Kundenrezension

23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Banales Geschwafel, 1. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Wort für Wort - oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben (Taschenbuch)
Dieses Buch macht mir Bauchschmerzen.
Unter anderem, weil seitenlange Zitate aus allen möglichen Romanen drin sind - das hätte man deutlich komprimieren können. Selbstverliebt zitiert die Autorin auch gerne reichlich aus ihren eigenen Romanen, und man hat schnell den Eindruck, sie missbraucht einen Schreib"ratgeber", um endlich einmal darauf hinweisen zu können, welch geniale Gedanken sie selbst sich so beim Schreiben macht. Das führt oft dazu, dass sie Beispiele für irgendetwas nennt, aber nicht, welche Kniffe sich denn nun ganz allgemein anwenden lassen - zum Beispiel auf das Manuskript, an dem man selber gerade sitzt. Dass zum Beispiel Dialoge "natürlich" sein müssen, ist eh irgendwie klar - aber wo sind die ganz konkreten Tipps dafür, wie man dies erreicht? Mehr Dienliches und weniger Selbstverliebtes hätte da der Sache gutgetan.
Immer wieder findet sie ihre eigenen Textauszüge "bemerkenswert" und nutzt das "Sachbuch", um sich klammheimlich (?) selbst zu loben: "Das ist für mich das große Vergnügen beim Schreiben: den Leser allein durch die Kraft und Anmut meiner Prosa zu verführen, die Geschichte zu Ende zu lesen. Wenn das nicht kreatives Schreiben ist, was dann?" Nun ja.
Das Buch ist so dick, weil es erstens endlos lange Beispieltexte enthält, zweitens nicht gründlich strukturiert ist und ziemlich wahllos mal hierhin und mal dorthin springt - und drittens mit Banalitäten reichlich angefüllt ist.
Konkrete Tipps bekommt man nur wenige - außer man empfindet es bereits als Tipp, wenn die Autorin einem ans Herz legt, dass man eine Geschichte interessant gestalten muss, um den Leser neugierig zu machen. Ich empfinde das als Binse. So schwadroniert sie zwar, dass man bei einem Krimi für den Leser sowohl Spuren als auch falsche Fährten legen kann - aber dann beschränkt sie sich darauf, dies als eine messerscharfe Erkenntis ihrerseits zu verkaufen (eigentlich weiß es aber ohnehin jeder) und geht nicht weiter darauf ein, wie genau man denn nun falsche Fährten legen kann. Hier steigt sie wieder genau da aus, wo es eigentlich erst interessant wird.
Das ganze Buch über wird der Leser im Duz-Plural angesprochen: Da müsst ihr ... hier solltet ihr darauf achten, dass ... dabei empfehle ich euch ... Dadurch kommt ein leicht predigthafter Beigeschmack ins Buch.
Außerdem ist die Autorin nicht frei von der Versuchung, den Beruf des Schriftstellers kräftig zu mystifizieren, so wie andere auch, die gerne von ihren angeblichen Schreibritualen etc. reden und davon, welch wundersames Erlebnis sie zum Schreiben gebracht hat.
Das wenige, was man an "Handwerkszeug" zum Romaneschreiben findet, kennt man längst aus unzähligen (aber besseren) anderen Schreibratgebern. Die brauchen dann auch nicht ewig viele Seiten, um dem Leser so etwas Banales wie Erzählperspektiven zu erklären - was der Unterschied zwischen einem Ich-Erzähler und z.B. dem allwissenden Erzähler ist, kann man kurz und knackig viel effektiver vermitteln.

Ich empfehle, die viele Zeit, die man zum Durchackern dieses Buchs braucht, lieber fürs Schreiben des eigenen Manuskripts zu verwenden und zwischendurch zum Beispiel Roentgens "Vier Seiten für ein Halleluja" zu lesen - das ist zwar für einen Schreibratgeber mit bemerkenswert vielen Rechtschreibfehlern angefüllt, aber kurz, knackig - und hilfreicher als "Wort für Wort".

Noch ein letztes: Solche Ratgeber wollen immer suggerieren, dass Handwerk das Gegenteil oder eine Ergänzung von Talent ist, somit jeder das Schreiben lernen kann - und es sich folglich auch für jeden lohnt, den Ratgeber zu kaufen. Eigentlich ist es aber so: Handwerk IST Talent: Wer gut schreiben kann, wird all die "Regeln" ohnehin intuitiv berücksichtigen. Wer es nicht gut kann, wird kaum in der Lage sein, beim Schreiben gleichzeitig zig Regeln im Auge zu behalten. Das geht nur intuitiv - also, wenn man es sowieso beherrscht.
Außerdem liegt die Kunst nicht darin, "Regeln" zu kennen, sondern sie auch richtig aufs eigene Werk anzuwenden. Was das angeht, findet man in diesem Buch hier kaum Hilfreiches.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.06.2010 15:33:11 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.06.2010 15:39:10 GMT+02:00
Snoipah meint:
Hab aus diesem Buch auch NICHTS mitgenommen. Vorhin das Bildchen gesehen, gedacht: Ach, das hatte ich ja auch mal (weil die Frau wie meine ehemalige Deutschlehrerin aussieht, nicht wg. des Inhalts) und dann: Was stand eigentlich drin? Geschwafel. Keine Ahnung. Aber war doof.
Und ja, ich fand es auch ätzend, dass sie immer nur auf sich selber hinweist. James N. Frey zitiert wenigstens aus bekannten Werken. Als ob ihre Krimis das Beste der Literatur wären. Sie mögen ja nicht schlecht sein, aber man lernt doch von vielen Autoren..

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.07.2010 18:22:32 GMT+02:00
Kyrie Eleison meint:
Sie hat auch nen Haufen andere Romane angeführt, inklusive Textbeispiele.
Meiner Meinung nach, hat sie das eigentlich Schwierige, zumindest für mich, nämlich wie man eine Idee ausarbeitet und somit den Roman überhaupt ernsthaft beginnen kann, sehr gut und anschaulich dargelegt. Wo liegt also nun das Problem? Sie haben doch wohl nicht im Ernst geglaubt, die Schriftstellerin würde mit ihnen jeden Kniff genau durchgehen? Wohl kaum, immerhin meinen sie ja, Handwerk sei Talent. Wozu also haben sie den Ratgeber dann gelesen? Und warum wollten sie daraus Handwerkliches erlernen, wenn, wie wir beide wissen, Talent nicht erlernbar ist?
Ihre Rezension bereitet mir Bauchschmerzen. Wirklich. Für viele ist dieser Ratgeber sehr wohl hilfreich und keine Zeitverschwendung. Aber bei der Einstellung alles beruhe auf Talent und man könne nichts erlernen, halte ich es auch für Zeitverschwendung, solche Titel zu lesen.
In den USA ist es übrigens nichts Ungewöhnliches, dass bekannte und erfolgreiche Schriftsteller Seminare besucht haben um ihr Handwerk zu erlernen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2010 15:01:26 GMT+02:00
@Kyrie Eleison:
Am Anfang meines Schreiberlebens hatte ich auch gedacht, eine gute Idee müsse man nur ausarbeiten - na, ich habe sogar eher an Auswalzen gedacht. Das Schwierige ist für Sie deshalb so schwierig, weil Sie das Pferd von hinten aufzäumen.

Ideen gibts 10 für 1 Cent. Sie sollten lediglich die Würze sein, nicht der Kern. Wenn Sie nichts Fundamentales mitzuteilen haben, nicht erschüttert sind, dann lassen Sie die Versuche, eine Idee aufzupolieren bleiben. Ist nicht bös gemeint. Sowas gehört ins Tagebuch und kann vielleicht später auch mal wo "untergehoben" werden.

Aber die Idee ist als Substanz zu dünn, um ein WERK, um KUNST zu tragen. Und das ist auch das Problem an Georges Fällen. So austauschbar wie die Rätselheft-Ausgaben von Juli und Juni.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2012 17:47:46 GMT+02:00
Reanda meint:
Danke für die Rezension.
Die Struktur im Buch hat mir auch gefehlt. Und das obwohl sie selbst schreibt, dass sie eine wahnsinnig durchstrukturierte Autorin ist.
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