Kundenrezension

56 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schauriges Gruselmärchen für dunkle Abende, 29. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Mama [Blu-ray] (Blu-ray)
Guillermo del Toro ist dafür bekannt als Produzent auch unbekannten Regie-Neulingen immer eine Chance zu geben.
So verdanken wir ihm als Produzent den wunderbaren "Julias Eyes" oder auch "Das Waisenhaus".
Gleiches gilt hier für den Argentinier Andres Muschietti, den er mit "Mama" unter seine Fittiche nahm.
"Mama" hat einige Kritikerschelte einstecken müssen und das vollkommen zu unrecht.
Wie so oft ist es ein reine Frage der Erwartungshaltung, die ausschlaggebend für viele subjektive Bewertungen ist.
Wer hier beinharten Horror oder blutspritzende Action erwartet sollte den Kauf von vorn herein nicht in Erwägung ziehen.
Denn "Mama" ist viel mehr ein kunstvolles, schauer-poetisches Gruselmärchen.
Raunend, subtil, geisterhaft mit differenzierter Charakterdarstellung, wunderbarer Atmosphäre und kaum Brutalität.
Eine Spukgeschichte, bei der Sie lieber Interessent am besten noch ein Holzscheit im Kamin nachlegen,(so Sie über einen verfügen), die Vorhänge zu ziehen und zur Mitternacht bei stürmischen Regen diese DVD einlegen.
Alle Zusätze dieser Story sind bekannt und doch geht der Film ganz eigene exzentrische Wege, unterscheidet sich radikal von den quitschbunten, oft nervigen amerikanischen Haunted-House Filmen.
Was besonders das Auge verwöhnt ist die durchgängig wunderschöne Photographie. Jedes Bild perfekt arrangiert, mit einer leicht angealterten Patina versehene erdige, purpurne Farbtöne.
Es ist als würde man den Film durch ein jahrhundertealtes, vergilbtes Pergament betrachten.
Flackernde Lichter, schwarze sich grotesk bewegende Schatten in jeder dunklen Nische des Hauses.
Klassischer Old-School Grusel aber mit einer großen Portion Eigenständigkeit..
Dazu arbeitet der Film oft mit der Dramatik von Stille, sorgfältig platzierten Schockeffekten ohne in zuviel Hektik zu verfallen.
Diese leise schwebende und um so nachhaltig spannende Sorgfältigkeit beobachtet man in vielen neuen spanischen Gruselproduktionen, und dies hebt sie aus dem Gros der Filme ab.
Der Schnee fällt märchenhaft weiß in den ersten Szenen. Wir sehen einen Mann in atemberaubend vereister Landschaft, wie er die Gewalt über sein Fahrzeug auf eisglatter Strasse verliert. Doch er kann sich mit seinen zwei Kindern aus dem Autowrack retten.
Verloren stapfen sie durch den unendlichen Märchenwald.
Eine geheimnisvolle Hütte im Dickicht soll den Dreien Unterschlupf gewähren.
Verschneite Steinstatuen vor der Holztür, kleine Fenstergiebel hinter denen sich ein Schatten bewegt.
Doch der Mann hat bereits mit seinem Leben abgeschlossen, kurz zuvor hat er die Mutter der Kinder erschossen.
In Panik plant er hier in der Hütte einen erweiterten Selbstmord.
Seine Schulden haben ihn zu dieser Wahnsinnstat getrieben. Als er weinend die Waffe auf seine kleine Tochter richtet, reist ein dunkles unförmiges Wesen ihn in einen Abgrund.
Fünf jahre später: Der Onkel der beiden damals vermissten Kinder hat noch nicht die Suche nach diesen aufgegeben.
Immer noch kann er die Tat seines Bruders nicht verarbeiten. Da werden in einer Waldhütte zwei kleine Kinder gefunden, verwildert, verwahrlost.
Es sind tatsächlich die Kinder seines toten Bruders. Allen Warnungen zum Trotz und großer Bedenken seiner Freundin nimmt er diese Geschöpfe der Wildnis bei sich auf. Doch auch Psychologen interessieren sich für das Geschwisterpaar.
Wie konten sie so lange in der Hütte überleben, und wer versorgte sie mit Nahrung? Die Kinder bleiben stumm, verschlossen.
Nur eine tragische, Jahrhunderte alte Geschichte scheinen sie dort erzählt bekommen zu haben und ein fremdes Wesen hat sich wohl ihrer angenommen.
Doch "Mama" wird ihre Liebsten nicht so schnell loslassen und eine gefährliche Macht schleicht durch das Haus, riesige Motten die unheimlich um Lampenschirme flattern, knisterndes Waldrauschen, Schränke mit gefährlichen Geheimnissen.
Oft wurden "Mama" die Computereffekte angekreidet. Dazu ist zu sagen, daß bis auf das sicherlich etwas übertriebene Ende diese wohl plaziert und niemals selbstzweckhaft sind.
Da gibt es gerade auch im amerikanischen Kino ganz andere Negativ-Beispiele.
Natürlich leiden solche Filme an dem Manko, ist man der Kreatur erst einmal ansichtig geworden so ist schnell die Luft heraus.
Dieser Gefahr entgeht "Mama" geschickt durch die wirklich tragisch, groteske Hintergrundstory, die bis zuletzt zu fesseln vermag.
Fazit: Ein spinnwebverhangenes Gruselvergnügen für Winterabende.
Sie können dann anschließend gleich mit "Der Frau in Schwarz" oder "Die Verlassenen" das gepflegte Gruselvergnügen noch ergänzen.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.01.2014 12:17:40 GMT+01:00
APB- Girl meint:
Bin mir noch recht unschlüssig, ob ich ihn mir reinziehe. Weiss nicht warum.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.01.2014 20:05:27 GMT+01:00
P_Zero meint:
War ich mir auch, kann ihn aber sehr empfehlen. Zumindest einmal sollte man in gesehen haben. Endlich mal wieder ein film der auch fesselt und nicht durch Splatter gelingt.
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