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3.0 von 5 Sternen Costner vor seinem Durchbruch - in Teilen amüsantes Roadmovie, 10. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Fandango (DVD)
"Fandango" spielt im Jahr 1971: Die Freunde Gardner (Kevin Costner), Phil (Judd Nelson), Kenneth (Sam Robards), Dorman (Chuck Bush) und Lester (Brian Cesak) feiern ihren Uni-Abschluss. Zugegeben, Gardner hat den Abschluss gar nicht, ist aber der größte Partymacher schlechthin. Er bringt die Jungs auch auf den Trichter, eine Fahrt quer durch Texas zu machen, noch ein letztes Mal zusammen was zu erleben, bevor der Ernst des Lebens beginnt und sie teils auch sich dem Einberufungsbefehl beugen müssen. Kenneth hat gar seine geplante Hochzeit wegen dem Einberufungsbefehl abgesagt.
Kurzerhand schnappt man sich trotz Protesten von Phil seinen Cadillac für die Tour und die Jungs machen sich auf in Richtung Rio Grande, wo sie etwas bestimmtes im Sinn haben, was an dieser Stelle nicht verraten werden soll.

Während des Trips hat man natürlich allerhand Pleiten, Pech und Pannen: Das Benzin geht mitten in der Einöde aus, die Jungs kommen auf die Schnappsidee, sich mit einem Lasso von einem fahrenden Zug abschleppen zu lassen (herrliche Szene! Aber das schöne Auto!), was natürlich in die Hose geht. Als sie das Auto in die nächste Kleinstadt schieben, kann das Auto natürlich nicht sofort repariert und vollgetankt werden. Die Nacht muss zwangsweise dort verbracht werden und mangels Kohle wird das mit der Übernachtung in dem örtlichen Hotel auch nichts. Die Jungs schließen sich dann ein paar Mädels an, von denen Gardner letzten Endes sogar etwas Geld abluchsen kann. Am nächsten Morgen geht der Trip also mit repariertem Auto weiter, führt die Jungs u. a. zur Flugschule und damit zum verrückten Joint-qualmenden Fallschirmspringer-Ausbilder Truman (Marvin J. McIntyre). Gardner hat natürlich wieder eine glänzende Idee und der arme Phil - der den Trip immer mehr bitter zu bereuen scheint und aus der Klagerei gar nicht mehr rauskommt - darf das Fallschirmspringer-Opfer spielen.
Kenneth, der zwar durchaus Spaß an dem ganzen Trip hat, kommt nicht umhin, doch mal öfter seine Entscheidung zur Absage der Hochzeit (die er lediglich dem Vater der Braut überbrachte, mit der Braut selbst sprach er noch gar nicht) zu denken und er vermisst seine Ex-Verlobte. Gardner, der auf alles eine Antwort zu haben scheint, spielt sich auch hier wieder als Alleswisser auf: "Frauen darf man nicht ernstnehmen." heißt es einmal - nur wir Zuschauer erfahren aber durch Gardners Tag- und Nachtträume, dass auch er einer jungen Dame hinterhertrauert.
Der Trip ist noch lange nicht zu Ende und irgendwie kann man sich denken, dass da doch noch eine Hochzeit stattfinden wird - aber wie, das sei hier nicht verraten, denn das ist mal ungewöhnlich und sehr amüsant inszeniert...

Ja, es scheint ein Generationenfilm zu sein. Vermutlich ein Liebling für Viele, die Anfang 1985 ebenfalls junge Erwachsene waren oder kurz vorm Schulabschluss standen. Da ich (Jugend-)Filme der 80er sehr gerne mag und durchaus in der Zeit viele junge Klassiker (u. a. Stand by me, Ferris macht blau, Better off dead, Teen Lover, Breakfast Club etc.) entstanden sind, war ich auf "Fandango" sehr gespannt. Leider kommt das Roadmovie aus meiner Sicht nur nicht so wirklich aus dem Mittelmaß heraus.
Woran das liegt? Nun, Kevin Costner ist für mich eine unsympathische und unausgegorene Figur hier. Er ist der Bestimmer, der Ausgeflippte, die coole Sau, der Leiter der Truppe - und irgendwie hat man den Eindruck, er will seine Freunde zwar dabei haben, aber nur, um sich als Obermacker aufzuspielen und nicht, weil ihm etwas an ihnen liegt. Echte Freundschaft bzw. das Gefühl wahrer Freundschaft kommt hier nicht so wirklich zum Ausdruck, was ich sehr schade finde.
Abgesehen von den Träumen von ihm beleuchtet man außerdem Costners Figur etwas zu wenig. Ich hätte die Vermutung, dass er in seinem familiärem Umfeld recht wenig zu sagen hat und sich deshalb so aufspielt. Mir scheint an der Stelle das Drehbuch nicht ganz ausgereift zu sein, denn es sollen Freunde sein, die seit Jahren zusammengewachsen sind. Da sie aber doch recht unterschiedlich sind (einen Freund kann man gar nicht beurteilen, da er permanent außer Gefecht zu sein scheint, ein Anderer ist der Stille, über den man auch nicht viel erfährt. Man kann sich allerdings über ihn amüsieren, wenn er in aller Seelenruhe bei all dem Ärger zwischendurch ein Buch oder ein Comic hinten im Auto liest) und oft anecken, wirkt es nicht unbedingt so, als wären sie schon länger Freunde. Das nimmt einem bei dem Film ein wenig die Freude.
Die Träume, die Kevin Costner von einer verflossenen Liebe hat, mögen nicht so recht ins Bild passen, weil man verpasst hat, Costner auch eben diese weiche und versteckt nette Seite zeigen zu lassen, während er mit den Jungs zusammen ist. Dafür bleibt keine Zeit, es geht ihm nur um Spaß, Spaß, Spaß – aber der Film will definitiv mehr, das merkt man! Ganz besonders erkennt man das am Ende, wo es sogar mal leicht melancholisch zugeht.
Vordergründig ist der Film natürlich auf (letzten) jugendlichen Spaß aus, aber es geht eben auch darum, was jetzt für eine Wende auf die Jungs zukommt – und es wäre wirklich schön gewesen, wenn man aufgezeigt hätte, was die Jungs zusammenschweißt. An einer Stelle wird es sogar richtig bitter, als man Phil sagt, was man wirklich von ihm hält. So nervig Phil sein mag („Spießer“): er scheint letzten Endes hier der Vernünftige zu sein, der nur unter Zwang alles mitmacht und weil er sich nicht durchsetzen kann. Sein Genörgel wird jeden nerven, dennoch hatte ich innerlich den Wunsch, dass er irgendwann den Dreh kriegt und sich einmal gegenüber seiner „Freunde“ durchsetzen kann – vielleicht ist ein Abschied der Freunde da sinnvoll und man kann im Kopf weiterspinnen, wie sich die Freunde nach der Schul-/Unizeit entwickeln werden.
In einer Szene, als die Freunde zum Spaß mit den Mädels mit Feuerwerkskörpern auf dem Friedhof herumschießen, kommt auch mal ein Moment, wo man kurz innehält und schlucken muss – für mich wiederum eine sehr emotionale Szene.
So bleibt der Film für mich als Roadmovie mit ein paar wenigen starken und auch amüsanten Momenten in Erinnerung, der mich aber mangels der Charakterzeichnung nicht voll überzeugen konnte und hier und da auch eine kleine Länge aufzuweisen hat.

Ein paar Infos am Rande:

Kevin Costner feierte mit "Silverado" (ebenfalls von 1985) seinen Durchbruch mit Regisseur Lawrence Kasdan, der ihn lustigerweise bei „Der große Frust“ (Originaltitel „The Big Chill“) noch im Jahr 1983 herausschneiden ließ (allerdings wäre er da auch nur der verstorbene Freund gewesen und als Leiche gezeigt worden).
Die Produzenten Kathleen Kennedy und Frank Marshall dürften den meisten Filmliebhabern bekannt sein: sie sind Stammproduzenten für Steven Spielberg, der sich – wie vom Vorrezensenten bereits erwähnt – von „Fandango“ aber distanziert hat, weil ihm der Film am Ende nicht gefallen hatte. Er zog seinen Namen kurz vor Veröffentlichung des Filmes zurück.
Spielberg hatte wohl zuvor den Studentenkurzfilm von Regisseur Kevin Reynolds gesehen, wo allerdings hauptsächlich nur die Fallschirmsprung-Szenen gezeigt wurden und ihn dann darum gebeten, einen Langfilm daraus zu machen.
Die junge Frau, die Kenneth heiraten möchte, hat ihm Film den Namen Debbie, im Abspann wird sie aber nur als "The Girl" bezeichnet.
Die Darstellerin von Debbie, das ehemalige Model Suzy Amis, heiratete 1 Jahr nach dem Dreh ihren angehenden Film-Ehemann Sam Roberts. Die Ehe hielt bis 1994, im Jahre 2000 heiratete sie "Titanic"-Regisseur James Cameron, den sie bei eben diesem Dreh kennenlernte.
Als im Film vom Mechaniker die Front vom 1959er Cadillac „erneuert“ wurde, verwendete er dazu Teile von einem 1950er International Harvester Pickup Truck.

Fazit: Ein eher unsympathisch wirkender Costner in einem nicht ganz ausgefeilten Jugend-Roadmovie mit durchaus spaßigen und auch ein paar ernsten Momenten. Ganz nett für zwischendurch und durchaus interessant (trotz dem Abzug der Sympathie-Punkte bei Costners Part), Costner vor seinem Durchbruch zu sehen.
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