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30.000 Kilometer China in Hollywood-Qualität, 4. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Mathias Braschler Monika Fischer: China (Gebundene Ausgabe)
Mehr Texte und mehr Landschaftsaufnahmen würde ich mir wünschen, ansonsten ist dieser schöne Bildband hervorragend gelungen. Auf der linken Seite findet sich die Bildbeschreibung, auf der rechten Seite das Porträt jeweils eines Bewohners dieses riesigen Landes, one in a billion sagt der Engländer Watts dazu treffend im Vorwort. Die Fotos füllen mindestens eine, mitunter aber auch gut zwei Drittel der Doppelseite. Auch wenn es nicht näher erläutert wird, so findet sich wohl zu jedem Porträtierten der Name in Schriftzeichen, zumeist in chinesischen, aber selten auch in Arabisch (?), sicher bin ich mir dabei nicht ganz, optisch aber eine sehr schöne Idee. In Deutsch und Englisch werden Name, Alter, Beruf sowie in wenigen Sätzen eine Mini-Biographie der dargestellten Person abgedruckt. Von Liu Tianayou (91), ältester lebender Teilnehmerin des Langen Marsch über Wu Shiya (8), Schülerin aus Jilin über Zhang Zhiqiang (41), Architekten erstreckt sich die Bandbreite der ausgewählten Menschen. Ob außer Ai Weiwei (51) noch andere Prominente in diesem Buch zu finden sind vermag ich nicht zu sagen. Der Fokus liegt, trotz sehr professioneller Fotos, offensichtlich auf dem chinesischen Alltag. Matthias Braschler und Monika Fischer zeigen die Vielfalt, die raschen Veränderungen und die starken Kontraste (Raumprogramm neben dem Feld eines Bauern der jährlich 540 Euro erwirtschaftet. Eine demütige, dankbare Pfandflaschensammlerin mit einem Verdienst von 20 Cent am Tag neben dem Spross einer Golfclub-Unternehmerfamilie, die ihrem 35-jährigen Filius einen Lamborghini ermöglichte. Sicher, wer so etwas will wird es auch in den USA oder Deutschland finden, wenn wohl auch in anderer Form. Das ein Gefängnis-Insasse nicht, ein tibetischer Mönch aber nicht fotografiert werden durfte ist interessant, wird von den Autoren aber nicht weiter kommentiert. Was lässt sich nicht alles durch dieses Buch lernen. Der Chilli von der Chillifarm, auf der die 22-jährige Chen Liquin arbeitet, wird hauptsächlich für die Kosmetikindustrie verwendet. Die leuchtend rote Farbe findet sich in weltweit verwendeten Lippenstiften und Puderdosen. Diebstahl oder Selbstmord gibt es in China nicht, das scheint die Botschaft des Bahnsicherheitsbeamten Ma Chun zu sein, dessen Job nach eigener Aussage lediglich darin besteht Schafe von den Schienen fernzuhalten. Ein Haarschnitt bei Friseur Dai Huaquan (62) kostet 2 Yuan (20 Cent). Das ausgerechnet eine Ärztin, die noch im siebten oder echten Monat Geburten abbrechen muss, um die 1-Kind Politik Chinas umzusetzen, zu den würdevollsten Motiven gehörte ist paradox und wird entsprechend im Buch kommentiert. Gleichzeitig ist dieser kurze Satz von immenser Bedeutung, wie viel Schmerz muss das für die Betroffenen bedeuten? Mitunter sagt ein Bild und ein kurzer Satz eben doch sehr viel mehr aus, bewirkt mehr und stimmt nachdenklicher als eine langatmige Abhandlung über ein Thema. Darin zeigt sich die Genialität dieses Buches! Lapidares neben trivialem, amüsantes (Lamborghini!) neben Hochinteressantem (in China wird derzeit mit Las Vegas Shows wie einer Venedig Nachbildung mehr Umsatz generiert als in Las Vegas selbst). Faszinierendes China! Würdevolle Aufnahmen aus einem, das zeigt das Buch sehr eindrucksvoll, sehr großen und vielseitigem Land, die dabei helfen China besser zu verstehen. Ein sehr schönes Buch! 160 Seiten, Hardcover, Farbe, 76 Fotos, Texte: Deutsch & Englisch, Vorwort vom Ostasien-Koresspondenten des Guardian Jonathan Watts, Hatje Cantz 2012
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Mathias Braschler Monika Fischer: China 3775733361
Mathias Braschler
Hatje Cantz Verlag
Mathias Braschler Monika Fischer: China
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30.000 Kilometer China in Hollywood-Qualität
Mehr Texte und mehr Landschaftsaufnahmen würde ich mir wünschen, ansonsten ist dieser schöne Bildband hervorragend gelungen. Auf der linken Seite findet sich die Bildbeschreibung, auf der rechten Seite das Porträt jeweils eines Bewohners dieses riesigen Landes, one in a billion sagt der Engländer Watts dazu treffend im Vorwort. Die Fotos füllen mindestens eine, mitunter aber auch gut zwei Drittel der Doppelseite. Auch wenn es nicht näher erläutert wird, so findet sich wohl zu jedem Porträtierten der Name in Schriftzeichen, zumeist in chinesischen, aber selten auch in Arabisch (?), sicher bin ich mir dabei nicht ganz, optisch aber eine sehr schöne Idee. In Deutsch und Englisch werden Name, Alter, Beruf sowie in wenigen Sätzen eine Mini-Biographie der dargestellten Person abgedruckt. Von Liu Tianayou (91), ältester lebender Teilnehmerin des Langen Marsch über Wu Shiya (8), Schülerin aus Jilin über Zhang Zhiqiang (41), Architekten erstreckt sich die Bandbreite der ausgewählten Menschen. Ob außer Ai Weiwei (51) noch andere Prominente in diesem Buch zu finden sind vermag ich nicht zu sagen. Der Fokus liegt, trotz sehr professioneller Fotos, offensichtlich auf dem chinesischen Alltag. Matthias Braschler und Monika Fischer zeigen die Vielfalt, die raschen Veränderungen und die starken Kontraste (Raumprogramm neben dem Feld eines Bauern der jährlich 540 Euro erwirtschaftet. Eine demütige, dankbare Pfandflaschensammlerin mit einem Verdienst von 20 Cent am Tag neben dem Spross einer Golfclub-Unternehmerfamilie, die ihrem 35-jährigen Filius einen Lamborghini ermöglichte. Sicher, wer so etwas will wird es auch in den USA oder Deutschland finden, wenn wohl auch in anderer Form. Das ein Gefängnis-Insasse nicht, ein tibetischer Mönch aber nicht fotografiert werden durfte ist interessant, wird von den Autoren aber nicht weiter kommentiert.
Was lässt sich nicht alles durch dieses Buch lernen. Der Chilli von der Chillifarm, auf der die 22-jährige Chen Liquin arbeitet, wird hauptsächlich für die Kosmetikindustrie verwendet. Die leuchtend rote Farbe findet sich in weltweit verwendeten Lippenstiften und Puderdosen. Diebstahl oder Selbstmord gibt es in China nicht, das scheint die Botschaft des Bahnsicherheitsbeamten Ma Chun zu sein, dessen Job nach eigener Aussage lediglich darin besteht Schafe von den Schienen fernzuhalten. Ein Haarschnitt bei Friseur Dai Huaquan (62) kostet 2 Yuan (20 Cent). Das ausgerechnet eine Ärztin, die noch im siebten oder echten Monat Geburten abbrechen muss, um die 1-Kind Politik Chinas umzusetzen, zu den würdevollsten Motiven gehörte ist paradox und wird entsprechend im Buch kommentiert. Gleichzeitig ist dieser kurze Satz von immenser Bedeutung, wie viel Schmerz muss das für die Betroffenen bedeuten? Mitunter sagt ein Bild und ein kurzer Satz eben doch sehr viel mehr aus, bewirkt mehr und stimmt nachdenklicher als eine langatmige Abhandlung über ein Thema. Darin zeigt sich die Genialität dieses Buches! Lapidares neben trivialem, amüsantes (Lamborghini!) neben Hochinteressantem (in China wird derzeit mit Las Vegas Shows wie einer Venedig Nachbildung mehr Umsatz generiert als in Las Vegas selbst). Faszinierendes China!
Würdevolle Aufnahmen aus einem, das zeigt das Buch sehr eindrucksvoll, sehr großen und vielseitigem Land, die dabei helfen China besser zu verstehen. Ein sehr schönes Buch!
160 Seiten, Hardcover, Farbe, 76 Fotos, Texte: Deutsch & Englisch, Vorwort vom Ostasien-Koresspondenten des Guardian Jonathan Watts, Hatje Cantz 2012
junior-soprano "Powderfinger"
4. März 2012
- Insgesamt:
5

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Ort: Hannover
Top-Rezensenten Rang: 110
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