Kundenrezension

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges, homogenes, getragenes und überaus entspanntes Album, 29. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Untitled #23 (Audio CD)
Untitled #23 nennt sich das neue Album von The Church in Anlehnung an die Anzahl der vorhergehenden Alben - wobei auch EPs und nicht-reguläre Alben irgendwie mitgezählt wurden. Letztlich ist die genau Anzahl auch nicht so wichtig. Der in meinen Augen etwas einfallslose und unoriginelle Titel steht allerdings im krassen Gegensatz zur musikalischen Qualität des Albums: wir haben es hier nämlich mit einem Werk zu tun, dass die Krönung der späten Schaffensphase dieser Band darstellt und sich zufrieden grinsend neben Meisterwerke wie Priest=Aura und After Everything Now This stellen darf.

Untitled #23 ist ein homogenes, warmes, weiches und vor allem schönes Album, sowohl was das Songwriting als auch den Soundmix angeht. Die Stücke sind wohl z.T. grundverschieden, bilden aber trotzdem einen Guss, der beim Durchhören des Albums kaum aufreißt. Stilistisch stelle man sich vor, man werfe die Alben Priest=Aura, Hologram Of Baal und After Everything Now This in einen Topf, rühre kräftig um, füge eine winzigkleine Prise von Forget Yourself dazu, und dann hat man vielleicht einen Eindruck, was man hier hören wird. Für diejenigen, die diese Alben nicht kennen: Untitled #23 ist ein insgesamt eher langsames, fast schon behäbiges Album, in dem viele Schichten von Gitarren, aber hier und da auch Geigen, Keyboards und ein Mellotron, zusammen finden, wobei stilistisch Anleihen im Psychedelic Rock, Post-Rock, Space-Rock gemacht, gleichzeitig aber auch reguläre Rock- und Pop-Elemente bedient werden. Vergleiche mit anderen Bands sind immer schwierig, aber um bei den ganz großen zu bleiben: man kann an manchen Stellen Radiohead und an anderen Stellen Pink Floyd durch die Lieder schlendern hören.

Neu ist an Untitled #23, im Vergleich zu vorhergehenden Alben, dass in manchen Liedern bewusst mit Tonleiterwechseln gearbeitet wird, die man von The Church in der Form oder auch Menge bisher noch nicht kannte. Aber auch dabei bleibt alles einen Gruss, d.h. diese Wechsel wirken nicht störend. Darüber hinaus wurde wohl auf bisher keinem ihrer Alben so exessiv mit vielschichtigem Gesang gearbeitet. Das alles gibt dem Album an vielen Stellen etwas filmisches: Musik in Breitwand, ganz großes Ohrkino. Zu guter Letzt kann man als Neuigkeit verbuchen, dass Steve Kilbey nie besser gesungen hat. Der Mann lernt und lernt.

Zu den einzelnen Liedern: der Opener "Cobalt Blue" setzt gleich die Marke für das ganze Album: episch, vielschichtig, Tonleiterwechsel bis zum Abwinken und wenn die Geige dazu kommt so schön, dass es fast weh tut. Ein Meilenstein in der Welt der "Opener für ein Album". Weiter zu "Deadman's Hand": haufenweise Gitarren, schön leicht angezerrt, dazu ein leicht angehauchter Gesang - der erste Slow-Motion-Rocker des Albums passt sich nahtlos ein und ist zugleich der erste Radio-freundliche Song. Lied Nummer 3 - zugleich die erste Single des Albums - "Pangaea" ist der erste schwächere Song, bei dem ein relativ einfallsloser Bass durch die Gegend humpelt und die restlichen Instrumente nebeneinander her spielen. Ein netter, getragen-poppiger Song, aber mehr auch nicht. Danach geht's aber gleich großartig weiter: "Happenstance". Hier singt Marty Willson-Piper auch im Vordergrund ein bisschen mit. Wir hören ein wundervolles E-Bow-Solo, wahrscheinlich von Peter Koppes gespielt, ein zurückhaltendes aber treibendes Schlagzeug von Tim Powles und hervorragende Gesangsmelodien. Vielleicht der Church-typischste Song des Albums. Nachfolge-Song "Space Saviour" besteht in seinen knapp 6 Minuten aus den immer gleichen 3 einfachen Akkorden, die anschwellen, abschwellen und dabei von Steve Kilbeys hier schon fast heiser klingendem Gesang vorangetrieben werden. Manche werden diese 6 Minuten als monoton empfinden, und für Church-Kenner wird diese Art von Gesang anfangs Stirnrunzeln verursachen. So hat man Steve nämlich noch nicht singen gehört. Danach kommt mit "On Angel Street" der wohl experimentellste, gleichzeitig aber auch einer der traurigsten und schönsten Songs des Albums. Ein Mellotron spielt das ganze Lied hindurch eine im ersten Moment monoton wirkend Akkordfolge, die jedoch von der äußerst sparsam eingesetzten Gitarren und dem Schlagzeug so wunderbar ergänzt wird, dass man nur von einem absolut gelungenem Experiment sprechen kann. Das Folgelied "Sunken Sun" spielt in der Liga von "Paradox", "Maya" und "Monday Morning" - Lieder, die kitschig-schön sind, und die man oft gerne hört, gelegentlich aber einfach nicht ertragen kann. "Anchorage" ist dann mal wieder ein richtiger Rock-Song - und in meinen Augen in seiner Geradlinigkeit ein weiterer Schwachpunkt des Albums. D.h.: ein guter Rock-Song, mehr aber auch nicht. "Lunar" hingegen schließt zum Opener "Cobalt Blue" auf und bringt das Filmische, Epische wieder in das Album rein. Es ist ein zweigeteiltes Lied, das anfangs eine verhaltene Stimmung aufbaut, die dann in Teil 2 in einen der krachigsten Teile des Albums wechselt (was für dieses Album immer noch moderat krachig ist). Der Schlussong "Operetta" zeichnet sich durch pure Freude und Leichtigkeit aus, ohne dabei in die langweilige Pseudo-Leichtigkeit gängiger Pop-Songs abzudriften. D.h. es ist genau genommen überhaupt kein Pop-Song, sondern eine getragenen Abschieds-Hyme an das Album. Hier ist am ehesten eine Referenz zu Pink Floyd erlaubt, aber mit weniger Pychedelika und mit mehr... vielleicht "Ehrlichkeit". Ein absolut großartiger Abschied von diesem Album.

Noch ein Tipp: mir scheint bei diesem Album noch viel wichtiger als bei vorhergehenden Alben von The Church: mindestens 3 Mal hören. Richtig hören! D.h. hinsetzen und ZUHÖREN. Sonst hat man keine Chance, dieses Album zu verstehen. Ich dachte beim allerersten Hören noch "uh, das ist aber mittelmäßig", aber ich lag völlig falsch!

Und ein weiterer Tipp: das Gesamtbild des Albums wird nochmals ergänzt und abgerundet, wenn man sich die Pangaea-Single besorgt und sich vor allem das dortige Lied "So Love May Find Us" dazu denkt - ein 18-minütiges Epos von unfassbarer Schönheit.
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