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Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Opferkults: Die religiösen Mutationen der Spätantike (Gebundene Ausgabe)
In Zeiten eines neuen unheimlichen Opferkultes, des islamistischen Menschenopfers, ist Stroumsas methodischer Ansatz "die toten Religionen zu untersuchen, als wären sie noch am Leben, und die lebenden, als wären sie tot" (S. 25)sehr anregend, sogar aufregend, denn mit dem Sieg des Christentums über die pagane Welt, dem Verglimmen der Opferfeuer, die über Jahrhunderte eine kollektive Identität genährt hatten und nun, individualisiert & neuangefacht im inneren Tempel der Seelen, bisher ungesehene Brände und Temperaturen erzeugten, begann unsere jetzige aufgedehnte Zeit, die wohl gerade endet: Eschatologie ist das eigentliche Thema des Buches, auch wenn der Begriff - wenn überhaupt - nur am Rande auftaucht, aber Eschatologie durchwaltet den Neubeginn am Ende der Altzeit Antike. Das Ende ist nahe? Was können wir noch opfern? Nur uns selbst?
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
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24.03.2012 18:01:14 GMT+01:00
HeuteLachtKeinerMehr meint:
Die religionsgeschichtliche Wucht der Überlegungen Strousmas hat Michael Stallknecht in der "Süddeutsche Zeitung" am 22.3.12 in einem bewundernden Beitrag herausgestellt "Das Ende des Opferkults und der Aufstieg der Taschenbuchreligion"; sehr spannend zu lesen. Stallknecht sagt kurzgefaßt das folgende (im wesentlichen in seinen Worten): Oxford- und Jerusalem- Professor Guy G. Strousma schlägt eine Jahrhunderte breite Deutungsschneise in die Christianisierungsgeschichte des Römischen Reiches. Während die Römische Religion sich mit –für die einzelnen unverbindlichen- Opferkulten im öffentlichen Raum begnügte, damit gleichermaßen das Verhältnis zu den Göttern sicherte wie auch den Staat stabilisierte, war das Neue am Christentum ja, dass es von jedem einzelnen das verinnerlichte Bekenntnis zu Glaubensinhalten einforderte. Strousma nennt diesen Übergang von einer im wesentlich kulturell zu einer wesentlich religiös gestifteten gesellschaftlichen Autorität eine „anthropologische Revolution“.Das erklärt, warum Rom das Christentum als staatsgefährdend betrachtete: Wer durch Nichtbeachtung des Opferkults den öffentlichen Raum de facto zum profanen Raum erklärt und private Gemeindetreffen zu temporär heiligen Plätzen, gehörte überwacht. Strousma setzt elegant noch einen drauf, nämlich die bisher übersehene Rolle des Judentums im Prozess: Indem die Römer 70 n.Chr. den Tempel zu Jerusalem zerstörten, hätten sie den dortigen Tieropferkult und seine ebenfalls kollektivitätsstiftende Funktion beendet. Damit aber hätten sie schon das Judentum zu eben jenem Paradigmenwechsel gezwungen, den man gemeinhin erst dem Christentum zuschreibe.
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