Kundenrezension

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Facebook, wie alles begann..., 8. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Milliardär per Zufall: Die Gründung Von Facebook – Eine Geschichte Über Sex, Geld, Freundschaft Und Betrug (Taschenbuch)
Hätte er nicht eines Tages die Idee zu Facebook gehabt, Mark Zuckerberg wäre zweifellos auch so mit ziemlicher Sicherheit einer der innovativsten Programmierer des Silicon Valley geworden, aufgrund seiner freigeistigen Veranlagung sehr wahrscheinlich bei Google. Doch mit Facebook ist Zuckerberg selbst der Aufbau eines Konzerns gelungen, der nun seinerzeit Google manche der fähigsten Köpfe abzuwerben droht.

Wie es dazu kam dass aus dem jungen sozial gehemmten Informatikstudenten (anders als in manchen Porträts behauptet studierte Zuckerberg in Harvard Informatik und nicht Psychologie) der Gründer und CEO des neben Google mittlerweile zweitbedeutendsten Web-Dienstes werden konnte war jedoch keinesfalls bloßer Zufall wie Ben Mezrichs Buchtitel andeutet. Viel eher wird schon bei der Lektüre von "Milliardär per Zufall" dass sich Zuckerberg schon mit seinem Freeware-Tool Synapse (das anhand der Hörgewohnheiten des Nutzers eine individuelle Playlist für diesen ermittelt) ein Millionenangebot Microsofts eingeholt hatte und mit seinem Programm Course Match (anhand dessen Harvard Studenten verfolgen konnten wer gerade welche Kurse belegt) gezielt jenen Weg beschritt auf dem eines Tages Facebook das Licht der Welt erblicken sollte. Ein Weg der ihm mittlerweile viele verbitterte Feinde eingebracht hat, gerade wenn man sich ansieht dass sich bereits alle Mitbegründer Facebooks von Zuckerberg abgewandt haben. Was wohl auch mit dem problematischen Charakter des Genies Zuckerberg zusammenhängen dürfte, der sich wohl nicht umsonst lange Zeit den Spruch "I'm CEO, bitch!" auf seine Visitenkarten drucken ließ.

Eine Geschichte über "Sex, Geld, Freundschaft und Betrug" wie jede andere? Vielleicht, doch Zuckerberg hat eben nicht irgendein milliardenschweres Onlineunternehmen aus der Taufe gehoben, sondern die längst unumstrittene Nummer eins unter den Online Communitys und sich mit seinen kontroversen Aussagen zu Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten selbst zu einer Person des öffentlichen Interesses gemacht. Alles auf "Privat" zurücksetzen und damit diesem öffentlichen Interesse wieder entziehen kann jedoch selbst der Facebook-Gründer nicht mehr und wird damit zum Opfer der von ihm selbst angeregten Abschaffung der Privatsphäre.

So wundert es nicht dass sich mit "Milliardär per Zufall" der erste Autor dieser fast schon klassischen Society-Geschichte über Freundschaft und Verrat angenommen hat. Ehemalige Freunde, Geschäftspartner und Kommilitonen standen ja bereits bereit, um Zuckerberg jeweils auf die ihre Weise eine Abfuhr zu erteilen. Daher wundert es auch nicht dass gerade die Perspektiven jener vier Personen diese erste Zuckerberg-Biographie dominieren, von denen drei bereits Prozesse gegen den Facebook-Gründer geführt haben. Namentlich sind das der Mitbegründer Eduardo Saverin, der seinen Status als ebensolcher Mitbegründer erst einklagen musste, nachdem die Partnerschaft mit Zuckerberg durch den Einfluss dessen neuen Finanziers Peter Thiel und Mentors Sean Parker in die Brüche ging. Es war Saverin der Mark von der Entstehung der Idee zur fertigen Website und den ersten großen Erfolgen begleitete und die Finanzierung übernahm, während er zugleich als Geschäftsführer für die ersten Werbeaufträge zu sorgen hatte, damit irgendwann auch so etwas wie Gewinne zu verzeichnen seien. Neben Saverin sind es die beiden Olympia-Ruderer Tyler und Cameron Winklevoss, die mit ihrem Freund Divya Narendra Mark Zuckerberg aufgrund seines Erfolges mit Match Course und dem FaceMash-Vorfall (Zuckerbergs Hot-or-Not-Seite die ihm beinahe den Univerweis einbrachte) für ihr Projekt der Partnerbörse "Harvard Connection" gewinnen wollten, sich beim Start von "TheFacebook" jedoch um ihre Idee betrogen sahen. Und zuletzt ist da noch Sean Parker, der Napster- und Plaxo-Mitbegründer, dem es anzurechnen ist Zuckerberg und Facebook ins Silicon Valley und zum ersten großen Investor geführt zu haben. Er entdeckte Facebook auf einem Notebook eines weiblichen Gasts in der Wohnung seines Mitbewohners und erkannte sofort das Potential von Zuckerbergs Konzept, auch wenn es neben dutzenden anderen Social Networks mit MySpace bereits einen dominierenden Marktführer gab. Wegen einer seiner Bettgeschichten musste natürlich auch Parker am Ende gehen. Jedoch wohl mit weniger Groll als Saverin oder die Winklevoss-Zwillinge.

2010 wurde "Milliardär per Zufall" schließlich als The Social Network verfilmt, mit Jesse Eisenberg (dem Star aus Adventureland, der in der Horrorfilmparodie Zombieland bereits einmal einen sozialen Außenseiter spielte) als Mark Zuckerberg. Kein Wunder, denn das Phänomen Facebook verspricht schon alleine aufgrund des Namens und gigantischer Nutzerzahlen einen garantierten Erfolg an den Kinokassen.

Ben Mezrichs Buch ist genau genommen nicht mehr und nicht weniger als der Versuch die Gründungsgeschichte Facebooks aus den drei Perspektiven Saverins, der Winklevoss-Zwillinge und Sean Parkers nachzuzeichnen. Dass Mark Zuckerberg dabei naturgemäß ungünstig wegkommt liegt wohl an der Verbitterung manch einstiger Weggefährten, die sich Mezrich für seine Recherchen als Ansprechpartner zur Verfügung gestellt haben. Doch in der ganzen Geschichte findet sich auch eine Art Ausgleich, denn Zuckerbergs Zerwürfnis mit den Winklevoss-Brüdern wird als Marks Eigenart angedeutet, nicht direkt Nein sagen zu können und ist damit ein direkter Ausdruck seiner sozialen Hemmungen. Die Entfremdung mit Saverin klingt aus dessen Perspektive dann auch deutlich negativer, als in den Augen Sean Parkers, der einigermaßen den Druck erkennen lässt mit dem er und Peter Thiel Mark schließlich zur geschäftlichen Trennung von Eduardo gebracht haben. Nun, man merkt dem Buch diese jeweiligen Perspektiven deutlich an, denn es ist ja wie ein Roman geschrieben, mit vier Protagonisten und eben auch Mark Zuckerberg. Dabei spielt Mezrich nicht nur mit ihren Aussagen sondern auch ihren Gedanken, die sie ihm wohl bei einer Nacherzählung des Geschehenen zuteil werden ließen.

Schlussendlich bleibt dieser biographische Roman allerdings ein wenig unvollständig, denn weder erfährt man Mark Zuckerbergs Perspektive, noch wird die Bedeutung der anderen Weggefährten wie Zuckerbergs ehemaligen Vize Dustin Moskovitz oder des PR-Verantwortlichen Chris Hughes (der maßgeblich für den Erfolg von Barack Obamas Onlinewahlkampagne verantwortlich ist) hervorgehoben. Vom Einfluss Peter Thiels und Zuckerbergs großen Vorbilds Donald Graham (dem Washington Post-Herausgeber und Facebook-Miteigentümer) erfährt man außer einem gegen Ende hingeworfenen Satz schon gar nichts.

Fazit:
Dennoch ist Mezrichs Werk äußerst gelungen. Es ist höchst lebendig und spannend geschrieben. Und es berichtet von einer fast unglaublichen doch verdient wirkenden Erfolgsgeschichte eines Selfmade-Milliardärs, dessen großes Talent ihn trotz massivster Widerstände zum Erfolg führen sollte.

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Rezensentin / Rezensent

Mario Pf.
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Ort: Oberösterreich

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