Kundenrezension

58 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich so vieles anders machen." Wirklich?, 2. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Hätte ich doch ...: Von den Sterbenden lernen, was im Leben wirklich zählt (Taschenbuch)
Wenn Menschen sich darüber im Klaren sind, dass sie bald sterben werden, es keine Umkehr mehr geben wird, dann herrscht Gewissheit wie nie zuvor im Leben. Man kann nichts mehr ändern, eine Zukunft gibt es nicht. Alles ist bestimmt, und damit ist auch alles einfach.

Wenn die Ungewissheit jedoch unser Leben noch beherrscht, wenn vermeintliche Zwänge uns herumstoßen, dann fällt es uns schwer, den einfachen Wahrheiten zu folgen, die sich auch in diesem Buch finden. Wir müssten unser Leben nämlich in den meisten Fällen grundlegend ändern. Und genau an diesem Punkt schlägt die Ungewissheit hart zu. Sie macht uns Angst, und alles wird wahrscheinlich so bleiben wie es ist.

Leider kommt die Autorin gar nicht bis an diese bittere, aber realistische Weggabelung vieler Leben. Vielleicht war das auch nicht ihre Absicht. Sie begleitet Menschen beim Sterben und berichtet darüber. Wenn sie das beschreibt, berührt das Buch. Manche der geschilderten Schicksale sind ergreifend. Man fühlt sich getroffen und muss vielleicht an sein eigenes Ende denken. Die häufige Konfrontation mit dem Tod verändert Menschen. Man wird bewusster leben, wenn man das Ende immer wieder sieht.

Doch die meisten Menschen kennen diese ständige Ermahnung nicht. Und das ist auch gut so. Mit der Drohung zu leben, alles könnte bald zu Ende sein, macht das Dasein nicht freudvoller.

Am Ende des Buches formuliert Frau Tropper zehn Botschaften, die ihr Sterbende angeblich verraten haben. Abgesehen davon, dass ich den Eindruck hatte, diese Botschaften sind eher Schlussfolgerungen der Autorin aus dem Erlebten und weniger Ratschläge derer, die sie beim Sterben begleitete, kann man natürlich nur schwer etwas gegen diese Art von Anweisungen sagen.

Doch beim näheren Hinsehen oder gar beim Ausprobieren, erscheinen sie oft als unerreichbar, obwohl sie es nicht sind. Aber dazu gehört eine Grundhaltung, die völlig im Widerspruch zu unserer Alltagskultur steht. Will man also alle Gebote der Autorin umsetzen, dann setzt man sich einem großen Gegendruck aus, den kaum einer aushalten wird. Eine Hilfestellung dabei wird man in diesem Buch nicht finden.

"Genieße den Tag, als gäbe es kein Morgen." Das ist die erste Botschaft. Sie enthält eine versteckte Frage. Was nämlich heißt "genießen"? Und bedeutet der fehlende Morgen nun, dass man keine Verantwortung mehr besitzt? Und stellt man sich nicht ins moralische Aus, wenn man so handelt? Wie soll man den Tag genießen, wenn man Druck hat und nicht weiß, wie man seine Arbeit schaffen soll? Fragen über Fragen, die man in dieser Weise bei allen zehn Geboten dieses Buches stellen kann.

Ganz so einfach, wie sich das Frau Tropper mit diesen Ratschlägen macht, ist es dann wohl doch nicht. Denn wenn man sie im Detail hinterfragt, stößt man schnell an Grenzen. Mir ist schon klar, was die Autorin uns mit auf den Weg geben möchte. Und ich verstehe diese Ratschläge sehr wohl, denn sie sind nichts weiter als uralte Konzepte, die man auch in den alten asiatischen Schriften, versteckt in der Bibel und auch bei vielen modernen Weisheitslehrern findet.

Doch gerade da, wo es interessant wird, nämlich bei der täglichen Umsetzung, hört die Autorin auf und bleibt auf dem Niveau pädagogischer Kalendersprüche stehen.

Was von diesem Buch bei mir haften geblieben ist, sind die Schicksale, die es schildert. Das erschien mir als die starke Seite dieses Textes. Mehr davon und weniger nachgereichte Auswertungen hätten das Buch viel stärker gemacht.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.12.2012 19:33:44 GMT+01:00
Happyx meint:
Ich habe viele Sterbende auf ihrem letzten Weg begleitet. Bei allen kam irgendwann der Aspekt "Betrug/Täuschung/Verletzung" anderer zur Sprache. Diesen Punkt sahen alle als gravierendes Problem an, das ihnen den Weg in den letzten Monaten/Tagen noch schwerer werden ließ. Einige Male habe ich mich im Auftrag entschuldigt und um Verzeihung gebeten. Einmal sagte mir ein sog. Nahtoter, dass er alle Verletzungen anderer wie eine Folter erlebt habe, aus der es kein Entkommen gab. Nach viele Gesprächen in dieser Hinsicht bin ich mir sicher, dass es sehr wohl relevante, gut erreichbare Erkenntnisse mit direktem Anwendungsbezug für alle gibt. "Genieße den Tag als gäbe es kein Morgen" ist mit Sicherheit in diesem Zusammenhang einer der schwächeren Aspekte.

Veröffentlicht am 27.10.2013 10:25:44 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.10.2013 13:24:13 GMT+01:00
doggo-doggo meint:
Im Grunde ist die Umsetzung doch ganz einfach:

1. Muss man sich (statt sich z.B. von den Medien mit Nebensächlichkeiten berieseln zu lassen) immer wieder klarmachen, wie gut man es doch hat. Welch Geschenk allein das (im Zusammenwirken der Moleküle ausgesprochen komplexe) Leben ist. ("Ehrfurcht vor dem Leben"...) (Es geht uns gut, aber wir merken es nicht...) Ggf. selbst von HartzIV lebend. Dann und wann mal Nachrichten (Aktuelles Beispiel: Lampedusa) gucken, einen Krankenbesuch abstatten, evtl. einen Hospizbesuch. Häufig reichen allein offene Augen für Nachbarschaft, Kollegen etc., um mehr als genug zu sehen. Und dankbar zu sein für das, was (nicht) ist - statt nach immer mehr zu gieren. Nehmen wir allein die Abwesenheit von Zahnschmerzen etc.: Im Grunde ist doch dies schon ein großes Glück und eben keine Selbstverständlichkeit. ;-)

Wie gut habe ich es doch, hier im Trockenen zu sitzen am PC, des Schreibens mächtig und so gesund, gleich einen ausgedehnten sonntäglichen Hundespaziergang unternehmen zu können? ;-) Ich kann gehen, sehen, mich orientieren, in Kommunikation treten... Und, und, und...

2. Loslassen üben. Eingedenk der Endlichkeit mutet es doch geradezu lächerlich an, mit welcher Ergebenheit so viele Menschen in öden Alltagen (und anschließend stundenlang vor TV-Geräten) verharren - letztlich einer vermeintlichen Sicherheit und des Konsumes wegen. Sollte dieser (teuer mit Lebenszeit erkaufte) Konsum tatsächlich glücklich machen, dann frage ich mich, wieso ich nicht viel öfter geradezu vor Glück strahlende Menschen aus schönen Häusern treten oder teuren Autos aussteigen sehe?

Natürlich gibt es Sachzwänge (Ich wohne z.B. dort und so, wo ich es mir vglw. bequem leisten kann und nicht dort und so, wo bzw. wie ich gerne wohnen würde. Abwägung: Der Preis des Gewünschten wäre das Joch einer immensen finanziellen Belastung und damit ein Verlust an Freiraum.) und natürlich ist nicht alles easy. Und sind Endlichkeit und Sterbeprozess harter Tobak. So hart, dass ich mich frage, ob es überhaupt zumutbar ist, ein Leben in diese Welt zu setzen und dem unvermeidlichen Prozess auszusetzen. Nun bin ich und sind meine Lieben halt einmal da. Und da scheint es mir das Beste, was ich mit allem Leiden machen kann, dieses als Kontrast zu nutzen, um die lichten Aspekte des Lebens (noch) sichtbar(er) zu machen.

P.S.:

Ihre Rezension finde ich übrigens sehr nachdenkenswert.

Genau: Den Ansatz, das Leben einmal von der Warte der letzten Tage anzugehen, finde ich spannend und nur richtig. (Sehr viele Menschen scheinen mir zu leben, als hätten sie 500 Jahre Zeit oder gar die Ewigkeit gepachtet, anders kann ich mir insbesondere all die destruktiven Strömungen nicht erklären.)

Der Gedanke ist allerdings keineswegs neu. Viele (längst zu Staub gewordene) Philosophen haben sich auf den Weg gemacht...

Weswegen ich auch noch mit mir hadere, dieses oder ein anverwandtes Buch zu erwerben. Eben: Was soll es mir, der ich mein Leben schon sehr an der Endlichkeit desselben ausrichte, Neues bringen?

Wer nur halbwegs wach ist, kann dem Tod jeden Tag begegnen. Und im Grunde auch vglw. leicht Sterbenden bzw. Alternden oder schwer Erkrankten. Und sich selbst mit ihnen unterhalten. Was ich längst gemacht habe und was meine besten LehrmeisterInnen waren.

Wozu also (für mich) ein (dieses) Buch?
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Artikel

Rezensentin / Rezensent

Dr. R. Manthey
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   

Top-Rezensenten Rang: 9