem er argumentierte, dass religiöser Glaube im Allgemeinen und der Glaube der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage im Besonderen seine Gläubigen oft zu Gewalttätigkeit motiviere. Seit ihrer Gründung 1830 war die Kirche Opfer vieler reißerrischer und sensationslüsterner Berichte, die alle behaupteten, die wirklichen und schmutzigen Tatsachen aus dem Leben der Führer und Mitglieder der Heiligen der Letzten Tage zu offenbaren. Trotz des Anspruchs auf Objektivität und historische Genauigkeit, zeigen solche Publikationen beständig dasselbe Muster: Eine von einer Absicht getriebenes Unterfangen, selektiv auf Gerüchten und Halbwahrheiten beruhend, eingefärbt als historische Wissenschaftlichkeit.

Zum Bedauern für jene, die mehr über die Geschichte der Heiligen der Letzten Tage oder die Beziehung zwischen religiösem Glauben und Gewalttätigkeit wissen wollen, leidet Krakauers: Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus unter denselben fatalen Mängeln.

Obwohl es mit dem Buch zahlreiche Probleme gibt, die ausreichten, um jegliche Schlussfolgerung über Gewalt und ihre Beziehung zu religiösem Glauben, falls es welche gibt, zu entwerten, sind die wesentlichsten Schwächen in Krakauers Buch folgende:

* Antireligiöses Vorurteil: Krakauer, ein bekennender Agnostiker, geht an das Thema mit entschieden antireligiösem Vorurteil heran, einem Vorurteil, das der Maßstab dafür gewesen zu sein scheint, zu bestimmen welche 'Tatsachen' in Erwägung gezogen werden und wie sie interpretiert werden sollen.
* Stellt Unwahrheiten als Tatsachen dar: Krakauer stellt Dinge, die einfach nicht so sind, als Tatsachen dar, wie die Ereignisse rund um das Gerichtsverfahren von 1826, in dem Joseph Smith freigesprochen wurde, die Einzigartigkeit der Stadtverfassung von Nauvoo, die Rolle und das Schicksal von Orrin Porter Rockwell im Mordversuch gegen Gouverneur Boggs und die Datierung des Briefes von Brigham Young, der den Süduthanern befahl, sich nicht mit den Auswanderern auf den Mountain Meadows zu beschäftigen.
* Stellt historisch Unbekanntes als Tatsache dar: Krakauer stellt Ereignisse, für die die Beweise strittig und bestenfalls nicht überzeugend sind, als historische Tatsachen dar, wie eine Beziehung von Joseph Smith mit Marinda Johnson im Jahr 1831 oder für die es beträchtliche Beweise im Sinne einer alternativen Erklärung gibt wie die Ereignisse rund um das Moutain Meadows Massaker.
* Haupthypothese nicht unterstützt durch die Beweislage: Krakauers gesamtes Argument versagt, weil er nie einen Beweis dafür liefert, dass Religion oder auch nur religiöser Fanatismus mehr Gewalt als Frieden fördert. Die Geschichte der Völkermorde im 20. Jahrhundert unter Führern wie Pol Pot, Stalin, Mao Tse Tung und Hitler widerlegt Kakrauers Hypothese direkt. Es stimmt zwar, dass einige religiöse Menschen gewalttätig sein können, doch scheint das eine unbedeutende Rolle in der alltäglichen Gewalt zu spielen, einer Gewalt, die offensichtlich von Drogen, häuslichen Problemen, Alkoholismus, Unmoral und Gier herrühren.
* Neigungen zu religiöser Gewalt werden nicht unterstützt: Selbst wenn 'Beweise', die Krakauer liefert, so akzeptiert werden könnten, wie sie präsentiert werden, legt er doch weder einen Beweis, noch eine Statistik oder ein Argument vor, um die Behauptung zu untermauern, dass dies eine Tendenz zur Gewalt innerhalb der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage oder unter ihren Mitgliedern und Führern zeigt, sondern nur ein paar vereinzelte Vorfälle in einer grundlegend friedlichen, gewaltlosen und toleranten Gemeinschaft von Gläubigen.

Vielleicht liegt der Grund für diese Mängel darin, dass Krakauer kein Historiker, sondern ein Romanschriftsteller ist. Vielleicht kennt er die HLT-Kirche, ihre Mitgliedschaft oder ihre Geschichte nicht gut genug, um ein tatsächliches, von Vorurteilen ungetrübtes historisches Bild vorzulegen. In beiden Fällen ist es eine ausgesprochene Schande, dass ein gefeierter Autor historische Lügen und religiös bigotte Informationen zusammenpackt und sie einer arglosen Leserschaft serviert.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.07.2012 20:46:34 GMT+02:00
M. Neuhauser meint:
Offenbar ein HLT-Öffentlichkeitsarbeiter. Naja, die wenigsten LeserInnen bewerten ihre "Rezension" als solche, sondern eher als Propaganda.

Veröffentlicht am 12.09.2012 18:46:30 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.09.2012 11:40:54 GMT+02:00
Bloody Mary meint:
@Neuhauser: offensichtlich! und dafür bekommt die arme nicht mal geld.

@siebert:
"Stellt historisch Unbekanntes als Tatsache dar: ... wie die Ereignisse rund um das Moutain Meadows Massaker."

HISTORISCH UNBEKANNTES?! nur weil es den deutschen Mormonen verschwiegen wurde ist das noch lange nichts historisch Unbekanntes. es wurde ein MONUMENT errichetet, um den Opfern des Massakers zu gedenken.

und: john krakauer ist kein romanautor. er ist journalist. er hat bisher keinen einzigen roman veröffentlicht. weiß gar nicht, wie sie darauf kommen!
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