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Wer schreit, ist im Unrecht,
9. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Wohin mit meiner Wut?: Neue Beziehungsmuster für Frauen (Taschenbuch)
Viele Frauen werden diese Aussage wohl in Frage stellen. Gibt es doch haufenweise berechtigte Gründe, wütend zu sein: Wir werden Opfer von ungerechten Entscheidungen am Arbeitsplatz, unsere Bemühungen, es jedem recht zu machen, werden nicht ausreichend gewürdigt und unsere eigenen Bedürfnisse und Ansichten ignoriert. Doch ist es sinnvoll, die Wut hinauszuschreien oder sie in sich hineinzufressen? Ist die Schuldfrage überhaupt relevant in der Konfliktbewältigung?
Harriet Lerner weist anhand von Fallbeispielen auf, wie speziell Frauen die Wutspirale in ihren Beziehungen durchbrechen können. Sie zeigt auf, dass es produktivere Konfliktbewältigungsmöglichkeiten gibt, z. B. in der Konfrontation mit dem distanzierten Lebenspartner, der bevormundenden Mutter, dem Ansprüche stellenden Vater und dem ungerechten Vorgesetzten.
Dabei wird eines deutlich: Die Welt ändert sich nicht in dem Moment, in dem wir uns verändern - auch wenn uns das einige Zeitgenossen glauben machen möchten. Besonders in Familienbeziehungen kann es laut Harriet Lerner zunächst einmal zu Widerständen und heftigen Gegenreaktionen kommen, wenn eine Person ihre Konfliktstrategie ändert. Deshalb spricht sich die Autorin für einen Anfang mit kleinen Schritten aus und fördert bei ihren Lesern das Bewusstsein für berufliche und familiäre Dreieckskonstellationen und die Wahrnehmungsfähigkeit für die eigene Beteiligung am Konflikt.
Fazit: ein sehr gutes Buch für alle, die es wagen wollen, das Klima in ihren Beziehungen zu verbessern, und dazu bereit sind, dafür auch einen längeren Weg in Kauf zu nehmen.
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