Kundenrezension

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Debüt mit ungeahnten Folgen, 2. Oktober 2010
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Rezension bezieht sich auf: Dire Straits (Audio CD)
Meine erste Begegnung mit den Dire Straits fand exakt am 24. Mai 1978 in der Hamburger Musikhalle statt und verlief nicht besonders glücklich. Als Vorgruppe für die amerikanischen Pomprocker Styx war die Band nicht nur vollkommen fehlbesetzt, sondern wurde obendrein von den fiesen Sound- und Lichttechnikern der Hauptband so dermaßen unmöglich in Szene gesetzt, dass die hiesige Lokalzeitung am nächsten Tag lakonisch vermerkte: 'Ihre Musik war irgendwo zwischen Punkrock und Marschmusik angesiedelt, außer einem vom ersten bis zum letzten Song reichenden donnernden Vier-Viertel-Rhythmus, der zum Mitmarschieren einlud, bot die Grippe nichts Hörenswertes'. Und ich selber notierte damals: 'Als wir um halb neun ankamen, produzierte sich gerade die Vorgruppe namens Dire Straits, eine wenig bedeutende Mixtur aus Dr. Feelgood und Wishbone Ash. Sie wurde nicht gerade enthusiastisch beklatscht und verabschiedete sich von den gut 1000 Fans in der Halle nach sechs oder sieben Stücken ohne Zugabe'.

So weit die Geschichte eines großen Missverständnisses. Nur fünf Monate danach spielten Wundergitarrist und Leadsänger Mark Knopfler sowie sein Bruder David Knopfler (Rhythmusgitarre), John Illsley (Bass) und Pick Withers (Drums) als umjubelte Hauptgruppe in der selben, diesmal restlos ausverkauften Location und hinterließen ein verzücktes Publikum, zu dem auch ich erneut gehören durfte. Den kleinen Plastikanstecker in Form einer Gitarre und versehen mit dem Schriftzug 'Dire Straits', den die Zuschauer vor dem Konzert geschenkt bekamen, besitze ich noch heute.

Ihr Song "Sultans of Swing" hatte inzwischen seinen Weg über die Niederlande (!) in die hiesigen Radiostationen gefunden und so für eine Entwicklung gesorgt, die in den Zeiten von Disco, Punk und New Wave geradezu sensationell war. Inzwischen hatte das Debütalbum DIRE STRAITS nämlich nicht nur die deutschen Charts geentert, sondern hielt sich dort schließlich für satte 84 Wochen und stieg bis auf Platz 3.

Dire Straits (übersetzt: 'Magere Zeiten' oder auch 'total pleite') hatten 1977 in London zusammengefunden und überraschend schnell einen Vertrag bei der bekannten Plattenfirma Vertigo ergattert. Ihre Musik konnte man im weitesten Sinne mit dem damals in England weit verbreiteten Begriff Pubrock beschreiben, der zumeist recht unauffällig daherkam. Und wäre da nicht jenes brillante, glasklare Gitarrenspiel eines gewissen Mark Knopfler gewesen, dann würde ihre erste LP wahrscheinlich auch ihre letzte geblieben sein. Doch es sollte ganz anders kommen, denn die Töne, die aus dieser Gitarre, einer rot-weißen Fender Stratocaster, flossen, hatten eine ähnlich magische Wirkung wie die aus der berühmten Tröte des legendären Rattenfängers von Hameln.

Knopflers rauer Gesang war hingegen noch flach und ohne richtiges Selbstbewusstsein; er grummelte seine Texte fast schüchtern vor sich hin, doch ahnte man bereits, dass hier ein Künstler sein Gesellenstück ablieferte, der es noch ziemlich weit bringen konnte.

Muff Winwood, älterer Bruder des berühmteren Sängers Steve Winwood, und mit ihm zusammen ehemaliges Mitglied der Spencer Davis Group ("Keep On Running", "Gimme Some Lovin'"), hatte das Album staubtrocken und klar wie ein kalter Wintermorgen produziert. Knopflers Gitarre klang bei ihm sehr hell und ein wenig zu spitz. Das störte das Publikum zwar nicht im Geringsten, doch die ungeheure Wärme des speziellen Knopfler-Sounds konnte man damals nur in den Konzerten bewundern.

Außer "Sultans of Swing" hatte Mark Knopfler, der alle Songs im Alleingang komponierte, noch weitere eingängige Nummern auf Lager: die wehmütige Jugenderinnerung "Down to the Waterline" zum Beispiel, oder das bittere "Water of Love". Seinem amerikanischen Vorbild J.J. Cale eiferte er in "Setting Me Up" und insbesondere "Southbound Again" nach. "Six Blade Knife" war fast ein bisschen langweilig, während "In the Gallery" sozusagen das wunderbare "Once Upon a Time in the West" vom zweiten Album COMMUNIQUÉ vorwegnahm. Einige Motive von "Lions" tauchten ebenfalls auf der nächsten Platte wieder auf. Und das lässige "Wild West End" beschäftigte sich, wie die meisten Songs, mit Knopflers Alltag im südwestlichen London.

Das Album DIRE STRAITS entwickelte sich ganz langsam zu einem 'big seller' und erreichte schließlich Platz 3 in den USA und Platz 4 in England. Was danach bekanntermaßen folgte, war eine ungeahnte, weltweite Erfolgsgeschichte bis hin zu ihrem Mainstream-Monster BROTHERS IN ARMS (1985) und dem letzten Album ON EVERY STREET (1991). Doch begonnen hatte alles im Frühjahr 1978 in Holland und in Deutschland. Und ich, ein früh bekehrter Fan, war tatsächlich von Anfang an dabei!
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.01.2014 22:14:16 GMT+01:00
Music Lover meint:
Schöne Geschichte, exakte Beschreibung des Klanges, tolle Rezension - vielen Dank! :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.01.2014 23:46:02 GMT+01:00
H. Schwoch meint:
Hallo Music Lover, vielen Dank für das Lob! :-)
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