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18 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Dazugelernt, 19. März 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Hoffnung Mensch: Eine bessere Welt ist möglich (Kindle Edition)
Den ersten Teil des Buches nutzt der Autor mit Bezug auf Schopenhauer, Camus, Sartre, Janne Teller für eine sehr plastische Darstellung der „Absurdität des Daseins“. Das Leben ist oft konfliktreich und schwer. Am Ende wartet der Tod - nicht nur der persönliche des einzelnen Menschen, sondern der der menschlichen Spezies und allen Lebens. Nichts wofür wir uns hier engagieren wird Bestand haben. Alles was unserer begrenzten Existenz Sinn und Bedeutung verleihen könnte, erweist sich aus naturalistischer Perspektive als Lug und Trug. Entscheidungskompetenz ist ebenso eine Inszenierung des „blumenkohlförmigen Organs“ unter unserer Schädeldecke wie unser Ich, unsere subjektive Personalität. Sympathie, Zuneigung, Freundschaft, Liebe – als Sinnressourcen allesamt Dauerbrenner – im Licht von Hirnforschung und Tiefenpsychologie nichts als listig verkappter Eigennutz.

Als wäre all dies noch nicht genug, erweist sich die Geschichte der Menschheit als eine Geschichte von Unterdrückung und Ausbeutung, Krisen und Kriege – und auch die Gegenwart ist davon gezeichnet. „Pleonasmus: Unmensch.“, schreibt MSS-Mentor K. Deschner im ersten Band seiner „Aphorismen“ und i.d.T., so der Autor, sei es naheliegend zum Zyniker und Misanthropen zu werden. Auch der Depression könne man leicht verfallen. Einmal sei bei einem seiner Vorträge zu diesem Thema gar eine Studentin kollabiert. Seitdem hüte er sich zu sehr Klartext zu reden. „Hoffnung jenseits aller Illusionen“? Nur gut, so der Autor, dass unser psychisches Abwehrsystem uns im Allgemeinen gegen die harten Wahrheiten unserer Existenz abschirmt. Wie gut das bei ihm selbst funktioniert, demonstriert er, indem er davon redet, dass wir nach unserem Tod für Jahrmilliarden nicht existieren werden. Die atheistische „Wahrheit“ wäre: Wir werden NIE mehr existieren. - Ein Blick in einen bodenlosen Abgrund, der den Schwindel der Verzweiflung heraufbeschwört. Soweit Religion Gegengift gegen Resignation und Zynismus ist, so der religionskritische Autor schließlich, sei sie ihm in Anbetracht all dessen sogar „höchst sympathisch“.

Anders als in vorhergehenden Publikationen macht Schmidt-Salomon die Religionen nicht mehr zur Hauptursache allen Übels. Rassismus, Eugenik, Imperialismus, Faschismus etwa seien auf der Grundlage des zur damaligen Zeit grassierenden Sozialdarwinismus entstanden, der sich mit dem klassischen Humanismus der Aufklärer vermischt hätte. Letztere hätten der Sittlichkeit und Vernunft eine alles überragende Stellung eingeräumt und insofern man diese in der eigenen Kultur aufs Vollkommenste verwirklicht sah, hätte man arrogant auf alles menschliche Leben herabgeschaut, dass diesbezüglich im Hintertreffen sei. Eine Alternative hätte schließlich Julian Huxley mit seinem Konzept des „evolutionären Humanismus“ aufgezeigt. Dieses mache deutlicher, dass die Menschheit, im Grunde gar die ganze „Tierheit“, ja alles Leben eine Familie sei. Die Übergänge seien fließend, auch Kultur nicht etwa solitäres Produkt menschlicher Vernunft, sondern wie alles andere Ergebnis eines evolutionären Prozesses. Dass diese Sicht der Dinge als Gegengift gegen sozialdarwinstische Denkansätze taugte oder taugt, legt der Autor allerdings nicht überzeugend dar. Huxley selbst wollte bekanntlich unteren sozialen Schichten den Zugang zur Gesundheitsfürsorge erschweren, Langzeitarbeitslose sterilisieren lassen und schwerstbehinderte Menschen eliminieren, was der Autor zumind. in einer Fußnote kritisch andeutet. Erst die Schreckensbilanz der Nazi-Diktatur korrigierte den ersten UNESCO-Direktor. Er war im Grunde zuvor ein Vertreter des Sozialdarwinismus, kein Opponent.

Im Bereich der gesellschaftlichen bzw. kulturhistorischen Entwicklung insgesamt relativiert Schmidt-Salomon den Beitrag manch eines der üblichen Vorzeige-Säkularen – etwa der Sklaven haltenden Väter der amerikan. Unabhängigkeitserklärung - und würdigt hingegen auch die christlich motivierten Beiträge – Luther, Locke, die neuenglischen Pilgerväter.

Mit der Behandlung der Religionen, bei der er sich auf den Gerechtigkeitsaspekt konzentriert, fällt er jedoch wieder in alte Denkschablonen zurück. Seine Beurteilung des Hinduismus fällt merkwürdig positiv aus. Die haarsträubend inhumane Kastenordnung ermögliche es immerhin, dass sich Menschen mit ihrem schweren Schicksal abfinden könnten. - Die Gerechtigkeitsvorstellungen des Judentums hingegen reduzieren sich für ihn auf die Akzeptanz der Ungerechtigkeit, weil Gottes rätselhafter Wille sie eben so wolle. Ausgerechnet das Buch Hiob bringt er hier als Beispiel. Sowohl AT wie auch NT sind voll von Ermahnungen, sich der Armen, Unterdrückten, Kranken und Schwachen anzunehmen – zu unterstützen, zu teilen, zu entlasten (siehe bspw. Amos 5,11-13, Jesaja 58, 6-8). Hiob gilt als ein solcher Gerechter und wird deshalb von Gott gesegnet. Und – er bleibt es in konstruktiver Weise auch im tiefen Leid – und wird so noch mehr von Gott gesegnet.

Das Christentum tröste dann durch ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits. Außerdem locke es mit der Aufhebung all der religiösen Regeln, die das Judentum als verbindlich ansehen würde. Deshalb hätte es „wie ein Wechselbalg“ verschiedenste Gestalten annehmen können – Sklavenhaltergesellschaft und Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, westliche Demokratie. Zu erwähnen, dass das NT in einer Weise zur Nächstenliebe ermutigt, die ähnliche Aufforderungen in anderen Religionen bei Weitem in den Schatten stellt, vermeidet der Autor ebenso, wie den Hinweis, dass es eben gerade dieses originäre Christentum war, dass sich jeder falschen Anpassung widersetzte und so zwei Jahrtausende hindurch beständig Korrektiv gesellschaftlicher (und natürlich auch innerkirchlicher) Fehlentwicklungen war.

Bei diesen Fehldeutungen bleibt es nicht, es wird vielmehr noch um einiges skurriler. Aus der Zusage des Beistands in kriegerischer Auseinandersetzung in Deuteronomium oder der Gerichtsprophetie über Babylon in Jesaja liest der Autor den Aufruf zum Massenmord an Ungläubigen heraus. Nur gut, dass selbst die schlichteren Gemüter unter den Israeliten noch stets sinnerfassender lesen konnten als Dr. phil. Schmidt-Salomon.

Bei allen neuen Akzenten die der Autor setzt, ist sein Fazit schließlich dennoch: Der Trost der Religionen sei insgesamt ein Trost durch Illusionen und hätte zudem schlimme Nebenwirkungen. Ganz anders verhielte es sich hingegen mit greifbaren Verbesserungen der Lebensqualität durch Wissenschaft und Technik, Kunst und Kultur. (Gibt es hier denn keine schlimmen Nebenwirkungen, möchte man fragen?) Hoffnungsvolle Entwicklungen hätte es hier in den letzten Jahrhunderten gegeben und er zeichnet dies für die Bereiche Naturwissenschaft, Technischer Fortschritt , Medizin, Kunst bzw. Musik nach.

Manches geht dem Autor hier verquer oder gerät reichlich verkürzt. Hier würfelt er „Big Freeze“ und „Big Whimber“ durcheinander. Da suggeriert er, dass Entstehung von Leben aus toter Materie, von neuen Baupläne im Evolutionsprozess, oder menschlichem Bewusstsein längst gelöste Rätsel wären. Beim Ausflug in die Hirnforschung lässt er schon das Absterben einiger weniger Neuronen die menschliche Identität zerstören. - Seiner Absicht gerecht zu werden, Geschichte und aktuellen Forschungsstand der betreffenden Felder kurz zu umreißen, gelingt dem Autor jedenfalls nur bedingt. Doch ist dies für die Gesamtaussage seines Buches auch von untergeordneter Bedeutung.

Wie der amerikanische Autor Steven Pinker sieht Schmidt-Salomon in der Menschheitsentwicklung einen kontinuierlichen Humanitätszuwachs. Gewalt etwa hätte sich – trotz aller Katastrophen - kontinuierlich reduziert. Das belegt er statistisch – prozentual zur Gesamtbevölkerung wäre die Zahl gewaltsamer Tötungen selbst im 20. Jahrhundert geringer gewesen, als in früheren Zeiten. Mit Statistik kann man freilich viel suggerieren. In einem 1000-Seelen Dorf in der Eifel wurde 2012 ein Mann in einem Konflikt mit einem Jagdgewehr erschossen. Statistisch gesehen war die Tötungsrate im kleinen Sötenich in diesem Jahr somit 4 mal höher als im im Bürgerkrieg befindlichen Syrien. Jedem müsste klar sein, dass man so nicht an die Problematik herangehen kann.

Natürlich gibt es höchst begrüßenswerte Entwicklungen, zivilisatorischen Fortschritt. Dass sich dieser gerade im christlich geprägten Kulturkreis verwirklichte, wobei sich hier noch einmal der protestantische abhebt, indem das neutestamentliche Christentum eine Entfaltung fand, wie nirgends sonst, ist Schmidt-Salomon keine Überlegung wert. Aufklärung, westliche Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Abschaffung der Sklaverei, das universitäre Bildungskonzept, exakte Wissenschaften, Gleichberechtigung der Frau, die Konsensehe, Kinderrechte, soziale Gerechtigkeit – das alles sind Dinge, die man in der in neu-atheistischen Kreisen so viel gelobten griech.-röm. Antike ebenso vergeblich sucht, wie in anderen Kulturkreisen, die sich erst durch den Westen in diesen Fragen inspirieren ließen. All diese Dinge haben sich in einer relativ kurzen Zeitspanne – allen Blockaden der institutionellen Kirchen zum Trotz - organisch aus dem Christentum heraus entwickelt; Atheisten haben dazu – schon aufgrund ihres geringen Anteils in der Bevölkerung - wenig beigetragen. Das Engagement der „großen Geister“ unter ihnen wirkte sich oft leider sogar sehr negativ aus.

Der linksliberale Historiker H.A. Winkler ("Geschichte des Westens") bringt es wie folgt auf den Punkt: „Der Kampf der Aufklärung gegen die Kirche verstellt nur zu leicht den Blick auf das,was die Aufklärung mit dem Christentum verbindet. Ohne Aufklärung keine Erklärung der Menschenrechte, kein Rechtsstaat, keine Demokratie, kein Liberalismus: Dieser historische Zusammenhang ist unbestritten. Aber wenn die Aufklärung ohne ihre christliche Vorgeschichte nicht zu erklären ist, dann trifft das auch für die politischen Folgerungen zu, die Ende des 19. Jahrhunderts aus der Aufklärung gezogen wurden – erst in den nordamerikanischen Kolonien der britischen Krone und dann in Frankreich."

Der Mensch, so der Autor jedenfalls in seiner Bilanz, sei – den widrigen Umstände seiner Existenz zum Trotz - ein zu höchsten zivilisatorischen Leistungen fähiges Wesen. Dies läge nicht zuletzt auch an seiner ausgeprägten Empathiefähigkeit. Mitgefühl sei oftmals geradezu überwältigend. Schon ein anrührender Film könne peinlichst auf die Tränendrüsen drücken. - Warum fügen Menschen einander trotzdem so viel Leid zu? Gruppenbezogenheit macht der Autor hier als Hauptursache für misstrauische Abgrenzung und Feindseligkeit aus, und diese würde wiederum durch die Religionen in ganz besonderer Weise befördert. So hätten denn auch fast alle Krisen und kriegerischen Konflikte seit 1945 einen ethnischen oder religiösen Hintergrund.

Woran denkt er da, fragt man sich. An die Kriege die im Namen von Demokratie und Menschenrechten gegen die atheistischen Weltverbesserer in Korea und Vietnam geführt wurden? An die Invasion der UdSSR in Afghanistan, den "Afrikanischen Weltkrieg" um Gold und Diamanten, Coltan und Kassiterit, Nickel, Kupfer und Tropenholz? Denkt er an die jahrzehntelang schwelenden, unzählige Opfer kostenden Konflikte mit atheistischen Terrorverbänden, wie Leuchtender Pfad, FARC, ELN, die Zukunftsvisionen, die seinen gar nicht so unähnlich sind, mit ein wenig utilitaristisch legitimierter Gewalt zum Durchbruch verhelfen woll(t)en? Denkt er an den Revolutionskampf der New People's Army auf den Philippinen, der seit 1969 im Gange ist? An die 50.000 maoistischen Rebellen in Indien? Den Konflikt der politisch linken PKK mit den säkularen türkischen Militärs? Die säkularen Autokraten im arabischen Raum, gegen die die Arabellion aufbegehrt(e)?

Sicher - es gab Konflikte, in denen Religion eine entscheidende Rolle spielte. So etwa im Ost-West-Konflikt. Die Kirchen waren hier Plattform und Impulsgeber für friedliche Revolutionen in DDR, Polen, Ungarn, CSSR etc. und trugen entscheidend dazu bei, dass die vom sozialistischen Selbstbild her ebenfalls „säkular-humanistischen“ Regime hinweg gefegt und Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit etabliert werden konnten. - Buddhistische Mönche waren und sind aktiv im Kampf gegen atheistische Regime in Tibet, Myanmar, Kambodscha. - Unter den Initiatoren der Proteste auf dem Pekinger Tiananmen Square spielten entschiedene Christen eine wichtige Rolle..

Aber was ist mit den Konflikten in Nahost, Ex-Jugoslawien, Dafur, Nigeria, im Sudan? - An vielen Universitäten gibt es inzwischen Studiengänge im Bereich Konfliktforschung, mehrere Institute leisten hier seit vielen Jahren ausgedehnte Forschungsarbeit. Viel öfter als vom Konfliktpotenzial der Religionen, dass es – gegenwärtig insbesondere im Islam – natürlich gibt, und das auch ihre Vertreter selbstkritisch sehen müssen, ist mittlerweile vom Friedenspotenzial bzw. der gewaltpräventiven Kraft der Religionen die Rede.

Man betrachte den Palästina-Konflikt einmal näher. Bei aller Sympathie für den Staat Israel: Ein Streifen Land von der Größe Hessens, ein Strom von Millionen Einwanderern, die der angestammten Bevölkerung in vielerlei Hinsicht (Bildung, Finanzkraft) überlegen ist, extensiv Land aufkauft und sämtliche Machtpositionen besetzt. Die Frage stellt sich, ob sich ohne die religiöse Verwurzelung der Bevölkerung nicht bereits ganz andere Gewaltexzesse ergeben hätten.

Was also ist von Schmidt-Salomons These von der „Großen Konversion zur Menschlichkeit“, die für ihn eine Abkehr von den Religionen beinhaltet, als Voraussetzung für den ewigen Frieden zu halten? - Günther Schlee vom Max-Planck-Institut (MPI) für ethnologische Forschung sagt zu solchen Vorstellungen Folgendes: „Die kulturelle Verschiedenheit korreliert nicht mit der Konflikthäufigkeit. Auf der anderen Seite finden wir häufig Konflikte gerade zwischen kulturell besonders ähnlichen Gruppen. Als grobe Faustregel kann man sagen: Zwischen Menschen mit völlig unterschiedlichen Kulturen ist die Konfliktwahrscheinlichkeit geringer.“(SÜDDEUTSCHE)

Als Hauptursachen für Krisen und Konflikte dieser Welt identifiziert die Forschung in seltener Einhelligkeit den Streit um politische Macht und Beteiligung, sowie das Gerangel um Ressourcen. Wohin man auch schaut in der Welt: Nirgends finden sich Zwangsbekehrungskriege oder das Motiv, Andere zu vernichten, weil sie die falschen Götter anbeten. Der Islam verdient hier sicherlich noch einmal eine gesonderte Betrachtung. Doch selbst Al Quaida ging bzw. geht es nicht um Zwangsmissionierung, sondern den Rückzug des Westens aus dem Territorium der Umma.

Was Schmidt-Salomon als Lösung anpreist – der lebenslang zelebrierten Hedonismus – ist in Wirklichkeit weit eher elementarer Bestandteil des Problems als die Religionen. Mit unserem westlichen Konsumismus geht die Ökonomisierung aller Lebensbereiche einher. Dies im Verein mit unserem westlichen Lebensstil, hat inzwischen überall auf der Welt hergebrachte Kulturen verdrängt und soziale Strukturen zerstört. Wenn der Lebenssinn für das „sinnliche Tier“ nurmehr in der sinnlichen Bedürfnisbefriedigung liegt, hat das Folgen.

Natürlich empfinden wir Empathie beim Anblick der Bilder aus dem Kongo, sind erschüttert über Berichte von 3 Mio. Toten. Doch wenn das neue Iphone auf dem Markt ist, verdrängen wir die Frage, unter welchen Voraussetzungen das zur Herstellung unerlässliche Coltan gewonnen wurde...

In China und insbesondere Indien, werden Mio. Mädchen nicht nur abgetrieben, sondern auch als Babys getötet. Die Motive dafür „entstammen einer sehr zeitgemäßen Einstellung – man will große Hochzeiten, große Geschenke und einen stolzen Sohn, aber keine wirtschaftlich unnütze Tochter”, sagt Shanta Sinha, Vorsitzende der Nationalen Kommission für Kinderrechte in Indien. “Es geht um eine Brutalisierung der individuellen Einstellung zum menschlichen Leben, wie sie erst die Modernisierung hervorbringen konnte.” Die Mädchentötung – auch als “Genderzid” oder “Femizid” bezeichnet – sei kein grausames, patriarchalisches Kulturerbe, sondern eine Folge des Sittenverfalls in einer Konsumgesellschaft. Das menschenverachtende Denken hat sich in den guten Stuben eingerichtet.” (DIE ZEIT)

Nur zwei Beispiele von Unzähligen, die die Verkünder des hedonistischen Evangeliums nachdenklich stimmen sollten. - Wir haben en masse und können doch nicht wirklich genießen. Die Zahl der Psychisch Kranken steigt proportional zur Säkularisierung der Gesellschaft. Wir haben relativ viel Freizeit und Entertainment ohne Ende, und fühlen uns doch oft ausgebrannt und leer. Wir sind abgesichert von der Wiege bis zur Bahre und doch grassiert die Angst. Es gibt kein Mangel an Kontakten und doch fühlen viele sich allein. Max Planck sagte einmal, dass der Mensch nur "durch das feste Bündnis mit Gott" "des reinsten Glücks" und "des inneren Seelenfriedens" teilhaftig werde. Ohne Gott - keinen „gedachten Gott“, wie der von Schmidt-Salomon – leider wohl aus mangelnder Kenntnis heraus - viel gelobte Meister Eckart betont, sondern einen erfahrenen - bleibt die existenzielle Leere bestimmend.

Der Masterplan zur Weltverbesserung im hinteren Teil des Buches entspricht schließlich in etwa dem, was Schmidt-Salomon bereits in „Keine Macht den Doofen“ schrieb. Amüsant zu lesen sind einmal mehr des Autors Ausführungen zur Wirtschaftspolitik. Den Ordoliberalismus (Eucken, Röpke) meint er für seine staatlichen Umverteilungsideen heran ziehen zu können, was natürlich Unsinn ist. Im Gegenteil ging es dieser von der kathol. Soziallehre geprägten Schule um Individualisierung der Verantwortung - Haftungsprinzip und Social Responsibility bei den Reicheren, Subsidiarität und Hilfe zur Selbsthilfe bei den Ärmeren. Des Weiteren nimmt Schmidt-Salomon wiederum die Sparer aufs Korn, weil diese Schuld daran seien, dass andere Menschen sich verschulden. Doch eine Nationalökonomie ist – anders als er zu glauben scheint – kein Perpetuum Mobile. Zwischen der Sparquote und dem Entwicklungsniveau einer Volkswirtschaft besteht ein enger Zusammenhang. Ohne Sparvermögen keine Investitionen und keine wirtschaftliche Entwicklung. - Zum Thema Entwicklungshilfe fällt dem Autor nicht viel mehr ein als „Mehr Geld für die Welthungerhilfe!“. Zum Thema Finanzkrise Austrocknung der Steueroasen und Tobin-Steuer. Beim Thema Umweltschutz verklärt er wiederum Cradle-to-Cradle zum alle Probleme lösenden Universalkonzept.

Es wird interessant sein zu beobachten, wie Schmidt-Salomons Buch im Kreise seiner Anhänger aufgenommen wird. Den Betonköpfen und Ewiggestrigen unter ihnen wird er diesmal allzu freundlich mit den Religionen umgegangen sein. Die Progressiven und Intellektuellen werden hingegen einmal mehr seinen doch nach wie vor recht schematischen Denkansatz kritisieren.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.03.2014 17:02:02 GMT+01:00
Eberhard Kox meint:
Liege ich da richtig, wenn mir diese Rezension sehr "zynisch" vorkommt?
Würde mich gerne mit den kritischen Punkten von "Hoffnung Mensch" auseinandersetzen,
aber allein schon die Menge der schlagwortartigen Argumente hindert mich sehr daran.
Da lese ich doch lieber noch einmal das Vorwort von "Hoffnung Mensch", das den Titel trägt "Abschied vom Zynismus".

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.03.2014 18:01:48 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.03.2014 18:02:26 GMT+01:00
FMA meint:
Sie verwechseln da wohl einen gut abgemessenen Schuss Polemik (Ihre Lieblingsautoren sind ja da nun beileibe auch nicht gerade zimperlich) mit Zynismus als Grundhaltung dem Leben und der Menschheit gegenüber. Für mein Empfinden hat Schmidt-Salomon diesen übrigens längst nicht überwunden..Ohne jeden Anflug von Nachdenklichkeit preist er als universelle Lösung an, was alle Welt als DAS wachsendes Problem ansieht..Das Buch ist möglichweise weniger zynisch in der Form als vorhergehende, aber gewiss nicht weniger in der Sache..

Veröffentlicht am 10.06.2014 19:20:15 GMT+02:00
Danke für diese ausführliche, inhaltsreiche und gute Kritik. Hat mich nach dem Lesen seines Manifestes vom Kauf dieses Buchs abgehalten - und vielleicht auch davon, ein allzu unkritischer Anhänger zu werden. Ich denke nun zu verstehen, inwiefern MSS mit seinen Ansichten "zu oberflächlich" ist. Schade, dass sie wegen der vielen mir unverständlichen "nicht-hilfreich-klicks" so weit hinten steht, sie ist doch wirklich sehr "gehaltvoll"!.

Zynisch - wie der erste Kommentar meint - finde ich sie überhaupt nicht, es ist doch bei allen harten Worten eher ein Loblied auf die positiven Wirkungen der Religionen! Noch ärgerlicher, dass Ihre Erklärung, warum ihre Rezension nicht zynisch ist, als nicht nützlich weggeklickt wurde - das müssen wirklich kritikresistente Jünger sein!

Kleine Nachfrage: Meinten Sie mit ELN Bolivien, Kolumbien oder Mexiko? Bolivien und Kolumbien kenne ich nicht, aber von der aus Mexiko hörte ich bislang eher aus wohlwollender Berichterstattung...

Veröffentlicht am 10.06.2014 20:24:43 GMT+02:00
Ach ja und nochwas: Wo Sie schon Theorien über die Zukunft des Universums erwähnten („Big Freeze“ und „Big Whimber“), die ja meines Wissens allesamt ziemlich ungewiss sind (m.W. ist es lediglich sehr wahrscheinlich, dass sich das Universum DERZEIT beschleunigt ausdehnt), hätte ich auch noch 2 Fragen:

1. Darf ich fragen, ob und wenn ja inwiefern Sie selbst gläubig sind?
2. Haben Sie eine Präferenz für eine Theorie über die ferne Zukunft des Universums und hat diese etwas mit Ihrem Glauben/Unglauben zu tun?

(mir erscheint ein zyklisches Universum irgendwie logisch: Ein "Pendeln" zwischen maximaler Dichte [Urknall] und maximaler Ausdehnung. Hätte evtl. was von Nitzsches "ewiger Wiederkehr", wobei diese Schlussfolgerung nicht zwingend wäre, die Zyklen müssen ja nicht zwangsläufig identisch ablaufen [~"beste aller möglichen Welten"]. Ich würde dieses kosmologische Modell eher in Analogie bringen mit der buddhistischen hinduistisch-philosophischen Anschauung "Brahma(n) atmet einmal ein und aus")

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.06.2014 21:47:54 GMT+02:00
FMA meint:
Danke für die Blumen! ..Ja es ist schon ein eigenartiges Völkchen, unsere 120%igen Neo-Atheisten.. Da ist viel Ideologie im Spiel und wenig freies, unverkrampftes Denken.. Hat vielleicht damit zu tun, dass die meisten von ihnen traditions-religiös erzogen wurden! :)
ELN = Ejercito de Liberación Nacional in Kolumbien, 2013 2-3000 Guerilleros... Allerdings muss ich hier relativieren.. Die haben offenbar auch einige Befreiungstheologen in ihren Reihen..
Ich selbst bin evangelischer Christ ja.. In naturwissenschaftlicher Hinsicht leitet sich da für mich allerdings zunächst mal nicht viel ab. Da zählt eben empirische Forschung...
Der "Wärmetod" gilt derzeit als wahrscheinlichstes Szenario. Wenn alles so weiterliefe wie bisher, würde die Entropie auf ein Maximum steigen, falls sie nicht quasi von der Expansion "überholt" wird.. So oder so wäre irgendwann alles kalt, dunkel und zeitlos.. Oder die Gravitation gewinnt doch noch das Rennen und es kommt zum "Big Crunch" und ggf. geht danach alles von vorn los - ihr Szenario... Vertreten glaube ich auch von Roger Penrose..

Veröffentlicht am 11.07.2014 23:59:19 GMT+02:00
Benedictu meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 12.09.2014 11:44:44 GMT+02:00
Faa meint:
@FMA:
Geht die Rezension nicht etwas ausführlicher?
*Ironie Ende*

Was soll das für eine Rezension sein? Haben Sie irgendwo eine Mindestanzahl von 2000 Wörtern gelesen?
Ich habe den Eindruck, Sie haben vergessen, was eine Rezension ist - schreiben Sie doch ein eigenes Buch. Das meine ich im Ernst. Nichts für ungut! Ist nur ein kleiner Hinweis.
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FMA
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