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Kundenrezension

40 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unseriös, 17. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Indoeuropäer: Herkunft, Sprache, Kultur (Taschenbuch)
Jenseits der festgestellten Ähnlichkeiten in den sog. indoeuropäischen Sprachen, ist die "indoeuropäische Ursprache" ein sprachwissenschaftliches Konstrukt. Ob es also jemals "die Indoeuropäer" bzw. ein indoeuropäisches Urvolk gegeben hat, das von einer "Urheimat" ausgehend, den Kontinent bevölkerte, ist keinesfalls unumstritten. Insofern ist bereits der Buchtitel unseriös. Anders als vom Autor dargestellt, gibt es neben den verschiedenen Migrationshypothesen nämlich auch autochthone Erklärungsmodelle, die die Sprachverwandtschaften ohne wandernde Urvölker erklären. Aber die hat Haarmann glatt unterschlagen.

Archäologische Kulturen sind ebenfalls Konstrukte, die durch ihre materiellen Hinterlassenschaften definiert sind. Die Verbreitungen spezifischer Fundobjekte markieren z. B. Wirtschafts- und Verkehrsräume, Technikbereiche, bisweilen sogar "Heiratskreise" oder sind Ausdruck bestimmter Sitten und Praktiken. Entsprechend groß ist Bandbreite der Interpretationsmöglichkeiten. Eine "ethnische Interpretation" archäologischer Kulturen ist also nur eine Möglichkeit unter vielen. Ob die Träger einer archäologischen Kultur also die gleiche Sprache sprachen, steht auf einem anderen Blatt. Beispiele dafür, dass sich materielle Kultur und Sprache nicht zur Deckung bringen lassen, liefern sowohl die Völkerkunde als auch die Frühgeschichte zu Genüge. Es ist daher auch nicht gerechtfertigt, archäologische Kulturen vergangener Jahrtausende mit ethnischen Gruppen oder Sprachen zu verknüpfen. Aber auch hierüber liest man bei Haarmann nichts.

Von Forschungsgeschichte, Methodik oder gar methodischen Problemen unbeeindruckt, berücksichtigt Haarmann in seiner Darstellung ausschließlich Migrationsmodelle und reduziert die Diskussion um die Herkunft der "Indoeuropäer" auf zwei Regionen: die südrussische Steppe und Anatolien. Da er Anatolien ausschließen kann, bleibt natürlich nur die südrussische Steppe übrig. Die Vorstellung einer Steppeninvasion aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres geht jedoch nicht auf M. Gimbutas zurück, wie Haarmann schreibt, sondern wurde bereits in den 20er und 30er-Jahren diskutiert - und ist mittlerweile widerlegt. Aber auch das enthält Haarmann dem Leser vor.

Kopfschüttelnd entsorgt Rez. das Buch: Von einem Buch aus der Reihe "Wissen" wäre zu erwarten, dass es dem Leser eine fundierte Einführung in das Thema bietet. Dabei sollte der derzeitige Wissensstand klar umrissen, die verschiedenen Argumente, Thesen und Positionen dargestellt und zugleich auf Problemstellungen hingewiesen werden. Der vorliegende Titel bietet davon jedoch nichts, stattdessen flaniert der Autor nur munter plaudernd durch luftige und waghalsige Hypothesengebäude.

Rez. stellt sich die Frage, wie man beim Verlag C.H. Beck Themen und Autoren für die Reihe "Wissen" auswählt. Eine gründliche Recherche oder auch eine Beratung durch jeweilige Kenner der Materie ist dringend notwendig. Alternativ ist dem Verlag zu raten, neben der bestehenden Reihe "Wissen" doch eine Reihe "Halbwissen" oder "Unwissen" aufzulegen. In der vorliegenden Form wäre der besprochene Titel dort bestens aufgehoben.
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Von 3 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.09.2012 08:15:15 GMT+02:00
A. Vonderach meint:
Diese negative Rezension ist durch nichts gerechtfertigt. Daran, daß es eine gemeinsame indoeuropäische Ursprache gegeben haben muß, gibt es in der Sprachwissenschaft keinen Zweifel. Davon, daß die Theorie der südrussischen Herkunft der Indoeuropäer widerlegt sei, kann keine Rede sein. Natürlich kann man die ethnische Deutung von archäologischen "Kulturen" in Frage stellen, aber daran, daß es sich in irgend einer Form, vor allem wenn es sich um das normale Alltagsinventar handelt, um Vekehrs- und Verwandtschaftsgemeinschaften handelt, ist auch nicht zu bezweifeln. Anthropologische Untersuchungen bestätigen die gute Übereinstimmung von archäologischen Kulturen und anthropologischen Typen. Die in der Archäologie modische Grundsatzkritik an der ethnischen Deutung von archäologischen Funden zum Anlaß für eine derart vernichtende Rezension zu nehmen, ist durch nichts gerechtfertigt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.09.2012 19:50:11 GMT+02:00
Kiza Kazaa meint:
Es gibt keinen Zweifel, dass es eine gemeinsame indoeuropäische Ursprache gegeben haben muss? So ein Unsinn! Die südrussische Herkunft der Indoeuropäer mag vielleicht nicht widerlegt sein. Aber sie als einzig plausibles Erklärungsmodell darzustellen ist auf jeden Fall falsch. Auf diesem Gebiet der Sprachwissenschaft ist kaum etwas sicher. Und genau das darzustellen, sollte die Aufgabe eines Einführungswerkes sein. Wie soll ein Laie oder Neuling auf diesem Gebiet einschätzen können, was stimmt und was nicht? Deshalb MUSS ein Einführungswerk eigentlich alle (oder die allermeisten gängigen) Erklärungsmodell zumindest anreißen und Pro und Kontra vorbringen. Wenn das hier nicht geschieht, ist eine Ein-Sternrezension durchaus angemessen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.11.2012 12:14:23 GMT+01:00
B. Sasse meint:
Sofern das Buch die Kurgan- und die Anatolien-Hypothese anreißt, tut sie genau das. Sie behandelt die beiden gängigsten Theorien, diejenigen, die im wissenschaftlichen Diskurs eine Rolle spielen. Andere Thesen über mitteleuropäische, indische oder balkanische Herkunft werden in der Forschergemeinschaft kaum ernst genommen und sind z.T. (besonders die indische) deutlich nationalistisch gefärbt.
Und ob es bei einem derart komplexen und speziellen Thema wirklich das Ziel eines Einführungswerkes sein muss, den LAIEN in die Lage zu versetzen, die Glaubwürdigkeit der Theorien zu beurteilen... Das kann man auch bezweifeln. Er kann sich auch nur auf die Argumente des Autoren beziehen, die immer höchst subjektiv ausfallen müssen, zumal die Forschergemeinde selbst innerhalb des Mainstream ziemlich zerstritten ist. Die Einführung kann ihn lediglich mit den weitestverbreiteten Theorien bekannt machen, aber für ein halbwegs fundiertes Urteil darüber benötigte er erheblich mehr Hintergrundwissen.
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