Kundenrezension

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Man sollte nicht vorschnell über Menschen in Extremsituationen urteilen, wenn man solche nicht selbst erlebt hat, 1. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ich will doch bloß sterben, Papa: Leben mit einer schizophrenen Tochter (Gebundene Ausgabe)
Das Besondere an dem Buch scheint aus meiner Sicht, dass es so viel in einem ist: natürlich erstmal die fast unglaubliche Krankengeschichte der fünfjährigen Jani, um die sich alles dreht. Dann ist das Buch aber auch das Protokoll der Ratlosigkeit einer Gesellschaft, mit der Schizophrenie eines Kindes umzugehen. Und nicht zuletzt ist das Buch die Geschichte einer Ehekrise, von Eltern, die an den Rand ihrer Belastungsgrenze kommen. Alle der genannten Ebenen haben miteinander zu tun, beeinflussen sich gegenseitig, und durch diese quasi schicksalshafte Verstrickung entsteht eine Art Sog, dem man sich als Leser kaum entziehen kann.

Beginnen wir mit der Krankengeschichte. Die ist wirklich so einzigartig, dass man als Leser und medizinischer Laie irgendwie fassungslos daneben steht. Ich möchte mich daher einer eigenen Interpretation enthalten, und stattdessen eine Szene aus dem Buch schildern, die vielleicht deutlich macht, was Schizophrenie bei einem Kind bedeutet. An einem Abend sitzt Jani mit ihren Eltern beim Fernsehen, während das Baby der Familie schläft. Dann dreht Jani die Lautstärke trotz Protestes der Eltern bis zum Anschlag nach oben, so dass das Baby aufwacht. Als es Susan, die Mutter an sich nimmt, geht Jani auf beide los, bedroht sie, schlägt sie, bis der Vater sie festhalten muss. Er sagt zu ihr: Ich lass dich los, wenn du versprichst, das Baby in Ruhe zu lassen." Jani Antwort: Ich muss ihm weh tun, ich will es." Die Szene zeigt vielleicht, unter welchem psychischen Druck alle Beteiligten stehen, und dass man sich hüten sollte, deren Verhalten zu beurteilen oder gar verurteilen, wenn man nicht selbst in einer ähnlichen Situation ist, oder war.

Denn der Vater und Autor des Buches mag auf manchen Leser stellenweise schon anmaßend und selbstgerecht wirken, scheint (einschließlich der Ärzte) als Einziger zu wissen, was für seine Tochter gut und richtig ist. Aber will man ihn dafür wirklich verurteilen? Denn er liebt ja seine Tochter über alles. Und so ist die auffällig häufige Erwähnung ihres IQ (146), ihrer Begabungen (er nennt sie sogar Genie) vielleicht nicht nur als "elterliche Angeberei" zu verstehen, sondern auch als eine Art Selbstvergewisserung, eine Art eigener Mutmacher, dass seine Tochter eben nicht nur krank, sondern auch etwas ganz Besonderes ist.

Dass die beiden Eltern solche Mutmacher nötig haben, kann man sich wohl vorstellen. Denn natürlich belastet die Schizophrenie des Kindes auch deren Ehe. Dass wird etwa in Szenen wie dieser deutlich: Als Michael, der Vater mit dem Hund spazieren geht, rastet er bei seiner Heimkehr gegenüber Susan, der Mutter völlig aus, als er erfährt, dass diese in der Zwischenzeit Jani in eine psychiatrische Klinik eingeliefert hat. Ja, das Buch ist auch die Geschichte einer Ehekrise. Man spürt, wie unterschiedlich Michael und Susan entsprechend ihres Typs mit der Krankheit ihrer Tochter umgehen, welche unterschiedlichen Vorstellungen von Erziehung sie haben. Die Spannungen zwischen den beiden, die sich schon von Beginn an zeigen, verschärfen sich in dem Maße, als immer mehr deutlich wird, dass die Mediziner nicht die ausreichenden Mittel haben, ihre Tochter "normal" zu machen. Und so ist es daher schon fast erstaunlich, dass die Eltern am Ende des Buches immer noch zusammen sind. (man trennt sich ja heutzutage oft wegen viel weniger) Das Buch endet auch nicht negativ. Auch wenn es kein richtiges "Happy-End" gibt, geben kann, so gibt es doch einen versöhnlichen Ausklang.

FAZIT
Janis Geschichte ist erschütternd und faszinierend gleichermaßen - ebenso wie die Geschichte ihrer Eltern - alle drei bilden ja sozusagen eine Schicksalsgemeinschaft. Man erfährt im Buch über die Kämpfe, die diese Familie durchstehen muss, empfindet Sympathie und Verständnis - obwohl man sich als Unbeteiligter wohl niemals hundertprozentig in so eine Extremsituation reindenken kann.
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