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5.0 von 5 Sternen Eine Hommage an Philp K. Dick - und darüber hinaus, 3. November 2013
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Rezension bezieht sich auf: Megapolis (Kindle Edition)
Der Mars, Ende des 21. Jahrhunderts. Da die Erde unbewohnbar geworden ist, wurde mit Hilfe der Novaten, künstlich erzeugter und genetisch verbesserter Menschen, auf dem Mars eine gigantische Stadt geschaffen. Inzwischen ist es den Novaten gelungen, die Herrschaft über den Planeten an sich zu reißen, jedoch regt der Widerstand ihrer letzten verbliebenen Schöpfer in lose organisierten Widerstandsgruppen. Es ist die Aufgabe der Jäger, speziell trainierter Soldaten, diese Rebellen auszuforschen und somit die Herrschaft des Hohen Rats zu stabilisieren. Als Seth, Mitglied einer Jagdgruppe, auf die Anführerin der Menschen trifft, erwachen Erinnerungen in ihm, die sein Selbstverständnis, seine Identität infrage stellen, ihn an seinem Auftrag zweifeln lassen ...

In seinem Nachwort bestätigt der durch seine Romane "Asylon" und "Elysion" bereits bekannte Autor Thomas Elbel den Verdacht, sich in der Grundthematik an Philip K. Dick anzulehnen. Bei "Megapolis" handelt es sich um eine detailreich gestaltete Hommage an "Träumen Androiden von elektischen Schafen", bekannt in erster Linie durch die Verfilmung "Blade Runner". Jedoch erinnert die Figur des einsamen Kämpfers, dessen Welt aus den Fugen gerät, nicht nur an Rick Deckard, sondern sehr stark an Doug Quaid, den Protagonisten aus "Total Recall". Wie dieser muß auch Seth in "Megapolis" feststellen, daß seine Erinnerungen ihn trügen und er ursprünglich nicht für jene Seite arbeitet, der er im Kampf seine Loyalität zu schulden glaubt. Wie auch der amerikanische Science-fiction-Autor versteht es auch Thomas Elbel meisterhaft, anhand einer oberflächlich unterhalsam-atemberaubenden Geschichte unterschwellig philosophische Fragen zu skizzieren, die sich nach und nach im Bewußtsein des Rezipienten formen und noch lange nach der Lektüre am Grübeln halten:

Wie zuverlässig sind die Erinnerungen, aus denen wir unser Selbstbild beziehen, tatsächlich?
Welche Aspekte sind es, von denen wir uns definieren lassen?
Was, wenn das massiv geglaubte Fundament unserer Identität sich plötzlich als ausgehöhlt herausstellen würde?

Diese Ur-Zweifel der Menschheit, die sich wie ein roter Faden durch das Werk Dicks ziehen, finden sich auch in bei Elbel wieder. Dabei vermeidet er es jedoch, sich selbst für die zusätzliche intellektuelle Dimension seines Romans auf die Schulter zu klopfen, wie es andernorts auf zu eindringliche Weise betrieben wird. Elbel scheint vielmehr das wohldosierte Zweifeln als metaphysisches Ahornblatt der Populärkultur zu begreifen und zieht es daher vor, die genannten Aspekte angenehm dezent einzuflechten. Gerade, indem sie Verfolgungsjagden, Gladiatorenkämpfe und Schießereien als Vehikel nutzen, setzen sich die Fragen nach dem Woher und Wohin viel nachhaltiger im Bewußtsein des Lesers fest als durch exponierte, salbungsvoll vorgetragene Lektionen in Erkenntnistheorie - man denke an den Film "Matrix".

Ein besonderer Kunstgriff gelingt dem Autor auch mit dem Ort der Handlung, einer gewaltigen Stadt auf dem Mars, die sich aus Versatzstücken irdischer Metropolen zusammensetzt. Ein Nachbau des Wiener Stephansdoms findet sich hier ebenso wie der Eiffelturm oder das Römische Kolosseum. Es ist wohl durchaus intendiert, dies nicht nur als Heimweh der von der Erde geflüchteten Menschen zu verstehen, sondern auch als Ausdruck eines tiefverankerten Bedürfnisses nach Kultur, nach Sinn. Wenn der Einzelne sich über seine Erinnerungen definiert, ist das kollektive Gedächtnis eines Volkes seine Geschichte. Wenn die Legitimation des Ich aus dem Verweis auf Gedachtes und Geschaffenes stammt, fußt die Legitimation des Wir auf gemeinsam Vollbrachtem, das sich konkret in architektonischen Symbolen manifestiert.
Außerdem vereinigt diese Megapolis durch ihre Verdichtung urbaner Vielfalt auch eine Vielzahl von Emotionen, die der Mensch diesem Lebensraum gegenüber empfindet einzufangen: Von der Freiheit der Stadtluft bis zum kafkaesken Gefühl des Gefangenseins sind auf engstem Raum alle Abstufungen vertreten.

Fazit:
Mit "Megapolis" veröffentlich Thomas Elbel sein Erstlingswerk (mehr dazu im Nachwort), das sowohl spannende Unterhaltung für Science-Fiction-Freunde bietet, die sich an "Blade Runner" und "Battlestar Galactica" erfreuen können, als einen jungen Schreiber selbstbewußte Schritte in den Schuhen seines Vorbildes unternehmen läßt.
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