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Kundenrezension

40 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der niederländische FRANZEN? Wohl doch nicht…, 23. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Zu meinen Leseerlebnissen der letzten Jahre gehören die Romane J. Franzens, insbesondere „Die Korrekturen“. Da habe ich natürlich aufgehorcht, als jetzt „Bonita Avenue“ als niederländische oder gar europäische „Antwort auf Franzen“ angepriesen wurde. Immer her damit!

Diesen Vergleich im Kopf, gestaltete sich die Lektüre dann aber eher enttäuschend. Vom subtilen Realismus Franzens, seiner eindringlichen psychologischen Introspektion und seiner Kraft der literarischen Gesellschaftsanalyse finde ich hier wenig. Der Grundkonflikt zwischen den Generationen ist bei Buwalda übermäßig krass inszeniert.

Der Mathematikprofessor Siem Sigerius hat einen Sohn aus seiner ersten Ehe mit einer Alkoholikerin, der als Hammer-Mörder länger im Gefängnis war, eine perverse, krankhafte, rundum böse Gestalt wie aus einem Horrorroman. Und er hat eine liebreizende Stieftochter namens Joni (von einem coolen Rockmusiker im Gedanken an Joni Mitchell gezeugt), die heimlich viel Geld in der Pornobranche verdient. Wie der Herr Professor das merkt? Er hat seit Jahrzehnten keinen Verkehr mehr mit seiner fettleibigen Gattin (deren Körper er einmal mit dem „noch warmen Kadaver eines Nashorns“ vergleicht) und legt ersatzweise Hand an vorm Internet. Beim Blick auf das Erotikangebot durchfährt es ihn: Hoppla, ist das nicht Joni? (bisschen arg banal, diese Konfliktführung, finde ich…)

Bei seinen Nachforschungen zieht er sich Töchterchens reizende Unterwäsche an und beginnt schon wieder, an sich rumzuspielen. Wird erwischt und springt flüchtend durch eine geschlossene Glastür: Scheibe kaputt. Trotzdem wird er noch zum Wissenschaftsminister ernannt. Kurz darauf bekommt er gemeine Drohbriefe, wird erpresst – jemand hat die Sache mit der Tochter spitzgekriegt.

Mit dem bekloppten, kürzlich aus dem Gefängnis entlassenen Sohn Wilbert kommt es schließlich zum Showdown im Badezimmer. Der Junge prügelt auf den Erzeuger mit einem Nunchaku ein, als der gerade nackt in der Dusche steht (Patchwork-Problematik). Der Professor ist jedoch zugleich holländischer Meister im Judo und gibt dem missratenen Sprößling ordentlich auf die dumme Fresse. Wenn der Vater mit dem Sohne! Lässt den Ellenbogen des Bösewichts unter Höllenschmerzen zerkrachen, was ausgiebig beschrieben wird, lässt den Verletzten später im Schnee erfrieren, zersägt den Burschen zu guter Letzt mit Muttis Kreissäge, wobei ihm die Fleischfetzen nur so ins Gesicht spritzen…

Irgendwie weiß Sigerius aber nicht, wohin mit den Resten Wilberts, fährt dann nach Südfrankreich und erhängt sich auf Jonis edler Yacht. Die junge Frau findet ihn dort später in halbverwestem Zustand. Der Freund, mit dem sie die Pornofilme gedreht hat, wird unterdessen zum RTL-2-Messie, versinkt in komplettem Wahn. Zwischendrin geht in Enschede die Feuerwerksfabrik hoch. Dieser ganze Roman ähnelt einer Feuerwerksfabrik, die der Autor vorsätzlich mit möglichst viel literarischem „Sprengstoff“ vollgestopft hat… Zündschnur an, und nichts wie weg...

Was solche Effektknallerei mit Franzen zu tun haben soll? Ich weiß es auch nicht, abgesehen davon, dass hier ebenfalls von einer „Familie“ die Rede ist. Hätte ich das Buch gelesen, ohne den hohen Maßstab anzulegen, hätte ich es vielleicht als halbwegs spannenden Thriller genießen können. So habe ich doch eher den Kopf geschüttelt.

Handwerklich ist der Roman gediegen. Es wird wechselnd erzählt aus drei Perspektiven. Gelegentlich fallen starke Metaphern und knallige Sprachbilder auf. Wenn eine Figur aufgeregt oder euphorisiert ist, wird das Basiswissen Biologie ausgepackt, und es heißt in zeitgemäßer Gespreiztheit: „Irgendwo in seinem Innern ging ein Adrenalinsprinkler an.“

Es gibt ein schönes Bild für die böse Natur, die am Ende das austarierte Lebensmodell des Mathematikers Sigerius mittels Genetik (der Wilbert-Effekt) zunichte macht: „Die Natur ist ein wildgewordener Termitenbau, in dem die Schnauze eines Ameisenbären steckt.“ Mein Lieblingssatz aber ist dieser: „Und auch wenn die Möglichkeit bestand, dass der Schnee rechtzeitig schmolz, der Schuft schmolz nicht.“ Dafür gibt’s einen Extrastern.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 28.02.2013 17:45:26 GMT+01:00
Felix Richter meint:
Ich habe Ihre Rezension mit einigem Vergügen gelesen, auch wenn ich schließlich zu einem völlig anderen Urteil gekommen bin. Es geht ja fast nichts über einen schönen Verriß.

Aber - was kann der arme Herr Buwalda dafür, dass ihn alle Welt mit Franzen vergleicht? Deshalb find ich zwei Sterne nicht ganz fair, ebenso wie die viel zu detaillierte Verspoilerung. Deswegen hatte ich die Lektüre Ihrer Rezension erst mal nach dem zweiten Absatz abgebrochen und auf heute vertagt, um das Buch unbelastet von zu viel Vorkenntnissen genießen zu können.

Veröffentlicht am 01.04.2013 10:33:20 GMT+02:00
Gudrun meint:
Schade, dass soviel von der Handlung verraten wird. Muss das sein? - Ich war gespannt auf das Buch und weiß nun nicht, ob ich es noch lesen will. Sehr ärgerlich, denn meine Tochter hatte es mir empfohlen.

Veröffentlicht am 01.04.2013 15:44:04 GMT+02:00
Claire Grube meint:
Huch, ich glaube, ich habe ein ganz anderes Buch gelesen - aber sehr kurzweilig formuliert!

Veröffentlicht am 16.04.2013 20:36:34 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.04.2013 20:37:56 GMT+02:00
B. Noll meint:
Ich habe bisher nichts von Franzen gelesen, kann daher auch keinen Vergleich anstellen. Ich habe Bonita Avenue heute ausgelesen. Ich war völlig enttäuscht, weil ich trotz mancher Länge bis zum Ende durchgehalten und auf einen lohnenden Abschluss der Geschichte gehofft hatte. Beim Lesen der Wenig-Sterne-Rezensionen (auch ich würde keinesfalls mehr als 2-3 vergeben!), fällt Ihre wohltuend auf: Sie spricht mir aus der Seele!!! Die Story wurde immer verstrickter und unrealistischer. Das Zerstückeln der Leiche am Ende war die Krönung! Was nützt der literarische Flair, wenn die Handlung so ganz und gar an den Haaren herbeigezogen scheint?

Veröffentlicht am 03.12.2013 10:34:33 GMT+01:00
wandablue meint:
In dieser Rezension werden alle Überraschungen, die auf den Leser warten, bereits ausgepackt. Das ist m.E. unzulässig, zerstört jeden Reiz, dieses Buch lesen zu wollen. Um ein Bild zu gebrauchen: Der Rezensent packt die Geschenke aus, die dem Leser gehören sollten.
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