Kundenrezension

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen “They Who Can Give Up Essential Liberty to Obtain a Little Temporary Safety Deserve Neither Liberty Nor Safety”, 29. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Brilliance (The Brilliance Saga Book 1) (Taschenbuch)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Dieses Zitat von Benjamin Franklin kam mir beim Lesen des Romans “Brilliance” von Marcus Sakey schon auf den ersten Seiten in den Sinn, denn wieder mal traf ein mit allen Wassern gewaschener Superagent, der im Dienste der Vereinigten Staaten steht und dessen Abteilung im Namen der nationalen Sicherheit sogar die Grundrechte außer Kraft setzen und Zivilisten, die als Bedrohung eingestuft werden, ohne langes Federlesen töten darf, auf eine jener Schurkinnen, die sich dem Terror verschrieben haben. Es kommt zu einem kurzen, sehr intensiven Kampf, und die Schurkin zieht es vor, sich selbst das Leben zu nehmen, anstatt sich langen Verhören und der Folter, die man im Neusprech nun „enhanced interrogation“ nennt, unterziehen zu lassen.

Wieder einmal? Das stimmt nicht ganz, denn Marcus Sakey hat hier keinen reinen Action-Thriller geschrieben, in dem es um den Kampf einer hochprofessionellen Gruppe von Regierungsbeamten gegen abgefeimte und gewissenlose Terroristen geht und in dem dem Leser neben seiner alltäglichen Dosis Hochspannung gleichzeitig noch das nötige Quentchen unkritischer Bejahung der Exekutivgewalt eingespritzt wird, das sich gerade die US-Regierung jetzt wünschen dürfte. Der Held Nick Cooper ist keine jener anzug- und staatstragenden Hochglanz-CSI-Figuren, die mit ihrem arroganten Perfektionskult und Kadavergehorsam sowie ihrem zu fadem Zynismus zusammengeschrumpelten Mutterwitz hüben und drüben des Atlantiks die Mattscheiben unsicher machen und den gesunden Menschenverstand des Zuschauers verklumpen. Statt dessen gibt uns Sakey einen menschlichen Helden, der so etwas wie ein Gewissen hat und mit dem wir uns durch den Dschungel von Lüge und Intrige kämpfen müssen, bis am Ende … aber davon schweigen wir.

Sakey beschreibt uns eine Welt, in die seit den 80er Jahren immer mehr sogenannte „brilliants“ geboren worden sind, d.h. Menschen, die eine besondere Gabe haben – ähnlich den Savants –, ohne daß sie allerdings in anderen Bereichen dafür eingeschränkt wären. Auch Nick Cooper ist einer dieser besonderen Menschen, versteht er es doch, anhand der Gestik und Mimik seines Gegenübers dessen nachfolgende Reaktionen und Handlungen blitzschnell vorauszusehen und sein eigenes Verhalten darauf einzustellen, was ihn im Nahkampf nahezu unbesiegbar werden läßt. Nachdem ein anderer dieser „brilliants“, Erik Epstein, seine Gabe, in scheinbar zusammenhangslosem Datenmaterial Muster zu erkennen, dafür ausgenutzt hat, 300 Milliarden Dollar an der Börse zu gewinnen, und nebenbei das internationale Finanzsystem lahmlegte, werden die „brilliants“ zunehmend als eine Bedrohung für die „normalen“ Menschen angesehen und überwacht. So werden junge „brilliants“ im Alter von 9 Jahren ihren Familien entrissen und in speziellen Schulen ausgebildet, die unter anderem durch ein perfides Erziehungssystem das Ziel verfolgen, in diesen heranwachsenden Begabten ein unüberwindliches Mißtrauen gegen alle anderen Begabten einzupflanzen. Diese staatlichen Zwangsmaßnahmen rufen den Widerstand besonders eines begabten Aktivisten namens John Smith hervor, der sich schließlich dem Terrorismus verschreibt und in einem Restaurant über siebzig Menschen, darunter auch Kinder, umbringt. Als Reaktion hierauf wird die DAR gegründet, der Nick Cooper angehört und die das Ziel verfolgt, die Gesellschaft vor terroristischen Machenschaften der „brilliants“ zu bewahren.

Dies also ist der leicht dystopische Hintergrund, vor dem sich die Handlung von „Brilliance“ abspielt und in deren Verlauf sich Nick Cooper auf ein gewagtes Spiel einläßt, um an den Terrorpaten John Smith heranzukommen. Dies tut er nicht nur, weil er davon überzeugt ist, daß die Sicherheit und der innere Frieden seines Landes von seiner Aktion abhängt, sondern vor allem auch, weil er auf diese Weise seinen Chef, Drew Peters, dazu bewegen möchte, seinen Einfluß geltend zu machen, um seiner vierjährigen Tochter, die starke Anzeichen von Begabung zeigt, den Test und den Eintritt in eine der staatlichen Zwangsschulen zu ersparen.

Sakey schafft es, einen durchgehend hochspannenden Roman zu schreiben, der vor allen Dingen auf den letzten hundert Seiten nochmals richtig an Fahrt aufnimmt und der den Leser nicht nur durch Coopers Suche nach Smith, sondern auch durch Coopers Streben nach der Wahrheit fesselt. Diese Wahrheit scheint – das wird schnell klar – weder eindeutig auf der einen noch auf der anderen Seite zu liegen. So gelingt es dem Autor, einerseits die Befürchtungen und Ängste der „Normalen“ dem Leser verständlich zu machen, doch sobald er die staatlichen Maßnahmen beschreibt, die in diesem Gefühl der Bedrohung ergriffen werden, verschieben sich die Sympathien des Lesers, und es dauert sehr lange, bis er – gleich dem Protagonisten, der für seine Überzeugung mehrfach getötet hat – seine Position eindeutig definiert. Wenngleich sich natürlich sehr leicht aktuelle Bezüge herstellen lassen, beschwört Sakey in seiner Geschichte ein völlig fiktives Szenario herauf, das indes nicht einer gewissen Stimmigkeit entbehrt und – zumindest für mich – sehr originell ist. Auch die Darstellung der sozialen Weiterungen, die sich aus der Existenz der „brilliants“ ergeben, geschieht mit einem Blick für die Realität und ohne den Fluß der Erzählung aufzuhalten. Hinzu kommt, daß Sakey nicht nur erzählen, sondern auch sehr gut und originell schreiben kann, und ich finde, daß eine Kombination dieser beiden Fähigkeiten in der heutigen Zeit – wo ein Buch meist entweder hohe Literatur oder narrative, aber platt geschriebene Unterhaltung ist – selten geworden ist.

„Brilliance“ scheint – wie aus dem finalen „End of Book One“ hervorgeht – der erste Teil einer Reihe zu sein, doch braucht sich der Leser nicht zu sorgen, denn das Buch ist in sich abgeschlossen. In der Hoffnung, daß die Folgebücher genau so spannend und interessant werden wie der erste Teil, werde ich diesen Autor definitiv im Auge behalten.
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Tristram Shandy
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