Kundenrezension

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Naturführer - einmal anders, 5. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Kosmos Tier- und Pflanzenführer: 1000 Arten, 4000 Abbildungen (Taschenbuch)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Ein Kosmos-Naturführer für die heimische Flora und Fauna, mit dem nicht weniger als 1000 Arten auf über 4000 Fotos und Detailzeichnungen (s. Klappentext) bestimmt werden sollen! Nach einer kurzen „Gebrauchsanweisung“ und einer vierseitigen recht einfach gehaltenen Vorstellung wichtiger Merkmale von Tieren und Pflanzen beginnt auch schon der „Spezielle Teil“, in dem auf 510 Seiten die 1000 wichtigsten Arten der heimischen Flora und Fauna vorgestellt werden. Anders als bei „konservativen“ Naturführern werden hier je 2 Arten auf einer Seite vorgestellt, indem die (hier fotografischen) Abbildungen in den Text integriert werden. Dies geschieht über einen zentralen Text, erweitert um Informationen zum Vorkommen, stichwortartigen Zusatz-Informationen und – bei den Wirbeltieren und Schmetterlingen – einer sehr kleinen (2.2 x 2.2 cm) Verbreitungskarte auf gelblich unterlegtem Rand. Die Tiere werden nach systematischen Gruppen vorgestellt (die Vögel in einer „eigenwilligen“ Reihenfolge, beginnend mit den Singvögeln – aber da kommt es dann auch schon einmal vor, dass der Pirol zwischen Mauersegler, Eisvogel und Kuckuck aufgenommen wird); bei den Pflanzen beginnend mit einem Teil zu den „Bäumen und Sträuchern“, dann zu den Blütenpflanzen (die in bewährter Manier nach Blütenfarben angeordnet sind; am Ende einige wenige Gräser) und zuletzt den „Niederen Pflanzen“, also den „Kryptogamen“ mit den Farnen und Moosen. Den Abschluss bilden die Algen, die Flechten und als abschließender Teil (da weder Pflanze noch Tier) die Pilze.

Sehr zu begrüßen ist die Möglichkeit, über einen TING-Stift interaktiv Vögel, Frösche und Heuschrecken mittels ihrer Lautäußerungen zu identifizieren. Ein für die Bestimmung wichtiges Hilfsmittel.

Die ARTENAUSWAHL kann immer nur subjektiv sein. Es ist sicher schwierig, eine Auswahl zu treffen, wenn man mit 1000 Arten alle Gruppen von Fauna und Flora vorstellen will. Dabei ist mir nicht ganz nachvollziehbar gewesen, welchen geographischen Rahmen dies Buch haben soll. Auf dem Buchrücken steht zwar „über 1.000 Arten aus ganz Europa“, aber dieser Rahmen wurde je nach Gruppe (und Bearbeiter) in unterschiedlicher Weise umgesetzt. Das Buch umfasst 544 Tiere, 412 Pflanzen, 20 Pilze und 12 Algen/Flechten; zusammen also 988 Arten. Hinzu kommen noch in die Kapitel integrierte kleine Einschübe, in denen verwandte oder ähnliche Arten erwähnt werden, so dass letztlich über 1000 Arten zusammenkommen. Man muss stets eine Auswahl treffen und viele aus meiner Sicht (natürlich nur subjektiv) „Allerweltsarten“ wurden nicht (Iltis, Misteldrossel, Kleines Wiesenvögelchen oder Kleiner Kohlweißling oder die überaus häufigen Schwingelgräser) oder nur als Einschub (Sumpfmeise, Hain-Schnirkelschnecke, Grüne Stinkwanze) erwähnt - wohingegen große Raritäten wie Großer Tümmler, Blaumerle, Kaspische Wasserschildkröte, Hornotter, Ägyptische Wanderheuschrecke, Alpenbock, etc. Berücksichtigung fanden. Und die Kopflaus (p. 188) während einer Exkursion nachgewiesen zu haben, wird auch nicht jeden Feldbiologen wirklich glücklich machen.

Die Auswahl bei den Tieren fiel stark zugunsten der Wirbeltiere aus und 300 der 544 Arten gehören in diesen Stamm. Die (in Europa mit ca. 120.000 und in Deutschland mit 34.000 Arten vertretenen) Insekten sind mit „nur“ 172 Arten vertreten, die übrigen Wirbellosen mit 72. Verschiedene Gruppen wurden sehr „stiefmütterlich“ behandelt: so werden gerade einmal 2 Fledermäuse (die immerhin zweitartenreichste Ordnung der Säugetiere) vorgestellt; es dürfte nicht leicht fallen, sich mit nur 38 vorgestellten Schmetterlingen einen zufriedenstellenden Überblick über die heimischen häufigeren Arten zu verschaffen. Mit nur 9 Salzwasser-Knochenfischen wird der passionierte Taucher – insbesondere, wenn man als Referenz-Rahmen Europa angibt – wohl eher enttäuscht werden.

Bei den Pflanzen erscheint der Umfang schon etwas umfangreicher, da zumindest 412 Arten vorgestellt werden. Allerdings sind viele davon auch Zier- und Nutzpflanzen, die NICHT zur heimischen Flora zu zählen sind (wieso wurden Arten wie der Echte Feigenkaktus, die Gewöhnliche Mahonie oder der Sodomsapfel mit aufgenommen?). Bei den Pilzen wird es dann schon sehr knapp und mit nur 20 Arten (immerhin kommen allein in Mitteleuropa gut und gerne 6000 Großpilzarten vor) verbietet es sich, dies zur Grundlage für eine Sammlung zur Speisebereitung zu machen.

Insgesamt erscheint mir (subjektiv) die Artenauswahl mit oben genannten Einschränkungen aber weitgehend gelungen. 4 Punkte.

ABBILDUNGEN: Es wurde hier auf Fotografien zurückgegriffen, die m. E. n. zwar klein, aber durch eine sehr gute Reproduktion auf Kunstdruckpapier detailreich und aussagekräftig sind. Darüber hinaus sind weitere kleine Abbildungen in die Kapitel integriert, die wichtige bestimmungsrelevante Details verdeutlichen sollen. (Allerdings wird dies nicht immer deutlich: so findet sich bei der Ahornblättrigen Platane (p. 342) eine Detailaufnahme der äußerst markanten Borke; das ist aber nicht erwähnt und man kann zunächst einmal rätseln, was auf dem Mini-Bild, das stark an eine Satelliten-Aufnahme des Amazonas-Flussgebietes erinnert, zu sehen sein soll). Die Qualität der Abbildungen ist aber insgesamt gut bis sehr gut und damit 4 – 5 Punkte wert.

TEXT: Wenn ich die Aufmachung und Produktinformation richtig verstanden habe, sollte mit diesem Buch doch ein Naturführer, also ein Bestimmungsbuch vorgelegt werden. Dabei erscheint es mir nach meinem Verständnis wichtig, Erkennungsmerkmale der Arten hervorzuheben. Stattdessen stellt der Text eher Informationen zur Verfügung, die unter der Rubrik „Interessante Hintergründe“ laufen sollten. Für die Bestimmung wichtige Informationen werden – sehr spärlich und nur sehr klein – neben die Abbildung gestellt. Bei den Pflanzen sind es fast ausschließlich Informationen zum heilkundlichen oder kulturhistorischen Hintergrundwissen (es mag reizvoll sein, zu wissen, was alles bei Hämorrhoiden, Hautausschlag oder Fieber helfen kann - dazu muss ich die Pflanze aber erst einmal richtig bestimmen!). Bei der Stiel-Eiche (p. 341) geht man darauf ein, welche Bedeutung der Baum für Germanen und Kelten hatte – aber kein Wort über die für die Bestimmung doch so wichtige rissige Borke. Und die randständige Anmerkung, dass „der äußere Holzbereich hell (ist), der innere dunkler“, kann bei einer Wanderung auch nicht wirklich befriedigen, da es nicht sinnvoll ist, einen Baum zu seiner Bestimmung erst einmal zu fällen (vom Ärger, den man sich so einhandelt, ganz zu schweigen)! Es hat mir bei der Determination im Feld nicht weitergeholfen, dass die Gewöhnliche Rosskastanie der „typische Biergartenbaum“ ist (es wäre konsequent weitergedacht gewesen, bei den Fischen im Text Zubereitungsvorschläge mit aufzunehmen). Derartige Zusatz-Informationen sind zwar alle sehr interessant, aber hier gingen sie doch sehr zu lasten der Beschreibung von Merkmalen, wie ich sie von einem Bestimmungsbuch erwarte. 2 – 3 Punkte.

LAY-OUT: es wird diese Form der Präsentation zunehmend in Bestimmungsbüchern genutzt, indem Text und Abbildung ineinanderfließen anstelle der „konservativen“ Gegenüberstellung (linke Seite Text, rechts die Abbildung). Allerdings war man hier allzu sehr darum bemüht, möglichst viele Abbildungen (immerhin ca. 4/Art) auf engstem Raum unterzubringen, so dass diese teilweise zu klein ausfallen. Dies gilt insbesondere für die zusätzlichen Winzig-Aufnahmen am Rand, die schon aufgrund ihrer Größe nicht wirklich weiterführend sind. Wie schon in anderen Rezensionen angemahnt, wäre hier eine Reduktion der Anzahl vorgestellter Arten zugunsten eines umfangreicheren Textes ein Gewinn gewesen. 3 Punkte.

Der EINBAND ist robust und die zusätzliche Schutzhülle macht es „draußen-tauglich“.

FAZIT: 1000 europäische bzw. mitteleuropäische Tier-/Pflanzen-/Pilzarten vorzustellen, ist ambitioniert. Es ist eine leidlich gute Auswahl getroffen worden, wenn auch Abstriche bei verschiedenen Gruppen (insbesondere Insekten) gemacht werden müssen. Interessierte werden aber wohl rasch über kurz oder lang auf speziellere Naturführer zu einzelnen Gruppen umsteigen. Die nur wenig mehr kostenden und alle Gruppen umfassenden Bücher

STICHMANN-MARNY: Der große Kosmos-Naturführer Tiere & Pflanzen oder das gleichwertige

BELLMANN: Steinbachs Großer Tier- und Pflanzenführer

wären zu empfehlen – wohl wissend, dass diese jeweils mit 1700 – 1800 weit mehr Arten umfassen und mit über 800 Seiten Gesamtumfang auch wesentlich größer, schwerer (und damit unhandlicher) sind. Die Abbildungen im hier rezensierten Buch sind zwar klein, aber so gut reproduziert, dass in den meisten Fällen eine Bestimmung gelingen dürfte. Und auf die Abbildungen ist man auch angewiesen, denn der Text – insbesondere im Pflanzenteil – ist wenig hilfreich. Ein echtes Plus ist die Möglichkeit, akustische Erkennungsmerkmale über einen TING-Stift abzurufen. Die robuste Bindung dürfte eine häufige Nutzung bei Exkursionen gut überstehen. Und wenn es dann doch leiden sollte, kann man es leicht ersetzen, denn das Preis-/Leistungs-Verhältnis ist wirklich extrem gut.
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