Kundenrezension

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sounds like große Koalition, 25. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Sounds Of The Universe (Audio CD)
"Sounds of the Universe" ist, wenn man den unterschiedlichen Kritiken glauben mag, ein Album der Extreme: Die einen finden es genial, experimentell und wegweisend; die anderen finden es einfach nur verproduziert und langweilig, nichts als eine schwache Kopie einstiger Größe.

Über die Gründe, warum das Album so kontrovers diskutiert wird, kann man natürlich gern spekulieren. Ein Problem könnte an den geschürten Erwartungen liegen. Denn noch vor Veröffentlichung des Albums hatte die Band ein sehr elektronisches Album mit Stilmitteln der früheren 80er Jahre angekündigt. Der alt gediente Fan freute sich deshalb auf klassischen Synthpop Marke "Some Great Reward" oder "Black Celebration". Wer mit solchen Hoffnungen in die erste Rotation von "Sounds of the Universe" hineinging, musste jedoch zwangsläufig enttäuscht sein.

Klar besteht "Sounds of the Universe" zu großen Teilen aus Vintagesounds aber nach 80ern klingt das Album trotzdem nicht. Die Lieder sind kaum tanzbar, Soundexperimente scheinen manche Melodien ("in chains, "come back) bewusst zu zerstören und dann taucht bei fast allen Songs dieser seltsam schrammelnde Sixteesgitarrensound auf, der bei Synthpop nach landläufiger Stammtischmeinung nun wirklich nichts zu suchen hat. Ist "Sounds of the Universe" deshalb ein schlechtes Album? Mitnichten.

Das liegt unter anderen daran, dass Martin Gore ein Songschreiber aller erster Güte ist, der nach einen kleinen Durchhänger während der "Exciter" Phase wieder zu alter Qualität zurück gefunden hat. Es liegt vielleicht auch an der wieder gewonnenen Bandchemie. Beim ersten hören des Albums hatte ich das Gefühl, als wäre das ganze Album in einer einzigen Session live in einer Garage eingespielt worden. Es klingt roh und handgemacht und das, obwohl DM Musik auf eine völlig andere Art produziert wird. "Sounds of the Universe" wandelt zudem gekonnt auf den Spuren schwarzer Musikgenres, wie Blues, Soul oder Gospel - eine Entwicklung, die spätestens seit "Songs of faith and devotion" fester Bestandteil des DM Universums ist.

Wie gut dieser Stilmix funktioniert, zeigen z. B. die ersten beiden Singles "Wrong" und "Peace". Beim ersten hören klingt "Wrong" nach Electropop per excellence. Doch schwebt unter den Synthsounds eine deutliche Rockattitüde mit, die in den 80ern kaum denkbar gewesen wäre. "Peace" widerrum verbindet Elektronik mit klassischem Gospel - für die einen ein unakzeptabler Stilbruch, für mich ein Albumhighlight, ein neuer Klassiker für meine eigene Best of.

Auch weitere Stücke unterstreichen den Trend: "Fragile Tension" ist eine leicht schräge Hymne mit Schrammelgitarre. Bei "Jezebel" trifft Jarre den Bossa Nova und bei "Come back" wird eine hübsche Ballade (Man schaue sich mal die Studiosession bei Youtupe an) mit Effekten und Gittarengekreische aufgeblasen und zerschreddert. "Little Soul" widerrum ist eine fluffige Lagerfeuerballade. "In sympathy" und "Perfect" sind wunderschöne Popnummern, radiotauglich und hitverdächtig und "Corrupt" und "Miles away" klingen verrucht und sexy. Man ahnt es schon: "Sounds of the Universe" ist meiner Meinung nach ein richtig gutes Album.

Warum ich trotzdem keine 5 Sterne gebe, liegt daran, dass ich "Sounds of the Universe" als zu lang empfinde. Ich störe mich daran, dass die wirklich guten Dave Gahan Kompositionen "Hole to feed", "Come back" und "Miles away" scheinbar per Zufallsprinzip ins Album befördert wurden, ohne dabei eine runde neue Albumstruktur zu schaffen. Beispiele gefällig? Für mich sind sowohl "In chains" als auch "Hole to feed" jeweils würdige 1. Albumtitel. Beide Titel hintereinander lassen "Sounds" ein bisschen schwerfällig in die Gänge kommen. "Come back" dagegen wurde verrockt, weil das Album sonst in der Mitte zu ruhig geworden wäre. "Miles away" ist eher ein Schlusssong, eine gefühlte Alternative zum ebenfalls tollen "Corrupt". Hier fehlte es der Band offensichtlich an einer klaren Entscheidung. So wirkt Sounds of the Universe nicht wie ein schlüssiges Album zweier guter Songschreiber sondern ein bisschen nach Kompromiss Marke große Koalition.
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Kommentare


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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.08.2011 18:28:46 GMT+02:00
musicpeterpan meint:
Gratulation I.Beljan, das ist die kompetenteste Rezension zum Album!!
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Rezensentin / Rezensent

I. beljan
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