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4.0 von 5 Sternen Innenansichten des Autors, 19. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Zwischen Lüge und Ironie: Vier Lesarten zwischen Klassik und Comic (Gebundene Ausgabe)
Kontinuität in der Gedankenwelt eines Autors hat für den Leser den Vorteil, dass er sich in neuen fiktionalen Welten schnell zu Hause fühlt. Eco nutzt dieses Prinzip in praktisch allen seinen Texten und Büchern, und deshalb bleiben diese erträglich, trotzdem sie an die Grenze gehen, was Komplexität und kulturelle Bezüge in ihnen angeht. Einen weiteren kleinen Ausflug in die Welt Ecos gibt dieser Band mit vier Texten, geschrieben zwischen 1989 und 1991, die erst einmal nicht für ein Buch gedacht worden waren, sondern für eine Ringvorlesung, einen Kongress, eine Buchmesse und dann immerhin für das Vorwort eines anderen Buches. So wirken diese vier Texte von der Form her als zufällig zusammengestellt. Vom Inhalt her teilen sie insofern ein Thema, als das es in jedem der Texte um den Zusammenhang von Sprache und Wirklichkeit, also von Schein und Sein geht. Und da lernen wir nicht nur etwas über ein paar große Vorgänger des Autors Eco, sondern auch über dessen Bücher selbst.

So geht es bei einem Text über Manzoni und sein Buch "Die Verlobten" um die Möglichkeit, mit Sprache Dinge zu verbergen, was in letzter Konsequenz dann bis zu einer Massenhysterie führen kann - wobei man natürlich an Ecos letzten Roman "Der Friedhof in Prag" denken muss. Ähnliches erfährt man im Text über die Grafen Cagliostro und Saint-Germain, die mit ihrem Auftreten - jeder auf seine Weise - einen Mythos schaffen, der erst durch fleißiges Selbstzitat ein eigenständiges Leben erhält, ein Prozess, der nicht zuletzt in "Das Foucaultsche Pendel" eine wichtige Rolle spielt. Den Text über den Humoristen Campanile kann man dagegen nicht ganz so einfach einem der Romane von Eco zuordnen, zumahl sich dessen schräger Humor in mehreren Büchern finden mag. Dafür erkennt man in dem Aufsatz über Hugo Pratt sehr gut Motive aus "Die Insel des vorherigen Tages" wieder.

Die Texte kranken etwas daran, dass sie beim Leser Kenntnis der besprochenen Autoren voraussetzen. Nur bei Campanile gibt es ausreichend Zitate aus dem Werk, um den Autor wirklich von sich aus schätzen zu lernen. Aber so ist halt Eco, er schreibt (und spricht) immer mal wieder nur für Seinesgleichen. Aber dafür bekommt man trotz der scheinbar so zufälligen Zusammenstellung, dieser Zweitverwertung von schon Gesagtem, durchaus einen Einblick, wie Eco als Autor arbeitet, was so vorgeht in seinem Kopf beim Schreiben. Vielleicht noch eher als in anderen Büchern, in denen sich Eco offiziell zu seinen Werken äußert. Kein Autor nach Homer kann halt ohne seine Vorbilder er selbst sein.
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