Kundenrezension

87 von 97 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekt, 22. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach ihrem überwältigenden Harold Fry-Bestseller hatte die Autorin für ihren neuen Roman die Wahl, entweder etwas Ähnliches, vielleicht sogar eine Art Fortsetzung zu schreiben, oder etwas ganz Anderes, Neues. Die Autorin hat sich für das zweite entschieden und damit eine gute Wahl getroffen - für sich und für ihre Leser. Warum ich hiervon überzeugt bin, möchte ich im Folgenden zeigen und dabei auf verschiedene Aspekte ihres Romans eingehen.

DER BUCHTITEL
Eigentlich fast das Einzige, was mir an dieser deutschen Ausgabe nicht so gefallen hat. Ich weiß nicht, woher die "Unsitte" kommt, einem Roman, dem die Autorin ganz bewusst einen bestimmten Titel gegeben hat, bei der Veröffentlichung in einem anderen Land, in einer anderen Sprache einen völlig anderen Titel zu geben. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" klingt so technisch, als ginge es darum, ein mathematisches oder astronomisches Problem zu lösen. Im englischen Original heißt der Roman ja einfach nur "Perfect" Wahrscheinlich meinte der Fischer- Verlag, dass das für deutsche Ohren zu banal, zu kitschig klingen könnte. "Perfekt" wäre jedenfalls nach meiner Meinung der viel bessere Titel auch für die deutsche Ausgabe gewesen, weil er den Inhalt des Romans viel besser widerspiegelt. Denn es geht im Buch ja darum, dass die Dinge des Lebens eben nicht immer perfekt sind, und man dies akzeptieren muss, statt sich um eine Perfektion zu bemühen, die alles eher noch komplizierter macht.

DIE STORY
Hier will ich mich kurz fassen, weil die Handlung ja schon in der oben stehenden Buchbeschreibung angedeutet ist, und sicher auch von vielen meiner Mitrezensenten ausführlich beschrieben wird. Es geht also darum, dass im Jahr 1972 zwei Sekunden dazu addiert werden, und bei dieser minimalen Zeitumstellung ein Unfall passiert, der das Leben aller Beteiligten verändert. Obwohl es diese Schaltsekunden damals wirklich gab, sind sie im Buch auch eine Art "Aufhänger" für das, um was es der Autorin in ihrem Roman geht: zu zeigen, wie vergänglich alles ist, wie schnell sich im Leben alles ändern kann - manchmal eben innerhalb von Sekunden.

DER AUFBAU DES ROMANS
Es gibt zwei Erzählstränge, die sich kapitelweise abwechseln und scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der erste Erzählstrang spielt im Jahr 1972 und beschreibt den erwähnten Unfall und seine Nachwirkungen. Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart und beschreibt das Leben eines einsamen, durch Krankheiten gebeutelten, aber nicht unsympathischen 50-jährigen, der immer noch irgendwie seinen Platz im Leben sucht. Die Verknüpfung von zwei scheinbar nicht im Zusammenhang stehenden Geschichten innerhalb eines Romans ist immer eine schriftstellerische Herausforderung, ein riskantes Unternehmen, das auch scheitern kann. Hier ist es aber nach meiner Meinung eindeutig gelungen, denn die Autorin schafft es, den ganzen Roman über die Neugier darüber aufrecht zu erhalten, was denn beide Geschichten, die ja zeitlich Jahrzehnte auseinander liegen, miteinander zu tun haben könnten und löst das Geheimnis erst endgültig auf den letzten Seiten auf - und zwar in überzeugender Weise.

WARUM MICH DAS BUCH ZUM NACHDENKEN ANREGTE
Die Geschichte von Rachel Joyce hat einem so viel zu sagen, wenn man sich auf sie einlässt. Ich möchte als Beispiel nur die Figur des 11-jährigen Byron herausnehmen, der den oben erwähnten Unfall verursachte, bei dem seine Mutter ein Mädchen angefahren hat, ohne dies überhaupt zu merken - nur Byron selbst bemerkte es. Er fühlt sich schuldig und will es unbedingt wieder gutmachen. Dabei gerät er in Situationen die ihn überfordern, missdeutet Gespräche, die er als 11-jähriger noch nicht verstehen kann, gerät an Dinge des Lebens, die seinen geistigen Horizont übersteigen. Und obwohl das alles aus der Perspektive eines Kindes geschildert wird, ist aus meiner Sicht die unausgesprochene Botschaft der Autorin an den Leser: Wir alle kennen vom Leben viel weniger, als wir glauben. Die Möglichkeiten, es zu beeinflussen, oder auch nur zu verstehen sind viel kleiner als wir es wahrhaben wollen - und das sollten wir auch akzeptieren, statt nach Perfektion zu streben. Demut ist das, was man aus dem Buch mitnimmt.

FAZIT
Wie schon oben erwähnt, ist dieser Roman komplett anders als sein Vorgänger. Den Harold Fry konnte man praktisch jedem risikolos als Geschenk in die Hand drücken und sich schon im Voraus über dessen anerkennenden Dank nach der Lektüre freuen. Denn wer liest nicht schon gern so eine herzerwärmende Geschichte die so voller Lebensmut steckt. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist anders: ernster, nachdenklicher, ja auch dunkler - aber deswegen keinesfalls weniger wertvoll. Mit Büchern ist es vielleicht wie mit Menschen: man braucht die Optimisten, die für gute Stimmung sorgen. Man braucht aber auch die Nachdenklichen, die die Dinge des Lebens ergründen wollen. Und zu dieser zweiten Kategorie gehört Joyces aktueller Roman. Vielleicht ist es nicht unbedingt das ideale (Weihnachts)Geschenkbuch. (zumindest nicht für jeden) Dafür aber ein Buch, was man sich selber schenkt, wenn man erspüren möchte, was das Leben ausmacht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

Schreiben Sie als erste Person zu dieser Rezension einen Kommentar.

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 


Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Top-Rezensenten Rang: 42