Kundenrezension

27 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine neue Episode einer alten Freundschaft, 13. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: The Hunting Party (Audio CD)
Manchmal ist es mit Lieblingsbands wie mit guten Freunden:
Es gibt Zeiten, da will man den ganzen Tag miteinander verbringen. Es gibt Zeiten, in denen man mal weniger miteinander zu tun hat. Und manchmal trifft man seinen früheren besten Freund wieder und merkt, wie sehr man sich doch verändert hat.

So ähnlich fühlt sich auch "The Hunting Party" an. Linkin Park haben erneut ihren Stil geändert, wie sie es seit Meteora mit jedem Album getan haben. Kudos dafür, dass eine Band mit einer so langen Geschichte auf jedem Album anders klingt, denn das ist wirklich selten. Die Gesuche ihrer Fans wurden erhört - der Stil ist deutlich rockiger als zuletzt und bei einigen Songs fühle ich mich fast an Billy Talent erinnert (was übrigens nicht bedeuten soll, dass diese auch nur annähernd an Linkin Park heranreichen). The Hunting Party klingt frisch, beinahe experimentell. Alle Songs gehen sofort ins Ohr, ein Gutteil animiert zum Aufspringen, Mitschreien, Herumtanzen. Trotzdem befindet sich mit Drawbar ein wirklich schöner, ruhiger Song an Bord. Damit haben sie im Prinzip alles richtig gemacht, auch wenn Chesters Gesang manchmal etwas überzeugter wirken könnte.

Im Prinzip heißt aber leider nicht vollkommen. "The Hunting Party" ist ein gutes, vielleicht sogar ein sehr gutes Album. Und trotzdem enttäuscht es mich ein wenig. Einige Songs reißen mit, ja. Aber das liegt meiner Meinung nach unter anderem an den verwendeten klassischeren Rockmelodien. Zum ersten Mal habe ich deswegen bei einem Linkin Park-Album das enttäuschende Gefühl, viele Melodien irgendwo schon einmal gehört zu haben. Die ersten Alben haben noch überzeugt, weil jeder Fan einen Ausdruck eines beliebigen Linkin Park-Songtextes sofort unterschrieben hätte. Im Endeffekt fehlt das kleine Stück Genialität, dass den Unterschied zwischen "sehr gut" und "perfekt" ausmacht. Ein Beispiel: Das eben erwähnte "Drawbar" hat ein tolles Intro, ein tolles Outro, aber der Song dazwischen fehlt. Hier wurde unglaublich viel Potential verschenkt und das ist typisch für diese Platte.

"The Hunting Party" fehlt das gewisse Etwas. Liegt es am Sound? Nein, er ist rockig, heftig, basslastig. Liegt es an zu wenig Innovation? Nein, definitiv nicht. Das Album ist immer wieder neu und überraschend. Liegt es an den Details? Nein, wie schnell hingerotzter Müll klingt "The Hunting Party" bei weitem nicht. Und doch...irgendetwas fehlt. Was ich vermisse, das ist das Gefühl aus Hybrid Theory und Meteora - das Gefühl, einen Song zu 100% nacherleben zu können. Linkin Park war damals viel mehr als nur Musik, sie waren Helden, die das Lebensgefühl ihrer Fans geteilt haben.

Dieses Album ist für mich der Punkt, wo ich erkenne, dass auch gute und beste Freunde manchmal getrennte Wege gehen müssen. Ich verstehe jetzt, dass damals schlicht alles gepasst hat: Hybrid Theory und Meteora trafen exakt den Zeitgeist. Diese Alben waren ein Ausnahmefall, eine unerreichbare Singularität. Ich denke zurück an die Gänsehaut vom ersten Mal "Crawling" hören. Dieses letzte bisschen fehlt einfach, obwohl mir "The Hunting Party" wirklich gefällt. Und so trete ich Linkin Park gegenüber wie einem alten Jugendfreund: "Wir waren einmal beste Freunde. Du hast mich zwar ein paar Mal enttäuscht, aber ich verzeihe dir, denn du bist wieder da. Doch es wird niemals wieder so wie früher."
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.06.2014 13:19:51 GMT+02:00
Ilias meint:
Sehr gut in Worte gefasst. Das möchte ich so unterschreiben.

Veröffentlicht am 13.06.2014 14:18:28 GMT+02:00
tamitia meint:
Da spricht mir jemand aus der Seele. Danke für die perfekte Rezension!

Veröffentlicht am 13.06.2014 19:56:03 GMT+02:00
Blumentopf meint:
Danke auch für die beiden Kommentare. Schön, dass ich nicht allein so denke!

Veröffentlicht am 16.06.2014 16:42:37 GMT+02:00
Ich schließe mich den beiden an. Eine sehr treffende Rezension.
Bisher habe ich das Album ein paar Mal gehört und das werde ich vermutlich auch weiterhin mit Freude tun. Es ist kein Hybrid Theory oder Meteora, aber das ist auch nicht schlimm. Schließlich ist nicht nur die Band, sondern auch ich älter geworden. Mich würde aus heutiger Sicht eins der beiden Alben vermutlich gar nicht mehr so ansprechen. Aber wie Sie schon erwähnten, traf es den Zeitgeist.
Ich bin froh, dass Linkin Park gar nicht versuchen den Zeitgeist zu treffen und ihren eigenen, durchaus experimentellen, Weg gehen.

Veröffentlicht am 18.06.2014 09:36:10 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.06.2014 09:40:51 GMT+02:00
Stratovariutz meint:
Wow...jetzt brauch ich erstmal ne Kippe.
Das ist...wohl eine der besten Rezensionen, die ich je gelesen habe. Unglaublich gut in Worte gefasst, meine Einstellung zu Linkin Park hat sich für mich über die Jahre hinweg auch wie eine Freundschaft "entwickelt". Im zarten Alter von 12 Jahren (typisches Teenie-Alter zum rebellieren eben ;) ) habe ich die Band für mich entdeckt, dann über ein paar Jahre hinweg habe ich ziemlich selten LP gehört und jetzt, wo aus dem kleinen Jungen ein nicht mehr ganz so kleiner Mann geworden ist, ist das alte Fieber wieder in mir entfacht. Allerdings anders als im Teenager-Alter. Die Metallica- und Motörhead-CDs wurden aus dem Handschuhfach entfernt und durch sämtliche Linkin Park-Scheiben ersetzt. Anstatt zu "Ace of Spades" den Kopf zu schütteln wird jetzt eben zu "Wastelands", "Numb" und "Keys To The Kingdom" im Takt mit den Fingern auf dem Lenkrad rumgetrommelt.
Unglaublich, wie die Leidenschaft für eine Band nach mehreren Jahren ohne jegliche Songs dieser Band wieder entfacht wird. Ein kleiner Junge ist nun erwachsen und eine Freundschaft wurde aufrecht erhalten. Für Außenstehende mag diese "Verbindung" zwischen einem Fan und einer Band vielleicht übertrieben sein, aber für uns ist es nichts weiter als eine...ja, eine Freundschaft. Eine Freundschaft, die ihre Wege geht, man verlässt sich für kurze oder längere Zeit, aber man findet immer wieder zueinander und geht gemeinsam durch die schweren Zeiten. Für mich ist diese Verbindung fast etwas intimer als manche reale Freundschaft.
Ganz großes Musik-Kino. Keine Band, so erfolgreich oder gut sie auch ist, kann mir das gleiche Gefühl wie Linkin Park geben. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Veröffentlicht am 18.06.2014 11:32:36 GMT+02:00
Blumentopf meint:
Irene: ich muss sagen, dass ich mich über die Experimentierfreude einer so "alten" Band auch freue. Sicher, es gibt Bands, die noch einmal deutlich länger existieren. Aber ich kenne eben keine andere, die mit denselben Bandmitgliedern über 15 Jahre hinweg jedes Mal einen anderen Sound zeigt. Letztlich hat für mich jedes Album seine Zeit. Nichtdestotrotz sind einige Zeiten aber eben doch schöner als andere...

Veröffentlicht am 18.06.2014 11:53:13 GMT+02:00
Blumentopf meint:
Stratovariutz: Danke für die Blumen! Ich fühle mich geschmeichelt :)

Zu deinem Kommentar kann ich eigentlich wenig hinzufügen. Nagel, Kopf, Treffer. Genau so ist es. Und es freut mich ehrlich, dass meine Ansicht so viel Zustimmung findet. Ich hätte nicht erwartet, dass für so viele Fans Linkin Park mehr ist (und schon immer war) als nur Musik.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.06.2014 03:08:20 GMT+02:00
Stratovariutz meint:
Blumentopf: Immer wieder gerne, davon liegen hier noch genug rum :D

Durch deine Rezension bin ich persönlich auch ziemlich ins Grübeln und Nachdenken über diese Band gekommen, da Linkin Park so ziemlich die einzige Band ist, die ich seit meiner frühen Teeanger-Zeit heute noch gerne höre, auch die "poppigeren" Alben. Zwar kenne ich heute viel mehr und auch musikalisch viel hochwertigere Bands, aber Linkin Park wird wohl auf ewig meine geheime Nummer 1 bleiben ;)
Zwar hat die Band Stratovarius jetzt den Platz als meine "neue" Lieblingsband eingenommen, doch dieses unbeschreibliche Gefühl, wenn das harte Riff von "Papercut" zum ersten Mal einsetzt, wird wohl auf ewig einzigartig bleiben. Egal, wie alt man ist, man kann für einen kurzen Moment wieder in diese Zeit abtauchen, in der all die Dinge, die man heute wohl nur müde belächeln würde, so unlösbar und schwierig erschienen. Wer hat sich mit 13 oder 14 Jahren denn bitte nicht in seinem chaotischen und unordentlichen Zimmer eingesperrt, die Tür zugeknallt, die Anlage auf volle Lautstärke gedreht, sich heulend auf sein Bett geworfen und einfach einen feuchten Sch***dreck auf die Welt gegeben, die einem in diesem Moment so kalt und grausam vorkam und man einfach nur noch wegrennen wollte? Man konnte mit "Hybrid Theory" und "Meteora" für eine bestimmte Zeit in seine eigene Welt flüchten und diesen inneren Konflikt mit sich austragen. Doch hinterher ging das Leben wieder weiter und man war wieder ein Stückchen klarer im Kopf.
Linkin Park bleiben einfach diese eine Band, die einem das Gefühl gaben, dass es jemanden gibt, der dich versteht wenn du dachtest, dass die gesamte Welt gegen dich ist. Und man hatte auch das Gefühl, dass man mit jedem Album der Band selbst ein Stück mehr erwachsen geworden ist. Jedes Mal, wenn LP ein neues Album rausgebracht haben, hat es bei mir wie eine Granate in meine damalige Situation eingeschlagen und das tut "The Hunting Party" jetzt auch. Selbst mit "A Thousand Suns", so umstritten es auch sein mag, kam ein perfektes Album für mich raus, als ich eine wirklich schwere Zeit durchgemacht habe und auch da, als ich schon etwas älter war als am Anfang meines Fan-Daseins, war diese Musik für mich da. Besonderes der Song "Iridescent", der bis heute einer meiner Lieblingslieder überhaupt ist, hat mich immer wieder aufgebaut und mir gezeigt, dass es immer vorwärts geht, egal was passiert. "Living Things" kam genau dann heraus, als eine Zeit der Unbeschwertheit für mich anbrach und diese Stimmung teilte dieses Album auch. Das düstere, melancholische "ATS-Gewand" haben LP gegen eine unbeschwerliche, schon fast fröhliche Kutte eingetauscht. Und jetzt, wo ich mehr "härtere" Sachen höre (Metallica, Motörhead, Amon Amarth, Eluveitie, Powerwolf, etc.) und Linkin Park mehr und mehr in der Versenkung meiner CD-Sammlung verschwanden, erscheint mir das neue Album wie ein Anruf nach dem Motto: "Hey, erinnerst du dich noch an mich? Du hast zwar lange nichts mehr von mir gehört, aber hättest du nicht mal Lust, mal wieder zusammen abzuhängen?"
Ich hätte im damaligen Alter, als ich Linkin Park für mich entdeckt habe, nie gedacht, dass man später mal so über eine Band sprechen kann.
Klar mögen Linkin Park nicht die musikalisch anspruchvollste Musik machen. Vielleicht war "Hybrid Theory" nur möchtegern-Metal für Teenager, die rebellieren wollen...aber war diese Musik nicht genau das, was wir gesucht haben? Einfach etwas, wodurch wir uns ausdrücken können? Etwas, dass unsere Gefühle und Empfindungen widerspiegelt? Etwas, dass unsere damalige Situation mehr als passend getroffen hat?
Für Nicht-Fans oder Leute, die nur die Radio-Songs von LP kennen, mag so etwas vielleicht nicht ganz nachvollziehbar sein. Aber jedes Mal, wenn ich mir zum x-tausendsten Mal "Runaway" anhöre, bin ich froh, dass mich diese Band durch all diese vielen Höhen und Tiefen begleitet hat.
Hut ab!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.06.2014 10:55:55 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.06.2014 11:02:09 GMT+02:00
Blumentopf meint:
Wenn ich dich zum Nachdenken bringen konnte, dann ist das sehr schön, denn das ist genau das, was das Album mit mir gemacht hat. Mein Musikgeschmack ist heute auch deutlich breiter und deutlich anspruchsvoller als damals. Und trotzdem hat Linkin Park diesen einen, diesen unantastbaren Platz für immer reserviert. Du erwähnst das Papercut-Intro - ich weiß, was du meinst. Während ich den Satz gelesen habe und selbst während ich das hier schreibe, wippe ich im Takt mit, denn ich höre genau die Stelle - in meinem Kopf, ohne Anlage. Exakt dieses Gefühl ist Linkin Park.

Vermutlich war es damals Möchtegern-Teenie-Metal, genau wie du sagst. Aber, wie du auch sagst, war es auch das, was wir damals gebraucht haben. Hybrid Theory war die Wut über den Verrat des besten Freundes, die Verzweiflung gegenüber den Problemen der Welt, die alle auf dich einstürmen...das, was ein Teenager eben so fühlt. Heute kann man darüber lächeln, aber das ist eben ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens (und des parallelen Kindbleibens, was fast noch wichtiger ist).

Meteora war da schon deutlich reflektierter. "Easier to run" stellt für mich zum Beispiel die Einsicht dar, dass man auch selbst Fehler gemacht hat. Das stumpfe "ihr seid alle unfair!" aus HT hat sich entwickelt, wie Linkin Park, wie wir.

Auch wenn wir als Fans die beiden Alben immer wieder zusammengeworfen haben, unterscheiden sie sich im Detail für mich deutlich. Was sie aber gemein haben, ist eines: jeder der frühen Linkin Park-Songs erzählt eine Geschichte. "Forgotten", ein Song, den ich anfangs vom Stil her gar nicht mochte, enthält ein paar der besten Verse überhaupt und ein ewiges Stück Warheit: "And the memory now is like the picture was then // When the paper's crumpled up, it can't be perfect again." So bildhaft. Diese Songs hört man nicht, man erlebt die Geschichte, die sie erzählen.

Vielleicht ist es das, was die Faszination ausmacht: Diese kleine Häkchen, das man unter die Songs setzen möchte. Dieses "Ja". Und die unglaublich große Ausdruckskraft, die Mikes Metaphern haben. Ich kenne keine andere Band, die jemals so eine beeindruckende Bildlichkeit an den Tag gelegt hat. Die oben zitierten Zeilen gehören meiner Meinung nach zum besten, was Songtexte jemals hervorgebracht haben. Wenn man sich übrigens die Soloprojekte der beiden Sänger anhört, merkt man schnell, von wem die Genialität der (alten) Texte kommt: Man vergleiche Fort Minors "Kenji" - eine sehr persönliche Geschichte - und einen beliebigen Song aus "Out of Ashes", auch wenn letzteres immer noch kein schlechtes Album ist. Übrigens gehört „Slip out the back“ zu den eindrucksvollsten und melancholichsten Songs überhaupt für mich. Er befindet sich in einer Playlist mit einigen der ausdrucksstärksten modernen klassischen Musikstücken, die ich habe. Und das als ein Hip-Hop-Lied - das allerdings wieder eine Geschichte erzählt.

Was die neueren Alben angeht, so haben bei mir nicht immer alle der Stimmung entsprochen, die ich hatte. Einige haben etwas länger gebraucht, aber selbst ATS hält mittlerweile ein paar Schmuckstücke für mich parat. Der Nimbus aber ging so langsam verloren. Deswegen ist „The Hunting Party“ sehr gut platziert. Das Album ist zwar „nur Musik“, aber es macht mir endlich wieder Lust auf ordentlichen Rock. Leider gibt’s davon heute allzu wenig, weil neue Rockbands fast nur noch soften Indie machen. Der ist zwar nicht per se schlecht, aber wenn alle gleich klingen, was bringt das denn? Das war übrigens besonders für Mike die Motivation für die wiederentdeckte Härte in Hunting Party. Selbiges sagt er in einem Interview für das Rock Sound Magazine, das man auf der (amerikanischen) Website des Mike Shinoda Clan einsehen kann. Allein die Tatsache, dass ich mir ein aktuelles Interview über meine Lieblingsband zur Teeniezeit durchlesen kann, sagt doch schon alles.
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