Kundenrezension

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein lebendes Gefängnis - das ist Incarceron!, 16. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Incarceron (Taschenbuch)
Claudia, die Tochter des "Wächters von Incarceron" weiß nicht viel über Incarceron, dieses Paradies, das vor Jahrhunderten geschaffen wurde, eine perfekte Welt, die nach ihrer Besiedlung für immer verschlossen wurde. Keiner kommt mehr hinein, keiner nach draußen.
Claudia träumt davon, mehr herauszufinden, ahnt, dass das Verschwinden des Thronerben irgendetwas damit zu tun hat. Als ihre Hochzeit vorverschoben wird, läuft ihr die Zeit davon und sie bricht noch am selben Tag in das Arbeitszimmer ihres Vaters ein - und findet einen kristallenen Schlüssel.

Finns Realität in Incarceron sieht ganz anders aus, als Claudia es sich vorstellt. Incarceron ist ein Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Es beobachtet seine Insassen, es reagiert auf sie, es denkt.
Finn weiß nicht, wer er ist, und obwohl jeder behauptet, Incarceron hätte ihn geschaffen, ist er fest davon überzeugt, dass er von Außen kommt. Als er in den Besitz eines kristallenen Schlüssels kommt, tut sich endlich eine Möglichkeit auf, vor Incarceron zu entkommen. Und Claudia soll ihm dabei helfen.

Während sich in beiden Welten die Situation zuzuspitzen beginnt, beobachtet Incarceron das Vorgehen. Denn freiwillig lässt das Gefängnis keines seiner Kinder ziehen.

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Meinung

Was für ein Buch! Gerade habe ich "Incarceron" beendet und bin noch ganz sprachlos vom Ausgang dieser grandiosen Geschichte. Schon allein diese Idee, ein lebendes, ein denkendes Gefängnis. Ein in sich abgeschlossenes System, das seine Toten in sich aufnimmt und aus deren Atomen neue Wesen schafft.

"It's a closed system. Nothing enters. Nothing leaves. When prisoners die their atoms are reused, their skin, their organs. They are made from each other. Repaired, recycled, and when the organic tissues are not available they are patched with metan and plastic."
- S. 335

Catherine Fisher hat mit Incarceron eine Welt geschaffen, in der das Leben seine eigenen Wege geht. Wie eine Welt, die irgendwo in unserer existiert. Diebesbanden und Mörder ziehen durch die Gänge und zahlreichen Flügel von Incarceron, in denen Finn und sein Eidbruder Keiro jeden Tag ums Überleben kämpfen.

Doch damit nicht genug hat Catherine Fisher auch die Welt außerhalb von Incarceron in ein völlig neues Kleid gesteckt. Obwohl anfangs alles wie ein historisches Setting wirkt, bemerkt man als Leser sehr schnell, dass das Bild hier gewaltig trügt. Die ganze Geschichte spielt nämlich in der Zukunft. Einer Zukunft, in der man die Zeit und den Wandel verboten hat, stattdessen zwingt man die Menschen, nach dem sogenannten Protokoll zu leben, was nichts anderes heißt, als dass alles wie im 17. Jahrhundert zu sein hat - Kleidung, Wohnen, Benehmen.

"We forbid growth and therefore decay. Ambition, and therefore despair. Because each is only the warped reflection of the other. Above all, Time is forbidden. From now on nothing will change.
King Endor's Decree"
- S. 175

Trotzdem schaffen es die meisten Leute nicht, ohne den Komfort von modernen Badezimmern und Waschmaschinen zu leben. Schon allein diese Mischung aus Neu und Alt, genauso wie der Kontrast zwischen Incarceron und der Welt außerhalb haben einen Zauber für sich, dem ich mich nicht entziehen konnte.

Das war aber immer noch nicht alles. Denn nicht alle sind mit dieser Regelung, dem Protokoll, einverstanden, denn es wird ganz offensichtlich beabsichtigt, den Fortschritt zu verhindern, alles stillstehen zu lassen. Die Gelehrten - die Sapienti - planen einen Plott gegen die Königin, und Claudia, die den Thronfolger heiraten wird, soll sich am Mord ihres zukünftigen Mannes beteiligen.

Während nun also beide, Claudia und Finn, mit ihren jeweiligen Welten zu kämpfen haben - sind doch beide Gefangene in ihrem ganz eigenen Gefängnis - finden sie jeder einen kristallenen Schlüssel und entdecken, dass sie miteinander kommunizieren können. Die beiden Handlungsstränge beginnen sich miteinander zu verflechten.
Ganz deutlich sieht man das auch an der Aufteilung des Buches. "Incarceron" ist in insgesamt vier etwa gleich lange Teile unterteilt, im ersten wird abwechselnd von Claudia und Finn erzählt - ein Kapitel Claudia, ein Kapitel Finn usw. Im zweiten Teil ändert sich das radikal. Nachdem beide an einen Kristallschlüssel gelangt sind, mit dem sie in Verbindung treten können, sind die Kapitel (unter anderem als Resultat der häufigen Kommunikation) nicht mehr strikt getrennt - die Erzählungen aus Sicht von Claudia und Finn gehen immer mehr ineinander über.

Dass dem Leser dabei immer nur kurze Ausschnitte aus den Geschehnissen rund um Claudia und FinnIncarceron lange ein riesiges Geheimnis und Rätsel - für die Charaktere und für den Leser.

Die Charaktere sind übrigens überaus real gestaltet, man fühlt sich sofort mitten drin, kann ab Seite 1 mit Finn mitfühlen. Was mir an Claudia am besten gefallen hat, war, dass sie sich zu helfen weiß, immer aktiv ist, nicht's einfach mit sich machen lässt ohne sich selbst Gedanken dazu zu machen. Genau wie sie ist auch Finn ein sehr aktiver Charakter.
Doch auch die Nebenfiguren haben es mir sehr angetan, allen voran Keiro und Attia. Keiros Beweggründe verstehe ich zwar bis jetzt noch nicht ganz, er ist einfach sehr schwer zu durchschauen, trotzdem ist er mir schon nach wenigen Sätzen sympathisch gewesen. Unter anderen deshalb, weil er immer eine witzige Bemerkung auf den Lippen hatte. Und Attia, ein Sklavenmädchen, hat mich einfach nur sehr oft überrascht, in ihr steckt viel mehr als man anfangs glauben würde.
Claudia Begleiter ist Jared, ihr Lehrer, ein Sapienti, ein Weiser. An ihm hat mich am meisten fasziniert, dass er trotz der Verbote weiter an seine Forschung glaubt, Claudia dabei immer loyal unterstützt obwohl er nicht allen ihren Theorien Glauben schenkt.

Alles in allem ein unglaublich gut gelungener Cast an Figuren, die sich in zwei völlig verschiedenen Welten bewegen, eine scheinbar unmögliche Tat vollbringen wollen, immer gejagt von sichtbaren und unsichtbaren Gegnern. Ich bin total begeistert von diesem Buch und es wird wohl nicht sehr lange dauern, bis ich mich in den zweiten Teil, "Sapphique", stürze!

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Bewertung

Überraschend, spannend, mysteriös - das ist "Incarceron". Eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe!
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