Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos Alles für die Schule Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Kundenrezension

36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Circulus Virtuosus, 1. Juli 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die schrecklichen Kinder der Neuzeit (Gebundene Ausgabe)
Die einen stehen Schlange, wenn die neue Xbox erscheint oder das neue Apple-IPhone, die anderen beim neuesten Sloterdijk. Ich gehöre zugegebenermaßen zur zweiten Kategorie. Weit davon entfernt, ihm in allen seinen Argumentationen zu folgen – weil ich nicht seiner Meinung bin und weil ich ihn manchmal einfach auch nicht verstehe – halte ich ihn für den wachsten und aufmerksamsten Zeitkritiker unserer Tage, immer in der Lage, bislang unbemerkte Zusammenhänge überzeugend und als ästhetischen Genuss (sofern es den Geschmack trifft) aufzuzeigen.

„Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ – auch das ein erfrischend anderer Blickwinkel – sind jene, die sich nicht mehr aus der Tradition heraus verstehen, sondern sich als Selbstbaukasten begreifen und den Ort, an dem diese Transformation einsetzt, nennt Sloterdijk den „Hiatus“ oder den „Bruch“. Von da an wird Zarathustras entgeisterte Frage, an der sich Sloterdijk orientiert, sinnvoll: „Stürzen wir nicht fortwährend?“ Es ist der Moment der Entdeckung der Zukunft und damit der Beginn der Inthronisierung des Neuen. Es ist auch der Moment, in dem die Söhne – es war und ist ganz wesentlich ein männliches Phänomen – nicht mehr wie ihre Väter sein wollten, in dem der genealogische Impetus durch einen Aktualismus ersetzt wird.

Wie in allen seinen späteren Werken seit der „Sphären-Trilogie“ taucht Sloterdijk tief in die Real- und Philosophiegeschichte ein, um der Entstehung auf den Grund zu gehen. Wie schon etwa bei der „Globalisierung“ oder dem „Zorn“ u.a. glaubt er die ersten Anfänge in der Antike festmachen zu können und holt daher viel weiter aus als die meisten Kollegen vom Fach. In vorliegender Arbeit geht er dabei nicht chronologisch vor, sondern changiert wild in Raum und Zeit, so als wollte er Deleuze' vielgelobte Rhizomatik in die Tat umsetzen, ein anderes „Mille Plateaux“ schreiben. All die Namen aufzuzählen (von Platon, Jesus, Augustinus über Napoleon und Hitler bis Nietzsche und Deleuze) wäre Unsinn; m.E. übertreibt er es in dieser Frage, da wirkt das Buch mitunter zu gelehrt, zu (besser)wissend, was zu einigen Längen führt, die auch durch mehr oder weniger gekonnte Sprachakrobatik nicht restlos überwunden werden können. Auch scheint manches fixe Urteil zu apodiktisch und wird den Protagonisten nicht gerecht (Meister Eckhart, Tschernyschewski, Lenin, Marx, Heidegger …) – hier darf man durchaus Provokationen erkennen, Reibungsflächen, Aufforderungen zur Diskussion. Andererseits gibt es auch immer wieder ekstatisch erhellende und witzige Abschnitte („Bretton Woods“, „Im Copy-Shop der Evolution“ u.a) und man zeige mir einen zeitgenössischen Philosophen, der einen zum Lachen bringen kann. Dass wir den Hiatus im griechischen und (ur)christlichen Erbe zu verorten haben, klingt vorerst wie ein alter Hut, aber dass er auf „Kopierfehlern“ beruhen soll, also vornehmlich subjektivistisch verstanden wird, ist eine steile These.

All dem liegt ein unüberhörbarer fortschrittskritischer, manche sagen sogar apokalyptischer Ton zugrunde. Das mag bei einem Affirmationsmeister verwundern und scheint auch eine gewisse Korrektur der positiven und entwarnenden letzten Werke zu sein, wenn man aber das Gesamtwerk überblickt, dann scheint sich ein virtuoser Kreis zu schließen, denn die frühen und frischesten Werke – „Kritik der zynischen Vernunft“, „Eurotaoismus“, „Weltfremdheit“, „Kopernikanische Mobilmachung“ – kreisten exakt um diesen Schwerpunkt. Vergleicht man mit diesen Arbeiten, dann bleibt zu konstatieren: Sloterdijk war schon mal frecher gewesen und auch flüssiger im Erzählfluss, was aber seine Meisterschaft im Umwerten und Neu- und Anderssehen betrifft, da bleibt er ein Unikum.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
  [Abbrechen]

Kommentare

Kommentare per E-Mail verfolgen
Von 2 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-10 von 28 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.08.2014 09:52:44 GMT+02:00
Sehr ausgewogene und gut geschriebene Rezension, so soll es sein; danke dafür!

Veröffentlicht am 19.08.2014 23:42:58 GMT+02:00
Gerd Beckmann meint:
Eine vernünftige, aufschlussreiche Rezension, die dem Buch – anders als so viel anderes Geschwurbel hier – rundum gerecht wird. Auch ich bedanke mich insofern, dass ich nun keine Zeile schreiben muss. Weiter so!

Veröffentlicht am 21.08.2014 16:44:59 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.09.2014 16:39:21 GMT+02:00
Rubesco meint:
"„Dass wir den Hiatus im griechischen und (ur)christlichen Erbe zu verorten haben, klingt vorerst wie ein alter Hut, aber dass er auf „Kopierfehlern" beruhen soll, also vornehmlich subjektivistisch verstanden wird, ist eine steile These."

Ja, in der Tat ein alter Hut, unverkennbar nämlich eineseits der Heideggerschen Bruch-Ursprungsforschung von wegen „"Seinsvergessenheit" und andererseits ("Kopierfehler") den absurden soziobiologischen Konstrukten von Dawkins - natürlich alles verslotot - "„nachempfunden" (um nicht abgekupfert zu sagen), und wenn`s denn dann auch noch wirklich begründet wäre, dann wär`s sogar fast ein Gedanke, zu dem man vielleicht mehr sagen könnte als ihn ziemlich subjektivistisch "steil" (ich nehme an, das soll anerkennend gemeint sein) und sonst nix zu finden...

Die Rezension ist, außer in diesem kleinen Ausbruch der Lebhaftigkeit, ansonsten leider nur eher behäbig dahinplätscherndes Dutzend-Feuilleton: Andeuten, Behaupten, Schweifen, Namen/Phrasen für Gedachtes, solcherlei Wenig- bis Nichtssagendes halt bis zum Wegschnarchen aneinandergereiht:

„"Wie in allen seinen späteren Werken seit der „Sphären-Trilogie" taucht Sloterdijk tief in die Real- und Philosophiegeschichte ein, um der Entstehung auf den Grund zu gehen"

"„Tief eintauchen", "„auf den Grund gehen" und das auch noch in die „"Real- und Philosophiegeschichte", ja, wenn das so "„grundstürzend" ist (viel mehr als solcher Textfüller kommt nicht), dann muß klaro das neue Slotogemurmel real- und philosophiegeschichtlich was ganz Tiefgetauchtes, der Entstehung auf den Grund Gehendes sein...Macht im anspruchsvollen small talk schon was her.

Muß denn das - die einleitend unbestimmt-kritische Distanz wird durch den nachfolgenden Text schlicht Lügen gestraft - immer so öde affirmativ und buchklappentext-sales promotionmäßig sein ? Nicht einmal der - für das Buch nicht marginale - absurde Einfall eines "„zivilisationsdynamischen Hauptsatzes" nicht der Thermo-, sondern der Slotodynamik von wegen "„Summe Freisetzungen von Energien" (Neu = Zersetzungskraft) > ("„übersteigt") "„Leistungsfähigkeit" "„kultivierender Bindekräfte" will dem Rezensenten als bedeutungserschleichendes Geschwatz und bereits unmöglich konsistent Denkbares auffallen (geschweige denn, dass es sauber irgendetwas von dem erklärt, was Sloto als aparter cartesischer Beobachter brachial darunter subsumieren will). Dabei hätte ein Griff zum Taschenrechner bzw. der Versuch hingereicht, einfach mal zusammenzuzählen, was da angeblich als "„Summe" von Energien und Kräften zusammenzählbar sein soll (sonst ist der „"Hauptsatz" nämlich einfach leer). Da wäre nur einem Stück Holz nichts aufgefallen. Aber solches stört wohl apologetische Befunde wie „"Meisterschaft im Umwerten und Neu- und Anderssehen" und drum muß es einfach unter den Hiatus-Tisch fallen (es ist nicht anzunehmen, dass der Rezesent den "„Hauptsatz" nicht gelesen hat).

Mit solcherlei ganz bewusst herangeschlepptem suggestivem pseudophysikalistischem Reduktionismus (den man dann natürlich wieder in Abrede stellen kann, es sei ja „"etwas" - man darf hier nicht fragen: WAS GENAU ? - anderes gemeint etc. blah blah blah) scheiterte im übrigen in den 80ern des vorigen Jahrhunderts schon Rifkin an der Erklärung sozialer Sachverhalte und in der Mainstream-Ökonomie ist dieser Fehler Prinzip (drum taugt sie auch nichts). Warum verschweigen Bewunderer der abenteuerlichen Sloto-Umwertungen (die ihnen so gut gefallen, dass die Inhalte offenbar nebensächlich sind und da auch noch jeder Blödsinn durchgeht, Hauptsache, er sieht "„steil" aus) eigentlich immer, dass Sloto vor allem eines ist, ein großer Plagiator und plündernder Gedanken(überschrifts-)klau, der schamlos so ziemlich alles durch seine Assoziationsmühle schrotet ? Er also - bestenfalls - philosophisch ein wilder Eklektiker mit dem Hang zu verstiegenen Formulierungen ist ?

Der Befund, zwischen alterskonservativem "„Spät-"„ und "„frischerem" "„Frühwerk" "„scheint sich ein virtuoser Kreis zu schließen" ist, entgegen der Vorspielung der profunden "Werkkenntnis", nur oberflächlich und übersieht schlicht eines. Das "„Frühwerk" kokettierte mit der Absage an "„Großentwürfe" in der Attitüde einer buddhistischen "„Standpunktlosigkeit" (die bei Sloto natürlich zum Freibrief der assoziativen Gedankenlosigkeit herabkam) und hatte, solange das vom Anklang an das sensualistische Poltern des Diogenes gegen Platos Herrschaft der Abstraktionen getragen wurde, noch einen gewissen Charme. Konnte cum grano salis noch so eben durchgehen, obwohl der "„Conferencier" und "„Mystiker" (Sloto über Sloto) hier über geistreiche Miniaturen nicht hinauskam und bereits im Erstling den Kern des modernen Zynismus, das "„rechnende Denken" bzw. die Herrschaft des Geldes, grundlegend verfehlte. Aber all das war halt nur die Masche, um Universitätsphilosoph zu werden (nachzulesen in seinem "„Selbstversuch"). Arriviert und Institut des Feuilletons geworden hatte sich das denn auch gründlich erledigt. Nun bastelte er wieder an „"Großentwürfen" und brüstete sich "„lichtstarker Optik" und des "„Grundstürzenden", nahm und nimmt also genau die zynische Perspektive des cartesischen Weltbeobachters ein, an der er im Frühwerk zumindest kratzte. Er hat also schlicht die Front gewechselt (er gehört ja jetzt zu den "Leistungsträgern" und Reichensteuerverweigerern). Jetzt ist er, nur als Metapher, ganz Plato (der ja auch ein, allerdings gescheiter, Konservativer war). Und gibt auch anmaßend jede Menge (Begleitton-)Herrschaftliches von sich. Den Sloto-Fans wäre zu raten, den frühen mal auf den späten Sloto anzuwenden. Vielleicht gibt`s dann wenigstens einen Sprung in der übergestülpten Denkkäseglocke und es kommt frische Luft herein.

Klar, dieses Statement ist nicht "„ausgewogen". Aber Denken ist ja auch nicht Ernährung, auch wenn offenbar manche, wie hier vorstehend nachzulesen, ihre Verdauung damit verwechseln wollen (denn mehr, als dass die distanzlos-distanzierte Rezension sie gesättigt und ihnen gemundet hat, sagen sie zu dieser ja nicht).

*

Ein weiterer Beleg für die Oberflächlichkeit der Rezension ist, daß das Motto, unter dem der ganze Wälzer steht, der vermeintliche Spruch der Madame Pompadour, in keiner Weise erwähnt und reflektiert wird. Dieser soll ja nach Sloto DIE "Gesinnung" der Moderne zum Ausdruck bringen bzw. den Körper bereits wie in einer Zelle enthalten. Hier ist Sloto einfach ein glattes Jahrhundert zu spät dran. Die "Gesinnung" und "Sozialidee" der Moderne wurde in England von Oliver Cromwell und John Locke ausgesprochen, die Metaphysik des rational-berechnenden Denkens, das "Seinsverständnis", dazu hatte Descartes formuliert. Der Liberalismus ist im Kern nie über die Ideen von Locke hinausgekommen (was für die Armseligkeit der Idee spricht), Mandeville und Adam Smith lieferten die umfassende Apologie, Bentham das Subjektbild; mit seiner Re-Formulierung im radikalen wirtschaftlichen Neo-Liberalismus (Mises, Hayek, Friedman) wurde er zum aggressiven und totalitären Social-Engineering-Programm, das gegenwärtig die Gesellschaften in den Privatisierungs-, Finanzmarkts- und Austerity-Würgegriff nimmt und destruktiv "Kollateralschäden" nach sich zieht, für die der definitive philosophische Abgrundspruch noch nicht gefunden worden ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.08.2014 15:02:08 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.08.2014 17:43:41 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Sie laufen mit dieser Kritik gegen Wände, mein lieber Rubesco. Ich habe mich auch daran versucht. Allerdings gelten in einer Welt, wo Mysterienkult zur Großphilosophie gekitscht wird, keine noch so schlüssigen Gegenargumente.

Man kennt die Sloterdijksche Vorgehensweise: ein bisschen Foucault, ein bisschen Blumenberg, ein bisschen Derrida, ein bisschen Deleuze, ein bisschen Lacan, ein bisschen Steiner, ein bisschen Freud, ein bisschen Ausgestoßeneninszenierung ("Die akademische Philosophie ignoriert mich, weil ich ein Denker ohne Geländer bin. Ich muss genial sein.") und noch viele andere. Man nehme das Ganze, jage es durch den Partikel- und Kompositamixer und schon wird aus einer Dekonstruktion, einer Metaphernanalyse und einem Dispositiv eine Positivkonstruktionsdialyse zur Reinigung der grüngiftigen Harnstoffüberschüsse im urinalen Ausfluss der 68er-Aktionisten. (Das könnte natürlich auch von Zizek sein, der mir nur manchmal, ganz manchmal seriöser als Sloterdijk erscheint: er ist es wohl nicht. Neuerdings bezieht er sich ja auch schon auf Sloto.).

Wer saubere Begriffsarbeit bei Sloterdijk erwartet, wird vor den Kopf gestoßen und nachher noch verhöhnt: was sei man nicht für ein unbeweglicher Schlechtmacher und linker Gutmensch!

Übrigens können Sie sich die Mühe bei DIESEM Rezensenten sparen. Seine affirmativen Rezensionen über Autoren, die sogar ein Sarrazin nur mit der Zange angreifen würde und die sich bestenfalls (!!!) in der Blauen Narzisse ein Stelldichein liefern, erklärne die Situation ganz deutlich.

Mein Versuch eine Kritik zu äußern wurde mit einer schlichten Löschung der Kommentare belohnt.

Edit: P.S.
Wie Sie in einer Metadiskussion in einer Ihrer Rezensionen richtig erwähnen, handelt es sich bei Sloto durchaus nicht um einen reinen Dummschwätzer, sie wie ich das auch unter einer anderen Rezension geschrieben habe. Bloß tut er nichts anderes, als überholteste Kulturnostalgie und Kleinbürgerkitsch mit typischen Ressentiments zu versetzen (wenn man da überhaupt noch etwas versetzen muss) und dies dann sprachmagisch aufzuhübschen ("aufhübschen" und "aufdonnern" sind zwei Begriffe die mir bei Sloto immer in den Sinn kommen).

Mit der Vielfältigkeit seiner Themen ist es nicht weit her und seine Einstiege ins jeweilige Thema sind nur für Leser klar argumentiert, die sowieso schon wissen, was das Richtige ist und was folgen muss, wenn man als Sloto gelesen werden will.

Vor einiger Zeit kramte ich den ersten Band der Sphärentrilogie wieder hervor, und plötzlich sah ich überhaupt keine Argumentationslinie.

Das ging in etwas so: Die Welt ist dyadisch, aber weil die Menschen sphärenvergessen sind (so eine platte Heideggerimitation wird in den Feuilletons wirklich als Phantasie und Wahrnehmungsschärfe verstanden!), wissen wir nichts davon. Wir müssen zurück zur Sphärologie. Darauf folgt religiöser Exkurs (ich weiß gar nicht worin der Unterschied zwischen Exkurs und Nicht-Exkurs in seinen Büchern besteht) über die religiöse Zweisamkeit mit Gott. Und im folgenden Abschnitt ist die dyadische Lebensart bereits "bewiesen" und als "notwendig dargestellt".

Sloto macht doch ernsthaft nach einer elendslangen Einleitung, die Beweise, Erläuterungen und Analysen verspricht, den simplen Metaphernkasten auf, gibt ein paar Einblicke in die allgegenwärtige "Cordialität", und schwupps, ist die Relevanz des Hauptthemas bewiesen und als lebenswichig herausgestellt.

Ich weiß nicht, ob man da wirklich mehr tun kann, als Sloterdijk einfach nicht zu lesen. Weil diese fadenscheinigen Zusammenhänge von den Feuilletons höchstens noch als "Kunstfertigkeit" ausgelegt werden. Soll man sich die Mühe machen Beliebiges als solches aufzudecken, wenn die Leser doch gerade diese Beliebigkeit goutieren.

Freilich, wirklich schlimm wird es ja erst, wenn Sloterdijk die zuerst gar nicht bewiesenen Bauteile heranzieht um Ressentiments dann schlüssig zu rechtfertigen ala: man gehe einfach so viele Schlussschritte vor die eigentlich zu beweisende oder stark zu machende Sache, dass die Beliebigkeit, aus der das Angestrebte teleskopartig hervorgezaubert wird, schlicht und einfach niemanden mehr aufregt. Und wenn dann irgendjemand die Anfangsprämisse oder den ersten Beweis anzweifelt, wird immer noch die eigentliche Brillanz des späteren Verlaufs derart beeindruckend sein, dass man einem kreativ-genialischen Wirrkopf und "Phantasten" die "kleinen Fehler" doch schnell nachsieht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.08.2014 17:20:18 GMT+02:00
Rubesco meint:
Lieber Polystyrol,

mir sind Ihre sehr wackeren Versuche, sich der Regression des philosophischen Denkens auf small talk und affirmative Beliebigkeit schlicht mit Argumenten entgegenzustellen, nicht entgangen; ebensowenig die kübelweise Gülle, die dann prompt ausgegossen wird, und die Tricks, mit denen das unter den Tisch gekehrt und ausgegrenzt werden soll. Ist in den anderen Fan-Ecken hier nicht prinzipiell anders, ist ja eine Sales-Promotion-Plattform.

Von dem Rezensenten erwarte ich nichts; es ging mir hier vorrangig nur um ein "signifikantes" Beispiel der gängigen pseudokritischen Slotorezeption. Die anderen Positivrezensionen sind ja nur noch egomane Tagebucheinträge und Sinnhubereien, daß es einem die Zehennägel aufdreht...

Zizek hatte ich vor Zeiten was in Händen, weiß ad hoc nicht mehr, was genau, fürchterlich jedenfalls, kam mir noch (!, will was heißen) wahnsinniger als Sloto vor.

Nun, warum macht man das eigentlich noch, argumentieren, hier oder anderswo ? Weil`s halt dann und wann doch einen Lichtblick gibt. Wie geht der Kalauer: Die Lage des Denkens ist zwar hoffnungslos, aber das ist kein guter Grund, es selbst aufzugeben...

Grüße R.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.08.2014 17:44:15 GMT+02:00
Polystyrol meint:
ich habe den ursprünglichen Text meiner Antwort erweitert... Grüße polystyrol

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.08.2014 22:21:09 GMT+02:00
Rubesco meint:
Kompliment, die "Erweiterung" weist Sie als profunden "Slotokenner" aus (wobei man ein schales Gefühl dabei hat, so ein zweispältiges Lob auszusprechen)...:-)))

Die von Ihnen beschriebene Machart ist bei seinen größeren "Epen" seit dem Erstling grosso modo dieselbe; sehr trefflich die Bemerkung vom permanenten "Exkurs".

Daß er nur Schwachsinn redet rutscht einem, wenn denn wieder mal eine Matapher "grundstürzend" in Grund und Boden genudelt ist, genervt raus, gehört irgendwie dazu.

Ein Highlight seiner "Assoziationsmagie" ist im übrigen jüngst in dem Bändchen "Gott Geist Geld" die Assoziation der Neuzeit als Ballspiel (mit den Globen und allem, was rund ist, hat er`s ja seit dem Globalisierungspamphlet besonders heftig; den möglichen klitzekleinen Restverstand hat ihm dann sein Quartettkumpel Heinsohn geraubt)...

Grüße R.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.08.2014 11:09:37 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Mit dem zweifelhaften Kompliment liegen Sie richtig: das wirft mich zurück auf die wertvolle Lebenszeit, die man doch mit guten Büchern verbringen hätte können.

Was ihn an Heinsohn wirklich interessiert, ist mir auch nicht ganz klar. Gibt es doch auch Leute mit dubiosen Wirtschaftstheorien, die wenigstens gut schreiben können.

Vielleicht hat das aber auch etwas mit einem aufgesetzten Outlawtum zu tun, das ihn immer wieder bei den simpelsten Gestalten fischen lässt. Man muss sich nur die Clique bestehend aus Peter Weibel, Safranski, Brock, Heinrichs, Raulff und anderen Gestalten ansehen, um vollends abzudrehen. Gehört Norbert Bolz da auch dazu? Und der Nachwuchs mit Marc Jongen?

Ich glaube, dass es dem Wunsch nach dem Ansehen eines Horrorfilms gleichkommt, was einen dazu bringt, sich dieses Gestalten anzutun. "Analytische Kraft" kann es nicht sein. Dieses Pflänzchen gedeiht da nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.08.2014 15:05:27 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.08.2014 15:30:59 GMT+02:00
Rubesco meint:
"aufgesetztes Outlawtum" bzw. "Weltgeistambition", das isses schon, was da Verbandelung untereinander (und mit dem Auch-Dabei-Publikum) stiftet: Sloto hat in Heinsohn (reklamiert ja für sich Kopernikus oder Galileo der Ökonomie zu sein, wahrscheinlich aber beides und hat sich auch alles nur zusammengeklaut bzw. zur Unerträglichkeit verhackstückt) wenn nicht sich selbst, so zumindest einen "Bruder im Geiste" (und im Karrieremachen und Seilschaften einrichten) entdeckt - ein Halodri wie er selbst, staatsalimentiert wie Siemens auch ganz dem willkürlichen Einfall und dem "Weithergeholten" frönend, "originell" und "querdenk" klaro bis zum Abwinken. Es gibt in you tube eine Dreiviertelstunde (!) Heinsohn pur - ich hab`s bei weitem nicht so lange ausgehalten - in irgendeinem solchen Spätabendkulturquark - eine Zelebration seines splendiden EGOs bis zum unwiderruflichen Hirntod. Außerdem hat Sloto, in der politischen Ökonomie nun wahrlich nicht im entferntesten zuhause, schlicht ein "suggestives" Modell - das reicht bei Sloto, um eine Theorie fürderhin als ganz seine, soweit er sie versteht, einzusaugen bzw. "anklingen" zu lassen - gefunden, auf dem er prima seine Sündenfall-Schuldmetaphysik aufsetzen und fortspinnen kann (sein ganzes Gelaber um Schuld und Schulden ist ökonomisch aus Heinsohn(/Steiger als "Fundament" gespeist). Daß Heinsohn einen vollen Eso-hau hat (er hat u.a. in den achtzigern Velikovkys Planetenbillard wie dessen Massenpsychologie propagiert und dessen Umschreiberei der alten Chronologie treibt er ja bis heute fort) tat sicher noch ein übriges für den "zarten Gleichklang der Seelen" bzw. die innige Batzibruderschaft. Und schreiben, last but not least, können beide ja auch nur hundsmiserabel schlecht...:-)))

"Horrorfilm": kann sein, daß man ab und an den Zombie-Töter-Grusel braucht um sich zu beweisen, daß man noch lebt bzw. das Denken noch nicht ganz verlernt hat...oder eine andere Art von Sudoku: finde die Fehler bzw. was ist jetzt schon wieder alles falsch bzw. gar nicht gedacht worden...

Aber insgesamt, da stimme ich Ihrer Wehmut über wohl doch verlorene Zeit für weitaus Angenehmeres zu, drängt sich die Einsicht der Stoiker auf: das, was Du ändern kannst, ändere; das, was Du nicht ändern kannst, z.B. Sloto und die Seinen, lasse - so bewahrst Du Dir wenigstens die Ruhe. Zumindest schön gesagt (und noch nicht verchristlicht als lammdummes Gebet darum, daß die Einsicht von außen gegeben werde, ansonsten man eben so dumm und hörig bleibe wie man ist, sondern schon das Zutrauen, daß man das ganz allein hinkriegen kann und weder Gott noch Kaiser oder einen Hofphilosophen dafür braucht)...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.08.2014 23:08:52 GMT+02:00
Hallo Rubesco und Polystyrol,

ich folge aufmerksam Ihren interessanten Mono-Dialogen, vermisse jedoch etwas die positive Seite. Wir wissen nun, was zu lesen nicht lohnt: Sloterdijk, Zizek, Heinsohn, Bolz etc. Es wäre doch spannend zu erfahren, wen man Ihrer Meinung nach denn noch lesen kann, wer noch etwas zu sagen hat. Sie scheinen ja beide vom Fach zu sein.
Vielen Dank!
Giorgio
‹ Zurück 1 2 3 Weiter ›