Kundenrezension

134 von 145 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen EIn Prototyp Göttlicher Musik, 11. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: In the Court of the Crimson King (Original Master Edition) (Audio CD)
Lange vor Genesis, Emerson,Lake&Palmer, Yes oder jethro Tull, alles Namen die für das Genre des Progressive Rock prägend und unverzichtbar sind, hatten King Crimson auf ihrem Debutalbum das Genre bereits erfunden und den Maßstab für den neuen aufregenden Stil zwischen Folk, Jazz, Klassik und Rock sehr hoch angelegt. 1969 war eh das Jahr der musikalischen Revulution schlechthin, man schrieb keine Hitkonserven mehr für den Eintagsfliegen Radiogebrauch, sondern lies allen musikalischen Möglichkeiten und Ambitionen freien Lauf. King Crimson schöpften alles aus, was musikalisch auszuschöpfen war und kreierten dieses wundervolle Gesamtkunstwerk. Sänger dieses himmlischen Epos, welcher wirklich nicht von dieser Welt zu sein scheint, textlich aber unserer Welt den Spiegel vorhält, war niemand geringerer als Greg Lake, der später mit dem ehemaligem Atomic Rooster Drummer Carl Palmer und dem Nice Organisten Keith Emerson die Grenze der musikalischen Selbstinszenierung überschritt und das Genre bis zum Erbrechen ausreizte, ehe sie selbst zur Farce wurde. Hier aber klingt alles noch frisch und inspiriert, wie groß und gigantisch könnte der Name King Crimson heute klingen, wenn der Stil des Debutalbums beibehalten worden wäre, größer gar als Pink Floyd?!?!?
Zu den Songs:
Der Eröffnungssong 21th Century Schizoid Man ist der Kontrastpunkt des Albums, das Loch im Teppich: Hektisch, panisch, aggressiv, nervös, eine Kakophonie aus verzerrtem Gesang, Saxophon, verzerrter E Gitarre und irren Schlagzeugsynkopen, erinnert teilweise sehr stark an Jon Hisemans Colloseum, wenn man vom Gesang absieht. Sehr verstören und im krassen Kontrast zum Rest des Albums stehend.
I Talk To The Wind: Wundervolle, idyllische und kindlich naive Flötenmelodien, lässige, träge Gesangsmelodien, ein Lied, das von Luft und Liebe zu leben scheint, völlig unbekümmert und beruhigend. So relaxed, wie man es nach der Eruption des ersten Stücks niemals vermutet hätte. Auch Klarinette und Oboe kommen hier neben mehreren Flöten zum Einsatz, der Rythmusteppich ist variabel verspielt und absichtlich löchrig um die Lässigkeit zu betonen.
Epitaph: Eine Klangwand aus Mellotron (einem Instrument, das damals grade frisch in Mode kam, was avantgardistische Musik mit klassischem Touch betraf), Fagott, Oboe, Klarinette, Akustikgitarre, etwas (cleaner) E Gitarre, Kesselpauken, Bass und einem schleppendem Drumrythmus, monumental, episch, dramatisch und elektrisierend, wie kurz vor einem Gewitter, wundervoll, anmutig, emotional... Herrlich, Melodien, die einem einen Schauer über den Rücken jagen, vom göttlichem, engelhaften Gesang Greg Lakes gar nicht erst zu sprechen. Ich kenne keine bessere Form in Musik gepresster Melancholie und Trauer. Wow! Wer hier keine Gänsehaut bekommt, sollte einen Neurologen aufsuchen!
Moonchild: Die ersten drei Minuten sind sehr geheimnisvoll und mysteriös, Greg Lakes Stimme ist gedämpft an der Grenze zum Flüstern, die leicht verzerrte, jammernde Gitarre und das spärliche Klavier schienen sich in das Gehör anschleichen zu wollen. Absolut tolle atmosphäre, ehe man sich dann nach drei minuten der musikalsichen Selbstinszenierung hingibt und Freejazz praktiziert, ohne jede Form und ohne jeden Zusammenhang zum Rest des Songs, sehr verspielte Xylophon und Gitarrenmelodien, etwas Percussion... Man pennt past ein, was aber dem Genuss keinen Abbruch tut.
Der Titelsong: Ebenfalls eine möchtige Wand aus melancholisch weinendem Mellotron, Klavier, Bass und Schlagzeug, dann aber nur wundervolle akustische Gitarre und herrliche Gesangsmelodien, eine mysteriöse Atmosphäre wird kreiert, wie auf einer anderen Welt, Greg Lakes Stimme untermalt beim Refrain die Melltronmelodien und verleiht dem Sond einen sakralen, choralen Touch. Wundervolle Flötenmelodien in der Mitte, untermalt von jazziger Gitarre und das bombastische Ende... Ein Song, der Epitaph in nichts nachsteht und mit dem sich die Band ein Monument, ein Denkmal geschaffen haben....
Das ist nicht nur ein Denkmal, sondern ein Mahnmal in Moll und Dur, warnend vor der damals gefürchteten atomaren Apokalypse...
Das wundervolle, traumhafte Cover tut sein übriges.
Kaufempfehlung. Weitere Worte spotten nur der Genialität dieses äusserst inspirierenden Werkes, wohl das Beste, was in meinem Plattenschrank steht und was vom King Crimson Urmitglied und Gitarristen Robert Fripp heute Live unter den Tisch gekehrt wird und keine Beachtung mehr findet. Welch eine Verschwendung. Aber Live kann man diese Musik nicht umsetzen, wie das King Crimson Livealbum Epitaph leider unmiossverständlich klar machte.
PUNKT!
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Von 2 Kunden verfolgt

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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.01.2009 15:16:49 GMT+01:00
Ulrich Weber meint:
Sehr engagierte und leidenschaftliche Rezension! Trifft den Punkt auch und ist somit nicht unbedingt subjektiv sondern zeugt auch von
einem insgesamt grossen Background, sowohl von der Musik an sich als auch von der Faehigkeit, diese zu geniessen bzw. deren
Stellenwert einzuordnen. Sehr schoen, es gibt noch seelenverwandte! Weiter so und bitte, wenn moeglich, mutiliplizieren im zur
Verfügung stehenden Umfeld. Danke!

Veröffentlicht am 15.08.2010 19:33:52 GMT+02:00
"Lange vor Genesis, Emerson,Lake&Palmer, Yes oder jethro Tull, alles Namen die für das Genre des Progressive Rock prägend und unverzichtbar sind, hatten King Crimson auf ihrem Debutalbum das Genre bereits erfunden.."

Stimmt nicht, YES gab es schon, Genesis bastelten gerade an ihrem zweiten Album und hatten viele Songs für TRESPASS, und auch schon einige Grundideen für "NURSERY CRYME" und selbst
Songs, die später auf "THE LAMB..." endeten (Anyway) schon geschrieben; Jethro Tull waren auch schon am Start.... Kin Crimson waren nur eher erfolgreich und in jeder Hinsicht vollendet.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.05.2011 10:29:44 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.05.2011 09:17:03 GMT+02:00
Fried Neumann meint:
Sorry,MOODY BLUES waren die ersten.Die hatten schon 1966 das MELLOTRON in die Rockmusik eingeführt und 1967 auf DAYS OF FUTURE PASSED das Mellotron exzessiv benutzt.Ebenso führten diese die QUERFLÖTE (schon 1965 auf MAGNIFICENT MOODIES nachzuhören) ein.

Ab da,legte sich "jede progressive Rockband" ein Mellotron und eine Querflöte zu.

Hört Euch mal die Songs:THE DREAM - HAVE YOUR HEARD (Part One) - THE VOGAYE - HAVE YOUR HEARD (Part Two) von dem Album:ON THE THRESHOLD OF A DREAM an.

Da hat King Crimson einiges abgekupfert.

Veröffentlicht am 16.01.2012 23:24:32 GMT+01:00
MH meint:
Die Rezension trifft es auf den Punkt, danke dafür. Dieses Album gehört zu denen, die meine Generation prägten und die man niemals, auch nach mehr als 40 Jahren nicht vergißt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.09.2012 18:30:01 GMT+02:00
Monticello meint:
Mich würde mal interessieren, was die Pop-Musik-Jünger ohne ihre Ersatzreligion machen würden "Göttlich", "Genial", usw.

Da weiß man nicht, ob man sich gruseln oder nur milde lächeln soll.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.09.2012 15:24:41 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.09.2012 15:39:08 GMT+02:00
MH meint:
Find ich lustig als Pop-Musik-Jünger bezeichnet zu werden. King Crimson ist ein Klassiker und hat eigentlich nichts mit dem zu tun, was mann (ja 2x nn), mit Geburtsdatum weit nach dem Erscheinen der Platte, unter Pop Musik versteht, geschweige Ersatzreligion. Niemandem würde es einfallen, vor 200 Jahren entstandene klassische Musik als Ersatzreligion zu bezeichnen und deren Liebhaber als Klassikmusik-Jünger. Wäre eine Anmaßung sondersgleichen. "Göttlich" ist im übrigen eine Ausdruckweise für exzellenten Genuß, z.B. auch nach hervorragenden Mahlzeiten. Mild lächeln nicht, aber gruseln kann man sich bei intoleranten Menschen mit Tunnelblick, die andere mit herablassenden arroganten Bemerkungen über Dinge, die sie selbst niemals verstehen werden, nerven. Wen interessiert das denn? Offenheit, Liberalität, multikulturelle Toleranz, Leben und leben lassen - das ist der Unterschied in der Mentalität derjenigen, die diese Musik lieben, in der Zeit ist King Crimsons Musik entstanden. M.
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