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Kundenrezension

63 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Du bist, was Du liebst, nicht wer dich liebt., 26. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Mittelpunkt des vorliegenden Romans steht der Architekturstudent Alexander, den nach dem Abschluss seines Studiums seine schöne und erheblich begabtere Kollegin Sonja heiratet. An den Ekstasen der Liebe und der körperlichen Erfüllung hapert es zwar ein wenig, aber dafür gründen Alex und Sonja eine gemeinsame Architekturfirma, arbeiten nahezu rund um die Uhr, beschäftigen zeitweise zwanzig Mitarbeiter und erwerben all die Statussymbole der gutbürgerlichen Gesellschaft.
So weit so langweilig. Wenn da nicht die rätselhafte Iwona wäre, eine absolut unattraktive, ungebildete und lethargische junge Polin, die Alex noch in seiner Junggesellenzeit kennen geleint hatte und zu der er sich auf eine perverse Weise hingezogen fühlt. "Ihr weißes, unberührtes Fleisch hatte etwas Pflanzenhaftes, Vegetatives, die Falten der Haut, die voller Mutermale war und das krause Schamhaar. Ich war fast bewusstlos vor Lust."(S. 58f.)
Aber auch hier kommt Alex nicht zum Ziel, denn "eindringen" darf er nicht. Aber das macht nichts, wenn er nur manchmal in Zeiten der seelischen De"ompression seinen Kopf auf ihren fülligen Muterbusen betten darf. Willkommen ist er stets, denn die junge Polin scheint Alex auf eine für ihn unbekannte, entschiedene und unwiderlegbare Weise zu lieben.
So lebt Alex eine Zeitlang zwei kümmerliche Leben, bis er eines Tages doch noch mit Iwona schläft und sie schwanger wird. Was nun? Sonja wegen Iwona zu verlassen, kommt für Alex nicht in Frage, aber verheimlichen lässt sich nun auch nichts mehr. Aber Alex, der in diesen Passagen des Romans entgültig zu einem ekelhaften Widerling wird, weiß Rat: er überredet Iwona das Kind sofort nach der Geburt für Alex zur Adoption freizugeben, weil es dann in einer optimaleren bürgerlichen Umgebung aufwachsen kann. Merkwürdigerweise ist Sonja, die keine Kinder bekommen kann, einverstanden.
Aber damit ist die Geschichte noch nicht zuende. Iwona verschwindet für Jahre von der Bildfläche, doch die Architekturfirma von Alex und Sonja geht in die Insolvenz. Harte Jahre stehen an, in den Alex fast zum Alkoholiker wird, während Sonja mit aller Kraft versucht, die Firma zu entschulden. Am Ende ist die Firma gerettet, doch die Ehe zerstört. Sonja verläßt ihren Mann (Endlich! denkt der Leser), Alex bleibt zurück und fühlt sich plötzlich sehr leicht und wach, "als sei ich nach einer langen Bewusstlosigkeit endlich wieder zu mir gekommen." (S.284)
Damit endet das Buch und lässt den Leser beunruhigt zurück. Man hat den Roman in einem Rutsch gelesen, kommt mit der Psychologie der Protagonisten nur schwer zu Rande. Jede der Figuren besitzt Ecken und Kanten, deren Gesamtheit einfach keine bündige Form ergibt. Sonja ist begabt, belastbar aber leidenschaftslos, Iwona ist muffig bis in die Spitzen ihres Liebestöters, aber unbeirrbar in ihrer Liebe zum Widerling. Alex ist die mit Abstand unerfreulichste Gestalt des Buches. Während er sich über das gutbürgerliche Gehabe seiner Schwiegereltern nicht genug mokieren kann, lässt er Iwona gegenüber den Oberschichtler heraushängen. Zerfressen von Minderwertigkeitsgefühlen kann er sich weder an Sonja, die ihm weit überlegen ist, noch an Iwona, die ihm zu unterlegen ist, gewöhnen. So verfängt er sich in einem sadomasochistischen Lebensmodell, indem er ein Leben in einem ihm fremden Milieu erträgt, um sich insgeheim an einer wehrlosen Frau zu rächen, die alles für ihn tut, weil sie ihn unrettbar liebt.
Peter Stamm hat die exemplarische Geschichte eines seelischen Autisten geschrieben, der sich am wohlsten fühlt, wenn ihm niemand zu nahe kommt. Obwohl der Protagonist eine durch und durch unsympathische Natur ist, wird es nur wenige geben, die sich in manchen seiner Züge, vor allem dem stupiden Gefühl der Schuldlosigkeit, die er bei all seinen Schandtaten bewahrt, nicht hier und da ein Stück weit wieder erkennen werden. Der vorliegende Roman verfügt im Übermaß über das, was ein gutes Buch unbedingt braucht - eine von der ersten bis zur letzen Seite fesselnde Sprache. Ohne alle poetischen Überhöhungen, Metaphern oder Satzgirlanden gelingt es dem Autor seine Geschichte mit klaren, sehr eindeutigen Sätzen, so zu erzählen, dass sich der Leser sofort mitten in das Geschehen hineinversetzt fühlt. "Du bist, was Du liebst, nicht wer dich liebt", heißt es auf S. 200. Wie gesagt: beunruhigend. Aber unbedingt empfehlenswert.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.03.2010 10:39:45 GMT+01:00
Kurt Hampel meint:
Diese Rezension ist eigentlich eine bessere Inhaltsangabe. Man kann sie nicht vor dem Lesen des Buches zu Rate ziehen, weil sie zuviel vorweg nimmt, aber auch nicht nach dem Lesen des Buches, weil man dann die Handlung schon kennt. Ich wünsche mir etwas mehr Analyse und Interpretation in einer so langen Rezension.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.03.2010 18:18:20 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.03.2010 18:18:42 GMT+01:00
euripides50 meint:
Aye, aye, Captain Hampel

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.08.2012 13:53:27 GMT+02:00
urs wiedemann meint:
blödsinn. ich hab sie danach gelesen und die analyse hat mir gefallen, es ist weit mehr als eine inhaltsangabe.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.08.2012 07:31:41 GMT+02:00
danke Herr Wiedemann, für Leute wie Sie schreiben wir alle
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