Kundenrezension

32 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lass das alte los! Neue Pfade in der sich die Band offensichtlich sehr wohl fühlt., 11. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Weather Systems (Audio CD)
Um es vorneweg kurz zu machen: Das neue Album entfernt sich noch weiter von den Wurzeln der Band. Also können alle die immer noch hoffen dass Anathema zu alten Tagen zurückkehrt, endlich abschalten, sich abwenden, gehen und nach einer anderen Band suchen.

Für alle Anderen die sich, genauso wie die Band, im Leben weiterentwickeln und bereit sind Änderungen zuzulassen, können dabei bleiben und ein neues Album genießen dass noch weiter definiert wo Anathema nun steht:

Irgendwo zwischen Bekannt und Anders, zwischen schnell und langsam, zwischen Kopf und Herz. Und mein Gott.. fühle sie sich dabei wohl. Das merkt man an fast jedem Song.

Während 'We're here because we're here' noch wie ein 'Suchen' nach einer neuen Richtung klingt und die Songs stellenweise mit der Ambivalenz zwischen Rhythmik und sphärischen Klängen zu kämpfen haben, fließt bei 'Weather Systems' alles in eine kohärente Richtung. Am beeindrucktesten dabei ist der 'Flow' den das Album beim Durchhören ausstrahlt. Die Songs liegen in perfekter Reihenfolge aneinander:

1. Untouchable, Part 1: Ein grandioser Auftakt zum Album und gleichzeitig Bekenntnis zu der neuen Philosophie der Band: Melancholische Fröhlichkeit. Die fast verträumte Gitarre unterstreicht das lauthalse Rufen nach Liebe. Der Song beginnt langsam und poppig, zieht einen aber immer tiefer hinein in den bekannten Anathema Strudel und bereitet damit ein notwendiges Stilmittel um für den Rest des Albums bereit zu machen. Man fühlt sich 'unantastbar'' bereit jeder Gefahr zu trotzen.
2. Untouchable, Part 2: Langsamere Version der vorigen Melodie. Diesmal mit einer anderen Message: Die nicht sterbende Hoffnung verloren geglaubtes immer noch um sich zu haben. Jetzt wo man durch Part 1 schon emotional hinein gezogen wurde, trifft einen dieser Song tief ins Herz.
3. The Gathering of the Clouds: Dann wird man direkt mit einem schnellen Song getröstet. Eine kleine Erinnerung an das Vorgänger Album. Wir sind hier weil wir hier sind. Und deswegen traut sich die Band noch weiter klar zu machen wer sie geworden sind, und mit Nachdruck zu Streichern zu wiederholen. Ein Song der den starken Auftakt wie eine Brücke beschleunigt und in die gewünschte Richtung lenkt: Lebe dein Leben und achte nicht auf unwichtige Zweifel.
4. Lightning Song: Jetzt wo man sich in der 'Tiefe' des Albums befindet, wird es ganz einfach und klar. Die spirituelle Ausrichtung der Band zeigt sich hier am stärksten. Und sie scheut sich nicht davor alte Fans abzuschrecken. Was zählt ist die eigene Ausrichtung der Seele. Der Song steigert sich von der Einfachheit hin zu großer, fast filmischer, rockiger Emotion. Der ausschließlich weibliche Gesang unterstreicht das.
5. Sunlight: Jetzt ist man in der Mitte des Albums angelangt. Alles löst sich im Sonnenlicht auf. Sowohl musikalische Stilmerkmale, als auch eine klare Melodie. Eine durch einen immer lauter werdenden Rhythmus begleitete Steigerung die wie eine Wende in einem Film anmutet, läutet auch die Wende im Album ein'
6. The Storm before the Calm: ..die dann prompt folgt. Man wird sofort aus der vermeintlichen Sicherheit herausgezerrt. So schön die spirituelle Ansicht des Lebens ist, so schwer ist sie immer spürbar zu bleiben. Denn oft trifft einen mitten im schönsten Gefühl eine Kühle die man so nicht erwartet hat. So ist dieser Song, der als einziger nicht von Danny geschrieben ist, ein musikalisches und thematisches Herausreißen aus der Gewohnheit. Ein Mahnmal nie auf gewohntes hoffen zu können. Es folgt ein 'Sturm' der im Titel bereits angekündigt ist. Wirre Klänge und Geräusche reißen das Stück in zwei Teile. Nun beginnt der letzte große Akt. Der Höhepunkt des Theaterstücks. Das große erwärmende der ersten Hälfte, wird nun nochmal auf den Kopf gestellt. Der Konflikt mit sich selbst wird stark emotional, mit Piano Klängen und einem Orchester begleitet, thematisiert.
7. The Beginning and the End: Nach den zwei emotionalen Höhepunkten, wird man nun quasi allein gelassen. Der Song findet sich selbst wie abseits stehend, allein auf weiter Flur. Keine große Emotion, mehr ein klassischer Song. Wo sind die sphärischen Klänge hin? Ist das Album schon vorbei? Warum gibt es keinen Abschluss? Wo ist die Quintessenz? Diese musikalische Frage wird in der Lyrics ebenso gestellt.
8. The Lost Child: Und in dieser Stille beginnt der vorletzte Song des Albums. Nun vollkommen allein gelassen, gibt es fast nur noch das Piano... und das verlorene Kind das man im Traum immer wieder begegnet. Wohl eine Erinnerung an ein früheres Ich. Es ist auch eine Erinnerung an die alten Tage Anathemas, welche auch textlich an vergangene Lyrics der Band erinnert. Eine Erinnerung an vergangenen Schmerz und an vergangene Ängste, die nie verschwunden sind. Diese gipfelt höchst dramatisch mit den Worten 'Save me, save me, save me'.' Letztendlich ist die Hoffnung doch nur eine Hoffnung geblieben. Ängste kehren aus der Kindheit immer wieder zurück. Doch wovor eigentlich? Vor dem Tod?
9. Internal Landscapes: Die Antwort findet man letztendlich nur in den 'inneren Landschaften', in einem Selbst. Alle Philosophien, alle Gedanken und Emotionen.. sind letztendlich nur Strukturen, die je nach Lebensabschnitt an Bedeutung gewinnen, aber auch verlieren können. Erinnerungen reißen einen immer zurück, werfen einen um und zeigen einem dass man ganz und gar nicht 'unantastbar' war. Als Mensch bleibt man an seine Begrenzungen gebunden, und den damit verbundenen Wahrheiten. Doch das Lied gibt auch Hoffnung. Mit der Geschichte zum Start und dem Ende des Songs wird auch eine Wahrheit in den Vordergrund geschoben. Dass wir nie sterben können, wir immer da sein werden und Verlust nur eine Veränderung des Seins ist, und kein tatsächliches Verschwinden von etwas. Also gibt es Hoffnung, doch diese kann nicht gelehrt werden, sondern muss erfahren werden.

Das stellt auch das Statement der Band dar. Man kann der Band nun entweder folgen oder sich seine eigene Wahrheit wo anders suchen. Die Band serviert kein Dinner an die Fans, sie entwickelt sich und verändert sich, und tut das aufrichtig und ehrlich, egal wer dabei auf der Strecke bleibt oder wer gerade deswegen dazu einsteigt.

Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden ob er sich mit auf die Reise machen will, oder doch an vergangenen Dingen festhalten will.
Wenn man sich bei diesem Album aber drauf einlässt, dann findet man sich am Ende vom Wind umweht, von der Sonne gewärmt, vom Regen durchnässt und vom Sturm durchschüttelt wieder. Auf jeden Fall lässt es einen nicht kalt zurück.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.05.2012 23:24:15 GMT+02:00
hab deine rezension erst gelesen nachdem ich das album mehrfach gehört habe, eine eigene rezension wäre überflüssig; du hast es auf den punkt gebracht

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2012 02:20:59 GMT+02:00
D. Brands meint:
Besser kann man dieses Meisterwerk nicht beschreiben. Danke für diese wundervolle Rezension. ♥

Veröffentlicht am 09.04.2013 21:45:10 GMT+02:00
Archeo meint:
Super! Besser hätte ich es auch nicht rezensiert. Übrigens hab ich zum Release mit Danny Cavanagh ein Interview geführt:

http://wp.access2music.de/2012/06/review-anathema-weather-systems/

Veröffentlicht am 09.05.2014 11:06:41 GMT+02:00
Der Riese meint:
Eine der besten Alben-Rezensionen, welche ich hier bei amazon jemals gelesen habe. Ich höre "Weather Systems" zur Zeit rauf und runter und kann nicht genug bekommen...und dieser Rezension natürlich nur 100-prozentig zustimmen.

Veröffentlicht am 25.08.2014 22:54:30 GMT+02:00
C. Aumueller meint:
Danke für diese Erklärung des Albums. Habe Anathema gerade erst für mich entdeckt und ich denke, die rezensierten Gedanken treffen sehr genau!
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