Kundenrezension

98 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Das Gleichgewicht der Welt? Wo ist es?, 26. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Gleichgewicht der Welt. Sonderausgabe. (Broschiert)
Die Originalausgabe ist 1995 in Canada erschienen. Bei uns 2000
Mistry ist 1952 in Bombay geboren und 1975 nach Canada ausgewandert. Zunächst arbeitete er in einer Bank. 1983 begann er zu studieren. Er wurde Schriftsteller. "Das Gleichgewicht der Welt" erhielt den kanadischen Staatspreis
Bombay 1975 ( Einstieg)
Vier Menschen treffen aufeinander, die verschiedenen Kasten angehören und völlig verschiedene Lebensgeschichten haben.Sie leben in einer bunt zusammengewürfelten Lebens- und Wohngemeinschaft in unerträglichem Umfeld, dem Bombay zur Zeit Indira Gandhis. . Die Grausamkeiten sind fast unerträglich zu lesen:Macht- und Existenzkämpfe bestimmen das Buch. Immense Macht, grenzenloser Sadismus, Handlungen und Lebensformen, die wir als Europäer nie begreifen können.Mit grossem Interesse habe ich den Lebenswillen der vier Menschen verfolgt. Da ist Dinah Dalal, eine Frau Anfang 40, die ganz früh Witwe geworden ist und nur noch von gnädigen Zuwendungen ihrer Familie abhängig ist. Sie versucht unabhängig zu bleiben und ihren Stolz zu bewahren. Da ist Manek, der im Himalaja aufgewachsen ist, im "Grenzgebiet" das sogar den Besitz der Familie zerteilt und die wohlhabende Kaufmannsfamilie verarmen lässt. Da ist Ishvar Darji und sein Neffe, die aus dem Kastensystem ausgebrochen sind,und anstatt als Parias zu vegetieren ein Handwerk erlernen. Sie gehen an der Gegenwart alle Vier zugrunde und werden zu Verlierern der Politik unter Indira Gandhi. Die Beurteilung von Michael Ondaatje in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung "Dieser Roman ist ein grosses Fest. Es schlägt einen Bogen von einer heiteren Komödie bis zum bewegenden Portrait einer Familie" ist Hohn und Zynismus. Der Mann kann das Buch nicht wirklich gelesen haben. Ich würde mir sehr überlegen, wem ich es zu lesen empfehlen würde. Es ist ein grausames Buch.Es ist grossartig, aber zerreisst einem das Herz
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.10.2009 13:11:39 GMT+02:00
Sie treffen mit ihrer Rezenssion den Nagel auf den Kopf. "Es ist ein grausames Buch". Aber es ist auch ein hilfreiches Buch. Denn nach dem Lesen werden die eigenen Probleme so ungemein klein. Jeder, der über hier angeblich herrschende "Ungerechtigkeiten" lamentiert sei dieses Buch empfohlen. Es dürfte wie ein Weckruf dienen und Dankbarkeit für das eigene Sein fördern.

Im Übrigen ging es mir bei dem FAZ Kritiker ähnlich. dessen Kritik ist vollständig daneben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.01.2010 21:01:45 GMT+01:00
Da schließe ich mich an, ich kann in dem Buch auch keine "heitere Komödie", wie Michael Ondaatje es beschreibt, entdecken. (Er hat es wohl wirklich nicht gelesen!) Ganz im Gegenteil stimmt mich diese Geschichte eher bedrückt und traurig, dennoch ist es ein Buch, dass ich nicht beiseite legen wollte und jederzeit weiter empfehlen werde.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.01.2010 21:03:11 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 07.01.2010 21:03:34 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 19.11.2011 14:56:38 GMT+01:00
Michael Ondaatjes Kommentar bezieht sich auf das andere Buch: "So eine lange Reise". Ein Fehler des Verlags, meine ich.

Veröffentlicht am 04.01.2012 14:13:44 GMT+01:00
Ich sehe das genau so. Ein Fest ist das Buch wirklich nicht und als ich gestern Abend mit dem Roman fertig war, hat mich das Ende so aufgewühlt, dass ich noch etwa vier Stunden wach im Bett lag. Trotzdem kann ich das Buch nur zu hundert Prozent empfelen, denn es steckt viel Weisheit darin. Noch nie hat ein Buch vor meinen Augen so ein klares Bild erzeugt und mich so mitfiebern lassen. Außerdem hat mich dieses Buch dazu angeregt mich etwas mehr mit der indischen Geschichte zu befassen und noch tiefer in das Misterium dieses Subkontinents ein zu tauchen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.02.2012 21:56:54 GMT+01:00
Erwin Keusch meint:
Sehe ich genau so.
Außerdem kann Mystry wirklich "schreiben". Er zerreißt einem vor allem deswegen das Herz, weil er oftmals trocken, nüchtern oder lakonisch die grausamsten Geschehnisse geradezu beiläufig, scheinbar ohne Anteilnahme, schildert oder bloß erwähnt. Und bald weiß man, dass es ganz logisch ist, dass die geschundenen Armen die Ärmsten ausbeuten. Und sie alle sind dennoch immer wieder in der Lage, sich an Kleingkeiten zu erfreuen, freundlich und hilfsbereit zu sein.
Das Buch schürt eine berechtigte Wut, aber es lehrt einen auch Demut.
Andererseits fragt man sich, ob unsere Gesellschaft, die vergleichsweise in Saus und Braus lebt, prinzipiell nicht genau so funktioniert. Bloß halt eben diskreter.
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