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Kundenrezension

18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sogar Woody Allen redet kaum noch von Freud, 22. Januar 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Seelenrisse auf Rezept: Eine Autobiographie (Taschenbuch)
rechtzeitig zum 150. Geburtstag von Sigmund Freud am 6. Mai
Sigmund Freud als intellektuell-ideologisches Referenzsystem hat noch lange nicht ausgedient, auch wenn Woody Allen kaum noch von Freud redet. Die Psychoanalyse als renommierteste Therapieform wird heute von allen Krankenkassen finanziert, meistens sind dies ca. 300 Sitzungen zu 65 bis 90,-€. Der hinter der Couch sitzender schweigende Therapeut ist keineswegs ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert, möge er sich auch auf einen der Nachfolger Sigmund Freuds beziehen. In den meisten Therapiezimmern ist über einer mit verstaubten Wandteppichen umrahmten Couch ein Bild von Sigmund Freud aufgehängt.
Psychoanalysekritik hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Der 150. Geburtstag von Sigmund Freud am 6. Mai 2006 sollte nicht nur dazu genutzt werden, um entweder Hymnen an die Psychoanalyse zu verkünden oder um anderseits die Flexibilität seiner Nachfolger zu rühmen. Es ist auch Zeit, eine objektive Bilanz zu ziehen und die Risiken und Nebenwirkungen der über Jahre andauernden Psychoanalysen nicht mehr zu verschweigen. Bislang wurden Schäden durch Psychotherapien weitgehend tabuisiert und Misserfolge den Patienten angelastet. Die monetären Interessen scheinen gegenüber einer fachlichen Diskussion über Qualitäten zu überwiegen. Psychoanalytisch arbeitende Psychotherapeuten sitzen mittlerweile bei gleichzeitiger Vernachlässigung ihrer Patienten als macht- und geldgierige Scharlatane in den Führungsgremien der Berufsverbände und Kassenärztlichen Vereinigungen.
Die Psychoanalyse, deren Rolle es ist, die Seele von den Wunden der Vergangenheit zu befreien, verfehlt ihre Ziele. Auf diese Erkenntnis kommen viele nach einer mehrjährigen schmerzhaften Psychotherapie. Der Entschluss, eine Psychotherapie zu beginnen, wird meistens durch leidvolle Erfahrungen ausgelöst. Der Betroffene ahnt, dass Änderungen notwendig sind, aber kaum ein Patient hat eine Vorstellung davon, wie schwierig und leidvoll dieser Prozess ist, obwohl der Erfolg keineswegs garantiert ist.
Patient und Therapeut sind im Rahmen der hochfrequenten dreimal wöchentlich stattfindenden Psychoanalyse in einer dyadischen Beziehung aufeinander bezogen, aus der die äußere Realität weitgehend ausgeklammert bleibt. Im Zuge der starken Bindung zum Therapeuten werden andere Beziehungen vernachlässigt oder abgebrochen. Oft werden solche Entwicklungen durch die methodenimmanente unklare Zielsetzung der Psychoanalyse begünstigt. In unendlichen Therapien haben die Beteiligten längst vergessen, weshalb der Patient ursprünglich den Analytiker aufsuchte.
Patienten sind selber schuld, wenn sie das Gute der Therapie nicht hinreichend angenommen haben. Gründe für ein Scheitern auch in der therapeutischen Beziehung zu sehen, also auch ausdrücklich nach der Beteiligung des Therapeuten zu fragen, wird weitestgehend vermieden.
Die wenigen Studien über die Wirkung von Psychotherapieschäden beruhen überwiegend auf den Selbsteinschätzungen der Behandler. Auf zaghaften Fortbildungsveranstaltungen zu diesem Thema werden Psychotherapieschäden heruntergespielt und in Form von Beispielen abweichenden unkonventionellen Behandlungsmethoden zugeschrieben. Vor Evaluationen, in denen Patienten zu Wort kommen, bestehen größte Ängste.
Psychotherapieschäden sollte eine besondere Bedeutung beigemessen werden, weil Patienten gerade am Ort der Hoffnung, an dem sie Heilung erwarten, kaum wieder gut zu machendes Leid zugeführt wird, das in der Regel immer zu ihrer persönlichen Geschichte gehören wird.
Die Autorin Marie Faber macht mit ihrem Erfahrungsbericht auf die Risiken und Nebenwirkungen einer analytischen Psychotherapie aufmerksam und stellt die Methode an sich in Frage. Dieser aufwühlende authentische Bericht benennt verschwiegene Gefahren ausgedehnter strapaziöser psychoanalytischer Behandlungsstrecken. Anhand jahrelanger persönlicher Erfahrungen der Autorin werden die ungewollten qualvollen Folgewirkungen auf den Lebensalltag Betroffener menschlich berührend geschildert. Das Geschehen zeigt, dass durch die Psychoanalyse erwachsene Menschen, die im Beruf stehen und funktionierende Beziehungen haben, auf der Suche nach fachmännischer Unterstützung in kindliche Regressionen und Bedürftigkeiten gebracht werden.
„Seelenrisse auf Rezept“ handelt von dem emotionalen Missbrauch der Protagonistin Marie Faber während ihrer Psychotherapie bei einem psychoanalytisch arbeitenden Nervenarzt. In schonungsloser Offenheit berichtet sie über ihre Opferrolle in dieser hierarchischen Machtsituation. Marie Faber sieht in dem Psychotherapeuten, einem hochrangigen Ärztefunktionär, der in vielen berufs- und gesundheitspolitischen Organisationen Ämter und Funktionen innehat, zunehmend eine Vaterfigur, die ihr in der Kindheit fehlte. Als Bestrafung für fehlende Unterwürfigkeit katapultiert er seine Patientin in eine Opferrolle, in der er sie schonungslos misshandeln und ausnutzen kann. Sie erlebte in ihrer Therapie eindeutig negative Therapeuteneigenschaften und -verhaltensweisen wie Kälte und Zwanghaftigkeit, Führen eines ungleichen Machtkampfes, Überarbeitung, mehr Interesse für berufspolitische Ämter als für Patienten. Schließlich eskaliert die Situation und Dr. Bohr lässt sie mit Polizeigewalt aus der Praxis entfernen.
Die Schädigung der Autorin durch ihre Therapie ist kein Einzelfall. Der beschriebene Therapieverlauf entspricht weitgehend einer ganz normalen Psychoanalyse, jedoch mit einem sehr unheilvollen Ende.
Im Fazit gelingt es überzeugend, die Methode an sich in Frage zu stellen und die Stichhaltigkeit der vorgeblichen Motivgeflechte therapeutischer Wort- und Meinungsführer zu erschüttern.
Durch ihre engagierte, sachlich fundierte und zugleich literarisch spannende Aufbereitung des Themas leistet die Autorin mit diesem Buch einen wertvollen ausgewogenen Beitrag in dem aktuellen Diskurs zur Überwindung der immer noch weit verbreiteten Tabuisierung von Psychotherapieschäden.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.09.2009 20:43:57 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.09.2009 20:51:56 GMT+02:00
xy meint:
Sigmund Freud hat fundierte Grundlagen hinterlassen, die leider von Kernberg und Sachsse völlig verdreht wurden und zum Patienten-Bashing von heutzutage mißbraucht werden. Einziges Manko von Freud: er ließ sich von einem Freund, der seinen Sohn mißbrauchte, überreden, Gewalterfahrungen als Fantasie zu werten. Alice Miller erklärt das in "Das verbannte Wissen".
Ich denke darüber hinaus, dass die Aussage von Freud's Patientin "ich habe erzählt, was sie hören wollten", nicht auf eine Lüge hinweist, sondern darauf, dass sie Geschehnisse preisgegeben hat, in denen sie Opfer war, und die nun vor dem wahr oder falsch Orakel des Therapeuten eine besondere neue Opferrolle begünstigen. Denn genau so habe ich es erlebt. Erst wird man verhört, dann wird man noch im Satz unterbrochen und verbal und nonverbal als Lügner dargestellt. Die alte Opfersituation ist ein Scheiß gegen diese Situation. Mir fehlen dazu einfach die Worte. Und hinterher könnte man einfach nur sterben, weil man diese Dinge erzählt hat, weil man dachte, das wollen sie hören. Man hat sich selbst zum Opfer gemacht.
Darüber hinaus kann ich nur dringend George K. Simon "In Sheep's Clothing" empfehlen, ab Seite 12. Er erklärt genau, wie Therapeuten fehlinterpretieren, ob jemand eine aggressive Persönlichkeit hat (und entsprechend nicht normal funktional neurotisch ist). Der normal neurotische Mensch unterwirft sich gesellschaftlichen Normen. Ist er unterwürfig, kann er kein Persönlichkeitsgestörter sein (hier der riesige und für all das Patienten-Bashing ursächliche Denkfehler von Sachsse, der sogar unterwürfige brave Mädchen Borderliner nennt, wenn sie sexuell mißbraucht wurden). Denn die Gewalt der Therapeuten ggü. den Patienten resultiert nach meinen Erfahrungen aus der Angst heraus, sonst vom Patienten emotional mißbraucht zu werden. Nochmals George K. Simon: Seite 62: greift die Katze die Maus an, weil sie Angst vor Traumatisierung durch die Maus hat? Ein Therapeut, der sich dies mal auf der Zunge zergehen lässt, kann an sich arbeiten und eine gewaltfreie Einstellung ggü seinen Patienten einnehmen. Aber normalerweise lassen sie sich in Supervision das Ego pushen (typische Kurzzeitintervention für Narzissten) und kommen dann zum Patienten: mein Supervisor sagt, dass sie ein Borderliner sind und mir nur Probleme machen werden.
Erschreckend finde ich auch, dass so wichtige theoretische Konzepte wie das des Familientherapeuten Murray Bowen in Deutschland überhaupt keinen Zugang finden. Deutsche Bücher lassen sich an der Literaturliste selektieren, richtig gute Therapeuten nennen Alice Miller, aber nicht das Drama, sondern "DU SOLLST NICHT MERKEN", und dann sollte man vielleicht einfach nur noch diese Therapeuten aufsuchen. Beispiele wären Ute Erhardt und Renate Göckel.
Wer unsicher ist, und zu schwach, sich zu wehren, sollte meiner Meinung nach niemals einen Therapeuten aufsuchen. Denn dann ist man normal funktional neurotisch und die Diagnose Persönlichkeitsstörung PER SE falsch.

Veröffentlicht am 21.07.2011 11:32:52 GMT+02:00
Jerry meint:
Es ist absurd, das Scheitern einer folie á deux nur einem Teil, dem sog Patienten in die Schuhe zu schieben.
Die unwirksame Lehranalyse ist kein Garant, dass der eine Part des Geschehens gesünder ist, als der andere.

Ich habe nur Menschen kennengelernt, die durch Psychoanalyse geschädigt wurden, niemand wurde "geheilt".
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