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Kundenrezension

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Frau im Kampf gegen Ungerechtigkeit und die Pest, 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Pestengel von Freiburg (Taschenbuch)
Historische Romane – meine Welt! Und wenn sie dann auch noch im Mittelalter spielen – umso besser! Als Baden-Württembergerin fühlte ich mich dann fast schon verpflichtet, diesen Roman, der im Schwarzwald (genauer gesagt in Freiburg) spielt, zu lesen.

Das Cover:

Dieses Buchcover ist glänzend gestaltet. Zu sehen ist auf der Abbildung des Covers eine Frau, die einen etwas müden und abgekämpften Eindruck macht. Die rotblonden Haare werden von einer Haube in Schwarz, Gelb und Rot bedeckt. Das Kleid in Rot und Schwarz wirkt edel und hat einen breiten Ausschnitt, wodurch die Schultern kaum bedeckt sind. Die roten Ärmel sind weit und aus rotem Stoff, während der schwarze Stoff eng am Körper der Frau anliegt und dadurch figurbetonend ist. Um den Hals trägt die Frau zwei Goldketten, eine davon mit einem Anhänger, wobei diese Ketten eher „halsfern“ auf den Schultern ruhen.

Die Hand der Frau ruht auf dem bleichen Arm einer Kranken, die im Bett liegt (ich vermute anhand des Nachthemds, dass es sich um eine Frau handelt, denn zu sehen ist lediglich der Arm und nur ein kleiner Teil des Körpers). Den Hintergrund bildet ein grüner Vorhang. Auffallend ist der durchscheinende, riesige Totenkopf, der sich hinter der sitzenden Frau befindet.

Sehr edel wirkt das Buch dadurch, dass der Name der Autorin in goldfarbenen, geschwungenen und relativ großen Buchstaben gestaltet ist. Die Farbgebung selbst finde ich gut gelungen – sehr harmonisch. Das Bild der Frau entspricht zwar nicht dem heutigen Schönheitsideal, passt aber sehr gut zu einem historischen Roman aus dieser Zeit.

Die Handlung:

Freiburg 1348 - Clara und Heinrich Grathwohl führen mit ihren vier Kindern ein glückliches und zufriedenes Leben. Heinrich verdient den Lebensunterhalt für die Familie als Wundarzt, wobei ihn seine Frau Clara eifrig und tatkräftig unterstützt. Sohn Benedikt ist Steinmetz und zugleich der Meisterknecht, Tochter Johanna ist mit Meinwart, dem Tuchersohn, verlobt. Ebenfalls zur Familie gehören noch die beiden jüngeren Kinder Michel und Kathrin.

Sohn Benedikt liebt die Nachbarstochter Esther, mit der er von Kindesbeinen an befreundet ist, sehr zum Missfallen der beiden Familien – undenkbar eine Verbindung eines Christen und einer Jüdin! Zudem soll Esther Grünbaum schon bald einen jungen Juden aus Straßburg heiraten. Da trifft Benedikt eine folgenschwere Entscheidung, um Esther zu retten.

Kurz darauf nähert sich die Pest auch der Stadt Freiburg und schon bald werden die Juden beschuldigt, Schuld daran zu sein, dass der Schwarze Tod auf dem Vormarsch ist. Und so werden die jüdischen Familien verfolgt und gefangen genommen, unter ihnen auch die Nachbarn der Familie Grathwohl – ihnen allen droht der Tod auf dem Scheiterhaufen. Doch Clara kann und will der ganzen Sache nicht einfach hilflos zusehen und ergreift die Initiative.

Und dann hält die Pest tatsächlich Einzug in Freiburg und Heinrich muss als Pestarzt den Kampf gegen die Seuche aufnehmen...

Meine Meinung:

Man mag über Clara denken, was man mag, aber eines muss man ihr lassen: Sie hat jede Menge Zivilcourage – setzte sich für Leute ein, die verfolgt wurden (in diesem Fall meist für die jüdischen Nachbarn), und sie war für die damalige Zeit sehr emanzipiert, ging sie ihrem Mann doch bei seinen Krankenbesuchen zur Hand – führte selbst den Aderlass durch, der doch den Ärzten vorbehalten war.

Heinrich mochte ich ebenfalls. Ihn und Clara verband eine tiefe Liebe, er respektierte seine Frau – leider war dies nicht selbstverständlich im Mittelalter, damals, als die Frau ihrem Mann zu gehorchen hatte und nur die drei Ks zählten, für die die Frau zuständig war: Kinder, Kirche, Küche (- und natürlich noch das Bett). Ehen waren oft arrangierte Ehen – Zweckgemeinschaften, indem sich Land zu Land, Adel zu Adel oder Geld zu Geld fand. Bei den Grathwohls jedoch war es einst eine Liebesheirat gewesen, die auch noch nach vielen gemeinsamen Jahren ihren Bestand hatte. Aber auch die Kinder des Paares hatten sicherlich mehr Freiräume, als es zur damaligen Zeit üblich war – in meinen Augen war die Familie für die damalige Zeit sehr modern eingestellt und ihrer Zeit weit voraus.

Benedikt, den ältesten Sohn der Grathwohls fand ich sehr reif für sein Alter. Als Meisterknecht hatte er eine große Verantwortung zu tragen, und im Gegensatz zu den anderen Personen auf der Baustelle, nahm er seine Arbeit auch in den schlechten Zeiten ernst, als die Pest die Stadt Freiburg fest im Griff hatte.

Eine zentrale Rolle spielt, so sehe zumindest ich dies, die problematische Beziehung zwischen Benedikt und seiner Mutter Clara. Sie betrachtet die stetig wachsende Liebe zwischen Esther und Benedikt mit Besorgnis, befürchtet sie doch, dass das Bekanntwerden dieser Beziehung enorme Schwierigkeiten mit sich bringt. Einerseits würde keiner diese Liason akzeptieren – gehören beide doch unterschiedlichen Glaubensrichtungen an, zum anderen befürchtete sie für Benedikt auch berufliche,... Nachteile, die diese Beziehung mit sich bringen würde.

Den Stadtarzt Filibertus Behaimer fand ich schon besonders unsympathisch. Heinrich Grathwohl gegenüber verhielt er sich sehr überheblich, fühlte sich als etwas Besseres – schließlich diente der Stadtmedicus dem Herrn Grafen als Leibarzt, wovon er natürlich auch reichlich profitiert.

Sehr leid tat mir der jüdische Nachbar der Grathwohls – Moische ben Chajm (die Familie wurde stets Grünbaum genannt) wurde mehrmals Opfer von Angriffen, was Clara nicht einfach so hinnahm, so auch als es in ihrem Beisein eine Attacke gegen den äußerst sanftmütigen Moische gab.

Meinwart Tucher, der Sohn aus einer wohlhabenden Familie und einst ein Freund Benedikts, dem Johanna als Ehefrau versprochen war, fand ich unmenschlich, arrogant und ohne jede Spur von Mitgefühl. Den gewalttätigen Vater verabscheute ich – zum einen griff er nicht ins Geschehen ein, zum anderen litt ganz besonders seine Frau Mechthild unter seinen Misshandlungen. Und nachdem infolge einiger Vorkommnisse, von Seiten der Familie Grathwohl kein Wert mehr auf eine Ehe mit Meinwart gelegt wurde, wurde auch der freundschaftliche Kontakt zwischen Clara und Mechthild vom alten Tucher unterbunden.

Schmunzeln musste ich, trotz der ernsten Lage die herrschte, ganz besonders über zwei Ereignisse:

- Behaimer und der Graf betreiben eine ganz besondere Art der Vorbeugung, um gegen die Pest gewappnet zu sein. So findet die körperliche Betätigung im Schloss statt unter Mitwirkung einiger käuflicher Damen – Leibesertüchtigungen mal anders...

- Nachdem viele Bewohner Freiburgs bereits Opfer der Pest wurden, kleidet sich so manch einer nicht ganz so standesgemäß – man trägt Schnabelschuhe, deren Spitzen so lang sind, dass ihre Träger darüber stolpern. Einer von Benedikts Mitarbeitern trägt einen Hut mit flauschiger Feder, den Benedikt ihm vom Kopf schlägt und mit dem Fuß durch eine Schlammpfütze zieht...

Hexenverbrennungen spielen in Mittelalter-Romanen ja fast immer eine große Rolle. Dieser Roman hatte jedoch andere Opfer zu beklagen: die jüdische Bevölkerung. Wo es keine Erklärungen gab, wo man einem Ereignis hilflos gegenüberstand, da suchte man (schon damals) einen Schuldigen, einen Sündenbock. Hier waren es die Juden (unter anderem als „Brunnenvergifter“ verschrien) und so mancher erhoffte sich durch die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, etwas vom Reichtum der Juden abzubekommen, verfügten diese doch, bedingt durch Handel und ähnliches, über einen beträchtlichen Reichtum. Sehr gut dargestellt wurde dies hier durch die Beschreibung des Hauses der Familie Grünbaum, den Nachbarn der Grathwohls. Aber die Ausgrenzung wird auch schon dadurch sichtbar, dass man die jüdischen Familien als „die Hebräer“ bezeichnet. Entkommen konnten die Juden ihrem Schicksal nur, wenn sie Christen wurden und sich taufen ließen, oder es sich um Kinder handelte, die noch keine vier Jahre alt waren.

Sehr lobenswert finde ich, dass sich in diesem Buch ein sehr umfangreiches Glossar befindet, wobei ich dieses noch durch einige wenige Begriffe ergänzt hätte. Beim Text auf der Buchrückseite hätte ich mir gewünscht, man hätte einige Details nicht erwähnt. Weshalb nur wurde verraten, dass Heinrich stirbt? Dieses Ereignis tritt erst gegen Ende des Buches ein – viel spannender wäre es da doch gewesen, mitzufiebern, ob Heinrich ebenfalls Opfer der Pest wird und diese auch überlebt!

Das Nachwort ist ebenfalls sehr lesenswert, klärt es doch über die damaligen Umstände auf und berichtet über die Hintergründe der Judenverfolgung im 14. Jahrhundert. Einen Stadtplan aus dieser Zeit gibt es zwar leider nicht in diesem Buch, wohl aber eine altertümliche Abbildung der Stadt Freiburg.

Zum Titelbild: Naja, hier habe ich doch etwas Bedenken, ob so ein Bild der Realität entsprechen könnte – das Kleid erscheint mir für eine Arztfrau doch etwas offenherzig, dazu wirkt es recht edel und zwei Goldketten um den Hals, dazu eine relativ farbenfrohe Haube, passt wohl eher in „höhere“ Kreise... - wie dem auch sei – so sieht es eben besser aus, als ein Alltagsgewand.

Der Schreibstil der Autorin, die mir bislang nur namentlich bekannt war, gefiel mir sehr. Man fand gut und problemlos in die Handlung hinein. Das Buch war von der ersten bis zur letzten Seite spannend, unterhaltsam und kurzweilig, die Thematik hervorragend recherchiert. Und ich denke, dass dies nicht das letzte Buch sein wird, das ich von dieser Autorin gelesen habe.

Fazit:

Ein fesselnder und kurzweiliger Mittelalter-Roman um eine mutige Frau – schockierend, mitreißend und spannend. Nach wahren Begebenheiten. Von mir gibt es dafür eine absolute Buchempfehlung, sowie wohlverdiente 5 Sterne.
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