Kundenrezension

57 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes "Immer-drauf"-Objektiv, aber nicht für wirklich anspruchsvolle Fotografen, 4. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Nikon AF-S DX Nikkor 18-200mm 1:3,5-5,6 G ED VR II Objektiv (72 mm Filtergewinde, bildstab.) (Camera)
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Eine kurze Anmerkung vorab: ich werde in meiner Rezension nicht mehr als unbedingt notwendig auf die technischen Spezifikationen des Objektives eingehen, weil ich davon ausgehe, dass jeder selbst in der Lage ist, ein Datenblatt zu lesen.
Es geht hier um ein sogenanntes Superzoom-Objektiv der Baureihe G für Nikons digitale Spiegelreflexkameras mit DX-Sensor (APS-C-Format), die über eine kamerainterne Ansteuerung der Blendeneinstellung verfügen, da das Objektiv keinen eigenen Blendenring aufweist.
Die absoluten Brennweitenwerte 18-200 mm sind bei einem Umrechungsfaktor (neudeutsch: "Crop-Faktor") von 1:1,5 als optische Brennweitenwerte von 27-300 mm im Kleinbildformat anzusehen. An Kameras mit einem Sensor in Kleinbildformat (sogenanntes Vollformat, bei Nikon als FX-Format bezeichnet) lassen sich speziell für das DX-Format entwickelte Objektive nicht sinnvoll einsetzen.
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Für ein Objektiv mit einem 11fachem Zoomfaktor ist das 18-200 mm VR leicht und in eingefahrenem Zustand auch klein. Dies dürfte auch das Hauptargument derjenigen sein, die es verwenden: ein kompaktes Immer-drauf-Objektiv, wenn man ohne großes Fotogepäck reisen will.

Das 18-200 mm VR verfügt im Gegensatz zu den Kit-Objektiven 18-55 mm VR, 18-105 mm VR und 55-200 mm VR von Nikon über einen Bajonettring aus Metall statt aus Plastik. Am 18-200 mm VR ist insgesamt sehr viel Kunststoff verbaut. Die Material- und Verarbeitungsqualität sowie die Passgenauigkeit der beweglichen Teile ist insgesamt in Ordnung.

Ein Manko ist die "Kriechneigung" des Zoomrings, d. h., das selbsttätige Einschieben bzw. Ausfahren des Tubus bei nach oben bzw. unten weisender Frontlinse, wenn das Objektiv nicht in bis in die Anfangsbrennweite eingefahren oder bis in die Endbrennweite ausgefahren wurde. Die Verriegelung, mit der dieses Kriechen (neudeutsch: "Zoom Creep") verhindert werden soll, lässt sich nur in der Ausgangsbrennweite von 18 mm einlegen. Zwar verhindert dieser Riegel, dass sich der Tubus bewegt, doch beim Vorgänger rührte sich die Linse in der 18-mm-Einstellung ebenfalls nicht. Eine Mechanik, die der Kriechneigung zwischen 19 und 199 mm zuverlässig entgegenwirkt und mechanisch engere Toleranzen aufweist, wäre hier besser gewesen als ein primitiver Schieber, mit dem sich die Linse nur in einer Position verriegeln lässt, in der sie auch beim Vorgänger ohnehin nicht zum Zoom Creep neigte. Insgesamt sieht dieses Detail daher aus wie eine Lösung auf der Suche nach einem Problem.

Der eingebaute Silent Wave-Autofokus arbeitet schnell und zuverlässig. Kritik verdient der Ring zum manuellen Fokussieren, denn er ist zu schmal, zu leichtgängig und ohne taktile Rückmeldung beim Einstellen. Zudem rutscht der Ring beim Erreichen der kleinsten bzw. unendlichen Entfernung einfach durch statt am Anschlag zu stoppen. Nikon sollte bedenken, dass es auch heutzutage noch viele Fotografen gibt, die die Schärfe punktgenau von Hand einstellen möchten. Solche Details kann man besser lösen, auch zu dem Preis.

Die Abbildungsleistung kann im großen und ganzen überzeugen, zumindest im Bereich zwischen 24 und 160 mm. Schärfe und Farbwiedergabe sind durchweg als gut zu bezeichnen, zumindest an Nikons 12-Megapixel-DSLR D5000, D90 und D300s, an denen ich das Objektiv testen konnte.
Im Weitwinkelbereich zeigen sich zwischen 18 und 24 mm allerdings sichtbare Tonnenverwölbungen, zudem treten wahrnehmbare Vignettierungen auf.
- Ab 160 mm verzeichnet das Objektiv recht deutlich kissenförmig.
- Chromatische Aberrationen (Farbfehler) treten zwar in allen Brennweitenbereichen auf, sind aber nicht sehr ausgeprägt.
- Mit Hilfe der Nikon-Software Capture NX 2 lassen sich alle vorbenannten Fehler korrigieren.
- Erstaunlich gering sind die Probleme, mit denen man mit dem 18-200 mm VR beim Fotografieren in Gegenlichtsituationen konfrontiert sieht: sogen. Blendenflecke (neudeutsch: "Lens Flares") treten nur auf, wenn man direkt in die Lichtquelle hinein fotografiert.
- Natürlich empfiehlt sich der Einsatz der mitgelieferten Gegenlichtblende. Allerdings sollte man aufpassen: fotografiert man mit dem aufgeklapptem Einbaublitz der Kamera, so wirft die aufgesetzte Gegenlichtblende einen unschönen Schlagschatten ins Bild.
- Fotografieren mit vollständig geöffneter oder zu weit geschlossener Blende (sogen. Beugungsfehler ab Blende 16) führt dagegen zu Qualitätsminderungen in der Abbildung; hier bestehen leider keine einfachen Korrekturmöglichkeiten mittels Software.

Für ein Superzoom weist das 18-200 mm VR eine gute Optik auf, doch es gibt einige Einschränkungen gegenüber Objektiven mit geringerem Zoombereich, von Festbrennweiten gar nicht erst zu reden. Ein gutes Allround-Objektiv ist nie in irgendeiner Einzeldisziplin echte Spitzenklasse; es ist immer ein Kompromiss:
- Als 18-24 mm-Weitwinkel ist es nicht überzeugend, weil es viel zu kräftig verzeichnet und vignettiert.
- Als 30-35 mm-Standardobjektiv ist es viel zu lichtschwach.
- Für eine 60-90 mm-Portraitlinse hat es weder ein schönes Bokeh noch die notwendige Lichtstärke, um mit vollständig geöffneter Blende eine Person perfekt vom Hintergrund freizustellen.
- Als mittleres bis langes Tele weist es eindeutig zu wenig Lichtstärke und zu viel Verzeichnung auf.
- Für den Einsatz in der Makrofotografie ist es nicht zu gebrauchen.
- Zudem ist die Lichtstärke mit 1:3,5 bei 18 mm, 1:4 ab 24 mm, 1:4,5 ab 40 mm, 1:5,3 ab 90 mm und 1:5,6 ab 135 mm recht niedrig, was man durch eine Erhöhung der ISO-Werte kompensieren muss.

Wenig Anlaß zur Kritik bietet dagegen der bei Nikon immer in die Objektive (= nicht in die Kameragehäuse) eingebaute und manuell ein- und ausschaltbare Verwackelungsschutz VR II. Verfügt der Fotograf über eine ruhige Hand, so sind Freihandaufnahmen selbst bei einer 1/15 Sekunde im leichten Telebereich (bis 50 mm) durchaus möglich, 1/30 Sek. bis ca. 100 mm und selbst mit 1/60 Sek. sind schon verwackelungsfreie Aufnahmen bei 200 mm Brennweite aus der Hand gelungen. Beim Fotografieren vom Stativ empfiehlt Nikon übrigens, den Verwackelungsschutz auszuschalten.

Das 18-200 mm VR ist also ein Allround-und Reise-Objektiv für Fotografen, die sich unterwegs nicht mit einer Vielzahl von Objektiven belasten möchten. Es bietet eine insgesamt gute Abbildungsleistung mit Schwächen am Anfang und Ende des Brennweitenbereiches. Nikon ist der Kompromiss im Bereich der Optik recht gut gelungen, dies ist mir durchaus 4 Sterne wert. Die kleinen Makel in der Material- und Verarbeitungsqualität sowie der schlechte manuelle Fokussierring führen zu einer Abwertung auf insgesamt 3,5 Sterne, was aber korrekt gerundet zu einer Bewertung mit 4 Sternen führt.
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Kommentare


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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.01.2012 00:26:05 GMT+01:00
dm-s meint:
Das Zoom-Creep Problem oder selbständiger ausfahren von Objektiv lässt sich elegant beheben mit z.B.:
http://www.pbase.com/regcoulterphotography/nikon_18200_fix
oder komplizierter, aber bomben sicher:
http://www.nikon-fotografie.de/vbulletin/nf-f-service-ecke/172486-zoom-creep-bremse-am-af-s-dx-18-200-vr-ii.html

Mfg
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