Kundenrezension

20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen GENESIS FOREVER, 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Genesis Revisited: Live at Hammersmith (Audio CD)
So, da isser also mal wieder, unser guter, alter Mr. HACKETT. Gut war er, abgesehen von gelegentlichen Fehltritten, eigentlich immer schon und alt – naja, der Typ ist 1950 geboren, somit sagenhafte 63 Lenze jung. DAS sieht und vor allem HÖRT Mann/Frau ihm weiß Gott nicht an. Es ist schon erstaunlich, welch kontinuierliche Kreativität sich dieser Mensch über so dermaßen lange Zeit bewahrt hat. Abgesehen davon ist er DER EINZIGE des ehemaligen Prog-Schlachtschiffs, der 1. im Gegensatz zu seinen Ex-Kollegen immer noch hyperaktiv und vor allem RELEVANT ist, 2. den alten, echten, WIRKLICHEN GENESIS-Sound auch in der Gegenwart authentisch und glaubhaft auf Platte bzw. die Bühne bringt und 3. noch LEBT! Also nicht, das die Anderen TOT sind, sie machen halt nur momentan nichts Großartiges.

DIE SETLIST
liest sich wie eine BEST-OF-GENESIS (through the eyes/ears of HACKETT). Alle LPs, bzw. CDs, auf denen STEVE gespielt hat, werden bedient, also von der 71er NURSERY CHRYME bis hin zur 77er WIND AND WUTHERING. Die einzelnen Sonx hier auf zu zählen, ergibt wenig Sinn, da der HARD-CORE-GENESIS-FREAK sie sowieso in und auswendig kennt. Einzig und allein SHADOW OF THE HIEROPHANT verdient an dieser Stelle Erwähnung, erschien dieses Stück doch niemals auf irgendeiner GENESIS-LP, wohl aber auf HACKETT's erster 75er Solo-Platte VOYAGE OF THE ACOLYTE.

Wie STEVE eingangs erklärt, hat er dieses Stück seinerzeit zusammen mit Michael RUTHERFORD geschrieben. Aus Gründen, die er NICHT erklärt, die wir aber alle ahnen können, schaffte es HIEROPHANT dann nicht auf TRICK oder WIND. Hier passt es sich nahtlos in den Rest des Programms ein und stellt mit seiner minutenlangen, unglaublichen, einzigartigen Steigerung immer noch ein absolutes Konzert-Highlight dar. Was mich in diesem Zusammenhang etwas verwundert, ist das Fehlen von PLEASE DON'T TOUCH von seiner gleichnamigen 76er LP. Auch dieses Stück schleppte STEVE zu damaligen GENESIS-Proben bis dann ein gewisser Mr. COLLINS mit folgenden Worten den Raum verließ: „I can't get behind that.“ – tja, soviel dazu...

DIE BAND
besteht zum Großteil aus alten Bekannten, also Leute seiner seit Jahren ziemlich konstanten Tour- und Studio-Band. Abgesehen vom Meister himself performen: Roger KING an den Tasten – spielt wie BANKS, klingt wie BANKS, sieht manchmal sogar ein bißchen aus wie BANKS und verdudelt sich wie dieser scheinbar NIE.

Das Schlachzeuch traktiert wie gewohnt Gary O'TOOLE – hat sich im Laufe der Zeit das GENESIS-Repertoire originalgetreu draufgeschafft und klingt mit seinen Backing-Vocals einem weltberühmten Drummer/Singer nicht unähnlich. Dies gilt NICHT für seine Leads, aber dazu vielleicht später mehr.

Rob TOWNSEND verantwortet Flöte, Saxophon, gelegentliche Keys und manchmal tanzt/hoppst er auch ungelenk in der Gegend herum. Abgesehen davon wird durch seine extrem geschmackvollen Beiträge die Melodik vieler Original-Stücke oder Parts davon deutlich aufgewertet – für mich ein unverzichtbarer Mann.

Ein gewisser Lee POMEROY bearbeitet den verkehrt rummen Bass und manchmal auch zeitgleich die Tief-Frequenz-Pedale. So Leute, jetzt mal unter uns: Kann es sein, dass genau dieser Mensch unter anderem Namen (GREGGORY) schon mal aufgetaucht ist? Ich meine, Lefthand ist eine Sache – ok. Doubleneck ist eine andere – auch ok. Aber es kann doch kein Zufall sein, dass nach Nick BEGGS' Zwischenspiel ein neuer Bassist einen genauso schrägen Bass spielt wie dessen Vorgänger.

Zur Erklärung für alle Unwissenden: Auf einem NORMAL gestimmten und besaiteten Bass zeigt die dickste Saite (tiefes E) nach oben, also zum Kopf des Spielers, die dünnste (hohes G) nach unten, also zum Boden. Hier nun haben wir den ultra-strangen Fall, dass abgesehen von der Lefthand-Ausgabe die Saiten genau verkehrt herum aufgezogen sind, also die E-Saite nach unten, zum Boden. Das erzwingt zwangsläufig vollkommen andere Fingersätze und Griffe und DAS sieht schon abgefahren aus!

Ja, und da haben wir ihn, DEN Lead-Vokalisten Nad SYLVAN, der diese prinzipiell unlösbare Aufgabe, GABRIEL-Vorlagen zu interpretieren, bravourös meistert. Ja, er sieht schon ein bißchen bedrohlich aus (thanx to make-up?) und manche Pose erinnert tatsächlich an PETER. Stimmlich kommt er dem Original zeitweise bedrohlich nahe, aber – PETER war/ist und bleibt PETER, und Mr. SYLVAN hat es gar nicht nötig, das Original 1:1 zu imitieren. Hört Euch in diesem Zusammenhang mal CDs von den AGENTS OF MERCY an, auf denen er fast Alles singt.

GÄSTE
gibts so einige: Nick KERSHAW (remember THE RIDDLE oder WOULDN'T IT BE GOOD oder, oder, oder...?) intoniert THE LAMIA – macht er auf seine Weise überzeugend, aber ich bin von seiner Wahl nicht gänzlich überzeugt, klingt er doch wirklich vollkommen ANDERS als das Original.

Am Ende desselben Stücks duelliert sich MARILLION's Steve ROTHERY mit unserem Lieblings-STEVE – es tut mir leid, aber improvisierte Gitarren-Duelle sind definitiv NICHT deren Stärke. Das konnten und können andere, weitaus unbekanntere Kandidaten deutlich besser, sorry.

Auf HIEROPHANT entert Amanda LEHMANN zusammen mit ihrer roten IBANEZ die Bühne – alles toll, aber Sally OLDFIELD ist genauso wenig zu ersetzen wie GABRIEL. Auf ENTANGLED singt sie auch, und der KERSHAW-Effekt wiederholt sich: Irgendwie PASST ihre Stimme einfach nicht so recht, hm...

Dann haben wir noch einen gewissen John WETTON (KING CRIMSON/URIAH HEEP/WISHBONE ASH/UK/ASIA etc.), mit dem HACKETT schon mal auf Tour war (TOKYO TAPES) und der natürlich AFTERGLOW shoutet. Tja, dieser Mensch hat auch schon bessere Tage gesehen und er selbst sah auch schon mal besser aus – macht seinen Job gewohnt routiniert, kann jedoch den Ausdruck, die Dynamik, die Interpretation eines COLLINS nicht erreichen.

DAS BILD
der ersten DVD, also des kompletten und immerhin 2:41 Stunden langen Konzerts, macht einen guten Eindruck, wenngleich definitiv NICHT in HD-Qualität. Keine hektischen und entnervenden Schnitte, keine das Programm (zer)störenden Interview- oder Backstage-Schnipsel (siehe hierzu DVD2), keine sinnfreien Computer-Effekte ruinieren den Konzert-Fluss – SO muss eine HACKETT-DVD aussehen! Auf besagter DVD 2 mit dem Titel BEHIND THE SCENES gibts dann genau das, was der Titel suggeriert – informativ, kurzweilig, interessant, lustig – BRITISH eben.

DER TON
steht dem Bild in nichts nach, wenn auch NUR in Standard-Stereo. Alles und Alle deutlich zu hören, keiner macht die jeweils anderen platt, keine übertriebene End-Kompression - SO muss eine HACKETT-DVD klingen! Im Vergleich zu den ebenfalls beiliegenden 3 Audio-CDs kann ich persönlich keinen großen akustischen Unterschied feststellen, insgesamt vielleicht alles etwas klarer, sauberer, differenzierter, was aber auch am Player liegen mag.

VERGLEICHE
Nichts gegen Kapellen wie MARILLION, IQ und Co., die tatsächlich von Zeit zu Zeit ähnlich klangen/klingen, aber sein wir ehrlich: An das Original kam/kommt keine der Genannten wirklich heran, weder kompositorisch, noch spielerisch, noch arrangement-mäßig – gesanglich sowieso nicht. Einzig vielleicht die schwedischen FLOWERKINGS in ihrer Anfangsphase konnten z.B. mit THE FLOWERKING, BACK IN THE WORLD OF ADVENTURES, RETROPOLIS und STARDUST WE ARE einen vergleichbaren Sound erzeugen. Hätten sie aber höchstwahrscheinlich nicht, hätte es GENESIS nie gegeben.

FAZIT
Was soll Mann/Frau zu einer lebenden Legende wie STEVE HACKETT noch großartig sagen? Dieser Typ hat in den 70ern Artrock-/Prog-Geschichte geschrieben und weigert sich seitdem beharrlich, in musikalische Rocker-Rente zu gehen. In seinem Fall kann er auch gar nichts Anderes/Besseres tun, wie auch dieses neuerliche Video- und Audio-Dokument eindrucksvoll beweist. Ich kann nur hoffen, dass ihm nicht ähnlich Übles widerfährt wie z.B. Keith EMERSON (ELP), Ian GILLAN (DEEP PURPLE) oder John WEATHERS (GENTLE GIANT), die zwar immer noch WOLLEN, aber aufgrund körperlicher Gebrechen nicht mehr KÖNNEN.

Obs in diesem Leben jemals ein Original-GENESIS-Revival oder noch besser ein NEUES Original-GENESIS-Album geben wird, steht in den Sternen und wird aus unterschiedlichen Gründen von Jahr zu Jahr unwahrscheinlicher. Wie dem auch sei: STEVE hält das GENESIS-Banner immer noch und immer wieder hoch und sei es auch NUR durch diese zugegebenermaßen grandiose COVER-Band, also: Dear Mr. HACKETT – PROG ON!

BEWERTUNG
Komposition: 5 Sterne (mehr gehen leider nicht)
Arrangement: 5 Sterne (mehr gehen auch hier leider nicht)
Performance: 5 Sterne (besser gehts eben nicht)
Innovation/Experimente: 2 Sterne (tja, Coverband bleibt Coverband)
Produktion/Sound: 4 Sterne
Bild: 4 Sterne
Cover: 3 Sterne (da hätte man mehr draus machen können und müssen – KEIN Booklet!)
Gesamt: (28:7=) SATTE und voll verdiente 4 Sterne

HAAX / Kiel
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Kommentare


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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 28.10.2013 07:14:52 GMT+01:00
der ton ist doch auf der konzert dvd auch im 5.1 modus anzuwählen- schau noch mal nach

Veröffentlicht am 02.11.2013 21:45:08 GMT+01:00
Rock Tullie meint:
Welche Gebrechen hat Ian Gillan? Now what?! ist ein cooles Album geworden ...
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